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Michael Obermaier: Arbeitstechniken Erziehungs­wissenschaft

Cover Michael Obermaier: Arbeitstechniken Erziehungswissenschaft. Studieren mit Erfolg. UTB (Stuttgart) 2017. 328 Seiten. ISBN 978-3-8252-4386-9. D: 12,99 EUR, A: 13,40 EUR, CH: 18,70 sFr.
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Thema

„Aller Anfang ist schwer. Da ist das Studium der Erziehungswissenschaft keine Ausnahme“ (Obermaier 2017, Rückseite). Aus diesem Grund möchte Prof. Dr. Michael Obermaier, der Autor des utb-Bandes ‚Arbeitstechniken Erziehungswissenschaft. Studieren mit Erfolg‘, angehenden Pädagog(inn)en beziehungsweise Studierenden erziehungswissenschaftlicher Studiengänge den Einstieg in das wissenschaftliche Arbeiten erleichtern, ihnen (disziplinspezifische) Methoden und Arbeitstechniken vermitteln und auf diesbezüglich relevante Fragen eine Antwort geben.

Autor

Michael Obermaier ist derzeit Professor im Fachbereich ‚Sozialwesen‘ an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen (KatHO Köln). Dort leitet er den Bachelorstudiengang ‚Bildung und Erziehung in der Kindheit‘. Daneben ist es u.a. als Leiter der Sektion Pädagogik der Görres-Gesellschaft zur Pflege der Wissenschaft tätig (vgl. KatHO 2017, o. S.).

Aufbau und Inhalt

Das Lehrbuch umfasst insgesamt 328 Seiten (inklusive 24 Abbildungen und 18 Tabellen) und ist in acht inhaltliche Hauptkapitel gegliedert:

  1. Lebensabschnitt Studium – Lebensraum Hochschule
  2. Erziehungswissenschaftliche Orientierungen
  3. Wissenschaftliche(s) Arbeiten und Prüfungsvorbereitung
  4. Erziehungswissenschaftliche Literatur
  5. Lesen, verstehen, verarbeiten
  6. Wissenschaftliches Schreiben
  7. Zitieren und Bibliografieren
  8. Seminargestaltung

In den Vorbemerkungen (Seiten 15-19) geht der Autor auf den Hintergrund und den Aufbau des Buches ein.

Mit Kapitel 1, Lebensabschnitt Studium – Lebensraum Hochschule (S. 21-40), wird den Leser(inne)n eine erste strukturelle Orientierung innerhalb der deutschen Hochschullandschaft gegeben. Der Autor informiert über verschiedenen Hochschultypen (Universitäten, Pädagogische Hochschulen, Fachhochschulen), deren charakteristischen Merkmale, unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen und Aufgabenstellungen, aber auch deren Gemeinsamkeiten. Daneben wird die Architektur erziehungswissenschaftlicher Bachelor- und Masterstudiengänge skizziert und damit verbundene Themen, wie beispielsweise Studienziele, Kompetenzen, Erwartungen und Arbeitsbelastung, behandelt. Abschließend verweist der Autor auf die Bedeutsamkeit von frühzeitiger und ausreichender Identifikation, Information und Orientierung als Voraussetzungen für einen gelingenden Studienstart und ein erfolgreiches Studium.

Durch das 2. Kapitel, Erziehungswissenschaftliche Orientierungen (S. 41-70), soll den Leser(inne)n ein Überblick über das Studienfach Erziehungswissenschaft gegeben werden. Dazu verweist der Autor zunächst auf das begriffliche Chaos in wissenschaftlichen Diskursen, das mit der Bezeichnung der Disziplin verbunden ist: Die Termini Pädagogik, Erziehungswissenschaft(en) und Bildungswissenschaften werden häufig synonym verwendet und eine einheitliche und klare Begriffsbestimmung und -abgrenzung stehen bis dato aus. In Annäherung an den Wissenschaftsbegriff wird zwischen Glauben, Alltagswissen und wissenschaftlichen Wissen sowie den drei Erscheinungsformen von Wissenschaft (Tätigkeit, Institution und Ergebnis) differenziert und auf das Thema Wissenschaftstheorie und -struktur eingegangen. Im letzten Abschnitt des Kapitels gibt der Autor, entlang der sechs Kategorien (1) Subdisziplinen, (2) Fachrichtungen, (3) Praxisfelder, (4) Theoretische Ansätze und Positionen, (5) Pädagogische ‚Lehren‘ sowie (6) Verwandte Disziplinen und Bezugswissenschaften, einen Überblick über die deutsche Erziehungswissenschaft. Zudem informiert er über die Grundstruktur und die Studieneinheiten des Kerncurriculums für erziehungswissenschaftliche Studiengänge der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) und verweist abschließend auf Berufsperspektiven und Arbeitsfelder für Pädagog(inn)en.

Bei Kapitel 3, Wissenschaftliche(s) Arbeiten und Prüfungsvorbereitung (S. 71-142), handelt es sich um das umfangreichste Kapitel dieser Veröffentlichung. Nach der Beschreibung der Anforderungen eines Studiums und Ausführungen zu der Motivation und den Erwartungen Studierender, werden – jeweils, in kurzen Unterkapiteln – verschiedene Zugänge zum wissenschaftlichen Arbeiten (passiv-rezipierend, aktiv-produzierend) sowie unterschiedlichen Typen (Literarturarbeit, Theoriearbeit, empirische Arbeit) und Arten (u.a. Exposé, Hausarbeit, Portfolio, Rezension, Poster) wissenschaftlicher Arbeiten behandelt. Daneben informiert der Autor über Aufgaben bei der Prüfungsvorbereitung (z.B. Überblick verschaffen), verschiedene Prüfungsformen, deren Charakteristika und über Noten, Leistungspunkte und Beurteilungskriterien. Mit einem, zehn Tipps umfassenden, E-Mail-Knigge beschließt der Autor das dritte Kapitel.

Mit Kapitel 4, Erziehungswissenschaftliche Literatur (S. 143-187), führt der Autor grundlegend in die Techniken der analogen und digitalen Literaturrecherche ein, beschreibt verschiedene Literaturquellen (Primär-, Sekundär- und Tertiärquellen) und – typen (Monografien, Hochschulschriften, Lehrbücher und graue Literatur etc.) sowie diverse Qualitätskriterien, die für die Bewertung recherchierter Literatur herangezogen werden können. Darüber hinaus werden verschiedene Recherchestrategien (u.a. Schneeballsystem, systematische Suche) und Suchhilfen (z.B. Bibliothekskataloge, Literaturdatenbanken, Internetsuchmaschinen) behandelt und auf die softwaregestützte Verwaltung von Literatur und ihre Vorzüge eingegangen.

Das Thema Texte bearbeiten und analysieren steht im Mittelpunkt des 5. Kapitels, Lesen, verstehen, verarbeiten (S. 189-208). Die Auseinandersetzung mit Fachliteratur bildet – mit durchschnittlich ca. 2300 Lesestunden im Rahmen eines Bachelorstudiengangs mit 180 ECTS-Punkten – einen konstitutiven Bestandteil eines universitären Studiums. Deshalb widmet sich der Autor in diesem Kapitel verschiedenen Lesearten (u.a. kursorisch, selektiv, studierend) und unterschiedlichen Phasen der Literaturbearbeitungen und informiert über Arbeitstechniken, die das Lesen, Verstehen und Verarbeiten von Texten vereinfachen und effizienter gestalten sollen.

Das Erstellen wissenschaftlicher Arbeiten bildet den Kern des 6. Kapitels, Wissenschaftliches Schreiben - (S. 209-257). Entlang der fünf nachfolgenden Projektphasen stellt der Autor Aufgaben vor, die es im Prozess wissenschaftlichen Schreibens zu bewältigen gilt:

  1. Vorprojektphase (u.a. Themenfindung)
  2. Planungsphase (Rahmenbedingungen klären, Arbeits- und Zeitplan erstellen, Leitfrage entwickeln, Literatur recherchieren und auswerten, Gliederung erstellen)
  3. Durchführungsphase (z.B. Argumentieren, Textteile verbinden)
  4. Projektabschlussphase (Korrektur etc.)
  5. Nachprojektphase (u.a. Archivieren, Publizieren)

Im Zuge der Beschreibung wichtiger Schritte im Schreibprozess, wird auf das Argumentieren als Kulturtechnik eingegangen und allgemeine Hinweise zu formalen Kriterien sowie zur Text- und Bildgestaltung gegeben.

Mit Kapitel 7, Zitieren und Bibliografieren (S. 259-284), möchte der Autor in die „‚hohe‘ Kunst des Zitierens und Bibliografierens“ (Obermaier 2017, S. 284) einführen. Zu diesem Zweck stellt er verschiedene Plagiatsformen (u.a. Totalplagiat, Teilplagiat), Zitierstile (Harvard, Chicago), Zitatformen (Direkte und indirekte Zitate) dar und illustriert Besonderheiten beim Zitieren, wie beispielsweise Hervorbungen, Veränderungen und den richtigen Umgang mit Fehlern in Zitaten an konkreten Beispielen. In diesem Zuge verweist der Autor auf die Relevanz des Arbeitens mit Primärquellen und den kritischen Umgang mit Sekundärliteratur. Neben diesen Ausführungen zur Zitiertechnik, werden abschließend Hinweise zum Erstellen von Literaturverzeichnissen unter Bezug auf verschiedene Literaturtypen (u.a. Monografien, Sammelband, Beiträge im Internet) gegeben.

In Kapitel 8, Seminargestaltung (S. 285-314), dem letzten inhaltlichen Kapitel, greift der Autor, nach dem Geben allgemeiner Empfehlungen, das fünfstufige Phasenmodell, das er zur Beschreibung der Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten herangezogen hat, wieder auf, um die Aufgaben, die es bei der Gestaltung einer Seminarsitzung zu bewältigen gilt, zu strukturieren: In der Vorprojektphase steht bspw. die Themenfindung im Mittelpunkt. Die Klärung der Rahmenbedingungen, die Erstellung eines Aufgaben- und Zeitplans, die Entwicklung von Leitfragen sowie die Festlegung von Medien, Methoden und Ablauf stellen die zentralen Aufgaben der Planungsphase dar. In Bezug auf die Durchführungsphase weist der Autor u.a. auf die Bedeutung einer positiven Arbeitsatmosphäre und der Verwendung von Beispielen zur Vermittlung von Inhalten für den Lernerfolg hin. In der Abschlussphase gilt es z.B. die Ergebnisse zu sichern sowie Feedback zu geben und zu nehmen. Sowohl ein mögliches Reflexionsgespräch zwischen Student(in) und Dozent(in) als auch die Archivierung der Lehr-Lern-Materialien werden der Abschlussphase zugeordnet.

Ein zwölfseitiges Verzeichnis der verwendeten Literatur und ein zweiseitiges (Sach-)Register mit 71 Stichworten schließen den Band ab.

Diskussion

Das Inhaltsverzeichnis erstreckt sich über achteinhalb Seiten und stellt die Struktur des Buches sehr differenziert – häufig bis in die dritte und vierte Gliederungsebene aufgefächert – dar. Obgleich es dadurch zunächst unübersichtlich wirkt, ist es weitgehend nachvollziehbar gegliedert und stringent im Aufbau.

Positiv hervorzuheben sind die Zusammenfassung und die überleitenden Fazits die als wiederkehrende Elemente zum Ende der inhaltlichen Hauptkapitel, relevante Aspekte noch einmal aufgreifen und einen fließenden Übergang zum nächsten jeweils Kapitel gewährleisten.

Sämtliche Themen, die bei einer Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten zu erwarten und von Relevanz sind, werden behandelt. Der Inhalt und Umfang des Buches ist mit ähnlichen Einführungswerken (Rost 2012 | 404 Seiten; Sesink 2012 | 374 S.; Sandberg 2017 | 330 S.) vergleichbar, wobei der erziehungswissenschaftliche Bezug in den Ausführungen und den Beispielen des rezensierten Bandes positiv hervorzuheben ist.

Die – in der Regel kurzen – Teilkapitel sind sinnvoll strukturiert, in einem für Studienanfänger(innen) angemessenen und verständlichen Sprachstil verfasst und äußerst leserfreundlich. Die Ausführungen werden dabei durch mehrere (Fall-)Beispiele und Visualisierungen ergänzt.

Wie der Autor des rezensierten Bandes anmerkt, erfordern die Recherche und Bewertung von Literatur, aber auch das wissenschaftliche Arbeiten – soll es denn erfolgreich sein – die Kenntnis konkreter Arbeitstechniken und viel Übung (vgl. Obermaier 2017, S. 143). Obgleich es sich bei diesem Lehrbuch um ein gelungenes Nachschlagewerk handelt, bestünde großes Potential, durch die Aufnahme von Übungen und Prüfungsfragen zur Vertiefung wichtiger Inhalte, wie sie zum Beispiel im Lehr- und Übungsbuch von Sandberg (2017) enthalten sind, um das Selbststudium der Leser(innen) zu unterstützen.

Wünschenswert wären zudem (aus Sicht des Rezensenten) separate Verzeichnisse, die zum einen die 24 Abbildungen und zum anderen die 18 Tabellen übersichtlich auflisten und dadurch das Auffinden dieser im Buch erleichtern.

Fazit

In summa überzeugt der utb-Band ‚Arbeitstechniken Erziehungswissenschaft. Studieren mit Erfolg‘ von Prof. Dr. Michael Obermaier. Es handelt sich bei diesem einführenden Lehrbuch zum (erziehungs-)wissenschaftlichen Arbeiten um ein gelungenes Nachschlagewerk, in dem relevante Arbeitstechniken und Methoden vorgestellt und disziplinspezifische Fragen geklärt werden. Trotz der diskutierten, äußerst partiellen Anmerkungen, kann es insbesondere Studienanfänger(inn)en erziehungswissenschaftlicher Studiengänge und angehenden Pädagog(inn)en empfohlen werden.

Literaturverweise

  • Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen (KatHO Köln) (2017): Obermaier, Michael. Abrufbar unter: www.katho-nrw.de (19.09.2017)
  • Obermaier, Michael (2017): Arbeitstechniken Erziehungswissenschaft. Studieren mit Erfolg. Paderborn: Ferdinand Schöningh.
  • Rost, Friedrich (2012): Lern- und Arbeitstechniken für das Studium. 7., überarb. u. akt. Aufl. Wiesbaden: VS.
  • Sandberg, Berit (2017): Wissenschaftliches Arbeiten von Abbildung bis Zitat. Lehr- und Übungsbuch für Bachelor, Master und Promotion. 3., durchg. u. erw. Aufl. Berlin/Boston: De Gruyter Oldenbourg.
  • Sesink, Werner (2012): Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten. Inklusive E-Learning, Web-Recherche, digitale Präsentation u.a. 9., akt. Aufl. München: Oldenbourg.

Rezensent
Stefan Siegel
M.A. Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Pädagogik mit Schwerpunkt Erwachsenen und Weiterbildung (Prof. Dr. Elisabeth Meilhammer) und Doktorand im Fach Pädagogik an der Universität Augsburg
Homepage www.philso.uni-augsburg.de/de/lehrstuehle/paedagogi ...
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Zitiervorschlag
Stefan Siegel. Rezension vom 28.09.2017 zu: Michael Obermaier: Arbeitstechniken Erziehungswissenschaft. Studieren mit Erfolg. UTB (Stuttgart) 2017. ISBN 978-3-8252-4386-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23310.php, Datum des Zugriffs 14.12.2017.


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