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Veronika Schröter: Messie-Welten

Cover Veronika Schröter: Messie-Welten. Das komplexe Störungsbild verstehen und behandeln. Klett-Cotta Verlag (Stuttgart) 2017. 215 Seiten. ISBN 978-3-608-89183-6. D: 25,00 EUR, A: 25,80 EUR.

Leben lernen, Band 290.
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Thema

Veronika Schröter will in diesem Buch für Fachkräfte, Betroffene und Angehörige Erscheinungsformen, Ursachen und konkrete Handlungs- und Behandlungsmöglichkeiten der von Messie-Störung darstellen.

Autorin

Veronika Schröter ist gelernte Altenpflegerin und Heilpraktikerin für Psychotherapie. Sie hat zahlreiche Zusatzausbildungen, war in vielfältigen Feldern als pädagogische Kraft tätig und beschäftigt sich seit 15 Jahren intensiv mit den Formen und Behandlungsmöglichkeiten der Messie-Störung. Sie hat eine einjährige Zusatzausbildung für Messie-Fachkräfte konzipiert und organisiert.

Aufbau und Inhalt

In ihrem Buch stellt Veronika Schröter zunächst unterschiedliche Erscheinungsformen der Störung vor. Es gibt aus ihrer Sicht Gemeinsamkeiten der Messie-Störung, nämlich:

  • eine Unfähigkeit, aufzuräumen oder zu entrümpeln, weil den Klient*innen diese Wahlmöglichkeit gar nicht zur Verfügung steht
  • eine Unfähigkeit, sich ein behagliches Zuhause zu schaffen
  • Angst, Stress und ein Gefühl der Inkompetenz und
  • eine Unfähigkeit, diese Strukturen aus eigener Kraft zu ändern

Es gibt aber bei diesen Gemeinsamkeiten auch große Unterschiede. Hier findet Veronika Schröter eine grobe Einteilung in die Schwerpunkte „Wertbeimessungs-Störung“, „Vermüllungs-Syndrom“ und „Verwahrlosungs-Syndrom“ hilfreich.

Bei der Wertbeimessungsstörung sind Menschen nicht mehr in der Lage autonom zu entscheiden, was sie in der Wohnung haben wollen und was nicht. Ihr privater Lebensraum ist eingeschränkt, da er mit Gegenständen voll gestellt ist. Häufig versuchen die Betroffenen Ordnungssysteme zu etablieren, scheitern dabei aber.

Beim Vermüllungssyndrom können die Betroffenen ihre Umgebung nicht mehr nach üblichen Maßstäben sauber und frei von Unrat und Ungeziefer halten, was auch außerhalb der Wohnung bemerkt wird und Ängste, Information von Behörden und andere spektakuläre Reaktionen hervorruft.

Das Verwahrlosungssydrom ist zusätzlich zur Vermüllung noch durch eine Vernachlässigung der Körperpflege gekennzeichnet. Die Betroffenen haben sich aufgegeben und es gelingt ihnen nicht, sich nach bürgerlichen Vorstellungen zu pflegen.

Von normaler Unordnung unterscheidet das Messie-Syndrom, dass die Betroffenen nicht mehr in der Lage sind, ihre Vorhaben zur Ordnung umzusetzen und starke Einbußen an Lebensqualität erleben.

Anders als andere Fachleute ist Veronika Schröter nicht der Meinung, dass eine Messie-Störung notwendig mit einer psychischen Störung verbunden ist. Ob und in wieweit Komorbidität auftritt, sollte aus ihrer Sicht in jedem Einzelfall sorgfältig geprüft werden.

In einem großen Mittelteil ihres Buches widmet sich Veronika Schröter den Auswirkungen der Messie-Störung auf die Betroffenen selbst, auf ihr soziales Umfeld und schließlich auf die mit der Problematik konfrontierten Fachkräfte. Vor allem für die Zielgruppe der professionellen Helfer*innen will Veronika Schröter Haltungs- und Handlungsempfehlungen geben.

Hier ist aus ihrer Sicht zunächst eine Typologie hilfreich, die beispielsweise den „rebellischen Messie“ vom „idealistischen Messie“ unterscheidet. Mit neun Grundtypen will Veronika Schröter ein Verständnis und erste Handlungsideen für unterschiedliche Gruppen von Betroffenen entwickeln.

Im letzten Drittel des Buches gibt Veronika Schröter ganz praktische und Schritt für Schritt umsetzbare Handlungsempfehlungen für professionelle Helfer*innen. Ausgehend von einer wertschätzenden und nicht-direktiven Grundhaltung empfiehlt Veronika Schröter den Einbezug behördlicher, pädagogischer und technischer Hilfesysteme, die vernetzt auch die einzelne professionelle Kraft entlasten können. Mit klaren Schritten und langem Atem kann die so orientierte und handelnde Fachkraft verhindern, dass sie selbst von Gefühlen der Hilflosigkeit und Abwehr überflutet wird.

Fazit

Veronika Schröter hat lange Erfahrung im konkreten Umgang mit Betroffenen und ihren Helfer*innen. Ebenso ist sie erfahren und sehr gut orientiert im behördlichen Dschungel und Blätterwald. Dies wird im Buch mit seinen vielen konkreten Beispielen und klaren Orientierungen deutlich spürbar.

Veronika Schröter arbeitet mit der Universitätsklinik Freiburg zusammen. Wer hier eine wissenschaftliche Zusammenfassung des heutigen Standes der Desorganisations- oder Messie-Forschung erwartet, wird jedoch enttäuscht sein.

Wer jedoch als professionelle Helfer*in klare und fundierte Empfehlungen für den konkreten täglichen Umgang mit den Klient*innen und der Störung haben möchte, ist hier richtig und kann durch klare Orientierung, Aufteilung in Handlungsschritte und Verweise auf Unterstützungsmöglichkeiten Handlungssicherheit erlangen.

Wer beruflich mit betroffenen Klient*innen befasst ist, wird von diesem Buch profitieren.


Rezensentin
Prof. Dr. Lilo Schmitz
Hochschule Düsseldorf, Lehrgebiet Methoden der Sozialarbeit am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften
Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkt "Beruf und Burnout-Prävention"
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Zitiervorschlag
Lilo Schmitz. Rezension vom 09.10.2017 zu: Veronika Schröter: Messie-Welten. Das komplexe Störungsbild verstehen und behandeln. Klett-Cotta Verlag (Stuttgart) 2017. ISBN 978-3-608-89183-6. Leben lernen, Band 290. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22936.php, Datum des Zugriffs 18.10.2017.


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