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Lotte Habermann-Horstmeier: Risikofaktor „Stress“

Cover Lotte Habermann-Horstmeier: Risikofaktor „Stress“. Kompakte Einführung und Prüfungsvorbereitung für alle interdisziplinären Studienfächer. Hogrefe (Bern) 2017. 160 Seiten. ISBN 978-3-456-85708-4. 19,95 EUR, CH: 26,90 sFr.
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Autorin

Die Medizinerin Lotte Habermann-Horstmeier leitet das Villingen Institute of Public Health der Steinbeis-Hochschule Berlin. Sie besitzt einen Masterabschluss in Public Health und promovierte im Bereich Neuropsychologie. Zusätzlich qualifizierte sie sich als Ernährungsmedizinerin.

Entstehungshintergrund und Thema

In der „Kompaktreihe Gesundheitswesen“ ist dieses Buch der dritte Band. In ein jeweils abgegrenztes Gesundheitsthema, aktuell das Thema „Stress“, wird wissenschaftsbasiert und für ein breites Publikum verständlich eingeführt.

Aufbau

Als Lehrbuch unterteilt es sich in den Theorie- und Aufgabenteil sowie den Lösungsteil. Konkret gliedert die Autorin den Inhalt (hier lediglich die Hauptgliederungspunkte) wie folgt:

  • Vorwort
  • Grundlagen und Fragen
  • Lösungsvorschlägen zu den Aufgaben
  • Anhang und Serviceteil

Inhalt

Im Vorwort führt die Autorin in das Lehrbuch ein und verweist auf die Entscheidung für die im Deutschen übliche Schreibweise.

Der Hauptteil „Grundlagen und Fragen“ beginnt mit der Einführung, die Stress differenziert betrachtet. Zunächst wird die Spanne vom allgemeinen Stress über chronischem Stress hin zum Burnout gezogen. Anschließend stützt sich die Autorin bei der Definition auf die klassische Betrachtung von Eu- und Di-Stress. Das gezeichnete Bild zum Stress wird mit statistischen Angaben zum Auftreten von Stress im Bundesmaßstab abgerundet.

Bei der Erläuterung der Stressmodelle stützt sich Habermann-Horstmeier auf das biologische Stressmodell von Seyle und das transaktionale Stressbewältigungsmodell von Lazarus. Die Verfasserin bereichert die theoretischen Erläuterungen mit Abbildungen sowie Beispielen und Studienergebnissen.

Auf die Komplexität der Ursachen und Symptome von Stress geht das Folgekapitel ein. Die einleitende Abbildung (S. 33) macht auf die Vielfältigkeit und/ oder Kombination u.a. von sozialem, physikalischem Stress, Zivilisationsstress sowie Stress am Arbeitsplatz aufmerksam. Bei der Darstellung der Stressverstärker orientiert sich die Verfasserin auf das Individuum und verweist ebenfalls auf die individuellen Stresssymptome.

Bei der Frage nach den Stressfolgen und Stressfolgeerkrankungen unterscheidet Habermann-Horstmeier zwischen kurzfristigem und langanhaltendem Stress. Sehr anschaulich, im wahrsten Sinne der Worte, werden den LeserInnen die fatalen und zerstörerischen Folgen von langanhaltendem Stress aufgezeigt: Folgen für Funktionssysteme und einzelne Organe. Besonders interessant sind die Ausführungen zum Stoffwechsel. Die Tatsache, dass die Lust auf Süßes unter Stress nur durch das Verlassen der stressenden Situation wieder reguliert werden kann, regt zum Nachdenken an und verweist auf die Konsequenzen. Die Fachdiskussion um die Folgen für die Lebensdauer bezieht neueste Forschungsergebnisse auch der Neurobiologie ein (u.a. die Veränderung der Telomere unter Stress) und unterstreicht damit die nachhaltigen, über Generationen hinweg wirksamen Folgen von Dauerstress. Das Kapitel endet mit den Auswirkungen des Stresses auf die Psyche und belegt dies wiederum mit neuesten Studienergebnissen.

Stress aus volkswirtschaftlicher Sicht zeigt sich schwerpunktmäßig im Ausfall der Arbeitskräfte durch Arbeitsunfähigkeit sowie Frühverrentung. Dank unterschiedlicher Statistiken und konkreter Zahlen wird das dramatische Ausmaß der Erkrankungen für die Volkswirtschaft deutlich. Die unterschiedlichen Zahlen innerhalb der EU (5-10% des Bruttoinlandsproduktes) zu stressbedingten Kosten am Arbeitsplatz werden hinterfragt und mit der unterschiedlichen Datengrundlage der jeweiligen Länder in Verbindung gebracht.

Angesichts der Fakten stellt sich die Frage nach dem Umgang mit Stress. Habermann-Horstmeier setzt sich zu recht kritisch mit der favorisierten Verhaltensprävention auseinander. Die Individualisierung der Stressvermeidung und -reduktion vernachlässigt allzu oft verhältnispräventive Ansätze sowie Maßnahmen. Auch wenn sich die Autorin mit der Frage der medizinischen sowie psychotherapeutischen Behandlung in Stresssituationen kritisch auseinandersetzt, positioniert sie sich zur besten Medizin: Sport/ Bewegung/ Lachen und Singen.

Auch wenn das letzte Kapitel des Theorieteils mit Stress im Bereich Gesundheitsförderung und Prävention endet, legt die Verfasserin den Schwerpunkt auf Stress im Arbeitsbereich. Voraussetzung zum Umgang mit Stress ist das Erkennen von Stressoren, die tabellarisch auf den Seiten 80-84 zusammengetragen werden. Darauf aufbauend entwickelt die Autorin diverse Pläne und Maßnahmen zum Umgang mit arbeitsbedingtem Stress. Der gesamte Theorieteil wird mit konkreten Seminaraufgaben ergänzt.

Lösungsvorschläge zu den Aufgaben finden sich im zweiten Hauptteil dieses Lehrbuches.

Im Anhang und Serviceteil fügt Habermann-Horstmeier ein ausführliches Glossar hinzu. Des Weiteren finden sich Literaturhinweise, das Linkverzeichnis, Abkürzungsverzeichnis sowie Stichwortverzeichnis.

Das Buch endet mit der Kurzvita der Verfasserin.

Diskussion und Fazit

Dass dieses Fachbuch Wissen zum Thema Stress prüfungsrelevant aufarbeitet und damit Dozierenden die Arbeit in der Lehre enorm erleichtert, ist ein absoluter Pluspunkt dieses Buches. Frau Habermann-Horstmeier setzt sich ausgesprochen kompakt mit den Risikofaktoren auseinander, die chronischer Stress mit sich bringt. Dabei geht sie sachlich neutral und ausreichend detailliert auf das Phänomen des Stresses ein. Viele Details werden von der Autorin benannt und erläutert, die generell den Blick der Verantwortlichen (vom Gesundheitswissenschaftler bis zum Politiker) erweitern u.a. auf die Zusammenhänge von Arbeitsbedingungen und Übergewicht oder die bisher vernachlässigte Verhältnisprävention.

Als Arbeitsbuch gestaltet, gelingt der Verfasserin u.a. mit ihren Fragen und Aufgaben der Transfer des Themas „Stress“ in die Erfahrungswelt der Lesenden und Lehrenden. Und weil Habermann-Horstmeier das Interesse am Thema vertieft, bietet sie mit den Anhängen mögliche Quellen zum Weiterstudieren. Dass sich die Autorin ausschließlich an Fachkollegen bzw. Studierende wendet, sollte niemanden vom Durcharbeiten des vorliegenden Fachbuches abschrecken, denn es ist verständlich und dank des Aufbaus als Studienbuch nachvollziehbar. Und es ist sehr gut lesbar, weil die Autorin sich u.a. auf die im Deutschen übliche Schreibweise bezieht.

Fazit: Studierende und Lernende erfahren in diesem Fachbuch Grundlagenwissen und Details zum Risikofaktor „Stress“. Lehrende und Wissenschaftler können sich nicht nur über das dargestellte Kompaktwissen freuen sondern erhalten ein didaktisch hervorragend aufbereitetes Lehrbuch, das dank Fakten, Darstellungen, Fragen, Aufgaben und dem dazugehörigen Antwortteil problemlos für Lehrveranstaltungen genutzt werden kann. Wissenszuwachs und Zeitersparnis sind deshalb das Credo dieses Fachbuches. Dieses Buch zu nutzen entlastet quasi den Rezipienten von einigen stressenden Faktoren und sollte zum Pflichtkanon in entsprechenden Studienrichtungen gehören.

Discussion and Summary

The huge advantage of this specialized book is, that knowledge about the topic "stress" is edited properly for exams. This facilitates the work for lecturers who are teaching. Chronic stress leads to many risk factors and Mrs Habermann-Horstmeier explains this in a very compact way. In a neutral and objective way the phenomenon of mental pressure is explained very detailed. This helps to widen the perspective of responsible persons – from health scientist to politician – and to understand for e.g. the correlation of working conditions and overweight or workplace enhancement, which was neglected until now. Though the book is designed as a work book, the author manages – with questions and exercises – to transfer the topic stress to the experience world of readers and lecturers. Habermann-Horstmeier awakens interests in the topic of stress and offers many sources to continue studies about it. The author addresses mainly to colleagues and students but nevertheless this specialized book is comprehensible and perspicuous for everybody. It is also easy to read because Habermann-Horstmeier uses common German syntax.

Summary: This specialized book offers fundamental knowledge and details about the risk factor stress for learners and students. Lecturers and academics will be pleased about the compact knowledge. They get an excellent didactic textbook which can be easily used for teaching because it contains facts, figures, exercises, questions and answers. By reading this book the reader will gain knowledge and save time. So it minimizes some stress factors and should be part of the canon in respective fields of study.


Rezensentin
Prof. Dr. phil. Barbara Wedler
Homepage www.sa.hs-mittweida.de/professuren/prof-dr-phil-bar ...
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Zitiervorschlag
Barbara Wedler. Rezension vom 15.11.2017 zu: Lotte Habermann-Horstmeier: Risikofaktor „Stress“. Kompakte Einführung und Prüfungsvorbereitung für alle interdisziplinären Studienfächer. Hogrefe (Bern) 2017. ISBN 978-3-456-85708-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23072.php, Datum des Zugriffs 23.11.2017.


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