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Norbert Neuß, Sabrina Schäfer: Sandkastenliebe. Frühe emotionale Beziehungen unter Kindern

Cover Norbert Neuß, Sabrina Schäfer: Sandkastenliebe. Frühe emotionale Beziehungen unter Kindern. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2017. 154 Seiten. ISBN 978-3-7799-3673-2. D: 19,95 EUR, A: 20,60 EUR, CH: 27,90 sFr.
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Autor und Autorin

Prof. Dr. Norbert Neuß (Jg. 1966) lehrt an der Universität Gießen im Fachgebiet (FB) Sozial- und Kulturwissenschaften. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Kindheitsforschung, Medienpädagogik und Elementarpädagogik.

Sabrina Schäfer, M.A. Jg. 1990, ist dort wissenschaftliche Mitarbeiterin. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind frühkindliche Bildung und Erziehung sowie die Professionalisierung frühpädagogischer Fachkräfte.

Thema und Entstehungshintergrund

Die Sandkastenliebe, die als „Liebe aus der Kinderzeit“ alltagssprachlich definiert ist, gibt es ja tatsächlich (vgl. S. 7). Verliebtheit scheint also bereits in der frühen Kindheit möglich zu sein, denn Menschen können sich daran erinnern. Allein deshalb hat die Sandkastenliebe eine pädagogische Bedeutung, und die Forschung sollte Eltern und Fachkräften darüber Auskunft geben können.

Die Forschergruppe um Norbert Neuß hat das Kindheitsphänomen mithilfe von 457 Fragebögen und 40 teilstandardisierten Interviews, untersucht. Befragt wurden Erwachsene, die auf ihr Leben rückblickend, das Phänomen der Sandkastenliebe interpretieren: Mit welchen Begriffen beschreiben sie das Phänomen? Wie lange dauert die Beziehung und was macht sie so einzigartig? Gibt es typische Faktoren, die die Sandkastenliebe begünstigten? Wie halten Kinder die Beziehung aufrecht? Welche Rolle spielen Eltern? Welche Faktoren führen zur Beendigung der Sandkastenliebe? (vgl. S. 9). Neben dem Fragebogen und Interviews wurden die Bildungspläne für den Elementarbereich analysiert. Des Weiteren standen Liebesbriefe, Tagebücher und Poesiealben zur Verfügung, die im Rahmen der Studie gesichert und ausgewertet wurden (vgl. S. 10). Die Auswertung der Fragebogenantworten wurde mit dem Statistikprogram SPSS vorgenommen, und die individuellen Antworten mit MaxQda, einem Programm zur Vereinfachung von Kodierungen, bearbeitet. Typisierungen wurden nach der Typenbildungsmethode von Susann Kluge und Udo Kelle vorgenommen. Damit die Erzählungen der Befragten qualitativ erhalten blieben, wurden die Interviews zu einer Fallvignette verdichtet.

Norbert Neuß knüpft mit der Studie an sein Interesse an, eine akteursbezogene empirische Forschung zu ermöglichen, und Kindheitsphänomene für die Theoriebildung nutzbar zu machen. Die Studie zur Sandkastenliebe ergänzt seine Untersuchungen von 1999 zu Kinderzeichnungen, 2003 zum Thema Kinderhumor, 2009 zum Thema Kinderfreundschaft und 2012 zu Medienerfahrungen. „Bei akteursbezogener Forschung“, so der Autor, „werden die Akteure mit ihren Erinnerungen, ihren Erfahrungen, Gefühlen und Deutungen in den Mittepunkt des Interesses gestellt“ (S. 12).

Aufbau

Das Buch hat acht Kapitel und ein Literaturverzeichnis.

  1. In Kapitel 1 „Sandkastenliebe erforschen und verstehen“ werden die Fragen vorgestellt, die empirische Forschungsmethode erklärt und die Schwierigkeiten problematisiert, mit denen die Forschergruppe zu tun hatte.
  2. Kapitel 2 „Unterschiedliche Typen der Sandkastenliebe“ thematisiert die Beschreibungen von Erwachsenen, die das Phänomen der „ersten Liebe“ erlebt haben.
  3. Kapitel 3 „Verläufe von Sandkastenlieben“ trägt dazu bei, die Qualität dieser Beziehungsform besser zu verstehen.
  4. Kapitel 4 „Verbindende Orte und Institutionen“ destilliert die Rahmenbedingungen für eine Sandkastenliebe.
  5. Kapitel 5 „Gemeinsame Aktivitäten und Erfahrungen“ bietet Leserinnen und Lesern des Buches Einblick in die Beziehungsqualität von Sandkastenlieben.
  6. Kapitel 6 „Beziehungsdynamik und Ausdrucksweisen“ fokussiert ihre Wirkung und grenzt die Sandkastenliebe von Freundschaftsbeziehungen ab.
  7. Kapitel 7 „Sandkastenliebe, Freundschaft und die Frage von Eltern“ richtet den Blick auf Eltern und ihre Beteiligung an der Sandkastenliebe.
  8. Kapitel 8 „Freundschaft und Sandkastenliebe – Herausforderung für die Pädagogik“ reflektiert die Erkenntnisse der Forschungsstudie in Bezug auf die Relevanz des Handelns in öffentlichen pädagogischen Institutionen.

Inhalt

Leserinnen und Leser erfahren im ersten Kapitel, welche Absicht und Fragestellung mit der Forschungsstudie verbunden ist. Darüber hinaus wird die Befragung methodologisch problematisiert. Erinnerungen an die frühe Kindheit, sind z.B. nur begrenzt möglich. Da Erinnerungen jedoch immer mit Emotionen verbunden sind, die Erwachsene, im Unterschied zu Kindern, einordnen können, wurde die Befragung mit Erwachsenen durchgeführt (vgl. S. 15).

Anforderungen an die Befragung

Die Befragung fand online und konventionell statt, und sie war freiwillig. An der Studie nahmen überdurchschnittlich viele Frauen teil. Die statistische Auswertung der 457 Fragebögen ergab, dass die Befragten 15 bis 62 Jahre alt waren. Die meisten Personen hatten das statistische Alter von 26,8 Jahren (vgl. S. 16). 94,6 % der Befragten, so die Statistik, erinnerten sich an ihre „Liebe“ zu einem Jungen und einige Personen hatten auch Beziehungen zu gleichgeschlechtlichen Kindern. Zu Beginn einer Sandkastenliebe waren die Befragten durchschnittlich 4,9 Jahre alt, die meisten Erwachsenen gaben an, dass sie drei bis fünf Jahre alt waren, als die Sandkastenliebe für sie relevant war. Die quantitative Auswertung zeigt darüber hinaus, dass 85, 1 % der befragten Personen Geschwister hatte. 51,5 % der befragten Personen waren im Dorf aufgewachsen, während 16,1 % in der Großstadt wohnten und 32,4 % in einer Kleinstadt. Die quantitative Auswertung der Daten ergab darüber hinaus, dass 33 % aller Befragten zur Zeit der Befragung in Kontakt zur Sandkastenliebe standen. Bei 67 % brach der Kontakt ab, dauerte aber durchschnittlich 5,7 Jahre. „Eine zentrale Frage der Studie ist, wie Sandkastenliebe eingeordnet und verstanden wird“ (S. 18). Dazu wurden folgende Umschreibungen den befragten Personen vorgegeben: tiefe Beziehung, Bekanntschaft, kindliche Liebelei, innige Freundschaft, Freundschaft, starke Verbindung, erste Liebe. „Am häufigsten wurde die Sandkastenliebe von den Befragten unter der Kategorie kindliche Liebelei (24,3 %) und innige Freundschaft (24,3 %) eingeordnet“ (S. 19). Männer nutzen häufiger als Frauen die Kategorie Erste Liebe. Gleichgeschlechtliche Beziehungen wurden als Freundschaft und starke Verbindung eingeordnet.

Definitionen und Rahmenbedingungen für Sandkastenlieben

Im zweiten Kapitel wird dem Phänomen „Sandkastenliebe“ nachgegangen, um die Definition zu schärfen. Das Wort kombiniert Sandkasten und Liebe. Diese Synonyme repräsentieren die frühe Kindheit bzw. den Kindergarten und das starke Gefühl der Verliebtheit. Mit dem Wort Sandkastenliebe wird in der Regel auch eine enge Verbindung zu Freundschaft assoziiert. Sandkastenliebe meint aber deutlich mehr, das zeigt diese Studie. Empirisch nachweisbar war, dass auch junge Kinder in der Lage sind, romantische Gefühle, emotionale Erregtheit und Wünsche nach Intimität zu empfinden (vgl. S. 38). Im dritten Kapitel werden die Rahmenbedingungen der Sandkastenliebe untersucht. Eltern haben beispielsweise an den Verläufen von Sandkastenlieben großen Einfluss. Häufig entstehen und festigen sich Sandkastenlieben, weil die Eltern der Kinder miteinander bekannt sind. Als Nachbarn, als Freunde oder auch nur, weil sie die Familie des jeweils anderen Kindes sympathisch finden, ermöglichen sie die Kontakte der Kinder. Die Studie entdeckte, dass Kinder auch an Gemeinsamkeiten interessiert sind, z.B. stärkte die Verbindung, wenn beide Kinder eine Scheidung der Eltern erlebt hatten (vgl. S. 45). Zogen die Kinder mit den Eltern um, oder besuchten die Kinder nach der Kita unterschiedliche Schulen, verloren sie sich nicht selten aus den Augen. Die Studie belegt, dass Eltern von der Sandkastenliebe wussten und überwiegend positiv darauf reagierten (vgl. S. 50). Einige der befragten Personen erinnerten sich an „Stress“ mit ihren Geschwistern, weil die Sandkastenliebe bevorzugt wurde, z.B. bei Spielpartnerschaften. Sandkastenlieben, so die Forschergruppe, sind bedeutende Beziehungen, die für das Entstehen von Freundschaft und die Verarbeitung der Emotionen, die mit Beziehungen einhergehen, wichtig sind. Nähe und Distanz, Zuneigung und Ablehnung, Sehnsucht und Trauer, z.B. um den Verlust einer geliebten Person, Vertrauen und Enttäuschung werden dabei erlebt und müssen psychisch verarbeitet werden (vgl. S. 56). In Kapitel 4 reflektiert die Forschergruppe die Orte, an denen Sandkastenlieben gefestigt werden. Die Befragten trafen sich als Kinder im Elternhaus, spielten im Keller, auf Dachböden oder Nischen im Garten oder draußen auf der Straße miteinander. Urlaube und gemeinsame Ausflüge mit den Familien stärkten den Kontakt. Befragte erinnern sich an gemeinsame Wege zum Kindergarten und Spiele sowie gemeinsame Interessen an Büchern oder Geschichten. Verstecke, Buden, Höhlen wurden eigens eingerichtet, um den Beziehungsraum für die Sandkastenliebe zu eröffnen. Sandkastenlieben basieren auf der Möglichkeit zur Selbstsozialisation und die Forschergruppe stellte fest, dass Kinder, die in der Großstadt aufgewachsen waren, weniger natürliche Räume nutzen, als Kinder, die im Dorf leben (vgl. S. 71).

Gemeinsame Tätigkeiten

Die befragten Erwachsenen erinnerten sich an das freie Spielen, das Rollenspiel und Erkunden von unbekannten Orten. Vor allem Doktorspiele, Heiraten und Vater-Mutter-Kind-Spiele, Unsinn machen, Streiche aushecken und durchführen, aber auch Spaß miteinander haben und dem anderen von sich zu erzählen hat die Kinder beschäftigt (vgl. S. 74). Küssen, gemeinsame Geheimnisse, Medienerlebnisse und der Umgang mit Tieren waren ebenfalls wichtig. Die intensive Beziehung, die die Sandkastenliebe kennzeichnet, unterstützt die Explorationsfreude und Bereitschaft, die eigene Umwelt zu erkunden (vgl. S. 94). Frauen berichteten, dass sie sich von „ihrem Jungen“ beschützt fühlten. Zur Ausgestaltung von Beziehungen gehört, so die Studie auch das Erleben von Harmonie, die in der Sandkastenliebe erfahrbar war. Deshalb verbinden Erwachsene mit ihrer Sandkastenliebe auch das Gefühl von Glück. Sie erinnern sich an zufriedene, glücklich stimmige Tage und Freiräume, die ihnen ermöglichten, bei sich selbst zu sein. Neben der Harmonie gab es auch Wut, Eifersucht und Enttäuschungen über verletztes Vertrauen und Ausgrenzungserfahrungen, was die Kinder untereinander klärten. Befragte Personen gaben darüber hinaus auch an, dass sie sich Geschenke der Verbundenheit machten. So erinnern sich Befragte, dass sie kleine Liebeszettel verfassten, versehen mit Herzchen oder Liebessprüche in Tagebücher schrieben oder dass sie das Heiraten spielten. Ein Geschenk war auch: „‚Er hat mir Ringe vom Zahnarzt mitgebracht, anstatt etwas für sich auszusuchen‘“ (S. 103). Die Studie weist daraufhin, dass gemeinsame Tätigkeiten, verbunden mit der Empfindung von Glück, Vertrauen, Sicherheit und Ermutigung vor allem in dieser Form der Beziehung erlebbar sind, und die Sandkastenliebe deshalb eine sehr wichtige Lebenserfahrung ermöglicht (vgl. S. 107).

Die Fragen von Eltern und die Herausforderungen für die Pädagogik

Eltern, so die Forschergruppe bilden den Rahmen für Sandkastenlieben. Die Studie reflektiert ihre Bedeutung. Manche Eltern, fragen sich, wie sie mit Doktorspielen, dem kindlichen Bedürfnis nach Zärtlichkeit und Liebeskummer umgehen sollen. Deshalb werden im Buch auch solche Fragen beantwortet. Gleichzeitig thematisiert die Studie das Problem der Gefährdung von Sandkastenlieben. Nicht nur „Helikoptereltern“, sondern auch sogenannte „Schneepflugeltern“ können die Autonomie der Kinder einschränken. Falls Eltern versuchen, durch vorausschauendes Denken alle Erfahrungen – insbesondere auch negative – aus dem Weg räumen wollen, hindern sie Kinder daran, eigene Erfahrungen zu machen (vgl. S. 112 f). Sofern die Freundschaft nicht entwicklungseinschränkend sei, solle Kindern die Auswahl der Freunde überlassen bleiben (vgl. S. 115). Auch im Fall von Kindern, die Außenseiter sind, so die Forschergruppe, und die sich schwertun, Freundschaften einzugehen, sei es nur zielführend, den Grund für die Ausgrenzung mit dem Kind zusammen herauszufinden (vgl. S. 117). Selbst die Hirnforschung weise, so die Studie, daraufhin, dass soziale Beziehungserfahrungen im frühen Kindesalter wichtig seien. Die Fähigkeit, eigene Gefühle zu kennen und mit Emotionen umzugehen gilt als emotionale Intelligenz. Während die Sozialpsychologie und auch die Hirnforschung den Zusammenhang von emotionaler Entwicklung und sozialer Interaktion betone, seien Studien zu dieser Thematik im Rahmen der Pädagogik der frühen Kindheit derzeit unterrepräsentiert (vgl. S. 125).

Sandkastenlieben kommen in allen Kulturen vor, und sie unterstreichen die Bedeutung von Selbstbildung, die ja als „Aktivitäten, die Kinder selbstständig etwa ohne eine pädagogische, didaktische oder kommunikative Instruktion entfalten“ definiert sei (vgl. S. 126 f.). Die Sandkastenliebe unterscheide sich, so die Studie, von der normalen Freundschaft in Bezug auf die Wahl der Partnerschaft, die Dauer, die Orte, die Voraussetzungen und Formen (vgl. S. 129). Strukturell betrachtet ist eine Sandkastenliebe wie eine enge Freundschaft auch Teil von Selbstbildung. „An die Stelle einer normativen Bildungsperspektive treten die Aktivitätsformen der Kinder selbst“ (S. 128). Die Spiele, Bewegungen, Sprache, die Zeichnungen, die Sicht auf die Welt und der Humor, der die Sandkastenliebe kennzeichnet, sind der Ausdruck dessen, wie Kinder sich Selbst- und Weltzugänge erarbeiten. Da, so die Studie, Selbstbildungsprozesse an sich nicht beobachtbar sind, müssen sie als Spuren, z.B. in den Alltagshandlungen der Sandkastenlieben entdeckt werden (vgl. S. 128). Die Analyse der frühpädagogischen Bildungspläne habe zudem gezeigt, dass Kinderfreundschaften in ihrer Relevanz für Bildung zu wenig beachtet werden. Kinder brauchen dafür Freispielphasen, und sie müssen auch in Ruhe gelassen werden und ungestört von Erwachsenen sein dürfen. Angesichts dessen, dass die heutige Kindheit eine institutionalisierte Kindheit ist, bedürfe es, so die Forschergruppe, eigener Projekte, um das Thema Freundschaft mit Kindern zu thematisieren (vgl. S. 142).

Diskussion

Das Buch ist insgesamt gut lesbar und greift ein zentrales Thema der Pädagogik in der Frühen Kindheit auf. Im Zentrum steht die Selbstbildung, die sich in dem Alltagsphänomen der Sandkastenliebe aufspüren lässt. Der Anspruch des Buches ist anregend hilfreich, sowohl für die Forschung innerhalb der Pädagogik der Frühen Kindheit, als auch für die Praxis. Es erfüllt das, was die Forschergruppe im Blick hatte. Der Forschungsansatz verbindet phänomenologische Überlegungen mit Statistik und qualitativer empirischer Forschung und formuliert praxisrelevante Schlüsse. Die Kapitel sind gut strukturiert. Die Studie lädt ein, die Sandkastenliebe als eine überaus bedeutsame Lebenswirklichkeit von Kindern zu begreifen, die unbedingt gefördert werden sollte. Leser und Leserinnen bekommen auch Kontextwissen zum Vorgang des Erinnerns zu Freundschaftskonzeptionen und Entwicklungsaufgaben und -Themen, die sich auch in Doktorspielen äußern. Ausgehend davon, dass moderne Sozialisationstheorien der Eigentätigkeit und Interaktion des Individuums die Funktion der Persönlichkeitsentwicklung zuweisen, wird die Bedeutung der Selbstbildung in Kapitel 7 und 8 aufgenommen. Das Selbstbildungskonzept stehe, so die Studie, nicht im Gegensatz zum ko-konstruktivistischen Lernverständnis, betone aber die Rolle der pädagogischen Fachkraft in anderer Weise. Die pädagogische Intervention erfolge, so das Konstrukt, wenn die kindlichen Interessen, Themen und Beziehungen verstanden wurden. Damit wird die Fachkraft nicht nur als Lernbegleiterin gesehen, sondern als Gestalterin der förderlichen Umwelt des Kindes. „An die Stelle einer normativen Bildungsperspektive treten die Aktivitätsformen der Kinder selbst“ (S. 128). So liegt es nahe das Spielen, die Bewegung, die Sprache, die Zeichnungen und den kindlichen Humor sowie die Freundschaften der Kinder als Tätigkeit aufzufassen, um sich selbst wahrnehmen und die Welt deuten zu können. Die Forschergruppe zeigt auf, dass im Konstrukt der Selbstbildung die Inhalte von Bildung hinter die Erschließungs- und Wahrnehmungsformen zurücktreten. Weil Selbstbildungsprozesse an sich nicht beobachtbar sind, können sie nur, als Spuren, z.B. in den Alltagshandlungen der Sandkastenlieben entdeckt werden (vgl. S. 128). Die Überlegungen in Kapitel 7 und 8 finde ich inspirierend. Obwohl das Kapitel 7 vom Stil des Buches abweicht, positionieren sich die Forscher und Forscherinnen. Auch wenn sie dabei den analytischen und verstehenden Zugang der Studie verlassen, ist die Idee, Fragen von Eltern zu formulieren, interessant.

Fazit

Das Buch eröffnet ein tieferes Verständnis für das Alltagsphänomen Sandkastenliebe und bietet nicht nur wissenschaftlich interessierten Lesern und Leserinnen Einblick in Forschung. Auch pädagogische Fachkräfte profitieren von dieser Lektüre. Sie können erkennen, dass der zunehmenden Einengung kindlicher Freiräume entgegengewirkt werden muss. Das Buch ist meiner Ansicht nach sehr lesenswert.


Rezensentin
Prof. Dr. Christiane Vetter
Leiterin der Studienrichtung Soziale Arbeit in der Elementarpädagogik an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Stuttgart
Homepage www.dhbw-stuttgart.de/themen/studienangebot/fakulta ...
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Zitiervorschlag
Christiane Vetter. Rezension vom 03.08.2017 zu: Norbert Neuß, Sabrina Schäfer: Sandkastenliebe. Frühe emotionale Beziehungen unter Kindern. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2017. ISBN 978-3-7799-3673-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23131.php, Datum des Zugriffs 16.11.2019.


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ISSN 2190-9245

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