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Hendrik den Ouden, Eva-Maria Rottlaender: Hochschuldidaktik in der Praxis

Cover Hendrik den Ouden, Eva-Maria Rottlaender: Hochschuldidaktik in der Praxis. Lehrveranstaltungen planen : Ein Workbook. UTB (Stuttgart) 2017. 200 Seiten. ISBN 978-3-8252-8719-1. D: 24,99 EUR, A: 25,70 EUR, CH: 32,50 sFr.
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Autor und Autorin

Henrik den Quden arbeitet in leitender Funktion im Zentrum für Hochschuldidaktik, ZHD, an der Universität zu Köln und bringt Erfahrungen als Lehrender in den Bildungswissenschaften sowie als Dozent hochschuldidaktischer Weiterbildungen mit.

Die Pädagogin Eva-Maria Rottlaender ist als wissenschaftliche Mitarbeiterin ebenfalls im operativen wie lehrenden Geschäft im ZHD tätig.

Aufbau und Inhalt

Bei der Veröffentlichung „Hochschuldidaktik in der Praxis: Lehrveranstaltungen planen“ handelt es sich um ein Workbook, mit dessen Hilfe zentrale Themen der Veranstaltungsplanung eigenständig bearbeitet werden können. Die Deutsche Nationalbibliothek bietet Einblick in das vollständige Inhaltsverzeichnis.

Das Autor_inteam steigt in das Thema Lehrveranstaltungsplanung mit einer Reflexion der Rolle als Lehrperson (Kapitel 1) ein. Welche Rollen, Erwartungen und Aufgaben kommen mir als Hochschullehrende zu? Welchen Einfluss nehmen Lernbiografie und -habitus beispielsweise auf das Nähe-Distanz-Verhältnis zu den Studierenden? Als Teildimension der Rollenklärung werden Diversität und Genderkompetenz abgehandelt und schließlich in Kompetenzorientierung in der Hochschullehre eingeführt.

Grundsätzliche Überlegungen zum Constructive Alignment (Kapitel 2) und zum Lernen (Kapitel 3) sind der konkreten Semester- (Kapitel 4) und Veranstaltungsplanung (Kapitel 5) vorangestellt.

Unter dem Fokus „Von der Lehrveranstaltung zur Lernveranstaltung“ wird in Kapitel 2 das Constructive Alginment nach Biggs/Tang, 2011, vorgestellt. Das Modell zielt auf Tiefenlernen und berücksichtigt dasjenige studentische Verhalten bereits im Planungshandeln, welches als „dealing with the test“ bezeichnet wird. Die Veranstaltungsplanung orientiert sich deshalb an folgenden Fragen in der genannten Reihenfolge: Was sollen die Studierenden nach der Seminarteilnahme können? Wie kann ich überprüfen, ob sie diese Kompetenzen erworben haben? Welche Lernaktivitäten unterstützen deren Aneignungsprozesse?

Doch wie funktioniert Lernen? Dieser Frage persönlich nachzugehen, dazu regt Kapitel 3 an. Dafür wird zunächst mit Bourdieu auf unterschiedliche Ausprägungen des Lernhabitus hingewiesen. Das Autor_inteam geht im Anschluss an Arnold, 2013, von einer Ermöglichungsdidaktik aus, welche konstruktivistischen Grundannahmen folgend, auf den eigenständigen Erwerb und Aufbau von Wissen und Kompetenzen setzt. Aufbauend darauf wird auf das Spezifische des Lern-, Bildungs- und Forschungsortes Hochschule eingegangen und über Aktivierungs- und Gesprächsformen sowie Medieneinsatz nachgedacht. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Ausgestaltung der Selbstlernzeit, verbunden mit einem Exkurs zur Motivation.

Das Kapitel 4 Semesterplanung leitet mit vielen Fragen (wie zum Beispiel: „Welche Ziele werden für das Modul im Allgemeinen und ggf. Ihre Veranstaltung im Speziellen benannt?“, S. 110; „Welche Vorkenntnisse im wissenschaftlichen Arbeiten können Sie voraussetzen?“, S. 111) dazu an, Grobziele einer Veranstaltung zu benennen. Passend dazu gibt es konkrete Vorschläge, wie der Stoff reduziert werden kann, indem zwischen Kern-, Haupt- und Nebenaussagen unterschieden wird.

Für die Veranstaltungsplanung (Kapitel 5) wird ein rhythmisierter Dreischritt aus Einstieg, Arbeitsphase und Abschluss empfohlen, der sich auch mit einem Burger/Sandwich-Modell veranschaulichen lässt. Bei der ersten Sitzung sind, so die/der Autor_in, Besonderheiten zu beachten, wie die Klärung von Erwartungen, Zielsetzungen und Anforderungen. Mit einem kommentierten Planungsraster wird das Kapitel abgerundet.

Es folgt eine Methodenübersicht mit 15 Verfahrensweisen (Kapitel 6), die als zunächst ausreichend für den Einstieg in die Hochschuldidaktik angesehen werden. Dazu zählen z.B. Kennenlernmethoden wie die Lebendige Statistik, Methoden zum Austausch wie Think-Pair-Share, zur Gestaltung von Gruppenarbeiten wie Gruppenpuzzle oder Placemat sowie Methoden zur Ergebnissicherung und zum Feedback wie Mindmapping oder Fishbowl.

Diskussion

Die Inhalte sind auf dem aktuellen Stand der Hochschuldidaktik, sie sind zeitgeistig und einschlägig, was sich auch in der umfangreichen Literaturliste widerspiegelt.

Das Buch kennzeichnet sich v.a. durch seine sinnvolle Lese-Didaktik, welche geforderte Prinzipien des Lehrens und Lernens, konsequent umsetzt: Für jedes Kapitel und alle Unterkapitel werden vorab Learning Outcomes definiert, nach kurzen Wissensimpulsen folgen Reflexionsaufgaben. Der Aneignungsprozess wird durch einprägsame Visualisierungen sowie einem insgesamt sehr gelungenen Layout und einer schönen Buchhaptik unterstützt.

Vereinzelt stößt das insgesamt sinnvolle Konzept des Workbooks an seine Grenzen, wenn Fragen oder Aufgaben gestellt werden, deren Beantwortung dringenden Austauschbedarf hervorlocken (beispielsweise sollen in Kapitel 1 im Rahmen der Rollenklärung erlebte Konflikte aus Lehrsituationen beschrieben werden ohne diese weiterzubearbeiten) oder wenn Vorwissen relativ genau abgefragt wird, wo ggf. auf keine Erfahrung zurückgegriffen werden kann („Definieren Sie den Begriff Diversität in eigenen Worten: …“; „Welche Vorerfahrungen haben Sie, nennen Sie fünf Stichpunkte: …“; „Was bedeutet das für Ihre Lehre?“, S. 33f). Insgesamt sind die Fragen aber gut durchdacht, besonders dann, wenn sie einen Perspektivwechsel anregen („Welche Aussage einer/eines Studierenden möchten Sie gerne über sich hören?“, S. 26) oder ganz konkret für die Lehrveranstaltungsplanung genutzt werden können (s.o., S. 107-112).

Fazit

Sehr gelungen! Empfehlenswert für Einstieger_innen in eine professionelle Hochschuldidaktik, die nicht einfach nur ein Buch über Hochschuldidaktik lesen, sondern mitdenken und angesprochene Themen praktisch bearbeiten möchten. Ein produktiver Mehrwert des Workbooks kann dann die sukzessive Erarbeitung einer eigenen Lehrphilosophie sein.


Rezensentin
Dr. Julia Weitzel
Erziehungswissenschaftlerin, DGfC-Coach, Hochschuldidaktikerin (dghd)
Homepage www.julia-weitzel.de
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Zitiervorschlag
Julia Weitzel. Rezension vom 15.06.2018 zu: Hendrik den Ouden, Eva-Maria Rottlaender: Hochschuldidaktik in der Praxis. Lehrveranstaltungen planen : Ein Workbook. UTB (Stuttgart) 2017. ISBN 978-3-8252-8719-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22858.php, Datum des Zugriffs 20.10.2018.


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