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Gerhard Friedrich: Komm mit, lass uns Mathe spielen!

Cover Gerhard Friedrich: Komm mit, lass uns Mathe spielen! Ein Zahlenland-Aktionsbuch. Herder (Freiburg, Basel, Wien) 2017. 159 Seiten. ISBN 978-3-451-37650-4. D: 19,99 EUR, A: 20,90 EUR, CH: 26,90 sFr.
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Thema

Jetzt auch noch Mathe im Kindergarten? In den sechziger Jahren des letzten Jahrtausends hat der „Sputnikschock“ erstmals den Kindergarten aus dem „Dornröschenschlaf“ geweckt und von der Betreuungsinstitution auch zur Bildungseinrichtung geführt. Der „PISA Schock“, ausgelöst durch die PISA Studie, die sich eigentlich auf Bildungsmängel in der Schule bezog, hatte aber dann auch Auswirkungen für den vorschulischen Bereich. Die frühkindliche Bildung rückte wieder in den Blickpunkt von öffentlichem Interesse. In allen Bundesländern entstanden nun Bildungspläne mit elementarpädagogischen Vorhaben und Zielsetzungen für vorschulische Einrichtungen. So kam es, dass innerhalb der Bildungs- und Entwicklungsbereiche auch die Mathematik einen besonderen Stellenwert bekam.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist in zehn Kapitel aufgeteilt.

Im ersten Kapitel geht es um wichtige grundlegende pädagogische, didaktische und methodische Hinweise:

  1. durch Fehler lernen,
  2. auf die Sprache kommt es an,
  3. an den Alltag anknüpfen.

Im zweiten Kapitel wird aufgezeigt, wie im Kindergarten Mathematik im Alltag entdeckt und aufgegriffen werden kann. Materialien aus Alltag und Natur werden gesammelt und geordnet. Es wird auf Zahlen und Symbole eingegangen, die im und um den Kindergarten anzutreffen sind.

Im dritten Kapitel erhalten wir eine theoretische Abhandlung wie Mathematik entstanden ist und wie Kinder mit entsprechendem Material experimentieren und dabei für sich Mathe „erfinden“ können.

Im vierten Kapitel stellen sich die Grundzahlen Eins bis Zehn vor. Zu jeder Zahl gibt es eine entsprechende Geschichte. Die Geschichten enthalten recht gute Gedanken, doch sind sie an manchen Stellen zu anspruchsvoll. Dies kann jedoch leicht behoben werden, indem je nach Zielgruppe dieser Teil weggelassen und /oder mit eigenen Ideen gefüllt wird.

Im fünften Kapitel, dem umfangreichsten,werden anschauliche konkrete Beispiele angeboten, wie Zahlen spielerisch erleb- und begreifbar gemacht werden können. Adäquate Spiele, Alltagsmaterialien, vorgefertigtes Material, Abzählreime, Fingerspiele, Lieder, Alltagssituationen und vieles weitere mehr bringen Mathematik spielerisch den Kindern näher.

Im sechsten Kapitel wird Mathematik in Bewegung umgesetzt. Auch hier wieder anschauliche, gut nachvollzieh- und umsetzbare Beispiele.

Im siebten Kapitel gibt es praktische Beispiele, wie Mathematik „ohne Augen“ erlebbar wird, also durch „fühlen“ und „hören“.

Im achten Kapitel, dem anspruchsvollsten, wird Mathematik im Zusammenhang mit Musik aufgezeigt. Hier wird nun mit Tönen und Klängen experimentiert und stellt eine besondere Herausforderung dar.

Im neunten Kapitel geht es um Ordnen, Sortieren und Klassifizieren und dazu wieder konkrete Beispiele.

Im zehnten Kapitel wird spielerisch Zugang zur Geometrie geschaffen. Zum Beispiel werden mit einfachen Faltarbeiten geometrische Erfahrungen gewonnen; ebenso mit Bastelarbeiten, wenn mit Erbsen und Streichhölzern in drei Dimensionen geometrische Körper hergestellt werden.

Diskussion

Der Inhalt dieses Buches basiert auf der in den Bildungsplänen geforderten Ganzheitlichkeit, d.h. Mathematik erleben, erfahren, erlernen mit allen Sinnen und dies in der alltäglichen Auseinandersetzung mit der Umwelt.

Die verschiedenen Grundformen der Mathematik wie aufteilen, zusammenzählen, abziehen, vergleichen usw. werden in altbekannten Spielen und neuen Ideen aufgezeigt. So gibt es anschauliche konkrete Beispiele für „didaktisch inszenierte Situationen“ bzw. für gezielte Angebote als auch solche für Alltagssituationen. Die Beispiele machen deutlich, dass Mathematik nicht für sich selbst steht, sondern in allen Entwicklungs- und Bildungsbereichen zu finden und zu gestalten ist. Das Buch ist anspruchsvoll und ansprechend zugleich und regt dazu an eigene Ideen zu entwickeln und umzusetzen. Obwohl dieses Buch ein ausgesprochenes Praxisbuch darstellt, in der Praxis auch erprobt wurde, liefert es entsprechendes theoretisches Hintergrundwissen. Ganz nebenbei macht es bewusst, wo und wie viel Mathe wir schon im Kindergartenalltag vorfinden.

Das Buch gibt Anregungen zu vorgefertigtem Material als auch zu Materialien aus der häuslichen Umwelt und der Natur, welches leicht zu beschaffen ist. Letzteres finde ich besonders anregend, da es mit den Kindern gesammelt werden kann und dadurch schon einen Bezug herstellt. Es gefällt mir auch, weil schon bei Friedrich Fröbel mit diesen und ähnlichen Materialien Mathematik „gespielt“ wurde.

Die Beschreibungen der Beispiele sind gut verständlich und einiges wird auch mittels Fotos dargestellt.

Zielgruppe

Dieses Buch wendet sich vor allem an ErzieherInnen im Kindergartenbereich. Ich halte es aber auch geeignet für den Unterricht im ersten Schuljahr.

Fazit

So wie der Autor Mathematik vorstellt und in alltägliche Zusammenhänge bringt, ist Mathematik im Kindergarten eine sinn- und lustvolle Herausforderung. Es liegt nun an den Fachkräften in der Praxis, diese Herausforderung anzunehmen, aus diesem vielfältigen Angebot zu schöpfen und mit der jeweiligen Zielgruppe auszuprobieren und zu gestalten.


Rezensentin
Klara Hodapp
Lehrerin an einer Fachschule für Sozialpädagogik
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Zitiervorschlag
Klara Hodapp. Rezension vom 31.05.2017 zu: Gerhard Friedrich: Komm mit, lass uns Mathe spielen! Ein Zahlenland-Aktionsbuch. Herder (Freiburg, Basel, Wien) 2017. ISBN 978-3-451-37650-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22815.php, Datum des Zugriffs 14.12.2017.


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