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Joseph Randersacker, Karin Ceballos Betancur: Besser reich und gesund als arm und krank

Cover Joseph Randersacker, Karin Ceballos Betancur: Besser reich und gesund als arm und krank. Satirische Texte über unser Gesundheitswesen. Mabuse-Verlag GmbH (Frankfurt am Main) 2017. 79 Seiten. ISBN 978-3-86321-343-5. D: 9,95 EUR, A: 10,30 EUR, CH: 13,30 sFr.
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Thema

Das im Mabuse-Verlag erschienene Büchlein „Besser reich und gesund als arm und krank“ ist eine Sammlung satirischer Texte über das Gesundheitswesen. Die Beiträge sind in der Zeitschrift Dr. med. Mabuse in der Rubrik „Lieber reich und gesund als arm und krank“ erschienen. Sie greifen aktuelle Themen rund um das Gesundheitswesen in kurzweiliger Art auf.

Autor und Autorin

Betancur schreibt in erster Linie für eine deutsche Zeitung, die wöchentlich erscheint, Randersacker war als Referent für einen Bundestagsabgeordneten im gesundheitspolitische Ressort tätig.

Entstehungshintergrund

Die satirischen Texte sind bereits in der Zeitschrift Dr. med. Mabuse erschienen und wurden hier mit Cartoons von Freimut Woessner garniert.

Ausgewählte Inhalte

Betancur und Randersacker greifen unterschiedliche Themen des Gesundheitswesen auf, darunter die Präventionspolitik, die Causa von und zu Guttenberg, Evidenzbasierte Medizin, die private Krankenversicherung, das Nichtraucherschutzgesetz und Resilienz – um nur einige zu nennen.

Zur Präventionspolitik haben die Autoren ein ABC verfasst, um dem zu Beginn der Legislaturperiode noch fachfremden Bundesgesundheitsminister eine kleine Hilfestellung zu geben. Hierzu zählen Prävention und Gesundheitsförderung, Verhältnis- und Verhaltensprävention und ebenso die BZgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung). Gerade in Bezug auf letztere unterstreichen die Autoren, das Aufklärung etwas mit der selbst verschuldeten Unmündigkeit des Menschen zu tun habe und somit definitiv keine Behördenaufgabe sei. Sie bezeichnen deshalb die BZgA eher als Verhütungsbehörde. Zum Unterschied von Gesundheitsförderung und Prävention bringen Sie es kurz auf den Punkt. „Gesundheitsförderung: Mach mit. Prävention: Mach´s mit.“

Die Causa von und zu Guttenberg gehört nicht unbedingt in den Kontext der gesundheitspolitischen Diskussion. Die Autoren schlagen vor, die Angelegenheit anhand des AMNOG (Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz) zu verdeutlichen. Sie betrachten die Dissertation des ehemaligen Verteidigungsministers als Generikum. „Das Produkt hat die Zulassung erhalten, aber der Zusatznutzen nach § 35b SGB V war, eben weil als Neuentwicklung ausgegeben, in der Kürze der Zeit nicht nachzuweisen.“ Nach weiteren Ausführungen hierzu kommen die Autoren zu dem Schluss, dass „v.u.z. Guttenberg zum Dr. med. umzupromovieren ist.“

Das Thema Evidenzbasierte Medizin bezeichnet Randersacker als „gezielte Manipulation freier Kundenpräferenzen durch Wirksamkeitsstudien“. Er geht auf einzelne Kriterien ein, etwa wenn es um das Schaffen von Evidenz geht. Würden Wirksamkeitsstudien gegen ein Produkt sprechen, so fehle es einfach an Studien, die dafür sprächen. Randersacker schlägt vor, sich auch anekdotischer Evidenz (Helmut Schmidt und das Rauchen) zu bedienen, um die Vorteile des eigenen Produktes zu verdeutlichen.

Die private Krankenversicherung (PKV) greift Randersacker auf und zitiert dabei den Koalitionsvertrag der damaligen Regierung von CDU/CSU und FDP. Bei der PKV handele es sich um ein „konstitutives Element in einem freiheitlichen Gesundheitswesen“ und unterstreicht, das privat Krankenversicherte fast keine Möglichkeit haben, diese wieder zu verlassen, weder um sich bei einer konkurrierenden privaten Krankenversicherung zu versichern noch um in die gesetzliche Krankenversicherung einzutreten. Beides könne im Alter durchaus den Weg zum Sozialamt bedeuten. Gleichzeitig verweist der Autor auch auf die indirekte Subventionierung der PKV durch den Staat in Form der Beihilfe. Der Cartoon von Woessner bringt es auf dem Punkt: „Die VIP-Lounge für Privatpatienten ist rechts, das Wartezimmer für sofortzahlende Kassenpatienten ist links. Alle sonstigen warten im Treppenhaus.“

Die langwierige Diskussion und letztlich immer noch unterschiedliche Umsetzung des Nichtraucherschutzes erläutert Randersacker am Beispiel des bayrischen Freistaates. Die CSU zog es in Erwägung, das Gesetz aus wahltaktischen Gründen zu kippen. Es verletze das „bayerische Lebensgefühl von leben und leben lassen“. Der Autor liefert Argumentationshilfe, warum es wahlarithmetisch sehr wohl richtig sei, das Gesetz abzuschaffen, indem er auf die höheren Raucherquoten bei sozial Benachteiligten verweist, die zum Wählerklientel der SPD gehörten. Mit der Abschaffung des Gesetzes würde die CSU somit Sterbehilfe für die SPD leisten. Und da die FDP das Rauchverbot als Bevormundung betrachtet, seien die Toten, die es nach Abschaffung des Gesetzes mehr gäbe, eben Freitote.

Fazit

Das Büchlein ist uneingeschränkt empfehlenswert. Jeder Text ist kurzweilig geschrieben, manchmal bleibt einem dennoch das Lachen im Hals stecken, weil die Autoren die Themen so auf den Punkt getroffen haben.


Rezensentin
Dr. Dagmar Starke
Akademie für Öffentliches Gesundheitswesen Referentin für Epidemiologie und Gesundheitsberichterstattung
Homepage www.akademie-oegw.de
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Zitiervorschlag
Dagmar Starke. Rezension vom 06.02.2018 zu: Joseph Randersacker, Karin Ceballos Betancur: Besser reich und gesund als arm und krank. Satirische Texte über unser Gesundheitswesen. Mabuse-Verlag GmbH (Frankfurt am Main) 2017. ISBN 978-3-86321-343-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23286.php, Datum des Zugriffs 21.09.2018.


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