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Sonja Öhlschlegel-Haubrock, Alexander Haubrock u.a. (Hrsg.): Nachhaltige Personalentwicklung

Cover Sonja Öhlschlegel-Haubrock, Alexander Haubrock, Alexander Haubrock (Hrsg.): Nachhaltige Personalentwicklung. Kohlhammer Verlag (Stuttgart) 2017. 150 Seiten. ISBN 978-3-17-029274-1. D: 20,00 EUR, A: 20,60 EUR.
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Autorin und Autor

Prof. Dr. Sonja Öhlschlegel-Haubrock lehrt Personalmanagement an der Fachhochschule Münster.

Prof. Dr. Alexander Haubrock lehrt seit September 2016 Wirtschaftspsychologie an der Fachhochschule Bielefeld. Nach Stationen am Institut für pädagogische Psychologie, in einer Unternehmensberatung und in der Geschäftsführung eines mittelständischen Bäckereiunternehmens in Rheinland-Pfalz wechselte er an die Hochschule Aalen in Baden-Württemberg, bevor er nach Bielefeld ging.

Entstehungshintergrund

Von Alexander Haubrock wird die Buchreihe „Human Ressource Competence“ herausgegeben; die Mischung englischer und deutscher Begriffe stammt vom Herausgeber. Inklusive des hier rezensierten Buchs umfasst die Reihe bisher vier Bände. Ein konkreten Anlass für dieses Buch gibt es wohl nicht, sondern es geht darum, dass Personalentwicklung als eines der klassischen Felder des Personalmanagements nur zielführend und hilfreich für Unternehmen sein kann, wenn aktuelle Entwicklungen berücksichtigt und mit der Unternehmensstrategie verwoben werden.

Aufbau

Nach Geleit- und Vorwort folgen fünf inhaltliche Kapitel sowie ein Literaturverzeichnis. Es ist eine klassische Publikation weitgehend ohne didaktische Aufbereitung, also kein Lehrbuch. Neben dem Text gibt es 15 „Tabellen“, die eher Aufzählungen sind, sowie 31 einfache Abbildungen ohne größere grafische Aufbereitung. Am Ende jedes Kapitels findet sich eine kurze Zusammenfassung. Die relativ wenigen Zitationen sind „amerikanisch“, also kurze Autorenangaben im Text. Zudem werden in den einzelnen Kapiteln zahlreiche Querverweise auf andere Kapitel gegeben.

Inhalte

Kap. 1 „Nachhaltige Personalentwicklung als generelle Unternehmensanforderung“ beginnt mit Begriffen wie Corporate Social Responsibility und Megatrends der Nachhaltigkeit wie Klimawandel, Ressourcenverknappung und demografischer Wandel. Leider wird der Begriff „Nachhaltigkeit“ nicht genau definiert, was angesichts der vielfältigen Anwendungsgebiete des Begriffs „Sustainability“ deutlich zum Verständnis beigetragen hätte. Kap. 1.1 setzt sich mit den Folgen des sogenannten demographischen Wandels auseinander, wobei es sich hierbei vor allem um ein deutsches Problem handelt. Kap. 1.2 geht dann auf den Initialbericht von Gro Harlem Brundtland aus dem Jahr 1987 ein. Reflektiert wird die „unternehmerische Responsivität“, ein dem politischen Sprachgebrauch entlehntem Begriff, mit dem beschrieben wird, inwieweit politische Amtsträger bereit sind, auf Bürgerwünsche einzugehen. Dann geht es zum organisationalem Lernen und zum Spannungsfeld zwischen Personalmanagement und Responsivität. Leider werden nicht alle Begriffe definiert, sondern nur auf unterschiedliche Definitionen verwiesen, ohne sie zu nennen. Zudem entsteht der Eindruck, dass Personalentwicklung weitgehend mit Weiterbildung gleichgesetzt wird.

Kap. 2 „Strategische Personalentwicklung“ ist relativ umfänglich und enthält zahlreiche Abbildungen. Basis ist das Modell von Bühner mit seinen fünf Schritten einer strategischen Personalentwicklung. Diese Schritte werden im Folgenden abgehandelt und mit Beispielen unterlegt. Es sind dies die Situationsanalyse inklusive der Umfeld- und Risikoanalyse, dann die Zieldefinition mit Zielfindung und Messbarkeit, der Entwicklungsbedarf, die Maßnahmenplanung quantitativ und qualitativ sowie die Realisierung und Steuerung. Interessant ist die kurze Zusammenfassung, die mit einem Lehrsatz aus dem Zeitmanagement beginnt.

Kap. 3 „Evaluation von Personalentwicklungsmaßnahmen und Nachhaltigkeit“ beginnt mit einem Beispiel und versucht hieran den Begriff der Nachhaltigkeit zu verdeutlichen. Dann folgt ein Sprung zum Human Capital Management – einem vielschichtigen Thema, bei dem man sich an die „Saarbrücker Formel“ von Christian Scholz erinnert fühlt. Es folgt der nächste Wechsel und es wird ausführlich das Modell der „Evaluation“ vorgestellt: Grundgedanke der Evaluation, Zielebenen der Evaluation mit Prozess- und Ergebnisevaluation und die partizipative Evaluation. Letztlich versuchen die Autoren, Instrumente zur Wirksamkeitsmessung vorzustellen, wobei den Fragen der Kausalität und intervenierender Variablen nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Kap. 4 „Förderung der Resilienz und Work-Life-Balance“ sind zwei Themen, die derzeit en vogue sind. Interessant ist, dass die Autoren dies in direkte Beziehung zur Arbeitsunfähigkeit setzen. Zunächst setzen sie sich mit dem Begriff der Resilienz auseinander und setzen ihn in Bezug zu Stress. Im nächsten Bereich geht es um den Resilienzaufbau, hierbei werden unterschiedliche Modelle wie Stress und Stressbewältigung und Banduras Selbstwirksamkeitserwartungen diskutiert. Es folgt ein Kapitel, das sich dem Abbau unternehmensinterner Belastungsfaktoren widmet. Dann wird über die „organisationale Resilienz“ referiert, ein sicherlich strittiger Begriff ebenso wie das „organisationale Lernen“. Den Abschluss bildet ein Kapitel zur „Work-Life-Balance“.

Kap. 5 „Erhaltung und Förderung der Beschäftigungsfähigkeit älterer Mitarbeiter“ greift letztlich wieder Teilbereich des Megatrends demografischer Wandel auf. Welche Voraussetzungen müssen für die Beschäftigungsfähigkeit Älterer gegeben sein? Danach setzten sich die Autoren kritisch mit dem Begriff ältere Mitarbeiter auseinander. Es geht es um das Lernen im Alter, vor allem um die Lernfähigkeit und Lernmotivation im mittleren Erwachsenenalter. Den Abschluss bilden die Ableitungen für die Personalentwicklung, wobei es konkret um Altersstereotype im Unternehmen und die Gestaltung von Personalentwicklungsmaßnahmen geht.

Diskussion

Man könnte das Buch wohlwollend als eine Tour d`Horizon zur Personalentwicklung bezeichnen. Allerdings fehlt hierfür etwas die logische Stringenz und insbesondere die Reflexion darüber, welche Funktionen Unternehmer in einer sozialer Marktwirtschaft haben. Zunächst einmal ist es Aufgabe des Unternehmers, sein Unternehmen überlebensfähig in der sozialen Marktwirtschaft zu halten. Die Rahmenbedingungen werden von der Gesellschaft vorgegeben, womit fraglich ist, inwieweit Unternehmer sich responsiv verhalten sollten. Auch wenn es modern ist, ökologische und ökonomische Ziele gleichermaßen zu fordern, so darf doch nicht verkannt werden, dass diese Ziele konflikthaltig sind. Genau dieses sagt der Brundtland-Bericht, wenn dort das Harmonieren unterschiedlicher Wandlungsprozesse gefordert wird. Fraglich ist zudem, ob aus derart übergreifenden Zielsetzungen eine operationale, nachhaltige Personalentwicklung abgeleitet werden kann.

Fazit

Es ist ein Buch, wie es vielfach von Fachhochschulautoren geschrieben wird. Kein Lehr- oder Textbuch, wie sie im angloamerikanischen Raum eingesetzt werden, aber auch kein fundiertes wissenschaftliches Fachbuch, das auf neuen, oft eigenen Forschungsergebnissen der Autoren basiert. Sondern ein durchaus gut geschriebenes und leicht verständliches Buch, das als Basis für eine Lehrveranstaltung dienen kann. Allerdings werden sehr viele aktuelle Themen berührt, skizziert und in Beziehungen gebracht, ohne immer in die notwendige Tiefe zu gehen. Ob die Deduktionen aus allgemeinen Trends zur konkreten Personalentwicklungsmaßnehmen in der betrieblichen Praxis wirklich möglich sind, darf angezweifelt werden. Es wird auch nicht immer ersichtlich, warum einzelne Themen ausgewählt wurden. So wird zwar ausgeführt, dass Personalentwicklung zur Mitarbeiterbindung und im Rahmen des Personalmarketings eingesetzt werden kann, aber nicht weiter konkretisiert. Letztlich bleibt auch offen, für welche Zielgruppe dieses Buch geschrieben wurde.


Rezensent
Prof. Dr. Rüdiger Falk
em. Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Human Resource Management, an der Hochschule Koblenz
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Zitiervorschlag
Rüdiger Falk. Rezension vom 26.10.2017 zu: Sonja Öhlschlegel-Haubrock, Alexander Haubrock, Alexander Haubrock (Hrsg.): Nachhaltige Personalentwicklung. Kohlhammer Verlag (Stuttgart) 2017. ISBN 978-3-17-029274-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22983.php, Datum des Zugriffs 21.11.2017.


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