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Michael Klassen: Case Management mit System

Cover Michael Klassen: Case Management mit System. Neue Impulse für eine systemtheoretische Praxis. medhochzwei Verlag GmbH (Heidelberg) 2017. 150 Seiten. ISBN 978-3-86216-360-1. D: 39,99 EUR, A: 41,20 EUR.
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Thema

Das Buch stellt einen Beitrag zu einer systemtheoretischen Betrachtung des Case Managements dar. Aus dieser Perspektive heraus werden relevante Probleme beschrieben, erklärt und mit Lösungsansätzen diskutiert, die auf der Systemtheorie basieren.

Aufbau

Das Buch beleuchtet die Struktur von Case Management aus systemischer Sicht. Darauf fußend geht der Autor auf dessen Gesetzmäßigkeiten und ihren potenziellen Nutzen für das Case Management ein. Sodann wird die Frage nach dem systemtheoretisch fundierten Handeln im Case Management in sozialen Systemen diskutiert. Eine zentrale Fragestellung lautet: wie sieht das Menschen- und Gesellschaftsbild unterschiedlicher systemtheoretisch relevanter Ansätze aus und was bedeutet dies für die praktische Anwendung im Case Management.

Der Autor diskutiert die Frage des Menschen- und Gesellschaftsbildes unterschiedlicher systemtheoretischer Ansätze und reflektiert die Bedeutung für die Anwendung im Case Management.

Das Buch endet mit der Darstellung und Anwendung dieser systemischen Orientierung mittels praktischer Fallanalysen auf das Case Management.

Inhalt

Nach einer Einleitung führt der Autor in die Struktur des Case Management aus der systemischen Perspektive ein (Kapitel 2). Es geht um grundlegende erkenntnistheoretische Erkenntnistheorien – bzw. quellen, die der Autor vorstellt und sodann in den Kontext der Prozessphasen (Regelkreis) des Case Managements stellt.

Kapitel 3 geht explizit näher auf die Entwicklung von Beschreibungs- und Erklärungstheorien ein, da diese nach Auffassung des Autors oft in der CM-Beratung zu kurz gelangen. Es folgt ein Abschnitt, in dem geklärt werden soll, was unter einer wissenschaftlichen Theorie zu verstehen ist. Der Autor stützt sich dabei besonders auf den kanadisch-argentinischen Wissenschaftler Bunge und überträgt die zugrunde liegenden Theorien und Hypothesen auf das CM. Diese Auseinandersetzung führt zu dem Fazit, dass Menschen – auch und gerade in CM Beratungsprozessen immer wieder auf der Suche nach Erklärungsmustern und dahinter liegenden Gesetzmäßigkeiten seien, die sich in sozialen Systemen entfalten.

Folgerichtig behandelt das 4. Kapitel die Rolle der sozialen Systeme im Kontext des Case Managements.

Nach einer Auseinandersetzung mit dem Begriff der sozialen Systeme und dessen Übertragung auf das CM setzt sich der Autor mit dem systemischen Menschenbild und seiner Relevanz für das CM auseinander (Kapitel 5).

Im Folgekapitel 6 werden menschliche Bedürfnisse und die Folgen ihrer Nichterfüllung diskutiert. Mit diesen Ausführungen möchte der Autor insbesondere das Bedürfnis nach sozialen Beziehungen, sozialer Anerkennung etc. erklären und auf das Case Management übertragen. Der wesentliche Erkenntnisgehalt soll in dem besseren Verständnis darüber liegen, warum und wie sich die Akteure des Case Management in bestimmten Situationen verhalten. Gibt es universale, objektiv geltende Bedürfnisse deren Befriedigung für das CM einer tiefergehenden Betrachtung bedürfen?

In Kapitel 7 folgt daher eine Auseinandersetzung mit dem Capability Apporach – einem philosophisch und ökonomischen aktuell diskutierten Referenzrahmen. Bezogen auf das Case Management stellt der Autor die Frage wie Capabilitiy im Sinne von Verwirklichungschancen / Befähigungen nutzbar gemacht werden können, welche Indikatoren zur Zielerreichung herangezogen werden können. Zu diesem Zwecke differenziert der Autor verschiedene Capabilitys (z.B. materielle Kontrolle über die eigene Lebenswelt / Verbundenheit mit anderen Menschen etc.) und versucht diesen Indikatoren zuzuordnen wie z.B. die Anzahl der Besuche kultureller Veranstaltungen. Der Autor will damit untermauern, dass jedem Indikator verschiedene Maßnahmen zugrunde liegen können.

Das Folgekapitel geht auf die Frage ein, warum es nicht allen Menschen gelingt, ihre Bedürfnisse/ Capabilities zu erfüllen (Kapitel 8). Als Erklärungshintergrund werden „soziale Probleme im Ausstattungsbereich“ wie Erkenntniskompetenz, Alter und andere aufgegriffen. Weiterhin diskutiert der Autor begrenzende Regeln wie z.B. die Zugänge zu Ressourcen, Behinderungsregeln und – macht.

Dies führt den Autor zur Auseinandersetzung mit systemischen Gesellschaftsvorstellungen, die im Kapitel 9 in Bezug auf das Case Management diskutiert werden sollen. Es werden das holistische Gesellschaftsbild auf Basis der Theorie von Niklas Luhmann sowie das systemische Gesellschaftsbild auf Basis der Theorie von Bunge skizziert und in den Kontext des Case Management gestellt.

Im Kapitel 10 werden schließlich Fragen nach Gerechtigkeit und Werten im Case Management diskutiert.

Besonderen Stellenwert nimmt dabei die Bedeutung und Relevanz von Werten ein, die der Autor auch für das folgende Kapitel 11 heranzieht, um die Evaluation des Case Managements im Lichte der Werte und deren Outcomes aufgreift. Nach einem Streifzug zur Bedeutung und Relevanz des Informationstechnologie im Case Management schließt das Buch mit einem Kapitel (13), in dem ein beispielhafter Anwendungsfall aus der systemischen Sicht behandelt wird.

Hier greift der Autor unter Bezugnahme der in den vorherigen Kapiteln diskutieren Ansätze die Phasen des Case- und Care Managements (Kapitel 14) auf und führt diese mit praktisch relevanten Fragestellungen fort.

Diskussion

Das Buch leitet den Leser mit dem Untertitel „neue Impulse für eine systemtheroretische Praxis“ zunächst durch theoriegeleitete Diskussionen, grundlegende erkenntnistheoretische Erkenntnistheorien – bzw. quellen, die der Autor vorstellt und sodann in den Kontext der Prozessphasen (Regelkreis) des Case Managements stellt. Besonders der systemtheoretische Ansatz von Bunge inspiriert den Autor für diese Herangehensweise der Diskussion.

Das vorliegende Buch geht ganz bewusst nicht primär auf einen praxis- und handlungsorientierten Ansatz ein, da der Autor in einer systemischen Betrachtung des Case Managements eine adäquate Herangehensweise für die im Case Management zugrunde liegenden Probleme sieht. Und damit könnte besonders die Zielgruppe der in der Praxis stehenden Case Manager einen Erkenntnisgewinn durch das Einnehmen eines anderen Blickwinkels erreichen.

Fazit

Das Buch fordert den Leser auf, Case Management bewusst sytemtheoretisch zu betrachten, um es erst abschließend anhand zweier Praxiskapitel abzurunden. Diese Betrachtungsweise ist insofern wertvoll und hilfreich, weil sie hilft, die Problemlagen und Fragestellungen des Case Management in einem systemtheoretische geleiteten Kontext zu reflektieren und erst dann mit der Praxis zu konfrontieren. Und genau darin liegt der Erkenntnisgewinn: nicht unmittelbar nach Handlungsansätzen zu fragen sondern zunächst Erklärungsmuster für Phänomene zu suchen, die im Kontext des Case Management relevant sein können.


Rezensentin
Prof. Dr. Michaela Röber
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Zitiervorschlag
Michaela Röber. Rezension vom 06.02.2018 zu: Michael Klassen: Case Management mit System. Neue Impulse für eine systemtheoretische Praxis. medhochzwei Verlag GmbH (Heidelberg) 2017. ISBN 978-3-86216-360-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23005.php, Datum des Zugriffs 24.05.2018.


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