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Hartmut Laufer: Motivierend delegieren, kontrollieren, kritisieren

Cover Hartmut Laufer: Motivierend delegieren, kontrollieren, kritisieren. Wie Sie Mitarbeiter aktivieren statt frustrieren. Gabal Verlag GmbH (Offenbach) 2017. 220 Seiten. ISBN 978-3-86936-764-4. D: 24,90 EUR, A: 25,60 EUR, CH: 34,60 sFr.
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Thema

Das Buch stellt Vorgehensweisen, Praktiken und Instrumente für Führungskräfte vor. Als Möglichkeiten der Mitarbeitermotivation dienen dabei die Führungstätigkeiten Delegation, Kontrolle und Kritik.

Autor

Hartmut Laufer hat in seiner Vita Praxiserfahrung in Führungspositionen gesammelt und arbeitet als Führungskräfte- sowie Organisationsberatungstrainer. Er ist Mitbegründer des Mensor Instituts in Berlin, Autor mehrerer Bücher zum Thema Management sowie Verfasser von E-Learning-Kursen und Lernvideos.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist in acht Kapitel untergliedert, die inhaltlich aufeinander aufbauen und eng zusammenhängen. Im Anhang sind Arbeitshilfen sowie Selbstlern- und Trainermaterial aufzufinden.

Das erste Kapitel „Motivierende Mitarbeiterführung“ betrachtet die Mitarbeiterführung in der heutigen Zeit sowie motivationspsychologische Grundlagen. Eingehend stellt der Autor die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte mit heutigen Herausforderungen für Führungskräfte in Beziehung. Hierfür hebt er ein vorbildgebendes Führungsverhalten sowie einen situativen Führungsstil hervor. Des Weiteren nennt er eine partnerschaftliche Mitarbeiterführung, Delegation sowie Vertrauen als Basis für verantwortungs- und leistungsbereite Mitarbeiter. Nach einem kurzen Einblick in die Motivationspsychologie zieht Laufer daraus Folgerungen für Führungskräfte. Daraufhin geht er Gründen von Leistungs- und Verhaltensmängeln nach und nennt Leistungsergebnisse „das Produkt aus Fähigkeit sowie Motivation“ (S. 29). Abschließend unterstreicht der Autor wie notwendig die Individualität einer leistungsfördernden Maßnahme in Bezug auf den jeweiligen Mitarbeiter ist.

Im zweiten Kapitel „Führung durch Zielorientierung“ wird der Ablauf der Zielverfolgung im Umgang mit Mitarbeitern thematisiert. Vorab erläutert der Autor Bedingungen, die für eine erfolgreiche Zielverfolgung von Bedeutung sind. Daraufhin wird ausführlicher auf die Voraussetzungen der Zielakzeptanz des Mitarbeiters eingegangen. An dieser Stelle wird kurz akzentuiert, dass es Aufgabe der Führungskraft ist, die Rahmenbedingungen des Zielerfolges im Auge zu behalten und diese im Umgang mit dem Mitarbeiter zu berücksichtigen. Hier zeigt Laufer einige Überprüfungs- und Reflexionsfragen zu organisatorischen, personellen sowie materiellen Voraussetzungen auf. Der restliche Teil des Kapitels widmet sich Sinn, Durchführung und Inhalt von Zielvereinbarungs- und Jahresgesprächen mit Mitarbeitern.

Von „Delegieren von Verantwortung“ handelt das dritte Kapitel, in dem zu Beginn die Begrifflichkeiten „Verantwortung“ und „Delegieren“ genauer definiert werden. Daraufhin zeigt Laufer Nutzen und Wirkung von Verantwortungsdelegierung auf und bewertet sie als hohen Motivationsanreiz für Mitarbeiter: „Alle (…) Merkmale [von Verantwortungsdelegierung; Anm. der Rezensentin] zählen zu den besonders wirkungsvollen Motivationsfaktoren, die zu echter Arbeitszufriedenheit und hohem Mitarbeiterengagement führen.“ (S. 59) Der Autor nennt jedoch auch die Grenzen des Delegierens. Nachfolgend arbeitet er Methoden und Mittel des Delegierens heraus und empfiehlt hier, sowohl die Aufgabe als auch den Mitarbeiter in seinen Kompetenzen auf Eignung zum Delegieren zu prüfen. Auch vom Umgang mit Schwierigkeiten beim Übertragen von Aufgaben berichtet der Autor ausführlicher und veranschaulicht mögliche Lösungswege und Handlungen. Abschließend des dritten Kapitels sind sieben Regeln wirkungsvollen Delegierens aufgestellt, die vorhergehende Erläuterungen zusammenfassen.

„Vertrauen als Erfolgsfaktor“ lautet der Titel des vierten Kapitels, der den Inhalt bereits verdeutlicht. Laufer bemerkt hier nachdrücklich die hohe Bedeutung von gegenseitigem Vertrauen zwischen Führungskraft und Mitarbeiter. Darauffolgend werden Vorgehensweise zur Bildung vertrauensbildenden Führungsverhaltens aufgezeigt und ein ausgeglichenes Verhältnis von Misstrauen und Vertrauen angeraten.

Im fünften Kapitel „Kontrollen ohne Vertrauensschwund“ wird veranschaulicht, wie Überprüfung stattfinden und Feedback gegeben werden kann, ohne Demotivation und Misstrauen entstehen zu lassen. Der Autor nennt Formen des Feedbacks und stellt Regeln diesbezüglich auf. Des Weiteren hebt er die Notwendigkeit von Kontrolle aus arbeitswissenschaftlicher und führungspsychologischer Perspektive hervor. Neben der Betrachtung emotionaler Wirkung von Kontrolle wird illustriert, welche Auswirkungen die Art und Weise der Kontrolle hat. Letztendlich sind sieben Regeln motivierender Mitarbeiterkontrolle genannt. Zusammenfassend schließt Laufer das Kapitel mit dem Hinweis ab: „Kontrolle sollte nicht im Sinn der Fehlersuche, sondern der Erfolgsbestätigung betrieben werden.“ (S. 106)

„Motivierende Mitarbeiterkritik“ behandelt das sechste Kapitel. Laufer nennt sachliche und wohlmeinende Kritik „ein Zeichen von Interesse und Wertschätzung“ (S. 109) und zeigt ausführlich Zweck, Schwierigkeiten und Ablauf von aggressionsfreier Gesprächsführung auf. Auch zum Schluss dieses Teils werden dem Leser zehn Regeln bezüglich Kritikgesprächen offeriert, die vorangegangene Erläuterungen auf den Punkt bringen und berücksichtigen.

Aufbauend zum Ende des vorherigen Abschnitts werdenim siebten Kapitel „Konflikte bei der Zielverfolgung“ thematisiert. Vorab werden Ursachen und Nutzen von Widerständen aufgezeigt, um daraufhin Vorschläge im Umgang mit unzugänglicheren Mitarbeitern zu demonstrieren. Laufers Ansicht, dass Konflikte als Denk- und Handlungsanlässe gesehen werden sollten, zieht sich hier wie ein roter Faden durch den Text. Der Autor bekräftigt die Verwendung von Ich-Botschaften und bietet umformulierte Beispiele, die „unterschiedliche gefühlsmäßige Wirkung (…) trotz inhaltlich gleicher Sachlagen“ (S. 147) bieten.

Im achten Kapitel gibt Laufer abschließend zu Bedenken, dass ausbleibende Kontrolle und Kritik sich deutlich auf die Arbeitsqualität auswirken können. Die Methoden „Kontrolle und Kritik“ hält er für essentiell, damit eine optimale und motivierende Mitarbeiterführung gelingen kann.

Der Anhang enthält Arbeitshilfen wie bspw. einen Leitfaden für Delegationsgespräche oder einen Fragenkatalog zur Vorbereitung auf ein Kritikgespräch, die auch als elektronische Dokumentvorlagen über den Autor erhältlich sind.

Diskussion

Insgesamt ziehen sich durch das Buch Behauptungen, die nicht wissenschaftlich belegt werden. So werden beispielsweise motivationspsychologische Aspekte dargestellt sowie Bedürfnis- und Motivationsarten aufgezeigt, ohne die Quelle oder den theoretischen Zugang zu nennen. Da es diesbezüglich nicht nur eine sondern viele theoretische Ansichten gibt, wären dazu Angaben notwendig, um das Werk als wissenschaftlich fundiert anzusehen. Auch dem Hinweis auf neue Erkenntnisse oder Methoden der Hirnforschung (S. 33; 108) fehlt die Erwähnung der wissenschaftlichen Grundlage. Somit könnte die Vermutung aufkommen, dass alles Überzeugungen, Erfahrungen und Ideen des Autors sind. Darüber sollte sich die Leserin oder der Leser dieses Buches im Klaren sein.

Die Unterkapitel sind nicht nummeriert sondern lediglich in größerer Schrift verfasst. Des Weiteren zeigt das Layout eine unüberschaubare Zahl an im Text vorkommenden Überschriften. Diese beiden Tatsachen schränken den Lesefluss sowie die Übersichtlichkeit deutlich ein. Vorteilhaft sind die Marginalien am Rand der Seite, die prägnante Inhalte des nebenstehenden Textes aufzeigen. Auch die mit Ausrufezeichen markierten Merksätze fassen Wichtiges gut zusammen. In Summe mit den vielen Zwischenüberschriften entsteht leider auf den ersten Blick eine unüberschaubare Menge an hervorgehobenen Informationen.

Die Sprache des Buches ist leicht verständlich und die Vorschläge und Tipps des Autors erscheinen praxisnah und praktikabel. Besonders hervorzuheben sind die im Anhang aufgezeigten Arbeitshilfen. Diese erscheinen in der Rolle als neue Führungskraft als nützlich, können aber auch erfahrenen Personen Ideen oder Auffrischung bieten.

Fazit

Wer ein überschaubares Praxisbuch sucht, das einen kurzen Überblick zum Thema verschafft und verständlich zu lesen ist, ist hiermit gut beraten. Ein zeitgemäßes Führungsverständnis kommt deutlich in den Instrumenten und Methoden zum Vorschein, da sich die partnerschaftliche Mitarbeiterführung sowie ein persönlichkeitsachtendes Mitarbeiterbild grundlegend durch das Werk ziehen. Die im Anhang aufgezeigten Arbeitshilfen bieten gute Anregungen zu den einzelnen Themen, um eigene Instrumente zu entwickeln, zu überprüfen oder zu erweitern.

Um in die Tiefe gehen zu können empfehlen sich jedoch umfassendere Werke der Arbeits- und Organisationspsychologie, die einen intensiveren Blick auf das Thema geben oder Publikationen, die einzelne Kapitel des vorgestellten Buches als Schwerpunkt behandeln. Im Rahmen eines Studiums ist Laufers Werk eher weniger geeignet, da es aufgrund fehlender Quellenangaben nicht als wissenschaftliche Literatur bezeichnet werden kann.


Rezensentin
Janka Haas
B. A. Pädagogik der Frühen Kindheit, Erzieherin, Leitung Kinderkrippe
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Kommentare

Anmerkung der Redaktion: Die Rezension entstand im Rahmen des Masterstudiengangs Kindheits- und Sozialwissenschaften (MAKS) der Hochschule Koblenz


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Zitiervorschlag
Janka Haas. Rezension vom 04.09.2017 zu: Hartmut Laufer: Motivierend delegieren, kontrollieren, kritisieren. Wie Sie Mitarbeiter aktivieren statt frustrieren. Gabal Verlag GmbH (Offenbach) 2017. ISBN 978-3-86936-764-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22928.php, Datum des Zugriffs 12.12.2017.


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