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Veronika Waldboth, Susanne Suter-Riederer u.a.: Pflanzengestützte Pflege

Cover Veronika Waldboth, Susanne Suter-Riederer, Martina Föhn, Renata Schneiter-Ulmann, Lorenz Imhof: Pflanzengestützte Pflege. Praxishandbuch für pflanzengestützte Pflegeinterventionen im Heimbereich. Hogrefe (Bern) 2017. 119 Seiten. ISBN 978-3-456-85762-6. 24,95 EUR, CH: 32,50 sFr.
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Thema

Natur und Pflanzen sind für viele Menschen mit positiven Erinnerungen und sinnvoller Beschäftigung verknüpft. Dieses Handbuch will den Einsatz pflanzengestützter Interventionen in Einrichtungen stationärer Altenpflege fördern.

Autorinnen und Autor

Veronika Waldboth und Susanne Suter-Riederer sind Doktorandinnen am Institut für Pflege der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften in Winterthur.

Martina Föhn ist Hortikulturingenieurin am Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften in Wädenswil.

Renata Schneiter-Ulmann ist emeritierte Professorin der Biologie, Lorenz Imhof ist emeritierter Professor für integrierte gemeindenahe Versorgung.

Dieses multiprofessionelle Schweizer Autorenteam und die Grundlage für das Buch entstammen dem Projekt „Integrative Indoorbepflanzung von Alterszentren in Kombination mit pflanzengestützter Gesundheits- und Krankenpflege“.

Aufbau

119 Seiten sind auf drei Abschnitte verteilt: das Nachschlagewerk pflanzengestützter Pflegeintervention, Detailinformationen zum Nachschlagewerk und einen theoretischen Hintergrund. Geleit- und Vorwort sowie Verzeichnisse der Literatur, der Autoren und der Sachworte rahmen den inhaltlichen Fokus des Buches.

Inhalt

Ziel des oben genannten Projekts war es, das Potential der Pflanzen gezielt und geplant im Rahmen des Pflegeprozesses für den Aufbau eines gelingenden Alltags zu nutzen und damit das Gefühl der Bewohner zu fördern, zu Hause zu sein.

Den ersten Abschnitt bildet das Nachschlagewerk pflanzengestützter Pflegeinterventionen. Die 15 beschriebenen Interventionen werden vier Themenfeldern zugeordnet: Pflanzen wachsen lassen, Pflanzen pflegen, mit Pflanzen gestalten und Pflanzen erfahren. Jede Intervention wird in einer Tabelle übersichtlich zusammengefasst und gibt Informationen zum Schwierigkeitsgrad (niedrig, mittel, hoch), zu den kognitiven und körperlichen Voraussetzungen der Bewohner, wie lange die Intervention dauert und welche Pflanze benutzt wird (und auch, welche alternativ in Frage kommt). Zudem wird beschrieben, welche Aspekte hier zu Beziehungsgestaltung wichtig sind, wie die Zusammenarbeit gestaltet wird, wie die gemeinsame Handlung aussieht und wie die Intervention im Miteinander zwischen Bewohner und Pflegekraft abgeschlossen wird. Seitenangaben in der Tabelle stellen den Bezug zum zweiten Abschnitt her. Beispiele der Interventionen sind „Gesteck arrangieren“ oder „Pflanzen ertasten (z.B. Ziergurken)“.

Der zweite Abschnitt gibt zu dem obigen Nachschlagewerk detailliertere Informationen, stellt einzelne Pflanzen genauer vor und bezieht sich auf den Pflegeprozess und den darin verorteten Lebenssituationen anhand eines Fallbeispiels. Für die zuvor beschriebenen Interventionen sind grundlegende Kenntnisse über pflegerische Prozesse von Vorteil. Hier werden die im ersten Abschnitt benannten Materialien und Werkzeuge mit viel Bildmaterial beschrieben. 24 Pflanzen werden auf je ein bis drei Seiten vorgestellt. Als Beispiel wird hier die Grünlilie näher betrachtet. Der Leser erfährt neben dem deutschen auch den botanischen und weitere Namen für die Pflanze sowie die Bedeutung dieses Namens. Die Grünlilie stammt aus Südafrika und ist eine typische Blattschmuckpflanze, gern auch als Ampelpflanze verwendet. Wissenswert ist, dass sie früher als Beamtengras bezeichnet wurde, weil die robuste Pflanze oft lieblos behandelt in Büroräumen zu finden war. Die Pflegehinweise zur Grünlilie umfassen Informationen zum Besprühen, zum Tochterpflanzen stecken (im schweizerischen Sprachgebrauch: Kindel), Umtopfen, Gießen und Düngen. Zudem lassen sich Angaben zur Giftigkeit finden: die Samen der Grünlilie werden als giftig bezeichnet.

Der theoretische Hintergrund im dritten Abschnitt skizziert kurz die Elemente beziehungszentrierter Pflege nach Nolan, die das Gerüst der zugrundeliegenden Studie gebildet haben.

Diskussion

Das Buch von Waldboth ist als Praxishandbuch für pflanzengestützte Pflegeinterventionen im Heimbereich gedacht. Gut gefallen hat mir die Übersichtlichkeit in der Beschreibung der Intervention. Als Nachschlagewerk kann eine Pflegekraft hier schnell fündig werden, wenn sie beispielsweise nach regelmäßigen Interventionen für Pflegeheimbewohner mit geringen kognitiven Ressourcen und vorhandenem Material wie Pflanzenerde, Topf und Eintopfhilfe sucht. Die Betonung der Gemeinsamkeit in der Intervention setzt den Bewohner und die Beziehung zur Pflegekraft in den Mittelpunkt und schließt auch Menschen mit geringen körperlichen und kognitiven Fähigkeiten nicht aus. Die farbliche Gestaltung des Layouts stützt eine gezielte Arbeit in diesem Abschnitt.

Der theoretische Hintergrund fällt in diesem Handbuch recht knapp aus, gern hätte ich mehr Ergebnisse der Evaluation aus dem Projekt gelesen, um die Evidenzbasierung der pflanzengestützten Pflege besser argumentieren zu können.

Schön zum Weiterlesen: im Anhang findet sich eine Liste des Green-Care-Programm des Hogrefe-Verlags zu ähnlichen Themen. Der schweizerische Kontext des Buches erfordert eine sorgfältige Prüfung der Übertragbarkeit in das deutsche Gesundheitssystem, wobei die Freude an Pflanzen und die daraus resultierende Stärkung des Zuhause-Seins sicher international anzutreffende Gefühle sind.

Fazit

Pflanzen können Türöffner für Gespräche, Beziehungsstärker und Wohlbefinden-Vermehrer sein. Dieses Handbuch beschreibt pflegerische Interventionen mit Pflanzen und gibt praktisches und botanisches Hintergrundwissen.


Rezensentin
Dr. sc.hum. Nina Fleischmann
M.A. Public Health und Pflegewissenschaft
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Zitiervorschlag
Nina Fleischmann. Rezension vom 09.10.2017 zu: Veronika Waldboth, Susanne Suter-Riederer, Martina Föhn, Renata Schneiter-Ulmann, Lorenz Imhof: Pflanzengestützte Pflege. Praxishandbuch für pflanzengestützte Pflegeinterventionen im Heimbereich. Hogrefe (Bern) 2017. ISBN 978-3-456-85762-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22837.php, Datum des Zugriffs 12.12.2017.


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