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Catrin Misselhorn, Hauke Behrendt (Hrsg.): Arbeit, Gerechtigkeit und Inklusion

Cover Catrin Misselhorn, Hauke Behrendt (Hrsg.): Arbeit, Gerechtigkeit und Inklusion. Wege zu gleichberechtigter gesellschaftlicher Teilhabe. J.B. Metzler Verlag (Stuttgart) 2017. 243 Seiten. ISBN 978-3-476-04373-3. D: 29,99 EUR, A: 30,83 EUR, CH: 31,00 sFr.
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Thema

Thema des Buchs sind ethische Aspekte moderner Technologien der Effizienzsteigerung und deren Auswirkungen auf die Inklusion von Menschen mit Behinderung.

HerausgeberInnen

  • Catrin Misselhorn ist Inhaberin des Lehrstuhls für Wissenschaftstheorie und Technikphilosophie,
  • Hauke Behrendt arbeitet in demselben als Wissenschaftlicher Mitarbeiter.

Catrin Misselhorn ist des weiteren Direktorin des Instituts für Philosophie der Universität Stuttgart. Die HerausgeberInnen beschäftigen sich in ihrer Forschung unter anderem mit der Frage ob und wie technologische Entwicklungen einen Beitrag zur Inklusion leisten können.

Entstehungshintergrund

Die Artikel dieses Buches basieren überwiegend auf Vorträge im Rahmen des ProjektsArtikel „Spaltung in zwei Realitäten“, motionEAP (2013-2016) Link: www.motioneap.de/ an der Universität Stuttgart.

Aufbau

Der Sammelband vereint in fünf übergeordneten Teilen 14 äußerst vielfältige Artikel. Diesen Inhalten vorangestellt ist eine Einleitung, verfasst von den HerausgeberInnen. Den Abschluss des Buches bilden die Übersicht zu den AutorInnen sowie ein umfassendes Personenregister. Die Teilbereiche sind wie folgt:

  1. Zur Bedeutung der Arbeit

  2. Theoretische Grundlagen der Inklusionsforschung

  3. Inklusion von Menschen mit Behinderungen in die Arbeitswelt

  4. Die UN-Behindertenrechtskonvention

  5. Gerechte Teilhabe am Arbeitsleben

Die Deutsche Nationalbibliothek bietet Einblick in das ausführliche Inhaltsverzeichnis.

Im Folgenden stelle ich einige besonders erhellende Beiträge aus den fünf Abschnitten vor.

Zu Abschnitt I

Der erste Teil „Zur Bedeutung der Arbeit“ umspannt drei Artikel. Teilhabe am Arbeitsleben ist eine wichtige sozialpolitische Forderung, der Weg dahin und die Umsetzbarkeit jedoch umstritten.

So argumentiert Oskar Negt im ersten Artikel „Spaltung in zwei Realitäten“, dass die von Arbeitslosigkeit Betroffenen in einer anderen Realität leben als diejenigen, die im Erwerbsleben stehen und beschreibt diese Realität mit drei Elementen: Alltagserfahrungen der Betroffenen, wissenschaftliche Konzeption und politische Orientierungsformel.

Catrin Misselhorn nähert sich in ihrem Text (Kapitel 3) dem Thema „Arbeit, Technik und gutes Leben – ambivalente Beziehungen“ zunächst mit einem historischen Blick auf die drei Begriffe. Wie an manch anderen Stellen des Sammelbandes arbeitet auch sie die Rolle der Reformation auf die gesellschaftliche Wertigkeit von Arbeit heraus. Damit schafft sie Grundlagen um Fäden zwischen Arbeit und dem Konzept des guten Lebens zu spannen. Die Technik findet in diesem Dreieck ihren Platz durch Schilderungen zum Thema Industrie 4.0, Erfahrungen aus dem zugrunde liegenden Forschungsprojekt und der Einschätzung, dass der Einsatz von moderner Technik (z.B. in Form von Assistenzsystemen) für Menschen mit Behinderung oder ungelernte Arbeiter positiv sein kann. Der Politik weist sie klar die Aufgabe zu, in einer Gesellschaft, in der Arbeit einen besonderen Stellenwert besitzt dafür Verantwortung zu übernehmen, dass Menschen „nicht-entfremdeter“ Arbeit nachgehen können bzw. dort wo „entfremdete“ Arbeit unvermeidbar ist, diese gerecht aufgeteilt wird.

Zu Abschnitt II

Theoretische Grundlagen der Inklusionsforschung werden in den Kapiteln vier, fünf und sechs bearbeitet.

Hauke Behrendt erschließt in Abschnitt fünf den Begriff der Inklusion aus einer sozialphilosophien Perspektive. Er entwickelt vier Relationselemente des Begriffs Inklusion, die sich vollständig bestimmen lassen müssen, um den Begriff vollständig zu erfassen.

  1. Das Inklusionssubjekt
  2. Das Inklusionsobjekt
  3. Die Inklusionsinstanz
  4. Die Inklusionsregeln

In einem weiteren Schritt legt er drei Dimensionen des Begriffs der Inklusion dar:

  1. Die sozialwissenschaftliche Dimension
  2. Die sozialethische Dimension
  3. Die sozialpolitische Dimension.

Im dritten Abschnitt des Textes prüft Behrendt die oben genannten Anforderungen am Beispiel des materiellen Inklusionsbegriffs der Praxistheorie.

Zu Abschnitt III

Abschnitt III umfasst zwei Artikel zur Inklusion von Menschen mit Behinderungen in die Arbeitswelt. Franziska Felder argumentiert in „Inklusion und Arbeit: Was steht auf dem Spiel?“ (Kapitel 7), „dass sich der Wert von Inklusion aus Bezügen der Anerkennung und der Freiheit ergibt.“ (S 106) Diese Freiheit wird in der UN Behindertenrechtskonvention selbstverständlich auch Menschen mit Behinderung eingeräumt, wenngleich sie erst im sozialen Zusammenhang lebbar wird.

Zu Abschnitt IV

Die UN Behindertenrechtskonvention steht im Mittelpunkt von Abschnitt IV.

Gert Weimer gibt in Kapitel neun: „Inklusion und Arbeit – ein ganz dickes politisches Brett“, als ehemaliger Beauftragter der Landesregierung von Baden-Württemberg für die Belange von Menschen mit Behinderungen spannende Einblicke in die Praxis der Umsetzung als gesellschaftspolitisches Thema.

Zu Abschnitt V

Der Sammelband schließt mit Abschnitt V „Gerechte Teilhabe am Arbeitsleben“ mit drei Texten. So schließt Martin Kronauer (Kapitel 14) in dem er den Spieß umdreht und „Arbeit, Exklusion und Ungerechtigkeit“ diskutiert. Aus einem ebenfalls historischen Blick leitet er ab, das abhängige Erwerbsarbeit der Ungerechtigkeit näher steht als der Gerechtigkeit und ein Scheitern am Markt Exklusionsprozesse in Gang bringt.

Diskussion

Im Vordergrund des 240 Seiten starken Buches steht die respekteinflößende Fragestellung des zu Grunde liegenden Forschungsprojekts. Umfassende, detailreiche und vielfältige Annäherungen aller AutorInnen machen das Begriffsdreieck „Arbeit – Gerechtigkeit – Inklusion“ Schritt für Schritt begreifbar. Für mich, als am Thema Inklusion von Menschen mit Behinderung interessierte und zum Thema Erwerbsarbeit erfahrene Sozialarbeiterin, sind manche Artikel entsprechend mehr und andere weniger „anschlussfähig“, da da oder dort mein Vorwissen lückenhaft ist. Eine Lektüre des Buches ist dennoch für eine breite LeserInnenschaft empfehlenswert. Denn es bietet durch die vielfache Annäherung an die zentralen Kategorien innovative Wege auch als Laie „Arbeit“ und die gesellschaftliche Bewertung von Arbeit neu zu denken. Besonders einprägsam sind zum Beispiel die Ausführungen von Martin Kronauer (Kap 14, S 229ff) zum Thema „Arbeit, Exklusion und Ungerechtigkeit“ oder der Abschnitt von Franziska Felder (Kap 7, S 99ff) mit dem Titel „Inklusion und Arbeit: Was steht auf dem Spiel?“

Fazit

Die HerausgeberInnen versammeln in vorliegendem Band 14 sehr unterschiedliche Artikel zum den Kernbegriffen „Arbeit, Gerechtigkeit und Inklusion“. Die AutorInnen nähern sich entweder einem der Begriffe, diskutieren mögliche Zusammenhänge oder Konsequenzen aus dem „Zusammen denken“. Unter dem Dach eines großen Forschungsprojekts zu der Bedeutung technischer Innovationen für die Inklusion in Arbeit von Menschen mit Behinderung sind die Texte nach entsprechenden Vorträgen der verschiedenen Expertinnen aus Wissenschaft, Recht und Politik entstanden.


Rezensentin
Dr. Lea Putz-Erath
Geschäftsführerin femail, FrauenInformationszentrum Vorarlberg
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Zitiervorschlag
Lea Putz-Erath. Rezension vom 29.01.2019 zu: Catrin Misselhorn, Hauke Behrendt (Hrsg.): Arbeit, Gerechtigkeit und Inklusion. Wege zu gleichberechtigter gesellschaftlicher Teilhabe. J.B. Metzler Verlag (Stuttgart) 2017. ISBN 978-3-476-04373-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22829.php, Datum des Zugriffs 20.04.2019.


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