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Gabriele Wilz, Anne Katrin Risch u.a.: Das Ressourcentagebuch

Cover Gabriele Wilz, Anne Katrin Risch, Nils F. Töpfer: Das Ressourcentagebuch. Eine ressourcenaktivierende Schreibintervention für Therapie und Beratung. Springer (Wiesbaden) 2017. 105 Seiten. ISBN 978-3-662-53197-6. D: 24,99 EUR, A: 25,69 EUR, CH: 26,00 sFr.
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Thema

Das Buch stellt die ambulant und stationär anwendbare Interventionsform Ressourcentagebuch vor. Das Ressourcentagebuch kann dabei als eigenständige Strategie oder methodenübergreifende Ergänzung zur Aktivierung einer Vielfalt individueller Ressourcen in der Prävention, Beratung und Therapie eingesetzt werden.

Autorinnen und Autor

Das Autorenteam, Prof. Dr. Gabriele Wilz, Dr. Dipl.-Psych. Anne Katrin Risch und M.Phil. M.Sc. Nils Töpfer arbeitet am Institut für Psychologie der Universität Jena. Frau Prof. Dr. Gabriele Wilz leitet die Abteilung Klinisch-psychologische Intervention. Forschungsschwerpunkt ihrer Abteilung ist ausdrücklich auch die Entwicklung und Evaluation von psychotherapeutischen Interventionen und Beratungsangeboten.

Entstehungshintergrund

Das Autorenteam befasst sich inzwischen seit langem sowohl in Forschung und als auch Praxis mit der Thematik ressourcenaktivierende Schreibinterventionen. Sie wollen mit dem Ressourcentagebuch, dessen Konzeption, Anwendung und Evaluation sie über viele Jahre optimiert und modifiziert haben, die bestehende Literatur um eine einladende strukturierte Schreibintervention mit wissenschaftlich nachgewiesener Wirksamkeit ergänzen.

Die Idee des Ressourcentagebuchs geht auf eine Diplomarbeit von Anka Mull und Luise Lamberz an der Technischen Universität Berlin zurück und wurde im Rahmen von Forschungsprojekten und unter Einbezug zahlreicher Abschlussarbeiten weiterentwickelt.

Aufbau

Das Buch ist in folgende fünf Kapitel aufgeteilt:

  1. Einleitung
  2. Positive Psychologie und Ressourcenorientierung
  3. Vom expressiven zum positiven Schreiben: das Ressourcentagebuch im Kontext der Forschung zu Schreibinterventionen
  4. Aufbau und Anwendung des Ressourcentagebuchs
  5. Empirische Ergebnisse zum Ressourcentagebuch

Die Kapitel sind recht unterschiedlich von der Länge, der stärkste Fokus liegt auf dem Kapitel vier, wo es um die konkrete Darstellung der Interventionsform geht.

Inhalt

Das Kapitel 1 stellt eine kurze Einleitung dar. Neben der Erläuterung des Aufbaus werden hier in Kürze die Möglichkeiten der Anwendung aufgezeigt.

In Kapitel 2 werden die LeserInnen in Kürze mit zentralen Erkenntnissen aus der Forschung zur positiven Psychologie bekannt gemacht. Das Autorenteam streicht hier als schlüssigere Begrifflichkeit das Plädoyer für eine „ressourcenorientierte Psychologie“ von Bodo Klemenz (2009) hervor, da es bei der Betrachtung von Ressourcen und Vulnerabilitäten weniger um eine Positiv-Negativ-Dichotomie ginge als vielmehr um komplementäre Perspektiven bzw. das Verständnis von unabhängigen Dimensionen. Der weitere Teil des Kapitels widmet sich der Definition, der Differenzierung und den Spezifika von Ressourcen, der Rolle von Ressourcen, der Entstehung psychischer Störungen sowie der Ressourcenaktivierung aus konsistenztheoretischer Sicht von Grawe. Dem schließt sich der Verweis auf empirische Studien zur Ressourcenaktivierung an. Unterstrichen wird hierbei, dass ein Ressourcenpriming sich sowohl erfolgreich auf die Therapiebeziehung wie auch insgesamt den Erfolg der Therapie auswirkt. Die anschließenden zwei Unterkapitel widmen sich der Frage nach der Verbesserung des Wohlbefindens sowie der kritischen Betrachtung der Objektivierung und Quantifizierung von Wohlbefinden, die u.a. in den gestiegenen Angeboten der „Happiness-Industrie“ (Davies 2015) ihren Ausdruck finden.

Kapitel 3 wendet sich dann der Forschung zu Schreibinterventionen zu. Hier werden die LeserInnen kurz und prägnant in Expressives Schreiben und Positives Schreiben eingeführt und schließlich in einer Liste die Vorteile positiver Schreibinterventionen und im Konkreten der Verwendung des Ressourcentagebuchs dargelegt.

In Kapitel 4 befasst sich das Autorenteam mit der Darbietung des Aufbaus und der Anwendung des Ressourcentagebuchs. „Die Fragen des Ressourcentagebuchs zielen auf die Aktivierung von 7 Ressourcenbereichen ab: 1. Wohlbefinden, 2. allgemeine Kraftquellen, 3. Selbstwertquellen, 4. positive Selbstschemata, 5. Dankbarkeit, 6. Zielentwicklung, 7. Bindung.“ (S. 31). In dem Kapitel wird genauer erklärt, mit welchen Fragen jeweils die bestimmten Ressourcenbereiche angesprochen werden und welche theoretischen Ansätze dem jeweils zugrunde liegen. Mit einer Frage zur Unterstützung und einer Frage zu Bewältigungskompetenzen wird diese Vorstellung relevanter Fragenbereiche abgeschlossen. Hilfreich sind die jeweils kritische Reflexion und durch Evaluationsstudien belegte Einschränkungen der Verwendung der Fragen. In die finale Version sind daher nur die Fragen aufgenommen worden, die keine negativen Nebenwirkungen mit sich bringen könnten. Im Buch folgt dann eine 27seitige Ansichtsversion des Ressourcentagebuchs, wobei diese Version sowie eine Variante für Kinder und Jugendliche auch über die Verlagsseite als Download zur Verfügung gestellt wird. Damit wichtige Aspekte bei der Vorbereitung und der Anwendung deutlich werden und hier noch einmal klar wird, worauf es mit Blick auf eine erfolgreiche Anwendung ankommt, bietet das nächste Unterkapitel entsprechende Ausführungen dazu. Hier werden auch noch einmal konkret therapeutische Ziele angesprochen und die Notwendigkeit von Motivationsarbeit deutlich. Dafür ist es wichtig, dass den Schreibenden und damit Nutzenden des Ressourcentagebuchs dieser mögliche Nutzen auch bewusst gemacht wird. Anhand der Darstellung der Anwendung in den verschiedenen Bereichen Psychotherapie (auch bei Kindern und Jugendlichen), Prävention (anhand der Anwendung im Schulkontext) und Anwendung in der Selbsthilfe wird der vielfältige Einsatz des Verfahrens transparenter, was dann noch durch die Darstellung von Fallbeispielen unterstrichen wird.

Auch das Kapitel 5 dient noch einmal Darstellung der Anwendbarkeit in unterschiedlichen Bereichen der Psychotherapie (stationär und ambulant) und der Prävention (Schüler der 8.Klasse, PsychologiestudenInnen, Mütter chronisch kranker Kinder und Pflegekräfte in Seniorenheimen). Diesmal handelt es sich um die Präsentation empirischer Ergebnisse aus Evaluationsstudien, die z.T. aus unveröffentlichten Abschlussarbeiten unter der Betreuung von Prof. Gabriele Wilz stammen. Das Kapitel endet mit einem Unterkapitel zu Ergebnissen zur Nutzerzufriedenheit und -akzeptanz sowie Verbesserungsvorschlägen der Teilnehmenden.

Das gesamte Buch endet mit einem Serviceteil, der 1 ½ Seiten Stichwortverzeichnis bietet.

Diskussion

Auf relativ wenigen Seiten (insgesamt 105) nimmt das Autorenteam, basierend auf der Vor-, Zu- und Mitarbeit etlicher StudentInnen, KollegInnen und auch PatientInnen die LeserInnen auf eine anschauliche Reise in die Praxis der Interventionsform Ressourcentagebuch mit. Durch die knappen theoretischen Einführungen (mit ausreichenden Literaturverweisen), die verschiedenen Fallbeispiele, die Darbietung des Tagebuchs sowie von Auszügen aus den Evaluationen aus unterschiedlichen Verwendungszusammenhängen wird das Verfahren besonders anschaulich dargestellt. Die AutorInnen vergessen dabei nicht, jeweils die Reichweite, Grenzen und Chancen im Blick zu haben und auf Gelingensfaktoren zu verweisen, die beachtet werden müssen. Auch aufgetretene Schwierigkeiten im Umgang wurden ausgeführt.

Sehr gut wurden mit dem Buch die vielen Vorteile herausgearbeitet, die insbesondere diese ressourcenaktivierende Schreibintervention bei richtiger Anwendung bietet. Dies reicht von der Leichtigkeit, der hohen Teilnehmerakzeptanz, Zeit- und Kosteneffizienz bis hin zur Variabilität (S. 26). Eindrucksvoll ist auch die jeweilige Frageformulierung bzw. Formulierung der Aufgabenstellungen im Tagebuch. Das über die Jahre optimierte Verfahren wird gerade auch in diesem Bereich besonders deutlich. Durch die Präsentation der Evaluationsstudien lässt sich insbesondere auch die Tragweite und Nachhaltigkeit der Intervention erkennen.

Fazit

Das Buch löst das Anliegen ein, eine evaluierte und entsprechend modifizierte, gut beschriebene und gut in den Alltag integrierbare für unterschiedliche Zielgruppen geeignete ressourcenaktivierende Schreibinterventionsform darzubieten. Es zeichnet sich u.a. dadurch aus, dass der Stoff kompakt gefaßt ist, sachlich geschrieben und gut verständlich auch für Studierende. Weil es so auffallend sorgsam lektoriert ist, stiehlt es einem keine Zeit und ist sehr angenehm zu lesen. Auch mit der Ressourcenthematik vertraute Fachleute können somit in Kürze einen informativen Gewinn erzielen. Mein Fazit ist: „Klasse!“.


Rezensentin
Prof. Dr. Grit Behse-Bartels
Professur für Soziale Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) Leipzig Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig
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Zitiervorschlag
Grit Behse-Bartels. Rezension vom 24.10.2017 zu: Gabriele Wilz, Anne Katrin Risch, Nils F. Töpfer: Das Ressourcentagebuch. Eine ressourcenaktivierende Schreibintervention für Therapie und Beratung. Springer (Wiesbaden) 2017. ISBN 978-3-662-53197-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23127.php, Datum des Zugriffs 22.11.2017.


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