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Michaela Huber: Der geborgene Ort (... bei chronischem Strress)

Cover Michaela Huber: Der geborgene Ort. Sicherheit und Beruhigung bei chronischem Stress. Junfermann Verlag GmbH (Paderborn) 2017. 93 Seiten. ISBN 978-3-95571-053-8. D: 19,90 EUR, A: 21,50 EUR, CH: 28,50 sFr.

Ein Übungsbuch mit CD.
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Thema

Michaela Huber hat mit dem Buch „Der geborgene Ort“ ein Praxisbuch geschaffen, das die Leser*innen in direkter Rede anspricht. Neben Information zum Umgang mit chronschem Stress werden sechs konkrete Imaginationen von der Autorin vorgestellt.

Das Buch gibt einen knappen und praxisorientierten Einblick in die Themen Stress, Bindung, Gefühlsregulation, Achtsamkeit, Folgen von Gewalt und Auswirkungen von therapeutischen Maßnahmen.

Die sechs Imaginationen sind, einschließlich der dazugehörigen Einleitungstexte, zusätzlich auf der beiliegenden CD aufgenommen.

Autorin

Michaela Huber ist Diplom-Psychologin, approbierte Psychologische Psychotherapeutin, Supervisorin und Ausbilderin in Traumabehandlung. Ihre klinischen Ausbildungen machte sie unter anderem in Verhaltenstherapie, Hypnotherapie und EMDR. Das Zentrum für Psychotraumatologie Kassel e.V. hat sie mit begründet, sie ist 1. Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Trauma und Dissoziation (DGTD) und als niedergelassene Psychotherapeutin in Kassel tätig.

Aufbau und Inhalt

Das Buch besteht aus sechs Abschnitten

  1. Was ist Geborgenheit?
  2. Wie geht das: eine Last ablegen?
  3. Was könnte aus uns werden?
  4. Zum Licht!
  5. Der Staugsaubär – eine freundliche innere Helfer-Gestalt
  6. Wenn es innen brodelt.

1. Was ist Geborgenheit? Michaela Huber führt an die erste Imagination heran indem sie über Bindung und Feinfühligkeit informiert. „Heute ist es unbestritten, dass es tatsächlich die Feinfühligkeit, also das liebevolle und beschützende Verhalten der erwachsenen Bindungspersonen ist, die dafür sorgt, dass ein kleines Kind die besten Bedingungen zur weiteren Entfaltung seines Gehirns und seiner körperlichen Entwicklung außerhalb des Mutterleibs vorfindet.“ (S. 33) Die Übung „der geborgene Ort“ ist angelehnt an die Übung zum sicheren Ort. Zuerst wird das verletzliche Selbst imaginiert und dann das Geborgenheit Spendende und Schützende darum herum geschaffen. Der Schutz wird weiter verstärkt durch die Vorstellung, dass Nähe und Distanz zu diesem Ort nach Bedarf geregelt werden können.

2. Wie geht das: eine Last ablegen? Im zweiten Kapitel geht es um das Ablegen von Lasten. Die Übung ist eine Abwandlung der bekannten Tresor-Übung und die Autorin führt in kleinen Schritten an die Übung heran mit Hinweisen für Patient*innen und Kolleg*innen. Die Lasten werden in der Übung verpackt, wegtransportiert und an einem individuell zu wählenden Ort abgelegt und sicher verwahrt. Zusätzlich können wir Wünsche formulieren was mit den Lasten an diesem Ort geschehen soll, wie sie sich verändern sollen. Das Weggehen von diesem Ort am Ende der Übung verstärkt die Distanzierung zu den Belastungen noch zusätzlich.

3. Was könnte aus uns werden? In diesem Abschnitt informiert die Autorin über die ACE Studie. Die Belastungsfaktoren stellt sie primärer und sekundärer Resilienz gegenüber, der Fokus liegt dabei auf der Entwicklung von Resilienz. „..Man kann lebenslang etwas dafür tun, mit dem gegenwärtigen und vergangen Stress besser umzugehen ..“ (S. 53) Die Übung „Was entsteht aus einem Samenkorn?“ ist eine Abwandlung der Baum-Übung. Im Gegensatz zur Übung von Luise Reddemann ist diese Übung offener gestaltet. Hier sind wir die Pflanze selbst, welche Pflanze genau ist aber offen. Wir können auch mit anderen Pflanzen verbunden sein und an unterschiedlichen Orten wachsen. Das Nähren und Stärken steht auch hier im Mittelpunkt der Übung.

4. Zum Licht! Die Lichtübung ist eine sehr schöne Übung zum Beruhigen. Einführend werden Assoziationen zum Thema Licht ausgeführt auch eine mögliche Nähe zu spirituellen Dimensionen wird angesprochen. In der Übung „Das Beschützelicht und das Geborgenheitslicht“ stellen wir uns vor, von freundlichem Licht umgeben zu sein, wenn gewünscht kann das Licht auch in den Körper kommen und je nach Wunsch wärmen oder kühlen. Als Erweiterung für Schutz wird noch das Bild angeboten, dass ein Lichtstrahl um uns herum läuft und alle Belastungen abwehrt. Schutz, Geborgenheit und Heilung stehen im Mittelpunkt dieser Übung.

5. Der Staugsaubär – eine freundliche innere Helfer-Gestalt. Die Figur des Staugsaubären ist in der Arbeit mit Kindern entstanden, die nachts belastende Bilder, Gedanken, Gefühle,. nicht loswerden können und hilft dabei sich zu distanzieren und Erleichterung zu finden. In der Imagination „Der Staugsaubär“ stellen wir uns einen liebevollen Bären mit einem Staubsauger vor, der alles Belastende aus uns heraus saugt. Der ganze Körper wird so abgesaugt, bis „..dort alles, was an Kummer und Sorgen und unangenehmen Bildern und Tönen und Träumen und Spannungen und – ach einfach alles was du gerne loswerden möchtest, wie das alles weggesogen wird, aufgeschlürft, weggezuzelt, aufgeschnurpselt, klein geraspelt und abgesaugt wird.“ (S. 74) Begleitend zur Übung können auch Geräusche gemacht werden.

6. Wenn es innen brodelt. Im letzten Kapitel stellt Michaela Huber eine Übung vor, die helfen soll einzuschlafen – besonders, wenn die Gedanken nicht zur Ruhe kommen können. Die Übung „Ein Rap gegen den Blues“ greift Bilder aus den vorherigen Übungen nochmals auf. „Da ist ein Rhythmus, der zunächst das rasche Denken aufgreift, um es allmählich über Reime und Bilder und die Wiederholung von Vorstellungen zu beruhigen ...“ (S. 77)

Zielgruppe

Das Buch richtet sich in erster Linie direkt an Klient*innen und Patient*innen, die unter chronischem Stress leiden. Die Autorin begleitet durch die direkte Rede gleichsam durch den Text, als wäre sie bei einem. Die Theorie ist dabei so aufbereitet, dass auch ohne Vorwissen, ein gutes Basisverständnis über Stress und Stressmanagement aufgebaut wird und die Übungen können gelesen oder direkt über die CD angehört werden.

Gleichermaßen ist das Buch aber auch für professionelle Helfer*innen geschrieben: Psychotherapeut*innen, Ärzt*innen und Psycholog*innen. Die Übungen eignen sich hervorragend für die eigene Psychohygiene und können in der Arbeit mit Klient*innen angeleitet werden.

Fazit

Michaela Huber gibt einen gut strukturierten, übersichtlichen und vertrauensbildenden Einblick in stabilisierende Imaginationen für Menschen mit chronischem Stress. Die Texte der Einführungen, ebenso wie jene der Übungen selbst, sind fürsorglich, behutsam und präzise formuliert.

Einige der Bilder sind, für meinen Geschmack, etwas zu verspielt und kindlich ebenso, wie die Figur des Staugsaubären in Kapitel fünf. Zugleich bringt dies aber auch Leichtigkeit und Humor ins Buch zu einem Thema das allzu schwer ist. Jedenfalls tut es der Qualität der Übungen keinen Abbruch.

Die knappe Darstellung der einzelnen Abschnitte ermöglicht rasch praktisches Arbeiten. Auch nur einzelne Übungen können so angewendet werden.

Die CD ist von der Autorin selbst besprochen. Ihr Ton ist ruhig, klar, freundlich und wohlwollend. Manchmal liest sie Abschnitte etwas rasch, aber insgesamt ist die CD angenehm und wohltuend.

In Summe ein gelungenes Praxisbuch für die Traumaarbeit.


Rezensentin
Mag.a Manuela Pichler
Klinische- und Gesundheitspsychologin, Arbeitspsychologin
Publikation: http://www.zks-verlag.de/subjektives-wohlbefinden-im-alter-print/
Homepage www.praxispichler.at
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Zitiervorschlag
Manuela Pichler. Rezension vom 16.11.2017 zu: Michaela Huber: Der geborgene Ort. Sicherheit und Beruhigung bei chronischem Stress. Junfermann Verlag GmbH (Paderborn) 2017. ISBN 978-3-95571-053-8. Ein Übungsbuch mit CD. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22996.php, Datum des Zugriffs 15.12.2017.


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