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Franz-Michael Konrad, Peter Erath u.a. (Hrsg.): Der Kindergarten als Bildungseinrichtung

Cover Franz-Michael Konrad, Peter Erath, Markus Rossa (Hrsg.): Der Kindergarten als Bildungseinrichtung. Pädagogische, didaktische und methodische Aspekte einer bildungstheoretischen Vertiefung der Arbeit in Kindertageseinrichtungen. Julius Klinkhardt Verlagsbuchhandlung (Bad Heilbrunn) 2017. 170 Seiten. ISBN 978-3-7815-2175-9. D: 18,90 EUR, A: 19,50 EUR.
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Herausgeber

Prof. Dr. Peter Erath lehrt an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt Theorien der Sozialarbeit und Pädagogik.

Prof. Dr. Franz-Michael Konrad lehrt dort Historische und Vergleichende Pädagogik und Markus Rossa ist Lehrkraft für besondere Aufgaben.

AutorInnen

Die Buchbeiträge stammen von Wissenschaftler_innen, die in den USA, in Deutschland, Schweden und Kanada forschen und lehren.

Entstehungshintergrund und Zielsetzung

Die Herausgeber des Buches wollen eine didaktische Konzeption vorschulischer Bildung vorstellen, welche das Handeln von Fachkräften im Kindergarten unterstützten soll. Ihr Ansatz unterscheide sich von anderen. Die Herausgeber wollen eine bildungsdidaktische Debatte anregen, bei der Lerninhalte nicht vernachlässigt werden. Sie greifen die didaktischen Gesichtspunkte einer materialen Bildungstheorie auf, die die Lernvoraussetzungen, die Auswahl von Bildungsinhalten und die Aneignungsmodi reflektiert. Darüber hinaus ergänzen sie die bisherigen Überlegungen zum frühkindlichen Lernen (implizites, imaginäres, situationsorientiertes und strukturiertes Lernen) um das sogenannte sachorientierte Lernen (Berücksichtigung der Lerninhalte). Es geht auch darum, den „Mehrwert“ des Lernens im Kindergarten gegenüber der Familie und Peergruppe zu beschreiben (vgl. S. 7-11).

Aufbau

Das Buch sei, so die Herausgeber, in vier Teile gegliedert (vgl. S. 10). Elf in Deutschland bekannte und weniger bekannte Autoren_innen kommen zu Wort.

  1. Im ersten Teil gehe es um die Präzisierung bildungstheoretischer, allgemeindidaktischer- sowie entwicklungspsychologische Grundlagen für eine frühkindliche Bildung im Kindergarten.
  2. Im zweiten Teil des Buches werden sachorientierte fachdidaktische Modelle methodisch präzisiert. Die naturwissenschaftliche, philosophisch-theologische und sprachliche Bildung werden in drei Beiträgen aufgegriffen.
  3. Im dritten Teil des Buches wird das didaktisch-methodische Konzept zur Entwicklung sachorientierter Lernformate vorgestellt.
  4. Im vierten und abschließenden Teil des Buches stehen die Messbarkeit von Bildungsprozessen und die kulturbedingte Sicht auf Bildung in der frühen Kindheit im Fokus (vgl. S. 10).

Alle Beiträge beginnen mit einem kurzen Abstract. Sie haben einen Umfang von ca. fünfzehn Seiten. Ein Literaturverzeichnis zum jeweiligen Thema rundet den Text ab.

Die Deutsche Nationalbibliothek bietet Einblick in das vollständige Inhaltsverzeichnis.

Inhalt

Franz-Michael Konrad: „Bildung im frühen Kindesalter. Zur bildungstheoretischen Vertiefung der Arbeit im Kindergarten“ (S. 13-30). Im ersten Beitrag reflektiert Konrad die Konjunktur des Bildungsbegriffs. Die politische Inanspruchnahme frühkindlicher Bildung stehe in enger Verbindung mit der PISA Studie von 2001. Der Prozess gehe allerdings mit einem Paradigmenwechsel in den Wissenschaften einher (vgl. S. 18). Die heutige Entwicklungspsychologie fasse das kindliche Denken als einen kontinuierlichen Entwicklungsprozess auf, der die Interaktion und die kognitiv anregende Umgebung als Impuls für Entwicklung braucht. Kleine Kinder, so die neurologische Forschung, seien aktive lernende Kinder, deren Gehirnentwicklung auf Lernanreize angewiesen sei. Deshalb legen aktuelle Neuro- und Kognitionsforschungserkenntnisse nahe, die frühe Aufnahmebereitschaft des Kindes zu nutzen. Die empirische Bildungsforschung habe gezeigt, dass die Bildung in der frühen Kindheit die Kompetenzen des Kindes stärke. Daher sei bildungspolitisch relevant, dass die Bildungschancen so früh als möglich mithilfe von öffentlichen Institutionen genutzt werden, bzw. Bildungschancengleichheit hergestellt werden. Angesichts der Globalisierung werde Bildung als ein Marktwert ausgewiesen. Die Soziologie forscht seit längerem über die Entwicklung der Gesellschaft zur Wissensgesellschaft. So liege es nahe, mit Bildung früh zu beginnen (vgl. S. 19). Bildung sei darüber hinaus nach Konrad in der deutschen pädagogischen Tradition verankert. Humboldt deutete Bildung als kulturelle Aneignung. Im Bildungsprozess, so die Denker der Aufklärung, bilden sich Individualität und Subjektivität. Dieses Verständnis habe, so Konrad, in der Pädagogik der frühen Kindheit seit Friedrich Fröbel den Kindergarten entwickelte, Anklang gefunden. Bildung als ein interaktives Mensch-Welt-Geschehen müsse jedoch auch gegenstandsbezogen vermittelt werden. Bildung ohne Inhaltsbezug verfehle seine Wirkung und werde nicht funktionieren. Der Kindergarten habe die Funktion, „Kinder an die ‚Welt‘, so wie sie ist, heranzuführen und für die kreative Aneignung dieser Welt durch die Kinder zu sorgen“ (S. 24). Daraus erwachse, so Konrad, auch für Fachkräfte im Kindergarten die Aufgabe, sich Weltwissen anzueignen (S. vgl. 28).

Ingrid Pramling Samuelsson und Niklas Pramling: „Vorschuldidaktik für das spielend-lernende Kind“ (S. 31-42). Die Autorin und der Autor lehren in Göteborg und verstehen Didaktik als die Kunst, dem Kind etwas zu zeigen (vgl. S. 32). Dazu müsse die Perspektive des Kindes eingenommen und seine Fähigkeit eingeschätzt werden. Lernen finde statt, wenn an bereits vorhandene Erfahrungen angeknüpft werden kann (vgl. S. 35). Kleine Kinder brauchen Wiederholungen und Erwachsene, die ihnen helfen Neues zu erkennen. Die Kommunikation mit Kindern und auch die Meta-Kommunikation sei wichtig. Kinder wechseln im Spiel zwischen dem Sprechen im Spiel und dem Sprechen über das Spiel. Auf diese Weise lernen sie und die Kommunikation mit den Kindern sei ein Schlüssel zum Lernen (vgl. S. 39).

Jie-Qi Chen: „Offenheit und Unvoreingenommenheit bei der Bildung kleiner Kinder. Das Konzept der Multiplen Intelligenzen“ (S. 43-54). Der Autor lehrt in Chicago und setzt sich mit Gardeners Konzept der verschiedenen Typen von Intelligenz auseinander, weil es nicht den einen Lernweg gebe. Kinder bringen, so Qi Chen, unterschiedliche Lernvoraussetzungen mit. Aufgrund ihrer Herkunft und Persönlichkeit ihrer Erfahrungen und Lernweisen lernen sie verschieden, z.B. stärker sprachlich-linguistisch, logisch-mathematisch, musikalisch-rhythmisch, bildlich-räumlich, naturalistisch, interpersonell oder intrapersonell orientiert (vgl. S. 45-46). Entsprechend unterstützen Geschichten, das Zeichnen oder Malen, das Zählen von Gegenständen, das Beobachten von Phänomenen und entsprechende Schlussfolgerungen, oder das Rollenspiel und Musizieren den Lernprozess (vgl. S. 52).

Julia Flottmann und Miriam Leuchter: „Entwicklungs- und lernpsychologische Grundlagen für die naturwissenschaftliche Bildungsarbeit in Kindertageseinrichtungen“ (S. 55-68). Die Autorinnen lehren in Münster und Koblenz. Sie reflektieren das Lernen, das bei alltäglichen Aktivitäten des Kindes stattfindet. Kleine Kinder beobachten ständig und in ihrem Gehirn werden die Beobachtungen hinterlegt. Das Spiel mit der Kugelbahn erleben Kinder als interessant und sie beobachten aufmerksam und Interessiert das Rollen der Kugel. Durch entsprechende Fragen können Fachkräfte Kinder anregen, ihre Wahrnehmungen auszusprechen. Entwicklungspsychologisch betrachtet bilden Kinder eine „Theory of Mind“ im Alter von 3–5 Jahren. Begleitende Gespräche und dialogisch gestellte Fragen bieten eine Chance, nicht nur die Wahrnehmungs- und Beobachtungskompetenz des Kindes zu fördern, sondern auch ihr Wissen aufzubauen (vgl. S. 55-66).

Kathrin Winkler: „Wertebildung im Kindergarten. Pädagogische Intentionen zum Philosophieren und Theologisieren mit Kindern“ (S. 69-84). Die Autorin ist Professorin für Religionspädagogik an der EFH Nürnberg. Sie richtet den Blick auf Wertebildung, die für das soziale Zusammensein bedeutsam ist. Werte seien „Konzeptionen des Erstrebenswerten“, während Normen als situationsgebundene Handlungsvorgaben definiert werden (vgl. S. 70). Die Wertebildung thematisiert Fragen nach dem guten und richtigen Leben. Durch die anthropologische Forschung sei bekannt, dass es zwar genetische Prädispositionen für Mitgefühl (Empathie) und Fairness gebe, dass aber der Respekt gegenüber einem anderen und die Achtung eines Mitmenschen als prosoziales Verhalten eingeübt werden muss. Angeborene moralische Handlungsmuster, so die Autorin, führen nicht automatisch zur moralischen Persönlichkeit (vgl. S. 73). Das Philosophieren und Theologisieren mit Kindern unterstützt die Wertebildung. „Wenn Kinder werten lernen, dann lernen sie, erlebte und beobachtete Handlungen auf Werte hin zu untersuchen und sich über die Motive und Ziele dieser Handlungen Gedanken zu machen“ (S. 74). Philosophieren stärke die Fähigkeit des Nachdenkens über die Weltwahrnehmungen und neben dieser Kulturtechnik, die auch eingeübt werden müsse, helfe das Theologisieren mit Kindern, Fragen zum Sinn des Lebens, zum Woher und Wohin zu stellen und kindgerecht zu beantworten (vgl. S. 81).

Dorothee Gutknecht: „Methodische Zugänge zur Entwicklung von Erzählfähigkeiten bei Kindern im Krippen- und Kindergartenalter“ (S. 85-96). Gutknecht lehrt an der EFH in Freiburg und greift in diesem Buch das Erzählen auf, um daran eine intuitive Didaktik zu verdeutlichen. Damit eine Erzählung zustande kommt, müssen bestimmte Feinabstimmungen stattfinden, so Gutknecht. Die Fähigkeit, anderen von sich zu erzählen oder auch Erlebnisse mitzuteilen sei eine Basiskompetenz, die nach und nach erworben wird. Dabei können Fachkräfte den Wortschatz und die Sprachanalysekompetenz von Kindern fördern. Durch den sogenannten „Memory Talk“ lernen Kinder, eigene Erlebnisse und Handlungen zu thematisieren. Das interessierte Nachfragen, Spiegeln und emotionale Begleiten der Kinder beim Geschichten erzählen oder das begleitende Sprechen beim Malen unterstützt die Kompetenz. Bilderbücher oder Erzähltheater (Kamishibai) bieten ebenfalls einen guten methodischen Zugang, um sprachliche Kompetenzen zu fördern (vgl. S. 91).

Peter Erath und Markus Rossa: „Lernen von der Sache aus!? Über Möglichkeiten und Schwierigkeiten einer dialogisch-instruktiven Didaktik für den Elementarbereich“ (S. 97-118). Im Rahmen eines Modellprojektes erprobten die Herausgeber des Buches die Arbeit mit Lernmodulen, die das sachorientierte Lernen stärken. Für die Autoren geht es um sechs zentrale Fragen:

  1. Welche Lernvoraussetzungen haben Kleinkinder?
  2. Was soll gelernt werden?
  3. Was braucht das Kind?
  4. Wie Lernen Kinder?
  5. Welche Rolle haben Fachkräfte, um das Lernen zu fördern?
  6. Welcher Mehrwert besteht beim Lernen im Kindergarten gegenüber dem Lernen in der Familie und Peergruppe?

Im Elementarbereich werden mit dem Begriff Didaktik unterschiedliche Dinge bezeichnet und auch Wissenschaftler_innen teilen keineswegs gemeinsame Annahmen über Bildung. Deshalb sei eine Orientierung und ein Diskurs darüber notwendig (vgl. S. 1000). Das hier entwickelte didaktische Modell des dialogisch-instruktiven Lernens gehe von der Annahme aus, dass die kindliche Lernfähigkeit und Motivation durch die Beschäftigung mit dem Lerninhalt gefördert werde. Die entwicklungspsychologisch bedeutsame Fähigkeit des Kindes eine „Theory of mind“ zu bilden ermögliche im Anschluss daran auch die Befähigung des Kindes zur Metakognition. Diese Kompetenz, über das eigene Denken nachzudenken und den eigenen Lernprozess zu reflektieren, setzte im Alter von ca. 5 Jahren ein. Jetzt wollen Kinder Lernaufgaben lösen und kognitiv herausgefordert werden. Das Kind zeige Interesse an Themen und könne sich mit einer Sache länger beschäftigen. Die Fachkraft habe, so die Autoren, die Aufgabe, mithilfe einer Sachanalyse das forschende Lernen zu begleiten. Sie reflektiere, welche Fertigkeiten bereits vorhanden seien und was das Kind wissen solle, um sich einer neuen Aufgabe und Herausforderung zu stellen. Die Fachkraft entscheide, welche Tätigkeit geeignet sei, sich die Sache anzueignen, um das Thema zu vertiefen. Feedback, Erklärungen, Lehren und Begleiten sowie Wertschätzen seien wichtige Verhaltensweisen, die das Lernen der Kinder fördern (vgl. S. 106). Forschungswerkstätten, Erkundungen bzw. Exkursionen, z.B. ins Theater, in eine Werkstatt ermöglichen Lernen. Dafür bedürfe es der Bereitschaft, sich selbst mit der Sache auseinanderzusetzen aber auch Vorbereitungszeit. Im Buch wird die Modulmatrix Naturwissenschaft und Technik vorgestellt (vgl. S. 115).

Michael Köck: „Über das Staunen hinausführen. Didaktische Überlegungen zum Bildungsbereich. Naturwissenschaft und Technik“ (S. 119-137). Der Autor, der Didaktik der Arbeitslehre lehrt, betont die Notwendigkeit zur inhaltlich-methodischen Entscheidung über Lernsituationen. Kinder brauchen Unterstützung, um ihre Aufmerksamkeit auf einen Lerngegenstand zu lenken, den sie näher erkunden können. Das Erfassen von Eigenschaften, die Dingen zugeschrieben werden, der Erwerb der Kulturgüter, die Baukonstruktion und das Wissen über gesunde Ernährung bedürfen einer Didaktik, die sich an der Lebenswirklichkeit des Kindes orientiert und exemplarisch vorgeht, damit Kinder schon früh die Komplexität der dinglichen und sinnhaft erlebbaren Welt erfassen können (vgl. S. 130). Heutige Erziehungs- und Bildungspläne fordern dazu auf, Bildung in den Mittelpunkt zu rücken. Damit müsse und auch das sachorientierte Lernen berücksichtigt werden, wofür Fachkräfte auch fachdidaktische, lernpsychologische und pädagogische Kenntnisse kennen und reflektieren müssen, z.B. Wie entsteht ein Auto am Computer? (vgl. S. 135).

Jens Kratzmann: „Wie lässt sich Bildung in der Kindertageseinrichtung erfassen? Zur Messbarkeit pädagogischer Interaktionssituationen“ (S. 139-150). Kratzmann lehrt Pädagogik der frühen Kindheit und greift den Rechtfertigungsdruck auf, der durch die bildungspolitische Debatte in Gang gesetzt wurde (vgl. S. 139). Innerhalb der Disziplin seien viele Forschungsprojekte angestoßen worden, die den frühkindlichen Lernprozess erforschen und beschreiben. Dabei werde sichtbar, dass empirische Studien und deren Erkenntnisse mit methodologischen Vorentscheidung verbunden seien. Bildung werde vor allem als Problemlösungskompetenz operationalisiert (vgl. S. 146). Erwähnt werden die Qualitätserfassungsstudien der KES, kompetenztheoretische Ansätze, die z.Zt. auch in der Schule angewandt werden und Studien, die mit offenen Beobachtungsverfahren auf unterschiedliche Erscheinungsformen von Bildung eingehen und Aussagen über Rahmenbedingungen zulassen (vgl. S. 149).

Larry Prochner, Ailie Cleghorn, Anna Kirova und Christine Massing: „Ausbildung von Erzieher/innen in unterschiedlichen kulturellen Milieus“ (S. 151-167). Die genannten Wissenschaftler_innen arbeiten mit dem Kanadier Larry Prochner zusammen. Sie „weisen vor dem Hintergrund eines international vergleichenden Forschungsprojektes über Ausbildungsprogramme in Kanada, in Namibia und Kolumbien auf die Problematik hin, die sich aus unterschiedlichen, kulturell bedingten Bildungs- und Entwicklungstheorien für eine globale Bildung, Betreuung und Erziehung in vorschulischen Einrichtungen ergibt“ (vgl. S. 10). Bei diesem Beitrag handelt es sich um eine derzeit durchgeführte Studie (vgl. S. 151).

Diskussion

Das Buch „Der Kindergarten als Bildungseinrichtung. Pädagogische, didaktische und methodische Aspekte einer bildungstheoretischen Vertiefung der Arbeit in Kindertageseinrichtungen“ stellt eine Sammlung von Diskursen vor, die für die Disziplin- und Professionsbildung einer Pädagogik der frühen Kindheit relevant sind. Mit ihren Beiträgen ergänzen die Autoren_innen die Diskussion um die institutionelle Bedeutung des Kindergartens, um ein angemessenes Erziehungs- und Bildungsverständnis und um Fragen einer Didaktik, die Teil der Bildung in der frühen Kindheit ist. Das Buch fasst Fachdiskurse zusammen und appelliert, den didaktischen Diskurs nicht aus dem Blick zu verlieren. Die Einteilung des Buches in vier Teile war für mich nicht erkennbar.

Eine zusammenfassende und einordnende Diskussion der Buchbeiträge, die ja für eine materiale Bildungstheorie plädieren, wird nicht vorgelegt.

Ob diese Texte dazu beitragen, Fachkräfte zu unterstützen, ihren Bildungsauftrag bewusst auszuüben und fachlich legitimieren zu können halte ich für fraglich. Das Buch regt dennoch die an, die sich mit metatheoretischen Problemstellungen beschäftigen. Mir hat es gezeigt, dass die derzeitigen Diskurse didaktisch relevante Fragestellungen außer Acht lassen. Damit fehlt der Pädagogik der frühen Kindheit ein zentraler Bereich ihres Gegenstandes, für den diese Wissenschaft aber Zuständigkeit reklamieren sollte.

Fazit

Dieses Buch macht einmal mehr sichtbar, wie sehr auch Wissenschaft von einem Paradigmenwechsel grundlegender traditioneller Orientierungen betroffen ist. Der Sog der kapitalistischen Denkweise instrumentalisiert alle gesellschaftlich relevanten Systeme. Gleichzeitig wird die Schwierigkeit offengelegt, die kulturell geprägten Ansichten über Pädagogik global zu teilen. Die nationale Begrenztheit der Pädagogik zu öffnen ist eine Aufgabe, die viel Zeit und auch Kraft braucht.


Rezensentin
Prof. Dr. Christiane Vetter
Leiterin der Studienrichtung Soziale Arbeit in der Elementarpädagogik an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Stuttgart
Homepage www.dhbw-stuttgart.de/themen/studienangebot/fakulta ...
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Zitiervorschlag
Christiane Vetter. Rezension vom 02.07.2018 zu: Franz-Michael Konrad, Peter Erath, Markus Rossa (Hrsg.): Der Kindergarten als Bildungseinrichtung. Pädagogische, didaktische und methodische Aspekte einer bildungstheoretischen Vertiefung der Arbeit in Kindertageseinrichtungen. Julius Klinkhardt Verlagsbuchhandlung (Bad Heilbrunn) 2017. ISBN 978-3-7815-2175-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23156.php, Datum des Zugriffs 14.12.2018.


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ISSN 2190-9245

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