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Wolfram Friedel, Cornelia Petz: Pflege organisieren und finanzieren

Cover Wolfram Friedel, Cornelia Petz: Pflege organisieren und finanzieren. Eine Orientierungshilfe für Angehörige : alle Änderungen ab 2017. C.H.Beck Verlag (München) 2017. 3. Auflage. 64 Seiten. ISBN 978-3-406-71032-2. D: 5,50 EUR, A: 5,70 EUR.
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Thema

Die gesetzlichen Änderungen im Zusammenhang mit der Schaffung des neuen Begriffs der Pflegebedürftigkeit sind am 01.01.2017 in Kraft getreten. Die bisherigen Pflegestufen wurden zu Pflegegraden; die bisherigen Pflege-Minuten wurden zu Punkten, allerdings mit einher gegangenem Paradigmenwechsel durch langjährige pflegewissenschaftliche Studien. Beurteilt wird jetzt nicht mehr, wie lange eine Aktivität des täglichen Lebens dauert und welche Zeit sie in Anspruch nimmt, sondern in welchem Umfang und in welcher Form – und ob überhaupt – der Pflegebedürftige selbstständig ist. Ob sich die Pflegenotwendigkeit über diesen Weg transparenter gestalten kann, muss zunächst die Praxis zeigen, und wie die Beteiligten mit den Informationen umgehen. Wie werden die gesetzlichen Vorgaben tatsächlich umgesetzt. In dieser noch sehr indifferenten und unsicheren Phase müssen die Betroffenen ganz besonders aufpassen, dass die neuen Regelungen auch wirklich eingehalten werden.

Dem pflegerischen Laien wird es jedenfalls nicht leichter werden, die Vorgehensweisen der Institutionen und deren Muster zu erkennen und für sich positiv abzuleiten. Das vorliegende Handbuch „Pflege organisieren und finanzieren“ soll hierbei als „Hilfe zur Selbsthilfe“ beitragen und den Angehörigen von Pflegebedürftigen eine schnelle und komplette, wie auch qualifizierte Orientierung ermöglichen.

Trotz einer verbesserten Informationsstruktur oder gerade deshalb sind viele Versicherte der Pflegekassen dennoch verunsichert. Es besteht immer noch ein erhebliches Maß an Unsicherheit, ob Pflegebedürftigkeit überhaupt vorliegt, ggf. in welcher Ausprägung und ob es ratsam ist, einen Antrag auf Pflegeleistungen bei der Pflegekasse zu stellen. Hier kann das vorliegende, sehr praxisorientierte Werk im Einzelfall wirklich weiterhelfen. Anhand der geschilderten Beispielfälle kann sich der Einzelne gut orientieren und auf den eigenen Pflegeaufwand replizieren.

Solche Informationen sind insbesondere deshalb von entscheidender Bedeutung, weil seit dem Inkrafttreten der Pflegereform zu Jahresbeginn jeder fünfte Antragsteller eines Neuantrages leer ausgegangen ist. Nach Informationen der Nordwestzeitung wurden in den ersten fünf Monaten von den Medizinischen Diensten der Krankenkassen und Pflegekassen ca. 350.000 Erstgutachten erstellt. Bei ca. 70.000 Versicherten wurde kein Pflegegrad festgestellt – sprich: keine Leistung bewilligt. Das waren etwas mehr als 20 % aller Neuanträge.

Autor und Autorin

Die Autoren Wolfram Friedel und Cornelia Petz sind Betreiber eines Online-Hilfeportals für betreuende Angehörige. Aus der Praxis wissen sie folglich, wer welche Informationen in welcher Situation benötigt und bei welchen Stellen Hilfe und Unterstützung erhalten werden kann.

Zielgruppe

Die Zielgruppe dürfte auch seit der letzten Auflage unverändert geblieben sein, wie pflegende und betreuende Angehörige, Bevollmächtigte, Betreuer und Betreuungsvereine, kommunale Betreuungsstellen, Ärzte und Pflegekräfte, Kliniken und deren Sozialdienste.

Vorwort und Aufbau

Das Handbuch beginnt mit einem Vorwort der Autoren. Ausdrücklich weisen die Autoren darauf hin, dass das Handbuch eine kompetente Fachberatung nicht ersetzen kann und soll. Letztlich entscheidet immer die Pflegekasse, welche Leistungsansprüche bestehen. Stand ist der 01.02.2017.

Vorangestellt ist ein Inhaltsverzeichnis, in dem die fünf Kapitel des Handbuches aufgelistet sind:

  1. Pflegefall – welche Regelungen müssen getroffen werden?
  2. Hilfe bei der häuslichen Pflege.
  3. Leistungen der Pflegeversicherung – finanzielle Unterstützung.
  4. Gesetzliche Unterstützung von Berufstätigen.
  5. Rechtliche und finanzielle Absicherung.

Es folgen Anhang, Checklisten, Musterschreiben,Hinweise und Register.

Inhalte

In den einzelnen Untergliederungspunkten werden die Inhalte präzise und gut verständlich dargestellt. Hilfreich sind eigene „Hilfefenster“, in denen auf besondere Aspekte aufmerksam gemacht wird. Zwischen den Kapiteln wird auch Raum für eigene Notizen angeboten. Muster Schaubilder und Tabellen sowie einzelne Beispiele erleichtern den Informationstransfer und können direkt praktisch verwendet werden. Im Anhang werden Checklisten, Musterschreiben und weitere Hinweise gegeben.

Weil der Medizinische Dienst in mehr als 20 % der Fälle das Vorliegen der Leistungsvoraussetzungen nicht erkannt hat, stellt sich dem dann ratlosen Versicherten die Frage, was er gegen die Ablehnung von Pflegeleistungen der Pflegekasse unternehmen kann. Hier fehlen die verwaltungsverfahrensrechtlichen Hinweise auf die Möglichkeiten des Widerspruchs und ggf. der Klage vor dem örtlich zuständigen Sozialgericht. An diese Verfahren sind oftmals Voraussetzungen gebunden und sie dauern häufig Monate, wenn nicht gar Jahre. Hier können vielfach nur qualifizierte Rechtsbeistände helfen, wie Juristen oder Rentenberatern, wie dem Rezensenten.

Fazit

Der Praktiker hat mit diesem Werk fast alle Informationen und Werkzeuge in einer Hand und kann sie demnach zweckgerichtet und unmittelbar einsetzen. Sehr interessant sind die direkt gegebenen Hinweise und die Beispiele. Selbst wenn das Internet eine erhebliche Anzahl von Informationen liefern kann, hier sind die wesentlichen Inhalte der Pflegeversicherung gut zusammengefasst und für die Praxis aufbereitet. Damit kann dem Einzelnen auch die Angst vor der Begutachtungssituation und/oder dem Gutachter genommen werden.

Tatsächlich macht es dieser praktische Fachratgeber leicht, Fragen zum neuen Recht der Pflegeversicherung wohlüberlegt zu lösen und das Recht auf Pflegeleistungen zu realisieren. Bei der hohen Ablehnungsrate durch die Medizinischen Dienste der Pflegekassen fehlen aber geeignete Hinweise zum Verwaltungsverfahren, zu Klageverfahren und wegweisende Informationen zu Rechtsbeiständen oder Rechtsvertretern.


Rezensent
Hans-Joachim Dörbandt
Rechtsberatung Kranken-/Pflegeversicherung, Rentenberater und Prozessagent -
Fachautor in den Bereichen Pflege, gesetzliche Pflegeversicherung, gesetzliche Krankenversicherung
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Zitiervorschlag
Hans-Joachim Dörbandt. Rezension vom 11.08.2017 zu: Wolfram Friedel, Cornelia Petz: Pflege organisieren und finanzieren. Eine Orientierungshilfe für Angehörige : alle Änderungen ab 2017. C.H.Beck Verlag (München) 2017. 3. Auflage. ISBN 978-3-406-71032-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23087.php, Datum des Zugriffs 12.12.2017.


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