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Günter G. Bamberger: 75 Therapiekarten Lösungsorientierte Fragen

Cover Günter G. Bamberger: 75 Therapiekarten Lösungsorientierte Fragen. Kartenset mit 75 Karten für Therapie und Beratung. Mit 32-seitigem Booklet. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2017. 75 Seiten. ISBN 978-3-621-28499-8. D: 59,00 EUR, A: 60,70 EUR, CH: 76,00 sFr.
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Thema

„Kommunikation mit Bildkarten“ – so betitelt der Beltz Verlag die Publikationsreihe, zu der auch die vorliegende Box zählt. Aktuell sind 13 Bildkartensets verfügbar. Der Verlag möchte mit ihnen ein „effektives Kommunikations-Tool“ bieten, für deren Einsatz man in den mitgelieferten „Methoden-Booklets“ hilfreiche Tipps findet. (Vgl. www.beltz.de/fachmedien)

Diese Rezension beschäftigt sich mit dem Bildkartenset „Lösungsorientierte Fragen – 75 Therapiekarten“. Bamberger lädt ein, sein entwickeltes Konzept der „lösungsorientierten Beratung mit Bildern“ kennenzulernen. Das Kartenset, dies sei an dieser Stelle schon erwähnt, beinhaltet 37 Bildkarten zur Betrachtung und 37 Pendant-Karten, die sich mit der zum Bild vorgeschlagenen Frage und dazugehörenden Hinweisen an den Berater richtet sowie eine Zusatzkarte. Im beiliegenden Booklet finden sich Erläuterungen und Anregungen.

Autor

Günther G. Bamberger: Diplom-Psychologe und Fachpsychologe für Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie (BDP); Jahrgang 1943. Bisherige berufliche Schwerpunkte: Mitarbeiter im Psychologischen Dienst der Agentur für Arbeit Tübingen, Telefonseelsorger bei der Telefonseelsorge Neckar-Alb, Lehrbeauftragter u.a. bei der Hochschule der Medien in Stuttgart, Psychologischer Berater in freier Praxis. Kontakt: www.coachwalk.de (S. 32)

Aufbau

Nach einem Vorwort gliedert sich das Booklet in sechs Kapitel:

  1. Wie die Idee dazu entstanden ist
  2. Psychologische Grundlagen für das Kartenset
  3. Theoretisches Konzept der lösungsorientierten Beratung
  4. Das Kartenset in der Beratungspraxis; Karten-Übersicht
  5. Was Sie selbst mitbringen: Haltung
  6. Was ich Ihnen ganz zum Schluss noch sagen wollte …

Am Ende finden sich Informationen über den Autor und ein Literaturverzeichnis.

Inhalt

„Bilder können berühren“, so hätte sein Untertitel für das Kartenset gelautet, erwähnt Bamberger im Vorwort. Er ermutigt die Leser, sich ausreichend Raum und Zeit zu geben, die Bilder vorerst auf sich selbst wirken zu lassen.

Kapitel 1 „Wie die Idee dazu entstanden ist“ beginnt mit einer Selbstvorstellung des Autors. Bamberger erzählt, welche Bedeutung Bewegung in der Beratung haben kann und stellt dann „CoachWalk®“, eine von ihm entwickelte Form der psychologischen Beratung vor.

In seinen Ausführungen zu den „Psychologischen Grundlagen für das Kartenset“ erläutert er die Wirkkomponenten Priming, Resourcing und Allegiance. In seiner Zusammenfassung hebt er nochmals die Rolle der „aufmerksamkeitsfokussierenden Bilder“ hervor.

In Kapitel drei wird das „theoretische Konzept der lösungsorientierten Beratung“ dargestellt. Der Autor geht dabei auf den „Erfinder“ Steve des Shazer ein. Im weiteren Verlauf stellt er die Lösungsstrategien „Ausnahme“, „Etwas anderes“ und „Hypothetisches“ vor. Platz finden auch die „Wunderfrage“ und der Aspekt „Komplimente“. Positive Rückmeldungen, in der lösungsorientierten Beratung „sicherlich etwas unglücklich“ Komplimente genannt (vgl. S. 16), bestärken das, was durch die lösungsorientierten Fragen aufgedeckt wurde.

Insoo Kim Berg soll, so beschreibt es Bamberger, eine absolute Meisterin des Komplimente-Machens gewesen sein. Kapitelabschließend gibt der Autor Buchempfehlungen und stellt sein Verständnis dieses Arbeitskonzeptes und sein Menschenbild vor.

Das vierte Kapitel „Das Kartenset in der Beratungspraxis“ beginnt mit einer Einladung zum Ausprobieren. Dies sei auch ohne Klient, nur mit einem eigenen kleinen (aktuellen) Problem möglich.

Das Kartenset ist nach acht modellhaften Phasen sortiert, die im weiteren Verlauf erläutert werden:

  1. Synchronisation
  2. Problemsichtung
  3. Ressourcenaktivierung
  4. Lösungsvision
  5. Lösungsverschreibung
  6. Lösungsevaluation
  7. Lösungssicherung
  8. Beenden der Beratung

Für Bamberger ist die beraterische Haltung sehr wichtig. Sie ergänze den handwerklichen Teil. Der Verfasser blickt auch auf die Aspekte „Erster Eindruck“ und „Authentizität“ und schließt mit einer „bildlichen Inspiration“, die sich an den Leser / Berater richtet, ab.

Was ich Ihnen ganz zum Schluss noch sagen wollte …“ beinhaltet Worte vom Autor an die Leserin/den Leser.

Diskussion

Das Booklet enthält in aller Kürze alle notwendigen Informationen zum Ansatz „Lösungsorientierte Beratung mit Bildern“. Bamberger spricht die Leserin/den Leser direkt an, ermutigt mehrmals zum eigenständigen Ausprobieren und zur Akkommodation oder Assimilation.

Die Idee, durch Bewegung „Bewegung“ in die Beratung zu bringen ist durchaus gut. Auch in anderen Kontexten wird der Bewegung positive Wirkung zugeschrieben. Sie hilft, zu sich selbst zu finden, sich zu spüren, sich zu entspannen und Gedanken nachzugehen. Ich würde mir wünschen, dass Berater immer wieder prüfen, ob und wie (mehr) Bewegung in ihre Arbeit einbaut werden könnte.

Bildkarten ebnen den Weg zu Gedanken und Gefühlen. Bamberger stellt einen Prozess der lösungsorientieren Beratung mit Bildern vor. Diesen unterteilt der in acht Phasen, die untergliedert sind. Für 37 Beratungsthemen schlägt der Autor ein Bild vor. Im Kapitel vier erläutert er, dass es sich bei den vorgestellten Phasen um einen idealtypischen Ablauf handelt. Dieser muss angepasst werden. Die motivierende Kraft der Bilder liegt im Auge des Betrachters (Wahrnehmung, Interpretation). Bereits auf Seite acht weist der Autor auf die „Schwachstelle“ hin, dass die Bildauswahl auf Basis seiner Eindrücke zustande kam. Bamberger lädt ein, die vorliegende Auswahl nach eigenen Überzeugungen, Wünschen und Bedürfnissen anzupassen. Ebenso wie die Bilder, sollten die zugeordneten lösungsorientierten Fragen auf den Pendant-Karten geprüft und gegebenenfalls angepasst werden.

Der Autor nennt weiterführende Literatur und gibt Empfehlungen ab. Das 34seitige Booklet erfüllt die Erwartungen, die man an Begleittexte dieses Umfanges stellen kann. Leserinnen und Leser, die sich tiefergehend mit Ansatz und Autor auseinandersetzen wollen, können auf sein Buch „Lösungsorientierte Beratung“ (vgl. www.socialnet.de/rezensionen/10220.php) zurückgreifen, das 2015 in fünfter Auflage erschienen ist.

Das Kartenset wird in einer stabilen, in Blautönen gehaltenen Kartonbox geliefert. Die Maße entsprechen den vorausgegangenen Veröffentlichungen: Box (B/T/H) 24,8 x 17,4 x 4,3 cm, die Karten sind etwas größer als DIN A5. Die Bildmotive sind randlos auf die Karten gedruckt. Auf der Rückseite findet sich bei diesem Set kein Hinweis auf die Zugehörigkeit. Ebenso ist dort auch keine Nummerierung zu finden. Allerdings sind die Kartenrückseiten der Phasen unterschiedlich gestaltet. Gemeinsam mit der Gliederung auf den Pendant-Karten lassen sie sich wieder in eine Reihenfolge bringen.

Beispiele für die gewählten Motive:

  • Ausgangslage kennenlernen > Knoten in einem Tau
  • Problemerleben wahr-nehmen > Blick auf eine graues Labyrinth in dem ein menschliche Figur sitzt
  • Initiative wertschätzen > Frontalblick auf eine Sprinterin vor dem Start
  • Lust auf Lösungssuche > Blick von oben auf Turnschuhen an Füßen, auf dem Boden davor sind drei Pfeile aufgemalt.

Die 37 Pedant-Karten enthalten eine Überschrift (z.B. „Mit den Ressourcen in die Lösungssuche starten“), die Gliederung (z.B. 4. Lösungsvision; 4.1 Lust auf Lösungssuche wecken), eine formulierte Frage an den Lösungssuchenden und den Hinweis für den Berater. Oben rechts ist farbig das Bild abgedruckt.

Auf eine Kleinigkeit, die mir aufgefallen ist, möchte ich hinweisen. Es scheint, als hätten die Gestalter an einer Stelle die Form über den Inhalt gestellt. Hat man für die ungerade Gesamtkartenzahl eine kreative und auch passende Lösung gefunden, so fanden die Bildinspirationen des Autors, die sich nur an den Berater richten und mit dem Gliederungspunkt „0“ versehen sind, keinen Platz im Set. Die drei Pedant-Karten mit kleinem Motiv werden lediglich im Booklet abgedruckt.

Bamberger, daran sei an dieser Stelle nochmals hingewiesen, lädt ein, die Bildauswahl und Fragen für sich selbst und den speziellen Beratungskontext zu prüfen. Eine gute Fundquelle stellen hier nach meiner Einschätzung die bisherigen beim Beltz Verlag erschienenen Kartensets dar.

Fazit

Bamberger gelingt es, 37 Beratungsthemen lösungsorientierte Bilder und Fragen zuzuordnen. Das beigelegte Booklet enthält alle notwendigen Erläuterungen. Das Kartenset „Lösungsorientierte Fragen“ eignet sich für all jene, die Bildkarten im Beratungsprozess einsetzen möchten und eine Anregung zu möglichen Motiven und Fragen suchen.


Rezensent
Dipl.Soz-Päd. Martin Walz
Master of Social Management
Geschäftsführer Kindertageseinrichtungen mit mehrjähriger Berufserfahrung in der Kinder- und Jugendhilfe
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Zitiervorschlag
Martin Walz. Rezension vom 13.09.2017 zu: Günter G. Bamberger: 75 Therapiekarten Lösungsorientierte Fragen. Kartenset mit 75 Karten für Therapie und Beratung. Mit 32-seitigem Booklet. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2017. ISBN 978-3-621-28499-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23214.php, Datum des Zugriffs 24.09.2017.


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