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Jochen Becker-Ebel (Hrsg.): Palliative Care in Pflegeheimen und -diensten

Cover Jochen Becker-Ebel (Hrsg.): Palliative Care in Pflegeheimen und -diensten. Wissen und Handeln für Pflegende. Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG (Hannover) 2017. 5., überarbeitete und aktualisierte Auflage. 213 Seiten. ISBN 978-3-89993-393-2. D: 19,95 EUR, A: 20,60 EUR, CH: 30,50 sFr.
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Thema

Adäquate palliative Versorgung ist ein Qualitätsindikator von Einrichtungen ambulanter und stationärer Pflege. Dieser Ratgeber wurde für die fünfte Auflage aktualisiert und will Pflegekräfte auf alle anfallenden Fragen und Versorgungsformen vorbereiten.

Herausgeber, Autorinnen und Autoren

Prof. Dr. Jochen Becker-Ebel ist Diplom-Theologe, Professor für Palliative Care, Supervisor DGSv, Organisationsberater und -trainer.

Als Herausgeber hat er sieben Fachexperten aus dem Bereich Palliativ Care gewinnen können, die mit ihm gemeinsam das Buch gestaltet haben.

Aufbau

Auf 213 Seiten verteilen sich acht Kapitel zu Themen wie Schmerz, Verringerung körperlichen Leids, psychosozialer Begleitung, Umgang mit existenziellen Krisen, Ethik, Zusammenarbeit und palliativen Grundhaltungen. Literaturhinweise zum Weiterlesen, die Vorstellung der Autorinnen und Autoren und ein Glossar runden das Buch ab.

Inhalt

In der palliativen Versorgung steht die Ganzheitlichkeit im Vordergrund: der Mensch mit seiner Seele, seinem Glauben, seiner sozialen Identität und dem Umgang mit seiner Erkrankung. Diese Grundhaltung nehmen sich die Autoren als Prämisse, um somatische, psychosoziale und spirituelle Themen zu bearbeiten.

Schmerz ist eins dieser Themen. Neben dem Erkennen, Verstehen und Behandeln von tumorbedingten, therapiebedingten und tumorunabhängigen Schmerzen beinhaltet das Buch einen Abschnitt zum Schmerzassessement. Ein weiterer Beitrag widmet sich der Verringerung körperlichen Leids und umfasst dabei die palliative Mundpflege, Symptomlinderung bei Übelkeit und Erbrechen, Linderung der Atemnot und anderer Respirationsprobleme, die Behandlung der Obstipation und palliativer Wundversorgung. Beispielhaft wird der Abschnitt zur Wundversorgung hier näher betrachtet. Bei Palliativpatienten steht nicht die Heilung der zumeist chronischen Wunden im Vordergrund, sondern das Lindern von Einschränkungen wie effektives Binden großer Exsudatmengen, Eindämmen von Geruch, schmerzarme Verbandwechsel, ein Anlegen kosmetisch angemessener Verbände etc. Häufig anzutreffende Wunden sind ulzerierende Tumore im Brust oder Kopfbereich, Dekubitalgeschwüre oder Sekundärheilungen nach Operationen. Es wird auf die Reinigung und Wundauflagen/-therapeutika eingegangen. Moderne Wundauflagen wie z.B. Aktivkohle, Hydropolymerverbände oder Superabsorber werden einander vergleichend in Bezug auf Auflagetyp, Haupteigenschaft und Handelsnamen gegenüber gestellt. Praxisnahe Hinweise zur Linderung von Gerüchen wie den Einsatz von Stomaprodukten, um Sekretmengen in einem geschlossenen System aufzufangen oder wie Wundblutungen behandelt werden können, sind für den pflegerischen Alltag wertvoll.

Der Abschnitt zur Begleitung bei psychosozialen Nöten geht auf Depressionen und Angst, der Führung hilfreicher Gespräche mit dem Modell der Transaktionsanalyse, Kommunikation mit nicht mehr sprachfähigen Menschen und die Angehörigenarbeit ein. Mit Fallbeispielen und Impulsfragen wird der Leser zur Reflexion angeregt. Der Beitrag „Existenzielle Krisen gestalten“ widmet sich der Bedeutung von Ritualen. Rituale bieten Orientierung und Identitätsbildung. Es existierende vorbereitende Phasen, die Teilnahme am eigentlichen Ritual und der Zeit der Wiedereingliederung und Neuanbindung. Zudem findet hier der Abschnitt zur Trauer seinen Platz. Die Stadien der Trauer werden nachgezeichnet, ebenso wie Maßnahmen im Rahmen der Trauerbewältigung durch Pflegende ergriffen werden können.

Das Team und die Kommunikation stehen in „Zusammenarbeiten und vernetzen“ im Fokus. Der Leser erfährt die Entwicklung von Teamdynamiken. Außerdem geht es um die Kommunikation mit Ehrenamtlichen, die in der Palliativversorgung eine wichtige Ressource darstellen. Ein Praxisbeispiel aus dem Alten- und Pflegeheim St. Nikolai in Niedersachsen zeichnet den Weg der Einrichtung zu einer optimalen Versorgung Sterbender nach.

Das letzte Kapitel zur Ethik klärt Begriffe aktiver und passiver Sterbehilfe, Tötung auf Verlangen, assistiertem Suizid und palliativer Sedierung. Ein Flussdiagramm zur Entscheidungsfindung gemäß des Patientenwillens, entworfen vom Herausgeber, gibt eine pragmatische Handlungshilfe zur Anpassung von Behandlungszielen.

Diskussion

Das Buch von Becker-Ebel stellt eine umfangreiche Abhandlung über pflegebezogene Themen in der Palliativversorgung dar. Neu sind in der fünften Auflage der settingübergreifende Blick, der Einbezug der aktuellen Leitlinien zur Medikamentenempfehlung und Hinweise zum Einsatz von Cannabis. Ebenso sind die Neuregelungen des Hospiz- und Palliativgesetzes enthalten.

Gut gefallen hat mir der interdisziplinäre Blick, der sich in der Wahl der Autoren und der Haltung gemeinsamer Lernprozesse im Arbeitsalltag zeigt. Ebenso gut gelungen ist den Herausgebern die Mischung aus Praxisnähe, Erfahrungswissen und Evidenz – dies würde ich mir für andere pflegerische Fragestellungen auch wünschen.

Fazit

„Es ist nicht zu wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist zu viel Zeit, die wir nicht nutzen“ – dieses Zitat des römischen Philosophen Seneca steht auf der ersten Seite und spiegelt den Geist palliativer Versorgung wieder. Das Buch „Palliative Care in Pflegeheimen und -diensten“ ist ein aktueller Ratgeber für alle Pflegenden, die Palliativpatienten betreuen.


Rezensentin
Dr. sc.hum. Nina Fleischmann
M.A. Public Health und Pflegewissenschaft
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Zitiervorschlag
Nina Fleischmann. Rezension vom 15.09.2017 zu: Jochen Becker-Ebel (Hrsg.): Palliative Care in Pflegeheimen und -diensten. Wissen und Handeln für Pflegende. Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG (Hannover) 2017. 5., überarbeitete und aktualisierte Auflage. ISBN 978-3-89993-393-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22909.php, Datum des Zugriffs 23.10.2017.


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