Georg Lind: Moralerziehung auf den Punkt gebracht
Rezensiert von Prof. Dr. Anton Schlittmaier, 25.01.2018
Georg Lind: Moralerziehung auf den Punkt gebracht.
Debus Pädagogik Verlag
(Schwalbach/Ts.) 2017.
47 Seiten.
ISBN 978-3-95414-088-6.
D: 9,80 EUR,
A: 10,10 EUR.
Auf den Punkt gebracht, Band 3.
Thema
Für den Autor stellt sich der Widerspruch, dass einerseits Menschen grundsätzlich hohe moralische Ideale haben, anderseits es aber sehr viel Böses in der Welt gibt. Lind sieht die Ursachen der Probleme in mangelndem Wissen, d.h. es sind Förderprogramme erforderlich, um Menschen zu befähigen, moralisch zu handeln.
Autor
Dr. Georg Lind war Professor an der Universität Konstanz, wo er im Bereich der Bildungsforschung und Psychologie tätig war. Er hat die KMDD (Konstanzer Methode zur Dilemma Diskussion) entwickelt. Seine Methoden wurden in zahlreichen Studien validiert.
Entstehungshintergrund
In dem kurz gehaltenen Buch (46 Seiten) möchte Lind einen Einblick in seine Forschungsarbeit geben. Dabei geht es darum, den Anwender prägnant in die Thematik einzuführen und gleichzeitig Grundlagen für die Initiierung moralischer Lernprozesse darzustellen.
Aufbau
Das Buch gliedert sich in neun knappe Kapitel. Die Überschriften der Kapitel sind in einfache Thesen gefasst. Dabei lassen sich folgende Leitthemen bündeln:
- Gründe für die Notwendigkeit von Moralerziehung
- Messbarkeit von Moralkompetenz
- Bedeutung der Moralkompetenz für das Verhalten
- Politische Dimensionen von Moralkompetenz
- Praktische Förderung von Moralkompetenz
- Wirksamkeit und Qualitätskontrolle
Inhalt
Die Inhalte werden sehr knapp, fast stichpunktartig dargelegt. Im Kern geht es darum, die Dilemmamethode als hochwirksames Mittel der Bildung moralischer Kompetenz darzulegen. Dabei verfolgt der Autor nicht nur das Ziel, die Methode gründlich zu vermitteln, sondern eher in der Form von Slogans ihre Wirksamkeit zu propagieren. Hier ist der Verweis auf eine erforderliche Ausbildung als klarer Hinweis zu erkennen, dass das Buch lediglich eine Hinweis- oder Appellfunktion hat.
Durch Dilemmageschichten soll eine moralische Problematik konkret zu Darstellung kommen. Die Zielgruppe, bei der die Methode angewandt wird, soll sich in Bezug auf eine moralische Frage konkret positionieren. Dabei kommt es, so der Autor, zur Schulung der moralischen Kompetenz.
Diskussion und Fazit
Insgesamt ist gegen eine methodische Bearbeitung der moralischen Thematik, durch Schulung, Übung und Kompetenzerweiterung nichts zu sagen. Durch ein Training, bei dem die Probanden ihre moralischen Fähigkeiten, aufbauen, üben oder erweitern können, kann sowohl auf der Ebene des Individuums wie auch der gesellschaftlichen Ebene eine Verbesserung im Sinne moralischer Werte erfolgen.
Auf der anderen Seite erscheint es als pure Illusion, zu glauben, durch Kompetenztraining Moral lehren zu können. Bereits Sokrates hat hier die Grenzen aufgezeigt und die Frage, ob Moral lehrbar sei, abschlägig beantwortet. Nochmals verschärft wird die kritische Haltung in Bezug auf eine positive Antwort durch das Christentum. Hier erscheint es als Hybris, glauben zu wollen, eine unerlöste Welt durch pädagogische Maßnahmen erlösen zu können.
Der Autor vertritt somit einen Optimismus in Bezug auf die Möglichkeiten eines Kompetenztrainings, der als Heuristik durchaus motivierend sein kann, um pädagogische Maßnahmen zu verbessern. Wenn er allerdings nicht nur im regulativen Sinne verstanden wird, sondern tatsächlich davon ausgegangen wird, dass der Mensch so leicht zu einem friedliebenden und moraltreuen Wesen erzogen werden kann, dann wird man sein eigenes notwendiges Scheitern, wohl immer nur als Defizit der Maßnahme und nie als Grenze im Gegenstand begreifen können.
Fazit: Insgesamt ein erster Einstig in die Thematik, der zum Weiterfragen, Weiterlesen und ggf. zu entsprechenden Fortbildungen anregen kann.
Rezension von
Prof. Dr. Anton Schlittmaier
Professor i.R. für Philosophie und Grundlagen der Sozialen Arbeit an der Dualen Hochschule Sachsen
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