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Filip Caby, Andrea Caby: Die kleine Psycho­therapeutische Schatzkiste - Teil 1

Cover Filip Caby, Andrea Caby: Die kleine Psychotherapeutische Schatzkiste - Teil 1. Tipps und Tricks für kleine und große Probleme im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter. verlag modernes lernen Borgmann (Dortmund) 2017. 224 Seiten. ISBN 978-3-942976-18-3. D: 19,95 EUR, A: 20,60 EUR, CH: 32,30 sFr.
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Thema

Bei dem vorliegenden Buch handelt es sich um ein Praxishandbuch, welches in der Arbeit mit psychisch erkrankten und problembelasteten Patienten/Klienten sowie Familien seine Anwendung findet.

Autorin und Autor

Dr. Andrea Caby studierte Humanmedizin in Deutschland und den USA. Sie ist Fachärztin für Kinderheilkunde und Jugendmedizin und verfügt über die kinder- und jugendpsychiatrische Weiterbildung. Seit 2007 ist sie Professorin für Sozialpädiatrie.

Dr. Filip Caby absolvierte das Studium der Humanmedizin in Belgien und die Weiterbildung zum Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie in Deutschland. Er leitet seit 1994 eine kinder- und jugendpsychiatrische Klinik.

Entstehungshintergrund

Grundstein für das Buch war der gleichnamige Workshop von F. Caby und A. Caby. Angeregt durch ihre Kollegen entschieden sie sich die verschiedenen Intervention/ Schätze die in der Praxis, Beratung, Klinik, im Jugendhilfekontext etc. Anwendung finden können, in einem Buch festzuhalten.

Aufbau und Inhalt

1. Allgemeines. Zunächst wird der theoretische Hintergrund (systemisch, konstruktivistisch, lösungs- und ressourcenorientiert) der Interventionen dargestellt und anschließend auf die „hohe Kunst des Fragens“ eingegangen. Hinweise zur Gesprächsführung wie Rapport und Anschlussfähigkeit, Körperhaltung, Mimik und die Sprache werden danach aufgegriffen.

2. Die Interventionen. In diesem Kapitel werden allgemeine Interventionen und spezielle Techniken dargestellt, die direkt im Gespräch angewendet werden können oder für Zuhause hilfreich sind. Als direkte Interventionen im Gespräch werden bspw. ein Ressourcenstammbaum und ein Ressourcenbarometer zur Ressourcensuche/-aktivierung aufgeführt. Weiter finden sich typische systemische Interventionen wie das Zirkuläre Fragen, Fragen nach Ausnahmen, die Wunderfrage etc. Der Einsatz von Handpuppen, das gemeinsame Malen und Zeichnen sowie die Anwendung therapeutischer Geschichten und Märchen werden als spezielle Techniken aufgezeigt. Interventionen und Techniken für Zuhause sind z.B. Beobachtungsaufgaben, So-tun-als-ob-Aufgaben, paradoxe Interventionen, Traumfänger, Talismane oder die Regel des Monats. Alle Interventionen sind wie eine Art Steckbrief gestaltet und enthalten zu folgenden Punkten Informationen: Die Idee, Methode, Tipps, Indikation, Kontraindikation und das geeignete Setting (Familien-, Einzel-, Gruppe-, oder Paartherapie).

3. Indikation – oder: Was hilft wann am besten? In diesem Kapitel lassen sich Indikationen zu Störungsbildern nachschlagen, bspw. zu Enuresis, Enkropresis, Depression, ADHS und Schlafstörungen. Auch für Verhaltensauffälligkeiten wie z.B. Nägelkauen, Lügen, Geschwisterrivalität werden Indikationsvorschläge gegeben. Bei einzelnen Indikationen wurde die Psychoedukation ergänzt. Durch die Vermittlung von Hintergrundwissen durch den Therapeuten soll die Selbstwirksamkeit und -steuerung des Klienten gestärkt werden.

4. Scheinbar aussichtslos, oder: Das Meistern besonders kniffeliger Situationen. In diesem Kapitel werden kurz und knapp schwierige Situationen in der Therapie/Beratung geschildert und anschließend Vorschläge gegeben, wie diese gelöst werden können. Die Lösungsvorschläge werden meist in Form von konkreten Fragen oder Aussagen an das Gegenüber gemacht.

Diskussion

Das vorliegende Buch ist ein sehr gutes Nachschlagewerk für die Praxis und muss nicht von vorne nach hinten gelesen werden. Schnell und einfach können Tipps und Tricks für den Alltag in Therapie und Beratung nachgelesen werden. Praktisch ist dabei die Ringbuchbindung, die ein zuklappen des Buches verhindert. Die Zielgruppe sind Ärzte, Psychotherapeuten, Pädagogen, Psychologen, Sozialarbeiter, Ergotherapeuten, Logopäden und verwandte Berufsgruppen. Oder anders gesagt: Fachkräfte die mit (den Folgen von) psychischen und pädagogischen Problemen in Familie in Berührung kommen.

Die unterschiedlichen Methoden werden präzise erklärt. Fallbeispiele dienen hier der Veranschaulichung und tragen zu einem besseren Verständnis bei. Besonders hervorzuheben ist, dass in Kapitel drei, in dem die Indikationen für einzelne Störungsbilder beschrieben werden immer eine Seitenzahl zu der einzelnen Methode, die in den vorherigen Kapiteln vorgestellt wurden, angegeben ist. So wird bspw. bei aggressiven Verhaltensweisen u.a. das Fragen nach Ausnahmen vorgeschlagen. Dies ist mit einer Seitenzahl versehen und verweist auf eines der vorherigen Kapitel, in denen die Methode vorgestellt wurde.

Kleine formale Fehler wie z.B. die falsche Nummerierung der Kapitel – auf 1.5.7 folgt 6, oder der Abdruck des Vorwortes aus der vorherigen Auflage, ändern nichts am guten Gesamteindruck des Buches.

Fazit

Die systemische, lösungsorientierte, ressourcenorientierte und konstruktivistische „Schatzkiste“ ist jedem zu empfehlen, der eine gute Sammlung von Interventionen für die alltägliche Arbeit mit psychisch erkrankten und problembelasteten Patienten/Klienten und Familien haben möchte.


Rezensentin
Katharina Wirth
M.A. Klinisch-therapeutische Sozialarbeiterin/Sozialpädagogin, in der Ausbildung zur Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin
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Zitiervorschlag
Katharina Wirth. Rezension vom 12.10.2017 zu: Filip Caby, Andrea Caby: Die kleine Psychotherapeutische Schatzkiste - Teil 1. Tipps und Tricks für kleine und große Probleme im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter. verlag modernes lernen Borgmann (Dortmund) 2017. ISBN 978-3-942976-18-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23163.php, Datum des Zugriffs 19.10.2017.


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