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André Epp: Von der Schule in die Berufsausbildung

Cover André Epp: Von der Schule in die Berufsausbildung. Soziale Konstruktionen durch Lehrkräfte über ungünstige Faktoren in der Bildungsbiografie von Schülerinnen und Schülern. Verlag Barbara Budrich (Opladen, Berlin, Toronto) 2017. 298 Seiten. ISBN 978-3-8474-2128-3. D: 38,00 EUR, A: 39,10 EUR.
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Thema

Trotz steigender Zahlen unbesetzter Ausbildungsplätze in Betrieben haben insbesondere HauptschülerInnen und BewerberInnen mit schlechten oder fehlenden Schulabschlüssen oder Migrationshintergrund große Probleme, eine Ausbildungsstelle ihrem Wunschberuf entsprechend zu finden. Einige von ihnen scheitern an den Personalauswahlentscheidungen der Ausbildungsbetriebe, andere bewerben sich erst gar nicht, weil sie ihre Erfolgschancen als zu gering erachten. Viele münden dann in eine nur teilqualifizierende Maßnahme im Übergangsbereich zwischen Schule und Beruf bzw. Berufsausbildung. Für rund 20 Prozent der dort Teilnehmenden bedeutet dies der Einstieg in eine sogenannte ‚Maßnahmekarriere‘, die nach mehreren Jahren ohne einen anerkannten Berufsabschluss endet.

Um solche Entwicklungen zu vermeiden, setzt die Bildungspolitik seit rund 15 Jahren verstärkt auf Berufsorientierung und andere Unterstützungsangebote in allgemeinbildenden Schulen. Dabei stützt sie sich auf die Annahme, dass die frühzeitige Vorbereitung der SchülerInnen auf deren Berufswahl und eine Berufsausbildung den direkten Übergang von der allgemeinbildenden Schule in eine betriebliche Berufsausbildung begünstigen können. Somit wird dem Unterricht in allgemeinbildenden Schulen und den dort tätigen LehrerInnen ein bedeutsamer Einfluss auf den Übergangserfolg der Jugendlichen in eine Berufsausbildung zugesprochen.

Vor diesem bildungspolitischen und pädagogischen Hintergrund setzt sich André Epp mit Fragen Subjektiver Theorien auseinander, die Lehrkräfte in Haupt- und Sekundarschulen von SchülerInnen haben, bei denen sich mögliche Schwierigkeiten bei der Lehrstellensuche abzeichnen. Aus einer kritischen Perspektive interessiert ihn, „ob und in welchem Ausmaß Lehrer die sogenannten Risikofaktoren überhaupt wahrnehmen, in welche Relation sie die einzelnen Faktoren, die den Übergang ungünstig beeinflussen können (Wissenselemente), zueinander konstruieren und welche Schlussfolgerungen (Handlungen) sie diesbezüglich ziehen“ (S. 13).

Autor

André Epp ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Erziehungswissenschaften, Abteilung Allgemeine Pädagogik an der Technischen Universität Bamberg. In Fortführung seiner Dissertationsschrift bearbeitet er gegenwärtig in seinem Habilitationsprojekt „Die biographische Genese von Subjektiven Theorien – Der Einfluss der biographischen Erfahrungsaufschichtung auf das Denken und Handeln von Lehrkräften und Jugendsozialarbeiter*innen“.

Entstehungshintergrund

Die vorliegende Publikation ist die Dissertationsschrift von André Epp, seine Promotion hat er im August 2016 an der Universität Hildesheim abgeschlossen.

Aufbau und Einleitung

Die 257 Textseiten umfassende Publikation von André Epp gliedert sich in die folgenden sieben Kapitel.

1. „Erziehungswissenschaftliche Relevanz und Fragestellungen der Studie“. In diesem 1. Kapitel begründet André Epp sein Forschungsinteresse mit Blick auf die LehrerInnenbildung. Denn er verweist auf Forschungsergebnisse, die zeigen, dass dort bisher sowohl der Übergang zwischen Schule und Beruf bzw. Berufsausbildung als auch Subjektive Theorien von Lehrkräften vernachlässigt würden: „Vermutet werden kann daher, dass die Lehrkräfte nicht ausreichend für die Thematik in ihrer Ausbildung sensibilisiert und ausgebildet werden, sodass sie selbst als ein ungünstiger bzw. benachteiligender Einfluss auf die Schüler einwirken können“ (S. 11). In diesem Zitat zeigt sich auch die kritische Perspektive, denn André Epp interessiert sich für „ungünstige Faktoren“ (Buchtitel) bzw. die Risikofaktoren und deren Wechselwirkungen, die Lehrkräfte zur Begründung von Schwierigkeiten ihrer SchülerInnen beim Übergang Schule-Beruf haben. Dabei sind für ihn die selbstkritische Reflexion der LehrerInnen von besonderer Relevanz und damit die Frage, inwieweit sie sich selbst als einflussreichen Faktor zur Vorbereitung des Übergangsprozesses der SchülerInnen sehen. Theoretisch bezieht er sich dabei auf das vor allem aus der Sozialpsychologie stammende Konstrukt der Subjektiven Theorien von Lehrkräften und führt dieses in diesem einleitenden Kapitel ein. Doch er belässt es nicht nur bei der Untersuchung der von den LehrerInnen als wichtig erachteten Risikofaktoren und deren Wechselwirkungen, sondern er möchte im Rahmen seiner qualitativen Studie auch mehr über die Handlungskonsequenzen erfahren, die die Lehrkräfte ergreifen, wenn sie bei ihren SchülerInnen den Übergang in eine Berufsausbildung gefährdet sehen. Das Kapitel schließt André Epp mit der Präzisierung seiner Forschungsfragen und einem kurzen Überblick zum Aufbau seiner Publikation.

2. „Subjektive Theorien als Forschungsgegenstand: Literaturlage und Einführung“. In diesem Kapitel stellt André Epp die unterschiedlichen, in der Literatur zu findenden Verständnisse bzw. theoretischen Ansätze zu Subjektiven Theorien vor und erläutert den dazu vorhandenen Forschungsstand sowie die in den Fachdebatten diskutierten Kritikpunkte. Dabei zeigt er auch die „begriffliche Weite“ (S. 31) dieses Konstrukts, die sich auch durch die Nähe zu anderen Konzepten und die damit verbundenen Abgrenzungsschwierigkeiten ergibt. Trotz dieser kritischen Aspekte in theoretischer Hinsicht hat er sich begründet für diesen Theoriezugang entschieden und referiert Untersuchungen, die empirisch die Relevanz Subjektiver Theorien für das Handeln von LehrerInnen belegen.

3. „Übergänge als Forschungsgegenstand“. Zunächst setzt sich André Epp in seinem 3. Kapitel mit den theoretischen Grundlagen auseinander, die in der Übergangsforschung debattiert werden. Auf dieser Basis entscheidet er sich als theoretischen Zugang für das ökosystemische Entwicklungsmodell von Bronfenbrenner mit seinen verschiedenen Systemebenen. Denn mit der dort gegebenen Differenzierung in die Mikro-, Meso-, Exo- und Makrosystemebene gelingt es ihm, zum einen systematisch zu berücksichtigen, „dass Bildungsübergänge von jungen Menschen nicht nur durch individuelle Kompetenzen, sondern in starkem Maße auch durch gesellschaftlich-institutionelle Vorgaben und die gegebenen gesellschaftlichen Schnittstellen prädisponiert sind“ (S. 55 f.). Zum anderen kann er die ihn in besonderem Maße interessierende Frage, inwieweit sich LehrerInnen selbst als Einflussfaktor auf den Übergangsprozess ihrer SchülerInnen reflektieren, im Rahmen des Mesosystems in den Blick nehmen. Das Kapitel schließt mit der Vorstellung allgemeiner „Befunde zu (prekären) Übergängen im Bildungssystem“ (S. 75), Bezüge zum Übergang Schule-Beruf spannt André Epp erst im nächsten Kapitel.

4. „Risiko und Sicherheit – Zwei Gegensätze?“. Dieses 4. Kapitel gilt der dritten theoretischen Folie, die André Epp – neben der Präzisierung von Subjektiven Theorien und Bildungsübergängen – vorbereitend zu seiner qualitativen Studie erläutert. André Epp setzt sich dazu mit den Risiko- und Schutzfaktoren- sowie Resilienzkonzept auseinander und problematisiert im Sinne eines Fazits das „Doppelgesicht von Risiko- und Schutzfaktoren“. Denn es ist schwierig, „allgemeingültige Risiko- und Schutzfaktoren zu diagnostizieren, da immer der jeweilige Einzelfall und dementsprechend ebenfalls das weitere Umfeld und der jeweilige Kontext mitreflektiert werden müssen“ (S. 91 f.). So können sich im Sinne des ‚Doppelgesichts‘ Faktoren in dem einen Fall als riskant und in dem anderen als Schutz erweisen, letztlich ist dies von den jeweils beteiligten Individuen und den jeweiligen sozialen und strukturellen Bedingungen abhängig. Dennoch sind Fachkräfte in der (sozial)pädagogischen Praxis ebenso wie VertreterInnen von Jugend-, Bildungs- und Sozialpolitik sowie in den entsprechenden Verwaltungsbereichen auf wissenschaftliche Befunde zu möglichen Benachteiligungen und Ausgrenzungen von sozialer Teilhabe angewiesen, um auf dieser Basis erforderliche Gegenmaßnahmen ergreifen zu können. André Epp benennt in diesem Zusammenhang das „Paradoxon“, vor dem Sozialforschung stehe, „einerseits die Einflussgrößen mithilfe verschiedener Kategorien zu klassifizieren, um sie überhaupt irgendwie fassbar zu machen, andererseits muss sie sich bewusst sein, dass eine Klassifizierung ebenso unterkomplex sein kann und nur eine Annäherung an die soziale Wirklichkeit darstellt …“ (S. 93.). Vor dem Hintergrund dieses Appells werden abschließend zu diesem Kapitel „Befunde zu Risikofaktoren im Übergang von der Schule in die Berufsausbildung“ (S. 95) präsentiert.

5. „Wissenschaftstheoretische Hintergrund und methodisches Vorgehen“. In diesem Kapitel verortet André Epp seine Studie in der qualitativen Sozialforschung. Ferner erläutert und begründet er, warum er sich dazu entschieden hat, mit den 30 von ihm befragten LehrerInnen aus insgesamt acht Hauptschulen und sieben Integrierten Sekundarschulen ExpertInneninterviews zu führen und diese auf Grundlage der qualitativen Inhaltsanalyse von Mayring und Kuckartz auszuwerten. Dabei skizziert er auch die „Persönliche Motivation des Forschungsvorhabens bzw. die Rolle des Forschers im Forschungsprozess“ (S. 113) und bezieht sich auf das Forschungsprogramm Subjektive Theorien (FST) in dessen weitem Verständnis. Des Weiteren schildert er sein forscherisches Vorgehen und expliziert „Forschungsethische Grundsätze zum Schutz des Feldes“ (S. 142).

6. „Empirische Befunde der Untersuchung“. In einem ersten Schritt präsentiert André Epp auf seiner theoretischen Grundlage des ökosystemischen Entwicklungsmodells von Bronfenbrenner die von den befragten LehrerInnen benannten ungünstigen Einflussfaktoren auf den Übergangsprozess ihrer SchülerInnen differenziert nach Mikro-, Meso-, Exo- und Makrosystemebene. Im zweiten Schritt hat er die zwischen diesen Faktoren wirksamen Wechselbeziehungen, die von den Lehrkräften herausgestellt und begründet wurden, in typischen Argumentationsmustern zusammengefasst. Diese lassen sich zwischen den Gegensatzpolen, dass eine „Generalisierung nicht möglich“ (S. 172, i. O. kursiv) sei, auf der einen und „Schematisch-kalkulierbar“ (S. 174, i. O. kursiv) mit Rekurs auf deterministische Zusammenhänge auf der anderen Seite einordnen. Ebenso typisierend geht André Epp bei der Vorstellung seiner Forschungsergebnisse zu „Engagement, Handlungs-, Bearbeitungs- und Problemlösungsstrategien der Lehrer“ (S. 178) vor. Neben einer „Grundsätzlich interessierte[n] und engagiert-wertschätzende[n] Haltung“ (S. 178, i. O. kursiv) hat er im Laufe seiner qualitativen Inhaltsanalyse des Interviewmaterials auch Handlungsstrategien wie „Appellieren und Nachfragen“ (S. 181, i. O. kursiv ) oder „Initiieren biografischer Arbeit“ (S. 185, i. O. kursiv) herausgearbeitet.

7. „Fallportraits“. Vorbereitend zu seiner Typenbildung mittels Fallkontrastierung stellt André Epp vier Fallportraits aus den von ihm befragten LehrerInnen vor. Dabei handelt es sich um Interviews mit vier Frauen, für die er zunächst den Kontext schildert, in dem die Befragungen stattfanden. Im Anschluss daran erläutert er im Rückgriff auf seine im 6. Kapitel vorgenommenen Typisierungen (1) die von den vier Lehrerinnen jeweils benannten ungünstigen Einflussfaktoren auf den Übergang Schule-Beruf ihrer SchülerInnen, (2) die zwischen diesen herausgestellten Wechselwirkungen und (3) das von ihnen gezeigte Engagement und die ergriffenen Handlungs- bzw. Problemlösungsstrategien. Auf der Basis dieser Fallportraits bildet André Epp dann vier Typen unterschiedlicher Lehrkräfte, die er beispielsweise mit „Differenziert interaktiv biografischer Reflektierer“ oder „Mechanisch-normierter Unbeteiligter“ bezeichnet.

8. „Fazit und Diskussion“. Dieses letzte Kapitel nutzt André Epp erstens zur forschungsmethodischen Reflexion und bewertet die von ihm geführten ExpertInneninterviews mit qualitativer Inhaltsanalyse als gelungenen Forschungszugang, mit dem er aufschlussreiche Ergebnisse erzielt habe. Zweitens zeigt er die Anschlussfähigkeit seiner Forschungsergebnisse an andere Studien zu Subjektiven Theorien von Lehrkräften. Drittens stellt er die Initiierung von Biografiearbeit mit den SchülerInnen sowie die Vernetzung mit anderen relevanten AkteurInnen im Übergangssektor Schule-Beruf als zentrale Handlungsstrategien zur Bewältigung von Schwierigkeit im Übergangsprozess heraus. Viertens begründet er die Relevanz der von ihm erzielten und als valide bewerteten Ergebnisse für die Ausbildung und weiteren Professionalisierung von LehrerInnen. Darüber hinaus sieht er auch die Bedeutung für die Fachkräfte Sozialer Arbeit, denn bereits in den 1960er Jahren seien dort vergleichbare Forschungsarbeiten zu Subjektiven Theorien von SozialarbeiterInnen bzw. -pädgogInnen angestellt worden (S. 253). Fünftens unternimmt er mit Bezugnahme auf marxistische Quellen einen „Exkurs: Verdinglichende Denkweise versus dialektische Denkweise“ (S. 259). Denn in einigen seiner Interviews sei deutlich geworden, „dass auch das Wissen der Lehrkräfte einer Verdinglichung unterworfen sein kann bzw. Lehrkräfte eine verdinglichende Denkweise aufweisen können“ (ebd.). Schließlich beendet er seine Publikation mit der Differenzierung verschiedener Textsorten und ordnet diese den vier von ihm gebildeten LehrerInnentypen zu.

Diskussion

Die Studie von André Epp greift für mich ein Thema auf, das ich als überaus relevant und weiterführend für SchülerInnen erachte, die trotz der immer lauter werdenden Rede vom Fachkräftemangel aufgrund ihres schlechten oder fehlenden Schulabschlusses oder Migrationshintergrundes im Übergangsprozess von der allgemeinbildenden Schule in eine von ihnen gewünschte Berufsausbildung scheitern oder sich resigniert erst gar nicht bewerben, weil sie für sich keine Chancen im Wettbewerb um Ausbildungsplätze sehen. Denn ich teile die Ausgangsthese von André Epp, dass LehrerInnen in allgemeinbildenden Schulen eine zentrale Schlüsselstellung zukommt und sie diverse Handlungsmöglichkeiten haben, ihre SchülerInnen bei sich abzeichnenden Schwierigkeiten in deren Übergangsprozess zu unterstützen. Voraussetzung dafür ist jedoch zum einen, dass sie dafür sensibilisiert und aufmerksam sind, die jeweils individuell einflussreichen Risiko- und Schutzfaktoren und deren Wechselwirkungen bei den einzelnen Jugendlichen zu erkennen. Dabei sollten sie sich selbst als bedeutsamen Einflussfaktor ebenfalls im Blick behalten. Zum anderen sollten sie über entsprechende pädagogische Handlungsstrategien verfügen, um darauf einzugehen und den SchülerInnen die Übergangsprozesse in eine Berufsausbildung zu erleichtern. In alle diese Voraussetzungen gewähren die Forschungsergebnisse von André Epp meines Ermessens aufschlussreiche empirische Einblicke. Diese könnten LehrerInnen und auch SchulsozialarbeiterInnen sowie in Angeboten zur Berufsausbildungsvorbereitung tätige SozialpädagogInnen bzw. -arbeiterInnen zu kritischer Selbstreflexion und Selbstvergewisserung einladen. Diese Formulierung habe ich deshalb so vorsichtig gewählt, weil ich viele der Ausführung von André Epp als (ab)wertend empfinde. Ich befürchte sogar, dass viele LeserInnen dadurch von dieser für mich in thematischer Hinsicht überaus wichtigen Lektüre abgeschreckt werden könnten. Obwohl ich die kritische Perspektive von André Epp in jeder Hinsicht teile, hätte ich mir eine weniger wertende und stärker empathische Wortwahl insbesondere bei der Typenbildung und in der abschließenden Diskussion seiner Forschungsergebnisse gewünscht. Außerdem argumentiert er aus meiner Sicht implizit auf der Basis eines pädagogischen Professionsverständnisses, das er jedoch nicht ausweist und das damit auch nicht nachvollziehbar ist.

Trotz dieser kritischen Anmerkungen ist es André Epp aus meiner Sicht gelungen, eine mich schon seit Längerem beschäftigende Forschungslücke im Übergangssektor Schule-Beruf zumindest teilweise zu schließen. Denn bisher fehlen meiner Kenntnis nach Forschungsergebnisse zu den sozialen Konstruktionen bzw. Subjektiven Theorien von LehrerInnen oder sonstigen in diesem Feld tätigen sozial- und berufspädagogischen Fachkräften. Aufgrund seiner psychologischen Perspektive vermisse ich jedoch Bezüge zu sozialkonstruktivistischen Forschungen, vor allem jene zu Doing-Difference-Prozessen. Damit hätte André Epp seinen Fokus auf die soziale, institutionelle und gesellschaftliche Bedingtheit der sozialen Konstruktionen von LehrerInnen weiten und Fragen nach Zuständigkeit und Verantwortung (S. 255) differenzierter und weniger individualisierend stellen können. Darüber hinaus würde ich aus methodologischer Perspektive gerne mit ihm darüber diskutieren, inwieweit das ExpertInneninterview eine geeignete Methode dazu ist, Subjektive Theorien von Lehrkräften zu erforschen.

Fazit

In meiner Diskussion dieser Publikation mag deutlich geworden sein, dass meine Bewertung durchaus ambivalent ausfällt: Einerseits habe ich die zuvor angesprochenen grundlegenden Kritikpunkte daran. Andererseits erachte ich die Forschungsergebnisse und theoretischen Auseinandersetzungen von André Epp als sehr bedeutsam und beachtenswert. Denn trotz aller Kritik bereichern sie für mich die Forschungslandschaft zu Subjektiven Theorien von Lehrkräften und sonstigem pädagogischen Personal im Übergangssektor Schule-Beruf. Zudem können sie dazu beitragen, dass Jugendliche, die aus unterschiedlichen Gründen Schwierigkeiten beim Zugang zu einer von ihnen gewünschten Berufsausbildung haben, durch LehrerInnen und sonstige pädagogische Fachkräfte ihren individuellen Schutz- und Risikofaktoren entsprechend gezielter unterstützt und gefördert werden können. Deshalb empfehle ich dieses Buch nicht nur in pädagogischen Arbeitsfeldern Forschenden sowie Lehrenden und Studierenden in pädagogischen Studiengängen, sondern auch allen LehrerInnen und pädagogischen Fachkräften, die im weiten Sinne im Übergangssektor Schule-Beruf tätig sind. Darüber hinaus sollten ebenfalls VertreterInnen in Schul- und Bildungspolitik, -forschung sowie -administration dieses Buch lesen, um daraus Konsequenzen für die Aus- und Weiterbildung des pädagogischen Personals zu ziehen.


Rezensentin
Prof. Dr. Ruth Enggruber
Hochschule Düsseldorf, FB Sozial- und Kulturwissenschaften
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Zitiervorschlag
Ruth Enggruber. Rezension vom 24.01.2018 zu: André Epp: Von der Schule in die Berufsausbildung. Soziale Konstruktionen durch Lehrkräfte über ungünstige Faktoren in der Bildungsbiografie von Schülerinnen und Schülern. Verlag Barbara Budrich (Opladen, Berlin, Toronto) 2017. ISBN 978-3-8474-2128-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23132.php, Datum des Zugriffs 15.08.2018.


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