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Hans-Jürgen Pitsch, Ingeborg Thümmel: Methodenkompendium für den Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. Band 3

Cover Hans-Jürgen Pitsch, Ingeborg Thümmel: Methodenkompendium für den Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. Band 3. Athena-Verlag e.K. (Oberhausen) 2017. 293 Seiten. ISBN 978-3-89896-633-7. D: 27,50 EUR, A: 25,20 EUR.
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Thema

Mit dem vorliegenden dreibändigen Methodenkompendium liegt eine Orientierungshilfe vor, die die Vermittlungsverfahren für die Pädagogik für Kinder und Jugendliche mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung von der Vorschulzeit bis zum Ende der Schulzeit darstellt und systematisiert. Die inklusive Beschulung wird hierbei immer mitgedacht.

Autorin und Autor

Prof. Dr. Ingeborg Thümmel und Prof. Dr. Hans-Jürgen Pitsch, deren Arbeitsschwerpunkte unter anderem Didaktik und Methodik des Unterrichts im Förderbereich geistige Entwicklung sind, verfügen über langjährige Erfahrungen sowohl im Unterrichten von Schülerinnen und Schülern mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung sowie auch in der Hochschullehre.

Entstehungshintergrund

Das vorliegende Buch ist der dritte Teil des Methodenkompendiums, das im Zeitraum zwischen 2015 und 2017 entstanden ist, und die Quintessenz der langjährigen Lehrtätigkeit der Autorin und des Autors darstellt.

Aufbau und Inhalt

Nach dem Vorwort wird im einleitenden ersten Kapitel dargelegt, was unter Erwachsensein zu verstehen ist, welche Anforderungen in diesem Lebensabschnitt gestellt werden und welche Lebensbereiche zunehmend Bedeutung erlangen.

Das zweite Kapitel „Bildungsauftrag und Bildungsorganisation der Sekundarstufe“ beginnt mit den Darstellungen der aktuellen Leitperspektiven „Normalisierung“, „Selbstbestimmung und Empowerment“ sowie „Inklusion und Teilhabe“. Die Lehrpläne von Bayern, Niedersachsen und Thüringen werden auf die Frage hin analysiert, welche Themenbereiche sie bezüglich der Vermittlung der Leitperspektiven anbieten und wie der Kompetenzorientierung erreicht werden kann. Bildungsorganisationen zur Erfüllung der Berufsschulpflicht werden vorgestellt.

Als eine wesentliche Aufgabe der Heranwachsenden und jungen Erwachsenen wird die Entwicklung ihrer Persönlichkeit erkannt. Die Persönlichkeits- und Identitätsentwicklung unter erschwerten Bedingungen ist Thema des dritten Kapitels. Als personen- und ressourcenorientierte Verfahren werden die „Dielogische Validierung“ nach Markowetz und das „Konzept zur Förderung von Selbstbestimmung“ nach Wehmeyer und Field vorgestellt und bewertet.

Das vierte Kapitel widmet sich der Lebensaufgabe sinnstiftende Beziehungen aufzubauen und weiter zu entwickeln. Hervorgehoben werden die Fähigkeiten, Freundschaften einzugehen und eine partizipative Gesprächskultur – auch mit Hilfe von Unterstützter Kommunikation – zu entwickeln. Bezüglich der sexualpädagogischen Bildungsangebote werden die Methoden „geschlechtsspezifische Gesprächsgruppen“, „Leichte Sprache und Portfolioarbeit“ erörtert und die Prävention sexuellen Missbrauchs und sexueller Gewalt angerissen.

Im fünften Kapitel wird die Alltagsbewältigung als Lebensaufgabe behandelt. Hier werden zunächst unter der Überschrift „das Ich, das Selbst, das Leben“ die Rechte des Einzelnen und die Zukunftsplanung mit den Methoden Ich-Buch, Lebensplanung sowie Berufswahl und Berufswegeplanung fokussiert. Unter dem Begriff der „Lebenspraxis“ werden Selbstversorgung, Kleidung, Ernährung, Körperpflege und Hygiene, Umgang mit Geräten angesprochen sowie insbesondere als Vermittlungsmethode der Arbeitsansatz Community-Based-Instruction diskutiert.

Im sechsten Kapitel „Vorbereitung auf Beruf und Arbeit – Grundlagen“ stehen zunächst die Schlüsselqualifikationen, die Unterstützung bei der Berufswahl und die Berufliche Bildung im Mittelpunkt.

Das wird im siebten Kapitel fortgeführt, indem die Methoden der beruflichen Grundbildung, der Dauerprojekte wie Schülerfirmen und Rollenspiel mit Beispielen erläutert werden. Darüber hinaus werden Methoden für Schüler mit komplexen Behinderungen unter besonderer Berücksichtigung der Unterstützten Kommunikation genannt. Zusätzliche Aspekte sind die Lernstandserfassung, die Kooperation und Vernetzung mit Nachfolgeinstitutionen sowie die Vorbereitung der Lehrkräfte.

Wohnen und Wohntraining werden im achten Kapitel thematisiert und mit zahlreichen Beispielen verdeutlicht.

Das neunte Kapitel betont die Bedeutung der Freizeit und Freizeitpädagogik für diesen Lebensabschnitt. Es werden Studien zur Freizeitgestaltung und zum Freizeitverhalten sowohl für Jugendliche als auch für Erwachsene mit geistiger Behinderung und das schulische Aufgabenfeld Freizeitgestaltung vorgestellt. Hier finden sich Ausführungen zur Erlebnis- und Abenteuerpädagogik. Die Aufgabenstellung der Freizeitpädagogik für Schüler mit komplexen Behinderungen wird in einem Unterkapitel aufgegriffen.

Schließlich wird im zehnten Kapitel die Relevanz der Mobilität hervorgehoben. Als methodische Zugänge werden spezifische Lehrgänge wie zum Beispiel „wir lernen den Zebrastreifen zu überqueren“, Unterrichtsgänge, Verkehrsteilnahme mit und ohne Transportmittel mit besonderen Schwerpunkt auf die Nutzung von Fahrrad und öffentlichem Personennahverkehr dargestellt.

Das elfte Kapitel „Epilog“ benennt all jene Bereiche wie die Kulturtechniken, den Umgang mit Medien, den musisch-kreativen Bereich und Sport, die aus Rücksicht auf den Umfang des Buches nicht näher behandelt werden konnten, die aber von anderen Autoren bearbeitet werden.

Fazit

Im Gegensatz zu den ersten beiden Bänden kann der Ansatz einer evidenzbasierten Pädagogik mit Aussagen zur Effektivität und Effizienz in diesem Band nicht durchgängig verfolgt werden, da ganze Lernfelder wie etwa die Berufsvorbereitung behandelt werden. Für einzelne Methoden werden entsprechende Aussagen – soweit sie vorliegen – referiert.

Wenn, wie es die Autoren selber bemängeln, bei weitem nicht alle Aspekte von Erziehung und Bildung im Sekundarstufenbereich erschöpfend behandelt werden können, so ist auch der dritte Band des Methodenkompendiums für den Förderschwerpunkt geistige Entwicklung eine sehr anregende Lektüre, die neben konkreten methodischen Hilfen vielfältige Hinweise und Denkanregungen gibt.


Rezensentin
apl. Prof. Dr. Susanne Wachsmuth
Justus-Liebig-Universität Gießen, Institut für Heil- und Sonderpädagogik Geistigbehindertenpädagogik
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Zitiervorschlag
Susanne Wachsmuth. Rezension vom 16.02.2018 zu: Hans-Jürgen Pitsch, Ingeborg Thümmel: Methodenkompendium für den Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. Band 3. Athena-Verlag e.K. (Oberhausen) 2017. ISBN 978-3-89896-633-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23237.php, Datum des Zugriffs 20.09.2018.


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