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Sibylle Nagler, Gerd Löffler: Strategisches Talentmanagement

Cover Sibylle Nagler, Gerd Löffler: Strategisches Talentmanagement. Die besten Mitarbeiter finden, fördern und binden. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2017. 163 Seiten. ISBN 978-3-407-36609-2. D: 39,95 EUR, A: 41,10 EUR, CH: 51,90 sFr.
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Thema

Sibylle Nagler und Gerd Löffler definieren den Begriff des Talentmanagements im Kontext des Personalmanagements und als Abgrenzung zur Personalentwicklung.

Sie stellen ein Konzept für strategisches Talentmanagement in Unternehmen vor, welches die Besetzung von erfolgskritischen Positionen im Unternehmen durch gezielte und strategisch ausgerichtete Förderung von bereits beschäftigten Mitarbeitern und Rekrutierung von neuem Personal sicherstellen und somit zum Unternehmenserfolg beitragen kann.

Autorin und Autor

Sibylle Nagler ist als Beraterin für Personal- und Organisationsentwicklung tätig. Neben zahlreichen Qualifikationen im Bereich des Coaching verfügt sie unter anderem über Erfahrung als Dozentin an der Universität Augsburg im Bereich der Fortbildung von Personalreferenten. Sie gilt als Expertin für strategisches Talentmanagement.

Gerd Löffler ist als Managementberater, Trainer und Coach national und international für unterschiedliche Branchen tätig.

Seit 2008 sind beide Autoren Geschäftsführer einer Beratungsgesellschaft in München, die im Bereich der professionellen Personalentwicklung tätig ist.

Entstehungshintergrund

Die Autoren beziehen sich auf eine Untersuchung der we.conect Gruppe Berlin. Diese belegt mit der Untersuchung „Human Resources Perspektive 2016“, dass das Thema Talentmanagement für leitende Personalmanager im Bereich des Human Resources Management in den nächsten fünf Jahren an zweiter Stelle der Herausforderungen steht. Nagler und Löffler wollen in diesem Themenfeld Lücken schließen und Unterstützung anbieten, denn

  • Talentmanagement ist in seiner großen Bedeutung für den Unternehmenserfolg zu wenig bekannt.
  • Talentmanagement muss sich aus den strategischen Zielen des Unternehmens herleiten und in Ziele für die Personalentwicklung münden.
  • Talentmanagement ist für Führungskräfte noch kein Thema.
  • Personalabteilungen fehlt für Talentmanagement ausreichend fachliches Know-how und Personal.
  • der Begriff Talent ist nicht eindeutig definiert.

Aufbau

Nagler und Löffler haben das Buch in folgende vier Kapitel gegliedert, denen ein Inhaltsverzeichnis, ein Vorwort und eine Einleitung vorangestellt sind:

  1. Definition und Standortanalyse
  2. Was Sie unbedingt beachten sollten: 7 Erfolgskriterien für strategisches Talentmanagement
  3. So gehen Sie vor: 7 Schritte und mögliche Stolpersteine
  4. Beispiele aus der Praxis

Die Kapitel Schluss, Anhang und ein Literaturverzeichnis runden mit zusätzlichen Informationen den Aufbau ihrer Ausführungen ab.

Inhalt

Bereits in der „Einleitung“ stellen die Autoren heraus, dass die Sicherung von Erfolg, Wachstum und Innovationsfähigkeit von Unternehmen von den Mitarbeitern abhängig ist, die genau das können und wollen, was zu den Herausforderungen des Unternehmens passt. Somit beschreiben Nagler und Löffler die Besetzung von erfolgskritischen Positionen mit entsprechenden Talenten als den zentralen Gewinn von Talentmanagement bei der Erreichung unternehmensstrategischer Ziele.

Im Kapitel „Definition und Standortanalyse“ grenzen die Autoren den Talentbegriff soweit ein, dass er für das Talentmanagement genutzt werden kann. „Talente sind Personen mit erfolgskritischen Kompetenzen über alle Hierarchien hinweg. Sie sind (potentielle) Schlüsselmitarbeiter, die wesentlich zur Wertschöpfung des Unternehmens beitragen und deren Leistungen nicht ohne weiteres kompensiert werden können.“ (vgl. S. 21). Im weiteren Verlauf gehen Nagler und Löffler auf die Abgrenzung vom Talentmanagement zur Personalentwicklung ein. Demnach umfasst die Personalentwicklung alle systematischen Weiterbildungs- und Fördermaßnahmen sowie Organisationsentwicklungsmaßnahmen wie z.B. Teamcoaching. Die Autoren bezeichnen dagegen das Talentmanagement als ein Organisationskonzept, welches auf das Finden, die Gewinnung, die Förderung und die Positionierung der Mitarbeiter zielt „[…], die aufgrund ihrer für die Organisation erfolgskritischen Schlüsselkompetenzen als Talente bezeichnet werden.“ (vgl. S. 21). Nagler und Löffler bieten einen Talentmanagement-Check in Form von Reifegraden an, mit dessen Hilfe eine grobe Standortbestimmung für jedes Unternehmen durchgeführt werden kann.

In dem Kapitel „Was Sie unbedingt beachten sollten: 7 Erfolgskriterien für strategisches Talentmanagement“ stellen die Autoren die Kriterien vor und führen diese detailliert und mit grafischer Unterstützung näher aus:

  1. Talentmanagement wird als Teil der Unternehmensstrategie verstanden.
  2. Human Resources ist in der Gesamtverantwortung für das Talentmanagement und hat drei Rollen: strategischer Planer, kreativer Gestalter, verantwortlicher Controller.
  3. Führungskräfte sind Talententwickler.
  4. Ein aus der Unternehmensstrategie abgeleitetes Kompetenzmodell ist die Grundlage zur Talentidentifikation. Dabei sind Schlüsselpositionen mit klaren Rollen- und Aufgabenbeschreibungen definiert.
  5. Die Identifikation von Talenten ist ein transparenter Prozess und beruht auf objektiver Personaldiagnostik.
  6. Für die Nachfolgeplanung greift das Talentmanagement.
  7. Definierte Ziele von Maßnahmen und Programmen werden evaluiert.

Das Kapitel „So gehen Sie vor: 7 Schritte und mögliche Stolpersteine“ stellt den Hauptteil des Buches dar. Hier beschreiben die Autoren die Umsetzung der 7 Schritte, die sie für das Talentmanagement als sinnvoll und notwendig erachten. Die 7 Schritte ergeben sich aus den Erfolgskriterien und werden differenziert ausgeführt. Auch in diesem Kapitel werden neben Checklisten, Tests und Beispielen viele Grafiken und Tabellen zur Verdeutlichung eingesetzt. Zudem benennen Nagler und Löffler Stolpersteine, die die Umsetzung der einzelnen Schritte in die Praxis beeinträchtigen können. Deutlich geht aus ihren Ausführungen hervor, dass ein funktionierendes Talentmanagement von einer guten Vernetzung von Geschäftsführung und Personalabteilung sowie von einer unternehmensspezifischen Definition von Schlüsselpositionen und Kompetenzen abhängig ist.

In dem Kapitel „Beispiele aus der Praxis“ stellen die Autoren die gelungene Einführung von Talentmanagement in zwei Unternehmen aus ganz unterschiedlichen Branchen vor. Auch dieses Kapitel präsentiert viele Instrumente, die in den beschriebenen Prozessen zum Einsatz gekommen sind. Beschrieben wird jedoch auch ein Prozess der Einführung von Talentmanagement, der über die Planung von Schritt 6 nicht hinauskam und von Nagler und Löffler als gescheitert erklärt wurde.

In dem kleinen Abschnitt „Schluss“ führen die Autoren den Leser noch einmal auf ihr Werteverständnis zurück, nachdem – bei aller Strategie – das Talentmanagement den Menschen in den Mittelpunkt stellen soll.

Nagler und Löffler geben im „Anhang“ Informationen zu einem von ihnen verwendeten Personaltest und führen in dem anhängenden „Literaturverzeichnis“ den Nachweis zu den von ihnen verwendeten Quellen.

Diskussion

Das Buch bietet einen ersten kompakten Einblick in die Thematik des strategischen Talentmanagements. Es eignet sich für Geschäftsleitung und Management von Unternehmen und Organisationen, die eine Standortbestimmung für den eigenen Aufgabenbereich zu diesem Thema wünschen oder sich im Talentmanagement neu orientieren wollen.

Mit vielen nutzbaren Instrumenten, Checklisten, Tests und Beispielen wird der Leser in die Thematik eingeführt. Der Hinweis, dass die Einführung von Talentmanagement zunächst auch in einzelnen Abteilungen möglich ist, entlastet und motiviert, sich dem Thema auch in der Praxis zu nähern.

Die in verschiedenen Grautönen gehaltenen grafischen Darstellungen sind leider nicht immer deutlich und eindeutig zu lesen und werden dem Buch in seiner Komplexität und seinen differenzierten Ausführungen nicht ganz gerecht.

Fazit

Die Ausführungen von Nagler und Löffler stellen mit dem strategischen Talentmanagement ein 7-schrittiges Konzept vor, welches praxisnah und nachvollziehbar darstellt, wie die Besetzung von Schlüsselpositionen im Unternehmen durch strategisch geleitete Recherche – mit geeigneten Mitarbeitern aus dem eigenen Haus oder vom Arbeitsmarkt – zum Unternehmenserfolg beitragen kann. Die Autoren bereiten die einzelnen Erfolgskriterien anschaulich und transparent auf, so dass eine Umsetzung des Konzepts branchenübergreifend möglich ist. Nagler und Löffler gelingt es dabei, deutlich zu machen, dass die Umsetzung von strategischem Talentmanagement eine auf die Zukunft gerichtete Unternehmenskultur etabliert.


Rezensentin
Diana Bruguet
Bildungs- und Sozialmanagement BA, Sozialpädagogin, Fachberatung für Tageseinrichtungen für Kinder
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Kommentare

Anmerkung der Redaktion: Die Rezension entstand im Rahmen des Masterstudiengangs Kindheits- und Sozialwissenschaften (MAKS) der Hochschule Koblenz


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Zitiervorschlag
Diana Bruguet. Rezension vom 30.08.2017 zu: Sibylle Nagler, Gerd Löffler: Strategisches Talentmanagement. Die besten Mitarbeiter finden, fördern und binden. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2017. ISBN 978-3-407-36609-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22987.php, Datum des Zugriffs 17.12.2017.


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