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Ina Berninger, Katrin Botzen u.a.: Grundlagen sozialwissen­schaftlichen Arbeitens

Cover Ina Berninger, Katrin Botzen, Christian Kolle, Dominikus Vogl, Oliver Watteler: Grundlagen sozialwissenschaftlichen Arbeitens. Eine anwendungsorientierte Einführung. UTB (Stuttgart) 2017. 2., überarbeitete Auflage. 213 Seiten. ISBN 978-3-8252-4622-8. D: 16,99 EUR, A: 17,50 EUR, CH: 21,90 sFr.
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Thema

Der Einführungsband „Grundlagen sozialwissenschaftlichen Arbeitens. Eine anwendungsorientierte Einführung“ ist in der utb-Reihe „Sozialwissenschaften Schlüsselkompetenzen“ erschienen und führt Sozialwissenschaftler(innen) respektive Studierende sozialwissenschaftlicher Studiengänge „durch den gesamten Prozess der Erstellung einer [wissenschaftlichen; S.S.] Arbeit: von der Entwicklung einer Fragestellung über Literaturrecherche, Textarbeit, Hypothesenbildung und Datenrecherche bis hin zur Niederschrift und Präsentation der Ergebnisse“ (Berninger/Botzen/Kolle/Vogel & Watteler 2017, S. 4).

Autor(inn)en

Die Mitglieder der fünfköpfigen Autorengruppe sind im Bereich der Sozialwissenschaften an Universitäten oder Forschungseinrichtungen tätig:

  • Ina Berninger, Dr. rer. pol., Universität zu Köln, Institut für Soziologie und
  • Sozialpsychologie
  • Katrin Botzen, Dr. rer. soc., Universität Bern, Institut für Soziologie
  • Christian Kolle, M.A., GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften
  • Dominikus Vogl, Dipl.-Soz., Universität Bern, Institut für Soziologie
  • Oliver Watteler, M.A., GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften

Aufbau und Inhalt

Der Einführungsband umfasst insgesamt 213 Seiten (inklusive 47 Abbildungen und 6 Tabellen) und ist in elf inhaltliche Hauptkapitel, die in der Regel jeweils von einer Autorin/einem Autor verfasst wurden, gegliedert:

  1. Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten (Berninger)
  2. Konzeption einer wissenschaftlichen Arbeit (Botzen)
  3. Wissenschaftliche Literaturrecherche (Kolle)
  4. Wissenschaftliche Texte lesen und verstehen (Berninger)
  5. Theorien, Modelle und Hypothesen (Berninger)
  6. Aufbau, Inhalt und Formalia einer wissenschaftlichen Arbeit (Botzen)
  7. Wissenschaftlich Schreiben (Berninger)
  8. Recherche nach sozialwissenschaftlichen Forschungsdaten (Watteler)
  9. Darstellung von Tabellen, Grafiken und Diagrammen (Botzen)
  10. Die wissenschaftliche Präsentation (Berninger & Kolle)
  11. Arbeiten mit Software (Vogl & Berninger)

In Kapitel 1, Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten (Seiten 13-16), dem kürzesten Kapitel des vorliegenden Bandes, widmet sich Berninger den Fragen, was Wissenschaft ist und was wissenschaftliches Arbeiten bedeutet. Unter Bezug auf erkenntnistheoretische Überlegungen verweist sie auf systematische Unterschiede zwischen vorwissenschaftlichem und wissenschaftlichem Wissen sowie deren Genese. Daneben sensibilisiert die Autorin für die Bedeutung der konsequenten Einhaltung von Richtlinien und Konventionen beim wissenschaftlichen Arbeiten, um wissenschaftliches Fehlverhalten zu vermeiden. Zudem wird der formale Ablauf von Forschungsprozessen empirisch-sozialwissenschaftlicher Arbeiten – dem auch der Aufbau des rezensierten Bandes weitgehend folgt – in fünf Phasen skizziert und grafisch dargestellt (Auswahl des Forschungsproblems, Theoriebildung, Datenerhebung, Datenanalyse, Publikation).

Mit Kapitel 2, Konzeption einer wissenschaftlichen Arbeit (S. 17-33), führt Botzen in die ersten Arbeitsschritte (Entwicklung einer Fragestellung, Erstellen einer Gliederung, Verfassen eines Exposés), die es bei der Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten respektive der Durchführung von Forschungsprojekten zu bewältigen gilt, ein. In Bezug auf den Arbeitsschritt „Themenwahl und -eingrenzung“ werden verschiedene Kreativitätstechniken (u.a. Brainstorming, Mind-Mapping) vorgestellt und anhand von Beispielen illustriert. Die Autorin verweist auf die Bedeutung des Gliederns wissenschaftlicher Arbeiten und verdeutlicht die Unterschiede zwischen Gliederungen und Inhaltsverzeichnissen anhand eines Beispiels. Ferner wird auf die Vorteile, die die Erarbeitung eines Exposés, insbesondere zu Beginn eines wissenschaftlichen Schreib- oder Forschungsprojekts, mit sich bringt, eingegangen und zentrale Elemente sowie der allgemeine Aufbau eines Exposé dargestellt. Im anschließenden Unterkapitel greift Vogel das Thema „Zeitplanung und wissenschaftliches Arbeiten“ auf und verweist auf die Bedeutung von u.a. klar definierten Zielen und Arbeitsschritten, Zeitvorgaben, regelmäßigen Pausen und den effizienten Einsatz von Ressourcen.

Durch das 3. Kapitel, Wissenschaftliche Literaturrecherche (S. 34-65), wird ein Überblick über Recherchetechniken, Informationsmittel, Quellen sowie Möglichkeiten der Literaturverarbeitung und -verwaltung gegeben. Dazu beschreibt Kolle zunächst verschiedene Literaturquellen (Primär-, Sekundärquellen) und -typen (Monografie, Sammelband, Zeitschriftenaufsatz etc.) und widmet sich in einem knappen Unterkapitel dem Thema „Bedarfsanalyse“. Darüber hinaus informiert der Autor über unterschiedliche Informationsmittel und Quellen, wie Suchmaschinen im Internet (z.B. Google Books, Google Scholar, Wikipedia), Fachdatenbanken (u.a. SOLIS, SOFIS), Fachportale (bspw. sowiport, web of knowledge) sowie Bibliothekenverbünde und Bibliothekskataloge. Allgemeine Hinweise zur Literaturrecherche, wie z.B. die Entwicklung einer Suchstrategie, die korrekte Benutzung von Suchmasken, die Verwendung geeigneter Schlüsselbegriffe und der Boolesche Operatoren, sollen die Leser(inne)n zu einer möglichst zielgerichteten und effizienten Durchführung von Literaturrecherchen befähigen. Abschließend geht der Autor auf verschiedene Möglichkeiten der Literaturbeschaffung (u.a. die Ausleihe bei der Universitätsbibliothek vor Ort, die Fernleihe, den Dokumentenlieferdienst subito) ein und stellt überblicksartig diverse Literaturverwaltungsprogramme (bspw. Citavi, Endnote, Jabref, Zotero) vor, die für die softwaregestützte Verwaltung von Literatur eingesetzt werden können.

Die methodisch-systematische Bearbeitung wissenschaftlicher Literatur bildet den Mittelpunkt des 4. Kapitels, Wissenschaftliche Texte lesen und verstehen (S. 66-76). Neben der Beschreibung verschiedener Lesestile (durchsehend, flüchtig, studierend), deren Kenntnis und gezielter Einsatz das Lesen und Verstehen von wissenschaftlichen Texten effizienter gestalten soll, zeigt Berninger zudem Möglichkeiten auf, wie Verständnisprobleme gelöst werden können und wie die Qualität von Texten mittels Relevanzprüfung und Abbildung der Argumentationsstrukturen des zu bearbeitenden Texts in Kausalketten beurteilt werden kann.

In Kapitel 5, Theorien, Modelle und Hypothesen (S. 77-88), verweist Berninger zunächst auf die enge Verschränkung von Theorie und Empirie und gibt eine Antwort auf die Frage, was in den Sozialwissenschaften unter dem Begriff verstanden wird. In einem knappen Exkurs zum richtigen Definieren von Begriffen erläutert sie verschiedene Definitionstypen (u.a. Nominaldefinition, Realdefinition, operationale Definition) anhand konkreter Beispiele und geht auf einige Probleme von Begriffsbestimmungen ein (wie z.B. definitorische Zirkel). Zudem wird der Frage nachgegangen, was Hypothesen sind. Die Autorin differenziert dazu zwischen verschiedenen Arten von Hypothesen (probabilistische vs. deterministische Wenn-dann-Hypothesen, Je-desto-Hypothesen, Individual-, Kollektiv- und Kontexthypothesen) und erläutert diese mithilfe von Beispielen. Ausführungen zum Makro-Mikro-Makro-Schema (auch Coleman´sche Badewanne), einem klassischen Erklärungsmodell der Soziologie, des Soziologen James S. Coleman (1990) und Überlegungen zur Nutzbarmachung von Theorien für die Modellkonstruktion und zur Veri- oder Falsifikation von wissenschaftlichen Wissen beschließen das fünfte Kapitel.

Mit Kapitel 6, Aufbau, Inhalt und Formalia einer wissenschaftlichen Arbeit (S. 89-114), geht Botzen zunächst auf die Hauptbestandteile (Einleitung, Hauptteil und Schluss) sowie weitere zentrale Elemente (u.a. Deckblatt, Zusammenfassung, Inhaltsverzeichnis) wissenschaftlicher Arbeiten ein und beschreibt diese jeweils in komprimierter Form. Daneben werden deren inhaltliche (bspw. Reihenfolge der Gliederungspunkte) und formale Gestaltung (z.B. Richtlinien zu Seitenrändern und Schriftarten und -größen) thematisiert und auf die Bedeutung von Belegen im Text verwiesen. Darauf aufbauend wird auf in den Sozialwissenschaften gängige Zitierweisen (amerikanisch, deutsch) und Zitatformen (direkte Zitate, Paraphrasen) eingegangen sowie Besonderheiten beim Zitieren und Paraphrasieren anhand konkreter Beispiele veranschaulicht. Neben den Ausführungen zur Zitiertechnik sowie zu Verweisen und Fußnoten werden abschließend Hinweise zum Erstellen von Literaturverzeichnissen unter Bezug auf verschiedene Literaturtypen gegeben und auf verschiedene Gütekriterien eingegangen, die zur Bewertung von wissenschaftlichen Arbeiten herangezogen werden können.

Das Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten bildet den Kern des Kapitel 7, Wissenschaftlich Schreiben (S. 115-126). Berninger sensibilisiert für die reflektierte Verwendung von Sprache, einen konstruktiven Umgang mit Schreibblockaden und versucht den wissenschaftlichen Schreibstil hinsichtlich der divergierenden Verwendung von Wortarten und Satzzeichen im Vergleich mit anderen Textsorten zu charakterisieren. Sie weist auf verschiedene Gütekriterien (z.B. Verständlichkeit, Lesbarkeit) hin, denen ein wissenschaftlicher Text genügen muss, benennt einige Varianten des Genderns (u.a. Gender-Gap, Doppeltnennung) und zeigt anhand von Beispielen auf, wie Texte überarbeitet werden können.

In Kapitel 8, Recherche nach sozialwissenschaftlichen Forschungsdaten (S. 127-155), klärt Watteler zunächst die Frage, was in der sozialwissenschaftlichen Forschung unter Daten verstanden wird. Er beschreibt verschiedene Arten (z.B. qualitative, quantitative Daten, prozess-produzierte Daten und Daten der amtlichen Statistik) und zeigt Beispiele der gegenseitigen Ergänzung amtlicher Statistik und empirischer Sozialforschung auf. Zudem behandelt er Möglichkeiten der computergestützten Datenverarbeitung und klärt diesbezüglich basale Termini, wie bspw. Datensatz, -basis und -bank. Daneben möchte er den Leser(inne)n Hilfestellung beim Auffinden von Daten (Sekundäranalyse) leisten und gibt einen Überblick über Daten generierende und Daten haltende Institutionen, wobei ein Unterkapitel auf die Forschungseinrichtung GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften entfällt. Daneben stellt der Autor verschiedene Suchstrategien (institutionelle Suche, Suche über Forscher(innen), Suche über Inhalte) in komprimierter Form dar und beantwortet insgesamt die Fragen, wie und wo (sozialwissenschaftliche) Daten zu finden sind.

Mit Kapitel 9, Darstellung von Tabellen, Grafiken und Diagrammen (S. 156-167), liefert Botzen den Leser(inne)n einen Überblick über verschiedene Formen der Visualisierung von (sozialwissenschaftlichen) Daten und gibt Hinweise zur Erstellung und Gestaltung von Tabellen, Grafiken und Diagrammen. Daneben weist sie auf die Vorzüge der grafischen Darstellung komplexer Zusammenhänge (z.B. Strukturgleichungsmodelle) hin und geht auf die jeweiligen Vor- und Nachteile unterschiedlicher Darstellungsformen ein.

Die Konzipierung und Durchführung eines Vortrags in akademischen Kontexten mit medialer Unterstützung stellen die zentralen Themen des 10. Kapitels, Die wissenschaftliche Präsentation (S. 168-177), dar. Berninger & Kolle gehen dazu auf wichtige Arbeitsschritte bei der Erstellung, d.h. Vorbereitung und Strukturierung, einer Präsentation sowie Möglichkeiten und Kriterien der medialen Unterstützung eines Vortrags ein. Es werden u.a. verschiedene Präsentationsprogramme (Open Office Impress, LaTex Beamer, Microsoft Office PowerPoint etc.) genannt und auf die Bedeutung regelmäßiger Medienwechsel im Vortrag hingewiesen, um die Aufmerksamkeit der Zuhörer(innen) und die Interaktion mit Ihnen zu fördern. Allgemeine Hinweise und Anregungen zur Art und Weise des Haltens einer Präsentation (Körpersprache, Umgang mit Rückfragen etc.) beschließen das Kapitel.

In Kapitel 11, Arbeiten mit Software (S. 178-208), dem letzten Kapitel des vorliegenden Bandes gehen Vogl & Berninger nach allgemeinen Vorschlägen zu den Themen „Ordnerstruktur und Datensicherung“ auf die Textbearbeitungsprogramme Microsoft Office Word und LaTeX sowie deren softwarespezifischen Besonderheiten ein. Eine mögliche Heterogenität der Leserschaft adressierend werden die Ausführungen für drei Zielgruppen differenziert (Beginner, Fortgeschrittene und Profis). Während im Abschnitt Word für Beginner die ersten Schritte (u.a. Erklärung der Benutzeroberfläche, Formatvorlagen) der Verwendung dieser Software behandelt werden, stehen im darauffolgenden Abschnitt, der sich an Fortgeschrittene Word-Benutzer richtet, bspw. das Einfügen und Beschriftung von Abbildungen und Tabellen oder das Arbeiten mit Literaturverwaltungsprogrammen im Fokus. Nach der Darstellung der Vor- und Nachteile des Textverarbeitungsprogramms Microsoft Office Word, das nach dem What-you-see-is-what-you-get-Prinzip (WYSIWYG) funktioniert, wird mit LaTeX ein Programm vorgestellt, das eine professionelle Textverarbeitung ermöglicht, sich jedoch aufgrund einer anderen Funktionsweise (What you see is what you asked for-Prinzip; WYSIWYAF) eher an Profis richtet.

Ein vierseitiges Verzeichnis der verwendeten Literatur schließt den Band ab.

Diskussion

Der Einführungsband ist nachvollziehbar gegliedert und weitgehend stringent im Aufbau. Das Inhaltsverzeichnis erstreckt sich über dreieinhalb Seiten und stellt die Struktur des Buches sehr übersichtlich – bis in die dritte Gliederungsebene aufgefächert – dar. Dem formalen Ablauf von Forschungsprozessen empirisch-sozialwissenschaftlicher Arbeiten entsprechend (siehe Kapitel 1) erscheint es jedoch sinnvoll, das achte Kapitel direkt auf das fünfte folgen zu lassen.

Im Vergleich mit ähnlichen Grundlagenwerken (u.a. Obermaier 2017 | 328 Seiten; Sandberg 2017 | 330 S.; Sesink 2012 | 374 S.) zeichnet sich der rezensierte Band durch einen mit ca. 100 Seiten geringerem Umfang sowie durch die sozialwissenschaftliche respektive soziologische Prägung der Ausführungen und Beispiele aus. Die Aussage, dass es sich bei diesem Buch um den „einzige[n]“ (Berninger et al. 2017, Klappentext) Einführungsband in das wissenschaftliche Arbeiten für Sozialwissenschaftler(innen) handelt, der den gesamten Forschungsprozess abdeckt, ist jedoch zurückzuweisen, da zum einen auch andere Bände (z.B. Ebster/Stalzer 2017; Sandberg 2017) eine Einführung in diesen Themenbereich liefern und sich zum anderen ein einheitliches Grundlagenwerk aufgrund der Pluralität und Heterogenität sozialwissenschaftlicher Disziplinen nur bedingt realisieren lässt.

Obgleich die Kompaktheit des rezensierten Bandes als Stärke zu verstehen ist, da die wichtigsten Themengebiete zum wissenschaftlichen Arbeiten auf das Wesentliche reduziert behandelt werden, könnte insbesondere den Themen „Zitieren und Bibliografieren“ (als zentralen Techniken (sozial-)wissenschaftlichen Arbeitens) sowie „Datenerhebung, -analyse und Publikation“ wissenschaftlicher Arbeiten noch mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Für die Kapitel 8, 10 und 11 stellen die Autor(inn)en den Leser(inne)n mittels eines 19-seitigen Dokuments, auf das online zugegriffen werden kann, u.a. ergänzende Beispiele zur Gestaltung von PowerPoint-Folien oder eine Übersicht über die in Kapitel 8 zitierten Studien und Institutionen zur Verfügung. Wenngleich es sich beim Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften (GESIS) um die größte deutsche sozialwissenschaftliche Infrastruktureinrichtung handelt, sollte auch verstärkt auf andere Forschungseinrichtungen Bezug genommen werden, um deren Pluralität Rechnung zu tragen.

Hinsichtlich des elften Kapitels „Arbeiten mit Software“, einer Thematik, die in einem zeitgemäßen Grundlagenwerk zum wissenschaftlichen Arbeiten nicht vernachlässigt werden sollte, wäre neben der Einführung in Textverarbeitungsprogramme ein Überblick über weitere, in sozialwissenschaftlichen Forschungsprozessen zum Einsatz kommende Software, wie bspw. Statistik- und Analyse-Programme quantitativer (z.B. SPSS, PSPP, R) und qualitativer Forschung (u.a. MAXQDA), Transkriptionsprogramme (bspw. F4) und Präsentationssoftware (PowerPoint, Prezi etc.) wünschenswert. Ferner ist zu überlegen, ob nicht eine Aufnahme der Ausführungen zu den unterschiedlichen Programmen in die jeweils passenden inhaltlichen Kapitel sinnvoll wäre. So wird dies im vorliegenden Band z.B. in Kapitel 3 mit der Beschreibung von Literaturverwaltungssoftware) bereits umgesetzt.

Positiv hervorzuheben sind die Forschungs- und Anwendungsorientierung des Buches, die sich sowohl in inhaltlichen Schwerpunktsetzungen (siehe u.a. Kapitel 8, 10) als auch in zahlreichen konkreten Beispielen widerspiegeln.

Da (sozialwissenschaftliche) Daten in letzter Konsequenz ohne ein theoretisches Fundament „bedeutungslos“ (Berninger et al. 2017, S. 77) bleiben, werden mit dem Kapitel „Theorien, Modelle und Hypothesen“ wichtige Themenbereiche wissenschaftlichen Arbeitens behandelt, die in vergleichbaren Einführungswerken vernachlässigt oder nur en passant fokussiert werden (vgl. z.B. Obermaier 2017, Sesink 2012).

Obwohl sich die Schreibstile der Autor(inn)en unterscheiden, sind die – in der Regel kurzen – Kapitel (längstes Kapitel: Kap. 11, 31 S.) sinnvoll strukturiert und – ohne auf Fachterminologie zu verzichten – in einem für Studienanfänger(innen) angemessenen und verständlichen Sprachstil verfasst und äußerst leserfreundlich. Die Ausführungen werden dabei durch mehrere (Fall-)Beispiele, Visualisierungen und Querverweise ergänzt. Hierbei sollte noch größeres Augenmerk auf eine einheitliche Darstellung gelegt werden (vgl. Berninger et al. 2017, S. 32 vs. S. 18; S. 13 vs. S. 89 etc.).

Positiv hervorzuheben sind die separaten Verzeichnisse, die die zahlreichen Abbildungen und Tabellen übersichtlich auflisten und dadurch das Auffinden dieser im Buch erleichtern. Wünschenswert wäre (aus Sicht des Rezensenten) die Aufnahme eines (Sach-)Registers mit einschlägigen Stichworten.

Obgleich es sich bei diesem Einführungsband um ein kompaktes Nachschlagewerk handelt, bestünde großes Potenzial, durch die Aufnahme von Übungen und Prüfungsfragen zur Vertiefung wichtiger Inhalte, wie sie zum Beispiel im Lehr- und Übungsbuch von Sandberg (2017) enthalten sind, um das Selbststudium der Leser(innen) zu unterstützen (vgl. Siegel 2017, o. S.).

Fazit

Mit dem utb-Band „Grundlagen sozialwissenschaftlichen Arbeitens. Eine anwendungsorientierte Einführung“ bieten Ina Berninger, Katrin Botzen, Christian Kolle, Dominikus Vogl und Oliver Watteler den Leser(inne)n ein gelungenes Nachschlagewerk, in dem grundlegendes Wissen sowie Methoden und Techniken wissenschaftlichen Arbeitens auf das Wesentliche reduziert dargelegt und anhand sozialwissenschaftlicher Beispiele verdeutlicht werden. Trotz der diskutierten Kritikpunkte, kann das Buch aufgrund seiner Kompaktheit sowie Anwendungs- und Forschungsorientierung insbesondere Studienanfänger(inne)n sozialwissenschaftlicher Studiengänge (u.a. Anthropologie, Erziehungswissenschaft, Ethnologie, Psychologie, Soziologie) empfohlen werden.

Literaturverweise

  • Berninger, Ina/Botzen, Katrin/Kolle, Christian/Vogl, Dominikus/Watteler, Oliver (2017): Grundlagen sozialwissenschaftlichen Arbeitens. Eine anwendungsorientierte Einführung, 2. überarb. Aufl., Opladen/Toronto: Barbara Budrich.
  • Coleman, James S. (1990): Foundations of Social Theory, Cambridge (USA)/London(England): The Belknap Press of Harvard University.
  • Ebster, Claus/Stalzer, Lieselotte (2017): Wissenschaftliches Arbeiten für Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler. 5. überarb. u. erw. Aufl., Wien: Facultas.
  • Obermaier, Michael (2017): Arbeitstechniken Erziehungswissenschaft. Studieren mit Erfolg. Paderborn: Ferdinand Schöningh.
  • Sandberg, Berit (2017): Wissenschaftliches Arbeiten von Abbildung bis Zitat. Lehr- und Übungsbuch für Bachelor, Master und Promotion. 3., durchg. u. erw. Aufl. Berlin/Boston: De Gruyter Oldenbourg.
  • Sesink, Werner (2012): Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten. Inklusive E-Learning, Web-Recherche, digitale Präsentation u.a. 9., akt. Aufl. München: Oldenbourg.
  • Siegel, Stefan (2017): Rezension zu: Obermaier, Michael (2017): Arbeitstechniken Erziehungswissenschaft. Studieren mit Erfolg. Paderborn: Ferdinand Schöningh. abrufbar unter: www.socialnet.de/rezensionen/23310.php. (28.09.2017)

Rezensent
Stefan Siegel
M.A. Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Pädagogik mit Schwerpunkt Erwachsenen und Weiterbildung (Prof. Dr. Elisabeth Meilhammer) und Doktorand im Fach Pädagogik an der Universität Augsburg
Homepage www.philso.uni-augsburg.de/de/lehrstuehle/paedagogi ...
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Zitiervorschlag
Stefan Siegel. Rezension vom 26.10.2017 zu: Ina Berninger, Katrin Botzen, Christian Kolle, Dominikus Vogl, Oliver Watteler: Grundlagen sozialwissenschaftlichen Arbeitens. Eine anwendungsorientierte Einführung. UTB (Stuttgart) 2017. 2., überarbeitete Auflage. ISBN 978-3-8252-4622-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22906.php, Datum des Zugriffs 20.11.2017.


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