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Georg Schwinning: Kommunikation, Führung und Zusammenarbeit in Unternehmen

Cover Georg Schwinning: Kommunikation, Führung und Zusammenarbeit in Unternehmen. Wahre Situationen und handfeste Lösungen. Haufe (Freiburg) 2016. 186 Seiten. ISBN 978-3-648-08051-1. D: 29,95 EUR, A: 30,80 EUR.
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Thema

Welche Fähigkeiten und Kompetenzen benötigen Leitungskräfte und wie kann es ihnen gelingen, besonders schwierige und heikle Situationen im beruflichen Alltag zu meistern? Welche Rolle spielt dabei verbale und nonverbale Kommunikation?

Das Buch zeigt mittels humoristisch geschilderter Situationen aus dem Berufsalltag des Autors (genannt Storytelling), sowie theoretischen Bezügen, leicht anwendbare Handlungsmöglichkeiten für erfahrene und angehende Führungskräfte auf. Gerade im Hinblick auf die heiß diskutierte Debatte des Fachkräftemangels sind Führungskräfte mit adäquaten Kompetenzen wichtiger und gefragter denn je. Georg Schwinning greift damit eine Thematik auf, die gesellschaftlich immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Autor

Georg Schwinning hat langjährige, internationale Berufserfahrung in leitenden Positionen. Er kann auf ein breitgefächertes Erfahrungsspektrum in Sachen Führungskompetenzen zurückgreifen, welches er durch eine Vielzahl an Aus- und Weiterbildungen rund um die Themenkomplexe „Management, Führung und Moderation“ erworben hat. An der Universität Bielefeld erreichte er im Jahr 2005 außerdem einen Abschluss als „Geprüfter Coach und Moderator“.

Seit 2011 arbeitet Georg Schwinning als selbstständiger Unternehmer und hält Seminare für Führungskräfte und Organisationen u.a. zu den Themen Konfliktmanagement, Organisations- und Personalentwicklung, interkulturelles Kommunikationsverhalten, Moderation sowie Führungs- und Managementtrainings.

Entstehungshintergrund

Einige der Teilnehmenden aus den Seminaren, die Herr Schwinning hält, erkundigten sich etliche Male bei ihm, ob es ein Buch gäbe, in dem all seine zum Teil autobiographischen Geschichten, die er zur Unterstützung des theoretischen Inputs in seinen Seminarsitzungen erzählt, nachzulesen sind. Diese Nachfragen veranlassten ihn zum Verfassen dieses Buches.

Aufbau und Einführung

Neben der Einführung ist das Buch in drei Kapitel gegliedert.

Eingangs beschreibt der Autor seinen eigenen beruflichen Werdegang und geht hierbei insbesondere auf die Rollenveränderung ein, die er durchleben musste, als er vom Mitarbeiter zum Teamchef und danach zur Führungskraft mit internationaler Verantwortung aufstieg. Er schildert die Herausforderungen, die ihm dabei begegneten und was ihm half, mit diesen umzugehen. Zum Ende der Einführung geht er auf die Entstehungsgeschichte seines Buches näher ein.

Zu 1. Kommunikation

Das erste Kapitel zum Thema Kommunikation ist in vier Unterkapitel gegliedert.

Zunächst werden theoretische Voraussetzungen erläutert, die zur Schaffung einer vertrauten, angenehmen Gesprächsatmosphäre essentiell sind. Dieses Herbeiführen einer harmonischen Kommunikationsumgebung, in der sich der/die Gesprächspartner/in öffnet, wird vom Autor als Rapport tituliert. Als Wirkfaktoren der Kommunikation benennt er die Körpersprache, die Lautstärke der Stimme sowie den Tonfall und den Augenkontakt und verweist hierbei auf Studien von Albert Mehrabian. Des Weiteren macht er auf die Bedeutsamkeit des ersten Eindrucks aufmerksam, den wir bei einer fremden Person hinterlassen. Dieser sei entscheidend für die gegenseitige Urteilsbildung. Ist der eigene Ruf beispielsweise durch einen nicht geglückten ersten Eindruck oder das Verbreiten eines Gerüchts erst einmal negativ behaftet, sei dieser nur äußerst schwer wiederherzustellen. Überdies zeigt er auf, wie Stereotype unser Denken und Handeln beeinflussen und nennt in diesem Zusammenhang den Halo-Effekt. Im letzten Unterkapitel zählt er die Vor- und Nachteile der immer häufiger vorkommenden, elektronischen Kommunikation auf. Er bezieht sich hierbei auf E-Mails als Kommunikationsmittel und gibt praxisorientierte Tipps zum Umgang mit überfüllten Posteingängen.

Zu 2. Führung

Das zweite und gleichzeitig umfangreichste Kapitel befasst sich mit der Thematik Führung. Die nachfolgenden Absätze sind, nach im Buch aufkommenden Fragen, gegliedert.

  • Was ist in den ersten 100 Tagen als neue Führungskraft im Umgang mit den Mitarbeitenden zu beachten? Neben dem Festlegen klarer Zielsetzungen sollte die Leitungsperson eine Antrittsrede vor dem neuen Team halten, Einzelgespräche mit jedem Mitarbeitenden führen sowie Kontakt zu Stakeholdern suchen. Nach den 100 Tagen sei es ratsam, sich eine konstruktive Rückmeldung über die bisherige Arbeit von allen Teammitgliedern geben zu lassen.
  • Wie sieht ein geeigneter, auf die Mitarbeitenden abgestimmter Führungsstil aus? Dazu beschreibt und erklärt er das Reifegradmodell nach Hersey und Blanchard und untermauert es mit Bespielen aus der Praxis. Demnach werden Mitarbeitende verschiedenen Reifegraden zugeordnet:
    1. Wenig Motivation, geringe Fähigkeiten,
    2. Hohe Motivation, geringe Fähigkeiten,
    3. Geringe Motivation, hohe Fähigkeiten und
    4. Hohe Motivation, hohe Fähigkeiten.
  • Welche Gefahren birgt das Mikromanagement? Diese Frage beantwortet er fast ausschließlich durch Schilderungen von persönlichen Erlebnissen mit Vorgesetzten, die Mikromanagement betrieben haben, die alle Aufgaben bis ins kleinste Detail selbst organisieren und umsetzen mussten, ohne sich auf die Fähigkeiten ihrer Mitarbeitenden verlassen zu wollen.
  • Was sind Vor- und Nachteile sowie Chancen und Risiken von Delegation? Wie delegiert eine Führungsperson „richtig“? Georg Schwinning gibt eine Struktur vor, die seiner Meinung nach darin unterstützen kann, Aufgaben sinnvoll an Mitarbeitende abzugeben. Dabei soll sich die Führungskraft an die sechs W-Fragen halten: Was? Wer? Wie? Womit? Wann? Warum?
  • Welcher Voraussetzungen bedarf es, um seine Mitarbeitenden wirkungsvoll zu motivieren? Zunächst schildert der Autor hier ein gegenteiliges Beispiel, nämlich wie Motivation einer Mitarbeiterin misslungen ist, bevor er zentrale Motivationsfaktoren für die Mitarbeitenden, wie u.a. ernstgemeintes Lob, Anerkennung, Mitwirkungsmöglichkeiten, entsprechende Entlohnung sowie ein durch Kollegialität geprägter Arbeitsbereich, aufzählt.
  • Wie kann ein kritisches Mitarbeitergespräch durchgeführt werden? Für Schwinning gehört konstruktives Feedback zu einer der wichtigsten Führungsaufgaben und gibt Handlungsempfehlungen in welcher Art, in welchem Umfang und in welchen zeitlichen Abständen Feedbackgespräche mit den Mitarbeitenden ratsam sind.
  • Was ist bei einem Konfliktgespräch zu beachten, damit dieses auf der Sachebene stattfindet und nicht auf die persönliche Ebene entgleitet? Hierzu spricht er die Empfehlung aus, das Gespräch anhand von fünf Phasen zu strukturieren:
    1. Vorbereitung;
    2. Einstieg in das Gespräch;
    3. Klärungsphase;
    4. Lösungsideen sammeln;
    5. Abschluss.
  • Wie kann ein Vorgesetzter sein Team auf tiefgreifende Veränderungen innerhalb der Organisationsstruktur vorbereiten und in den Veränderungsprozess integrieren? Dazu erläutert er die Methode „Vier Zimmer der Veränderung“.

Zu 3. Zusammenarbeit

Den Abschluss bildet das Kapitel Zusammenarbeit. Unter Bezugnahme auf das Teamphasenmodell von Bruce Tuckman, widmet sich Schwinning der Zusammenarbeit und den Dynamiken innerhalb eines Arbeitsteams und nennt Möglichkeiten, wie Teamarbeit gestärkt werden kann. Daran anknüpfend gibt er Vorschläge wie die Effektivität von Besprechungen gesteigert werden kann, beispielsweise durch einen im Vorfeld festgelegten, zeitlichen Rahmen, einem geeigneten Meetingort und einer möglichst geringen Anzahl an Teilnehmenden.

Davon ausgehend, dass die internationale Zusammenarbeit in Organisationen wachsen wird, wirbt der Autor im vorletzten Unterkapitel für eine interkulturelle Sensibilisierung. Darunter fasst er das Vertraut machen mit den Sitten und Gebräuchen des jeweiligen Landes und befürwortet einen toleranten, offenen Umgang mit den Geschäftspartnern/innen aus anderen Ländern. Für eine gelingende Kooperationsarbeit mit internationalen Organisationen sei es darüber hinaus von essentieller Bedeutung sich die eigenen Kulturstandards bewusst zu machen.

Den Fokus im letzten Unterkapitel legt er auf die internationale nonverbale Kommunikation. Georg Schwimming erläutert anhand von Beispielen verschiedene Zeichen sowie Gestik und Mimik und geht auf deren differente Bedeutungen in einzelnen Staaten ein.

Nach dem letzten Kapitel folgt eine Kurzbiographie über den Autor sowie ein Stichwortverzeichnis.

Diskussion und Fazit

Georg Schwinning gibt in seinem Buch praxisorientierte Tipps, sowohl für erfahrene Führungskräfte, als auch für diejenigen, die erst eine Karriere als Leitungskräfte anstreben. Er achtet auf eine klare, nachvollziehbare und aufeinander aufbauende Kapitelgliederung und zieht immer wieder Bezüge zwischen den Kapiteln. Besonders positiv erachte ich die tabellarischen Zusammenfassungen und graphischen Darstellungen, die am Ende eines jeden Unterkapitels gegeben werden. Diese ermöglichen die zentralen Kernaussagen in Kürze nachzulesen. Durch die Verwendung eines teils alltagssprachlichen Schreibstils, die Vermeidung komplizierter Satzstellungen sowie eine verständliche Erläuterung von Fachbegriffen, ist es eine leicht lesbare Lektüre.

Kritisch anzumerken wäre die fehlende Anwendung einer gendersensiblen Schreibweise oder zumindest eine Erklärung zu dieser. Außerdem bezieht sich der Autor zur Untermauerung seiner Aussagen an einigen Stellen auf Studien und deren Ergebnisse, ohne diese konkret zu benennen oder einen Quellennachweis zu liefern. Zudem handelt er diese nur sehr kurz und komprimiert ab, was aber vor dem Hintergrund der relativ geringen Seitenzahl, nicht verwunderlich ist. Durch das etwas unausgewogene Verhältnis zwischen der Vermittlung theoretischen Inputs und den humorvoll geschilderten, praxisnahen Beispielen, eignet sich die Lektüre für Leser/innen eher weniger, die vorwiegend an theoretischen Ansätzen interessiert sind oder das Buch als wissenschaftliche Quelle nutzen möchten.

Aus der Masse an Literatur, die die Themen Kommunikation und Führung abhandelt, sticht dieses Buch vor allem durch die Verwendung des Storytellings heraus und bleibt somit für praxisinteressierte Leser/innen in hohem Maße einprägsam.

Discussion and Summary

In his book, Georg Schwinning provides practical tips, both for experienced executives and for those who aspire to a career as a manager. He pays attention to a clear, comprehensible structure, where chapters build on one another and he always creates references between them. I consider the tabular summaries and graphic representations at the end of each subchapter as particularly positive. They enable a quick reading of the key messages. Due to the use of everyday language, the avoidance of complicated word orders as well as a comprehensible explanation of terms, the book is easy to read.

A critical point, however, is the lack of gender-sensitive language or at least an explanation of it. Moreover, to confirm his statements, the author refers to studies and their results in some parts without naming them concretely or refering to the sources. In addition, he treats them only very briefly, which is hardly surprising against the background of the relatively small number of pages. Due to the imbalance between the theoretical input and the humorously depicted practical examples, the text is less suitable for readers mainly interested in theoretical approaches or who want to use the book as a scientific source.

From the mass of texts that handle the topics of communication and leadership, this book stands out especially by making use of storytelling, which enables readers interested in practical tips to easily remember them.


Rezensentin
Katharina Hauth
Sozialpädagogin B.A., Studentin im weiterbildenden Masterstudiengang Kindheits- und Sozialwissenschaften, Hochschule Koblenz
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Kommentare

Anmerkung der Redaktion: Die Rezension entstand im Rahmen des Masterstudiengangs Kindheits- und Sozialwissenschaften (MAKS) der Hochschule Koblenz


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Zitiervorschlag
Katharina Hauth. Rezension vom 19.07.2017 zu: Georg Schwinning: Kommunikation, Führung und Zusammenarbeit in Unternehmen. Wahre Situationen und handfeste Lösungen. Haufe (Freiburg) 2016. ISBN 978-3-648-08051-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22807.php, Datum des Zugriffs 23.10.2017.


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