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Johny N. Weatherly (Hrsg.): Versorgungs­management in der Praxis (...)

Cover Johny N. Weatherly (Hrsg.): Versorgungsmanagement in der Praxis des deutschen Gesundheitswesens. Konkrete Projekte, theoretische Aufarbeitung. Springer VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2017. 427 Seiten. ISBN 978-3-658-11730-6. D: 39,99 EUR, A: 41,11 EUR, CH: 42,50 sFr.
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Thema

Fokus dieses Buches ist die Begrifflichkeit „Versorgungsmanagement“, auf die gemäß SGB V die gesetzlich versicherten Bürgerinnen und Bürger in Deutschland Anspruch haben. Mit Versorgungsmanagement ist im Grunde ein Schnittstellenmanagement von Patientinnen und Patienten intendiert, um die Übergänge zwischen den Sektoren gesundheitlicher und pflegerischer Versorgung möglichst reibungslos zu gestalten. Zahlreiche Autorinnen und Autoren haben an dieser Publikation mitgewirkt.

Aufbau

Das Buch umfasst acht übergeordnete Kapitel, die alle eine unterschiedliche Anzahl von Unterkapitel beinhalten. Die Kapitel thematisieren dabei unterschiedliche Themen des Versorgungsmanagements, die nachfolgend kurz dargestellt und/oder diskutiert werden. Die Deutsche Nationalbibliothek bietet das vollständige Inhaltsverzeichnis.

Inhalt

Kapitel I widmet sich folgerichtig der Definition und den Hintergründen der Begrifflichkeit „Versorgungsmanagement“. Die Inhalte sind gut komprimiert und leserlich dargestellt und bieten einen schnellen Überblick über Anliegen und Historie dieses Begriffes. Dabei wird auch eine Abgrenzung zum Konzept „Managed Care“ vorgenommen, welches eine Steuerung der Versorgung mit Hilfe von bestimmten Instrumenten wie selektives Kontrahieren, Case Management und Disease Management vorsieht, während Versorgungsmanagement die Prozesse der Versorgung unter Integration aller Beteiligten in den Vordergrund rückt und das Ziel hat, Behandlungs- und Versorgungsbrüche zu verhindern bzw. zu reduzieren.

Kapitel II fokussiert mögliche Anwendungsgebiete des Versorgungsmanagements im deutschen Gesundheitswesen. Dabei wird nicht nur überraschenderweise das betriebliche Gesundheitsmanagement thematisiert, sondern auch das schulische Gesundheitsmanagement, das in Deutschland im Vergleich zum internationalen Raum kaum diskutiert wird. Ebenfalls wird das Versorgungsmanagement im Alter wie auch das Versorgungsmanagement in unterversorgten Regionen erläutert. Allerdings werden im Unterkapitel Versorgungsmanagement im Alter bekannte Modelle wie DMP, Integrierte Versorgung, Case Management, Geriatrisches Assessment/Komplexbehandlung und Palliativversorgung dargestellt, sodass der Unterschied bspw. zu „Managed Care“ wieder verschwindet und im Grunde die Frage im Raum stehen bleibt, ob und welche Unterschiede zwischen „Managed Care“ und „Versorgungsmanagement“ bestehen oder ob diese eher akademischer Natur sind. Ähnlich verhält es sich im Unterkapitel Versorgungsmanagement im stationären Sektor, in dem Fallmanagement, Case und Care Management und Entlassmanagement skizziert werden. Diese Tools werden auch im Managed Care diskutiert, sodass mögliche Unterschiede oder Neuerungen von Versorgungsmanagement in der Darstellung verschwinden.

In Kapitel III wird das „bürgerorientierte Versorgungsmanagement“ diskutiert. Damit ist den Autoren zur Folge eine intensive Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger an den Versorgungsprozessen gemeint. Des Weiteren werden ein Case Management als Konzept einer aufsuchenden Begleitung von schwer psychisch erkrankten Menschen und die Rechtsgrundlagen für ein Patientencoaching vorgestellt.

Im V. Kapitel werden konkrete Konzepte des Versorgungsmanagements expliziert. Als erste Thematik erfolgt die Darstellung eines Versorgungsmanagements bei COPD. Bei näherem Lesen wird der Unterschied zu einem zielgruppenorientierten Case Management nicht ganz deutlich. Die Beschreibungen und Vorgehensweisen ähneln sich sehr. Es schließt sich ein Unterkapitel Versorgungsmanagement im ABC-Programm an. Dabei geht es um ein Active-Body-Control-Programm mit dem Ziel der Gewichtsreduktion von adipösen Patientinnen und Patienten. Darauffolgend wird ein Beispiel eines Selektivvertrages „Diabetisches Fußsyndrom“ vorgestellt. Da selektive Verträge auch ein Instrument des Managed Care sind, erschließt sich für die Leserin nicht der Unterschied zwischen diesen „Managed Care“ und „Versorgungsmanagement“.

Im VI. Kapitel werden ausführlich und gut lesbar mögliche Ebenen, Kriterien und Instrumente der Analyse und Evaluation von Versorgungsmanagementprogrammen erläutert. Diese sind jedoch auch aus anderen Evaluationsprogrammen gesundheitswissenschaftlicher Evaluationen bekannt, sodass keine Überraschungen oder grundlegende Neuerungen der wissenschaftlichen Herangehensweisen zu erwarten sind.

In Kapitel VII folgt eine Darstellung des Projektmanagements im Versorgungsmanagement. Für Praktikerinnen und Praktiker, die sich mit der Umsetzung von Versorgungsmanagementprogrammen auseinandersetzen, ist dieses Kapitel sehr wahrscheinlich von Vorteil.

Das VIII. Kapitel schließt inhaltlich die Ausführungen mit einer Schlussbemerkung der „Deutschen Gesellschaft für bürgerorientiertes Versorgungsmanagement in Deutschland“ ab. Sowohl die „Gesellschaft für bürgerorientiertes Versorgungsmanagement“ wie auch von ihr formulierten fünf zentralen Forderungen werden vorgestellt. Zu den Forderungen gehören bspw. die Einführung eines Faches Gesundheitskunde oder das Recht der Bürger auf valide Gesundheitsinformationen oder die Schulung der Gesundheitsberufe in Bürgerorientierung.

Mit einem gut strukturierten Glossar und einer Übersicht über die beteiligten Autorinnen und Autoren wird die Publikation beendet.

Fazit

Die Beiträge dieses Buches sind sehr gut lesbar und gut strukturiert dargestellt. Das Buch ist wie ein Nachschlagewert zu den wesentlichen Grundlagen des Versorgungsmanagements zu verwenden. Aus diesem Grunde sind auch keine wissenschaftlichen oder theoretischen Diskussionen zu erwarten, die über mögliche Wirkungen des Versorgungsmanagements oder Vor- und Nachteilen Informationen geben könnten. Des Weiteren verschwimmen in einzelnen Kapiteln mögliche Unterschiede zum Konzept bzw. Programm des „Managed Care“. Für Personengruppen, die sich pragmatisch und schnell mit dem Thema Versorgungsmanagement auseinandersetzen möchten, sei dieses Buch empfohlen.


Rezensentin
Prof. Dr. rer.medic. Martina Hasseler
Homepage www.ostfalia.de/cms/de/pws/hasseler/index.html
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Zitiervorschlag
Martina Hasseler. Rezension vom 26.04.2018 zu: Johny N. Weatherly (Hrsg.): Versorgungsmanagement in der Praxis des deutschen Gesundheitswesens. Konkrete Projekte, theoretische Aufarbeitung. Springer VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2017. ISBN 978-3-658-11730-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23058.php, Datum des Zugriffs 28.05.2018.


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