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Anabel Ternès, Benjamin Klenke u.a.: Integriertes Betriebliches Gesundheits­management

Cover Anabel Ternès, Benjamin Klenke, Marc Jerusel, Bastian Schmidtbleicher: Integriertes Betriebliches Gesundheitsmanagement. Sensibilisierungs-, Kommunikations- und Motivationsstrategien. Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (Wiesbaden) 2017. 121 Seiten. ISBN 978-3-658-14639-9. 19,99 EUR.
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Thema

In vielen Unternehmen besteht die Herausforderung des Betrieblichen Gesundheitsmanagements nicht darin, der Belegschaft eine Auswahl an geeigneten Maßnahmen und Interventionen für die Prävention von Krankheiten sowie die Förderung von gesundheitsbezogenen Ressourcen bereitzustellen. Vielmehr besteht die Schwierigkeit darin, das Angebot erfolgreich zu kommunizieren und die Arbeitnehmerinnen sowie Arbeitnehmer bezüglich des Themas Gesundheit zu sensibilisieren und zu motivieren. In dem Buch von Anabel Ternés et al. werden genau diese Herausforderungen angesprochen und verschiedene Strategien für eine erfolgreiche Umsetzung aufgezeigt.

Autorinnen und Autoren

  • Prof. Dr. Anabel Ternés hat Abschlüsse in den Bereichen BWL, Medienpädagogik & Psychologie, Germanistik & Kommunikation sowie Sprachwissenschaften. Sie ist Gesundheitsautorin und hat langjährige Erfahrungen in internationaler Führung. Anabel Ternés ist Managing Director des Instituts für Nachhaltiges Management sowie Professorin & Leiterin an der SRH Hochschule Berlin für die Studiengänge Kommunikationsmanagement, Gesundheitsmanagement und E-Commerce.
  • Benjamin Klenke wirkte bei der BGM-Implementierung und -Weiterentwicklung zahlreicher Unternehmen mit und ist aktuell Leiter des BGMs der brainLight GmbH.
  • Marc Jerusel hat einen Masterabschluss in Intercultural Communication Studies und ist als Account Manager in einer Berliner PR-Agentur tätig.
  • Bastian Schmidtbleicher arbeitet als Geschäftsführer der VIP-Training Variable Individuelle Prävention GmbH und ist zudem als Chief Health Officer für das BGM der Deutschen Postbank AG verantwortlich.

Aufbau

Das Buch „Integriertes Betriebliches Gesundheitsmanagement“ hat fünf Kapitel, die sich jeweils in weitere Unterkapitel sowie -abschnitte untergliedern.

Inhalt

Das erste Kapitel „Historie, Status quo und künftige Herausforderungen“ thematisiert zunächst die Ursprünge und Entwicklungen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM). Nachdem zwei Begriffsdefinitionen von BGM vorgestellt worden sind, wird genauer darauf eingegangen, welche unternehmensbezogenen Strukturen für ein BGM notwendig sind, welche Aufgaben ein BGM hat und welche Voraussetzungen zu erfüllen sind. Die Autorinnen und Autoren verdeutlichen, dass BGM vielseitig ist. Neben einer interdisziplinären Zusammenarbeit ist zudem eine von Beginn an umfassende Kommunikation dringend erforderlich. Die Autorinnen und Autoren fordern, dass der Aspekt der Kommunikation in die Definition des BGM involviert werden muss, da sie wesentlich für den Erfolg des BGMs sei.

Es wird darauf hingewiesen, dass die Präsenz sowie Ausgestaltung des BGMs je nach Branche und Größe des Unternehmens differiert und es kein idealtypisches sowie universal übertragbares BGM-Konzept für alle Unternehmen gibt. In Deutschland ist der Status quo des BGMs in den Unternehmen sehr unterschiedlich. So gibt es auf der einen Seite Unternehmen, in denen das BGM (noch) keine Rolle spielt und auf der anderen Seite gibt es auch Unternehmen, die sich mit der Thematik seit Jahren intensiv auseinandersetzen. Mithilfe der Ergebnisse des iga-Reports 20 zeigen Anabel Ternés et al. auf, wie das BGM in Unternehmen gestaltet wird. Es wird unter anderem darauf eingegangen, wo das BGM im Unternehmen angesiedelt ist und welche Ziele mit dem BGM-Einsatz verfolgt werden. Abschließend wird auf bestehende gesellschaftliche sowie unternehmensbezogene Herausforderungen und Hürden, die sich beispielsweise auf die BGM-Gestaltung auswirken, eingegangen.

Im zweiten Kapitel „Klassische Unternehmenskommunikation“ werden zunächst die Hintergründe der Kommunikation aufgezeigt. Die Autorinnen und Autoren weisen darauf hin, dass sich die Ansprüche der Stakeholder an die Unternehmen verändert haben. Neben der allgemeinen Gewinnerzielung werden auch immer mehr soziale sowie ökologische Handlungen eines Unternehmens gefordert. Konzepte wie Corporate Social Responsibility, Corporate Citizenship und die Employer Branding gewinnen hierbei an Bedeutung.

Aufgrund der unterschiedlichen Anspruchsgruppen in einem Unternehmen bedarf es unterschiedlicher Kommunikationsformen. Unter Zuhilfenahme der klassischen Kommunikationsmodelle wird der Kommunikationsbegriff in diesem Kontext genauer erläutert. Dabei werden auch auf die Herausforderungen beim Kommunizieren eingegangen. Anabel Ternés et al. verdeutlichen, dass vor allem interne aber auch externe Kommunikation für ein Unternehmen wichtig ist. Während die interne Kommunikation mitunter die Vermittlung der Unternehmensziele an die Belegschaft sowie die Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Fokus hat, ist das Kernziel der externen Kommunikation die Imagesteigerung des Unternehmens nach außen.

Nach dem theoretischen Input werden schließlich verschiedene Kommunikationstools für eine erfolgreiche Unternehmenskommunikation vorgestellt und mithilfe von Beispielen veranschaulicht. Von den einzelnen Tools werden die wesentlichen Elemente noch einmal übersichtlich herausgearbeitet. Die Autoren betonen an dieser Stelle, dass nicht alle Kernelemente für jede Unternehmenskommunikation geeignet sind und sich die Entwicklung der Kommunikationsstrategie an der unternehmensspezifischen Kultur ausrichten soll.

Das dritte Kapitel „Moderne Kommunikationsstrategien im Betrieblichen Gesundheitsmanagement“ stellt verschiedene Strategien vor, die dabei helfen sollen, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zu Gesundheitsverhalten motiviert werden und BGM-Maßnahmen besser aufnehmen. Die Autorinnen und Autore gehen dabei auch auf diejenigen Personen ein, die zuvor kein Interesse an gesundheitsrelevanten Verhaltensweisen aufgezeigt haben. Bevor die einzelnen Strategien inklusive Praxisbeispiele im Detail erläutert werden, gehen Anabel Ternés et al. auch in diesem Kapitel zuerst genauer auf den theoretischen Hintergrund ein.

Mithilfe der Maslowschen Bedürfnispyramide wird verstärkt auf die jeweiligen Bedürfnisse, die Menschen haben, eingegangen. Die individuellen Erfahrungen sowie Emotionen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern sind relevante Anknüpfungspunkte für das Betriebliche Gesundheitsmanagement. Der Individuumsansatz, der ausführlich erläutert wird, betont noch einmal die Notwendigkeit, dass im BGM Emotionen gezielt eingesetzt werden müssen und gleichzeitig aber auch bestehende Verhältnisse beachtet werden müssen.

Im Rahmen des BGMs sollte die Kommunikation vor allem in der Beziehungsebene stattfinden, da trotz allem das Thema Gesundheit nach wie vor ein sensibles Thema bleibt. Die Herausforderung bei der Kommunikation hinsichtlich der Vermittlung von Gesundheitsthemen besteht darin, eine gute Mischung zwischen sachlicher Informationsgabe ohne Belehrung, Erreichung vieler Mitarbeitenden und Authentizität zu erreichen. Es ist wichtig den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zu zeigen, dass sie primär als Menschen und nicht als Arbeitskräfte für das Unternehmen relevant sind, was beispielsweise durch Empathie, Zuhören und das Beachten der Wünsche bei der Ausarbeitung von BGM-Konzepten gezeigt werden kann.

Wesentlich für gesundheitsbewusstes Verhalten ist die eigene Motivation. Während die einen intrinsisch motiviert sind und seit Jahren einen gesunden Lebensstil pflegen gibt es auch die anderen, die auf jegliche Gesundheitsaktivitäten eher mit Abneigung reagieren. Dennoch besteht die Möglichkeit, dass eben jene Personen extrinsisch motiviert werden können. Mit der Motivation als wichtigen Ausgangspunkt beschäftigen sich nachfolgend im Kapitel die Maßnahmen einzelner Strategien. Durch die erfolgreiche Umsetzung soll u.a. extrinsische zu intrinsischer Motivation werden.

Kapitel vier „Adaption von Kommunikationsstrategien auf Betriebliches Gesundheitsmanagement“ zeigt unterschiedliche Kommunikationsinstrumente auf, durch welche die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer über die verschiedenen Maßnahmen des unternehmensinternen BGMs informiert werden können. Die Informationsvermittlung kann dabei unter anderem online und offline stattfinden. Anabel Ternés et al. betonen in diesem Kontext, dass es kein Kommunikationsinstrumentarium gibt, welche alle Mitarbeitenden allein gleichermaßen anspricht. Der sogenannte Blended-Corporate-Health-Ansatz kann dieser Herausforderung entgegenwirken, da er eine Kombination aus den Vorteilen von online- und offline-Maßnahmen sowie -Informationen umfasst. Dadurch werden die Schwächen des einen durch die Stärken des anderen ausgeglichen. Neben den Kommunikationsinstrumenten werden auch Interventionen des BGMs vorgestellt, die zu einer erhöhten Motivation und damit einhergehend zu mehr Partizipation, auch bei Personen mit einem geringeren Gesundheitsverhalten, beitragen können.

Im letzten und fünften Kapitel „Fazit: Der Blended-Motivation-Ansatz als ganzheitliche Motivationsstrategie im BGM“ werden die in diesem Buch behandelten Möglichkeiten der Sensibilisierung, Kommunikation und Motivation im Bereich BGM zu einer ganzheitlichen Strategie verknüpft. Anhand eines praktischen Beispiels wird der Ansatz kurz und prägnant veranschaulicht.

Diskussion

Viele Bücher, die das Betriebliche Gesundheitsmanagement thematisieren, beinhalten zahlreiche innovative Ideen zur Ausgestaltung vielfältiger Maßnahmen. Dabei wird leider aber oftmals vorausgesetzt, dass die Belegschaft eines Unternehmens hinsichtlich des Themas Gesundheit sensibilisiert, aufgeschlossen sowie vor allem motiviert ist. Doch dies trifft im Praxisalltag zumeist nur auf einen Bruchteil der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zu.

Anabel Ternés et al. sprechen die bestehenden Herausforderungen und Problematiken, die mit dem BGM und den damit verbundenen Maßnahmen einhergehen, an. Dabei werden nicht nur die schwerer erreichbaren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, die sich weniger für Gesundheitsthemen interessieren (aber wahrscheinlich diejenigen sind, die sich dafür interessieren sollten), genannt. Auch wird angesprochen, dass das Betriebliche Gesundheitsmanagement gerade von Führungskräften häufig nicht ernst genug genommen bzw. als „notwendiges Übel“ betrachtet wird. Hierbei wird unter anderem deutlich, weshalb die Autorinnen und Autoren u.a. das Thema Kommunikation so ausführlich behandelt haben – es trägt einen wichtigen Teil zur Akzeptanz der Thematik bei. Natürlich ist die Motivation der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern hinsichtlich eines positiven Gesundheitsverhaltens nicht nur von deren Vorgesetzte/n abhängig, jedoch ist der Einfluss von ihnen nicht außer Acht zu lassen.

Die Darstellung der theoretischen Konzepte im Buch, wie etwa das Vier-Seiten-Modell von Schulz von Thun, sind gut in den Kontext eingebettet sowie ausreichend ausführlich erläutert, ohne die Leserin/den Leser mit Informationen zu erschöpfen. Die Praxisbeispiele verdeutlichen die jeweils angesprochenen Themen gut, jedoch wird zum Teil auf relativ bekannte Maßnahmen sowie Angebote zurückgegriffen. Stellenweise hat sich beim Lesen die Frage gestellt, was zu tun ist, wenn bei bereits bestehenden Maßnahmen beispielsweise weniger vorteilhaft kommuniziert wurde. Manchmal entstand daher der Eindruck, dass die genannten Strategien eher für ein zukünftig neu eingeführtes BGM oder zumindest für neue BGM-Maßnahmen geeignet sind. Ob diese dennoch auf bereits bestehende Angebote adaptierbar sind, muss in der Praxis selbst getestet werden.

Fazit

Das Buch von Anabel Ternés et al. bietet einen sehr guten Überblick über Sensibilisierungs-, Kommunikations- und Motivationsstrategien im Kontext des Betrieblichen Gesundheitsmanagements. Das Buch ist für all diejenigen geeignet, die sich für das Thema BGM interessieren, die ein BGM im Unternehmen einführen möchten oder auch nach möglichen Lösungsansätzen für bestehende Probleme, beispielsweise im Bereich der Mitarbeiterinnen- und Mitarbeitermotivation, suchen.


Rezensentin
Jessica Selzer
B. A., seit Oktober 2016 Masterstudentin in Public Health an der Universität Bielefeld
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Zitiervorschlag
Jessica Selzer. Rezension vom 27.11.2017 zu: Anabel Ternès, Benjamin Klenke, Marc Jerusel, Bastian Schmidtbleicher: Integriertes Betriebliches Gesundheitsmanagement. Sensibilisierungs-, Kommunikations- und Motivationsstrategien. Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (Wiesbaden) 2017. ISBN 978-3-658-14639-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23302.php, Datum des Zugriffs 13.12.2017.


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