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Bernd Clausen, Alexander J. Cvetko u.a. (Hrsg.): Grundlagentexte wissenschaftlicher Musikpädagogik

Cover Bernd Clausen, Alexander J. Cvetko, Stefan Hörmann, Martina Krause-Benz, Silke Kruse-Weber (Hrsg.): Grundlagentexte wissenschaftlicher Musikpädagogik. Begriffe, Positionen, Perspektiven im systematischen Fokus. Waxmann Verlag (Münster, New York) 2017. 249 Seiten. ISBN 978-3-8309-3353-3. D: 29,90 EUR, A: 30,80 EUR.
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Thema

Das Buch gibt in einer großen Spannbreite Auskunft über musikpädagogische und musikdidaktische Begriffe sowie fachlich begründete Positionen, die debattiert werden. Grundlegende musikdidaktische und systematische musikpädagogische Fragestellungen werden vorgestellt und beantwortet. Zudem werden Dimensionen und Strategien historischer musikpädagogischer Unterrichtsforschung entfaltet. Es wird sowohl die komparative historische musikpädagogische Forschung beschrieben als auch die Instrumentalpädagogik als Wissenschaftsdisziplin in den Blick genommen. Perspektiven im systematischen Fokus der interdisziplinären wie der interkulturellen Musikpädagogik werden aufgeworfen und untersucht.

Bildungsphilosophische Grundfragen, z.B. des forschenden Lernens (auch zur Vernetzung von Universität und Schule) und der Unterrichtsforschung im Sinne eines gelingenden Theorie-Praxis-Transfers, stellen u.a. den Inhalt dieses Buches dar.

HerausgeberInnen

  • Bernd Clausen. Mit fünfjähriger Lehrerfahrung in Japan, promovierte im Bereich inter-/transkulturellen Bildung, ist jetzt an der Hochschule für Musik in Würzburg, auch als Präsident, tätig.
  • Alexander J. Cvetko. Habilitierte mit historischen und empirischen Studien über das Geschichtenerzählen als Methode im Musikunterricht. Er ist als Professor für Musikpädagogik an der Staatlichen Hochschule für Musik in Trossingen tätig.
  • Stefan Hörmann. Promovierte mit einer Dissertation zum Thema „Musikalische Werkbetrachtung im Schulunterricht des frühen 20. Jahrhunderts“. Er leitet nun den Lehrstuhl für Musikpädagogik und Musikdidaktik an der Otto-Friedrich Universität in Bamberg, wo er auch eine leitende Funktion in der Fakultät der Humanwissenschaften wahrnimmt.
  • Martina Krause-Benz. Promovierte in Musikpädagogik an der Folkwang-Universität und leitet nun den Studiengang Schulmusik an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim.
  • Silke Kruse-Weber. Ihre Dissertation thematisierte die „Klavierpädagogik im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts“. Seit 2010 ist sie Professorin für Instrumental- und Gesangspädagogik an der Kunstuniversität Graz.

Autorinnen

  • Cristina Marin. „Lehr- und Lernprozesse im Instrumentalunterricht für Holzblasinstrumente“ war ihr Promotionsthema. Seit 2014 ist sie an der Kunstuniversität Graz beschäftigt, wo sie derzeit im Rahmen einer Qualifizierungsstelle zur Assoziierten Professorin habilitiert.
  • Eva Meidel. Promovierte zum Thema „Der Aspekt der Schülerorientierung in Konzeptionen der Musikdidaktik seit 1945“ und ist als hauptamtliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Musikpädagogik und Musikdidaktik der Otto-Friedrich-Universität Bamberg u.a. mit dem Schwerpunkt Didaktik des Musikunterrichtes tätig.

Entstehungshintergrund

Eine Perspektiverweiterung für die musikpädagogische Forschung war die Triebfeder für die fünf WissenschaftlerInnen und nun HerausgeberInnen, die sich in einem hochschulübergreifenden Forschungsteam, durch zwei Autorinnen ergänzt, zur Veröffentlichung ihrer ersten gemeinsamen Publikation zusammengeschlossen haben.

Aufbau

Die Einleitung erfasst die Bedeutung von Kontinuität, Kommunikation und Fundierung im Rahmen der Gestaltung des Musikunterrichts zur Perspektiverweiterung. Dies gilt der „Schaffung einer theoretischen Basis für unterrichtspraktische und empirisch forschende Ansätze“ und zielt auf „eine stabilere Verbindung zwischen beiden“ ab (S. 8).

„Angelpunkte und Schnittmengen der Beiträge sind die differenzierte Auseinandersetzung mit musikpädagogischen Schlüsselbegriffen, die genaue Konturierung fachlicher Teilbereiche, die Frage der Wissenschaftlichkeit und ihrer Bedeutung sowie das Theorie-Praxis-Verhältnis“ (S. 9).

Allen fünf Beiträgen angehängt sind umfassende Literaturverzeichnisse, teils mit Unterrichtslehrwerken, Abbildungs- und Tabellenverzeichnissen.

Auf den letzten Seiten des Buches sind ausführliche Angaben und Informationen über die Personen zu finden, welche die Aufsätze zu Papier gebracht haben.

Überblick über die Aufsätze

Nachfolgend werden die Beiträge der HerausgeberInnen/AutorInnen, der Herausgeberinnen/Autorinnen aufgelistet. Der Beitrag von Martina Krause-Benz „Musiklehramtsbildung oder -ausbildung? Warum wissenschaftliche Musikpädagogik notwendig ist“ wird im Anschluss daran etwas ausführlicher präsentiert, um den Inhalt zu spiegeln und ihn zu debattieren.

  • Stefan Hörmann und Eva Meidel: Orientierung im Begriffsdschungel – terminologische und fachstrukturelle Perspektiven zur Profilierung der Musikpädagogik und Musikdidaktik
  • Alexander J. Cvetko: „Das, was war, interessiert uns … weil es in gewissem Sinne noch ist …“
  • Musikpädagogische Forschungsdimensionen und -strategien in der historischen Unterrichtsforschung. Prämissen? Beispiele? Potenziale
  • Bernd Clausen: Komparativ – Vergleichend – International. Zu einem Forschungsparadigma Wissenschaftlicher Musikpädagogik
  • Silke Kruse-Weber und Cristina Marin: Instrumentalpädagogik als Wissenschaftsdisziplin – Rahmenbedingungen und Entwicklungstendenzen
  • Martina Krause-Benz: Musiklehramtsbildung oder -ausbildung? Warum wissenschaftliche Musikpädagogik notwendig ist.

Zum Beitrag von Martina Krause-Benz

Ausgewählt wird der Beitrag der Herausgeberin Martina Krause-Benz. Die Autorin „erörtert die Notwendigkeit wissenschaftlicher Musikpädagogik im Kontext der Musiklehramtsausbildung und der musikpädagogischen Praxis“ (S. 9).

Der Grund eines wissenschaftlichen Professionsbezuges wird verdeutlicht, den die Musiklehramtsstudierenden nicht immer ganz einsehen, so die Autorin. Aber „aus Forschungsergebnissen werden eben keine musikpädagogischen Theorien generiert“ (S. 229), die leicht in die Praxis übertragbar wären, so Krause-Benz. Die Studierenden erwarten allerdings ein umfangreiches und angemessenes Theorie-Praxis-Verhältnis.

So existiert neben der Historischen und der Systematischen Musikwissenschaft auch die wissenschaftliche Musikpädagogik, um die künftig Lehrenden für die Herausforderungen des Berufes in der eingesetzten Schule für die Musikunterrichtspraxis (früher Musikerziehung) mit den Schülerinnen und Schülern fit zu machen.

Nach dem Problemaufriss beschreibt Krause-Benz, die sich bereits ausführlich mit „Handlungsorientierung zwischen Praktizismus und Performativität“ (2016) befasst hat, das „Verhältnis von Wissenschaft und Praxis in der Musiklehramtsausbildung“ (S. 230).

Danach fragt sie, wozu die wissenschaftliche Musikpädagogik dient, nämlich kurzgefasst dazu, „die Unterrichtspraxis zu optimieren“ (S. 235). Dies verdeutlicht sie an drei musikpädagogischen Beispielen mit den Überschriften „Musikalische Praxis“ (S. 236), „Musikalische Bildung“ (S. 237) und erforderliche „Kompetenzorientierung“ (S. 238).

Sie führt die „Konsequenzen für die Musiklehramtsbildung“ aus und fokussiert auf das Forschende Lernen. Dies sei „zwischen Wissenschaft und Praxis angesiedelt“ (S. 241) und führt im Idealfall zu einer „lebenslangen forschenden Haltung“ (S. 241), welche das Lernerleben und das Lernergebnis, die „Horizonte der Lernenden“ an sich (S. 242), positiv beeinflussen kann. Eine Schlüsselkompetenz stellt im Zuge dessen für die Studierenden dar, generell Forschungsfragen entwickeln zu können (vgl. S. 241), hebt die Autorin hervor. Diese Kompetenz sei auch notwendig, da in der Musiklehramtsbildung „keiner `zeigt wie es geht`“, so Krause-Benz (S. 242).

Diskussion

Martina Krause-Benz kennt den schulischen Alltag, die immer „schwieriger werdenden institutionellen Rahmenbedingungen von Musikunterricht, insbesondere in der allgemein bildenden Schule“ (S. 241). Musik ist essenziell, sie begleitet die Menschen vom ersten bis zum letzten Moment im Leben. Musik unterstützt Schülerinnen und Schüler dabei, sich zu entwickeln und sich auch durch ästhetische Zugänge das Leben zu erschließen. Umso wichtiger, gar unentbehrlich, erscheint es der Autorin, dass ein „wissenschaftliches musikpädagogisches Fundament Sicherheit für das didaktische Handeln“ bietet, „auch wenn es per se keine gelingenden Unterrichtsstunden garantiert und kein Handwerkszeug für die Praxis bereithält“ (S. 229). Besonders betont Krause-Benz dies für die erste Etappe der Musiklehramtsbildungsphase an den Hochschulen, die sie ihrem Beitrag als These voranstellt und diese dann verifiziert.

Für eine fundierte musikpädagogische Ausbildung sind der Erwerb und der Aufbau diverser Kompetenzen vonnöten. Die musikalische Arbeit mit Schülerinnen und Schülern ist als komplex (und komplexer werdend) zu beurteilen und muss theoriegeleitet sein, wozu Krause-Benz, um diese Aussage zu verdeutlichen, einen wichtigen Beitrag geleistet hat.

Die Anforderungen in den Schulen gehen somit über streng inhaltliche Spezifikationen hinaus. Die Fähigkeit zum kritischen Denken, die kreative Problemlösefähigkeit und die Kooperationsfähigkeit der Lernenden zu fördern, sollte oberstes Gebot für die Bildung oder Ausbildung sein.

Womöglich werden zukünftig neue Lehr- und Lerninstrumente, wie zum Beispiel ein Lernjournal zur Intensivierung der eigenen Reflexionskompetenz der Lehramtsstudierenden und/oder der Lernenden, eingesetzt. Auch diese Anregung, Kruse-Benz folgend, sollte vor der Implementierung in den Bildungsstätten ausreichend empirisch analysiert werden.

Fazit

Musik durch professionell umgesetzte Musikpädagogik, im Sinne einer ästhetischen und kulturellen Bildung, kann im besten Fall dem Individuum Lebenssinn vermitteln.

Für Schülerinnen, Schüler und für Studierende: Musik verkörpert ein wesentliches Bildungselement im Rahmen der Sozialisation. Musikpädagogische Praktiker, Wissenschaftler, Studierende, Lehrende an Hochschulen und Universitäten haben nun ein kompaktes, informatives und interessantes Werk für das Lernen und Lehren zur Hand, nicht nur um „Orientierung im Begriffsdschungel“ (S. 11) zu erlangen.

Musikpädagogik als Wissenschaft beschäftigt sich u.a. mit den methodischen, medialen und didaktischen Aneignungs- und Vermittlungsprozessen im Zusammenspiel von Mensch und Musik. Dabei erlangen die Perspektiven der Erziehung, der Bildung, des Lehrens, des Lernens und des Unterrichtens eine besondere Relevanz. Diese breite Palette wird durch die für sich stehenden, sehr individuell verfassten Beiträge der HerausgeberInnen und AutorInnen verdeutlicht. Dennoch sind Vernetzungen auffindbar, die es für die engagierte Fachleserschaft zu entdecken gilt.


Rezensentin
Dipl.-Sozialwirtin Christina Maiwald
Soziologin M. A., Studienrätin
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Zitiervorschlag
Christina Maiwald. Rezension vom 12.10.2017 zu: Bernd Clausen, Alexander J. Cvetko, Stefan Hörmann, Martina Krause-Benz, Silke Kruse-Weber (Hrsg.): Grundlagentexte wissenschaftlicher Musikpädagogik. Begriffe, Positionen, Perspektiven im systematischen Fokus. Waxmann Verlag (Münster, New York) 2017. ISBN 978-3-8309-3353-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23194.php, Datum des Zugriffs 17.10.2017.


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