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Barbara Schönig, Justin Kadi u.a. (Hrsg.): Wohnraum für alle?!

Cover Barbara Schönig, Justin Kadi, Sebastian Schipper (Hrsg.): Wohnraum für alle?! Perspektiven auf Planung, Politik und Architektur. transcript (Bielefeld) 2017. 310 Seiten. ISBN 978-3-8376-3729-8. 29,99 EUR.
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Entstehungshintergrund

Das Buch ist ein Sammelband mit 18 Beiträgen von 25 Autor/innen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen und Aktionsfeldern, die mit dem Thema Wohnen zu tun haben. Es ist das Ergebnis der Konferenz: „Wohnen für alle?! Wissenschaftliche Perspektiven auf Architektur, Planung und Politik“, die 2016 vom Institut für europäische Urbanistik der Bauhaus Universität Weimar in Kooperation mit der Hermann Henselmann Stiftung durchgeführt wurde.

Thema

Den thematischen Hintergrund für diese Konferenz bilden die steigenden Miet- und Wohnungspreise seit der Krise 2008 insbesondere in Groß- und Universitätsstädten und die Tatsache, dass es für einkommensschwache Schichten und Mittelschichten immer schwieriger wird, leistbaren Wohnraum zu finden im Zuge einer allgemeinen Neoliberalisierung aller Lebensbereiche,

In diesem Sinne diskutieren die Beiträge die gesellschaftspolitische Bedeutung der Wohnungsfrage, analysieren in unterschiedlicher Herangehensweise die Gründe für die Wohnungsnot und beleuchten Strategien für nicht profitorientierte Wohnraumversorgung und Realisierung von Wohnraum für alle. Aufgrund der interdisziplinären Zusammensetzung der Teilnehmerinnender Konferenz vereint der Sammelband gestalterische und gesellschaftpolitische Lösungsansätze zur Wohnungsfrage. Die Beiträge sind fokussiert auf Deutschland, ein Beitrag beleuchtet das Wiener Modell, ein Beitrag auf Englisch „Social Housing in Europe“ und ein weiterer Beitrag die Community Trusts in den U.S.A.

Aufbau und einleitende Thesen

Bei der Deutschen Nationalbibliothek findet sich das vollständige Inhaltsverzeichnis.

Das Buch beginnt mit sechs Thesen der Co-Herausgeberin Barbara Schönig zur Wohnungsfrage mit einem Plädoyer für einen interdisziplinären Dialog. Ihre Kernaussagen sind, dass die Wohnungsnot nicht alle überall gleicht trifft und ein Ausdruck der Transformation des Wohlfahrtsstaates insgesamt ist. Sie fordert eine grundsätzliche Neubestimmung der Wohnungspolitik, eine Vorreiterrolle der Lokalpolitik, stadträumlich vernetzten und städtebaulich qualitätsvollen leistbaren sozialen Wohnungsbau und eine interdisziplinäre Wohnungsforschung verbunden mit einem feldübergreifenden Diskurs von Praktiker/innen, Wissenschaftler/innen und Vertreter/innen von Wirtschaft und Politik.

Ausgewählte Inhalte

Es folgen sechs Kapitel mit einem bis maximal fünf Beiträgen. Die Kapitel beleuchten die gesellschaftliche Hintergründe und strukturellen Ursachen für die Wohnungsnot auf dem Hintergrund der Verflechtung globaler Finanzmärkte mit ehemals regional bzw. national organisierten Immobilienmärkten und regionalen und nationalen wohnungspolitischen Rahmenbedingungen. Sie beschreiben Erfolge und Misserfolge sozialer Kämpfe für bezahlbaren Wohnraum in Hamburg, Jena Berlin und Leipzig und diskutieren durchaus kontrovers Lösungsstrategien und alternative Konzepte zu Bereitstellung von Wohnraum wie neue Gemeinnützigkeit, kommunale und postneoliberale Strategien, Alternativen jenseits von Markt und Staat (z.B. selbstverwaltete genossenschaftliche Wohnprojekte) und architektonischen Strategien für leistbaren Wohnraum.

Fazit

Der Sammelband beleuchtet die Wohnraumversorgung und ihre Probleme wie Kostensteigerung, Bedarf, Gentrifizierung sowie entsprechende Lösungen von verschiedensten Seiten und vermag durchaus neue Perspektiven zu eröffnen, ohne eine eindeutige Antwort liefern zu können. Bei aller Unterschiedlichkeit zielen die Beiträge insgesamt auf eine weitreichende Verschiebung des Diskurses hin zu einer sozialen Wohnraumversorgung. Es fällt auf, das diesbezüglich nur ansatzweise die Systemfrage gestellt wird (kein richtiges Wohnen im falschen System), dass eine wirkliche Lösung des Wohnungsproblems im Kapitalistischen Wirtschaftssystem schwerlich möglich und der politische Wille dafür kaum vorhanden sein dürfte.
In diesem Sinn bietet der Sammelband keine eindeutige Antworten aber faktenreiche kompetente Analysen und Diskussionen zu Experimentierfeldern einer nicht-warenförmigen Wohnungsversorgung. Er bietet einen sehr fundierten gut leserlichen Einblick für Wissenschaftler/innen, Studierende und Praktiker/innen aus unterschiedlichen Disziplinen und Aktionsfeldern, insbesondere Sozialer Arbeit und Wirtschaft, die sich dem Thema Wohnungsnot von verschiedenen Seiten nähern wollen.


Rezensent
DSA MMag. Dr. Prof (FH) Christian Stark
Professor am Studiengang Soziale Arbeit, Fachhochschule Linz, Österreich Schwerpunkte in Lehre und Forschung: Geschichte,Theorie und Ethik der Sozialen Arbeit, Wohnungslosigkeit
Homepage www.fh-linz.at
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Zitiervorschlag
Christian Stark. Rezension vom 05.03.2018 zu: Barbara Schönig, Justin Kadi, Sebastian Schipper (Hrsg.): Wohnraum für alle?! Perspektiven auf Planung, Politik und Architektur. transcript (Bielefeld) 2017. ISBN 978-3-8376-3729-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23033.php, Datum des Zugriffs 20.06.2018.


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