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Gunilla Wewetzer, Christoph Wewetzer: Therapie Tools Zwangsstörungen im Kindes- und Jugendalter

Cover Gunilla Wewetzer, Christoph Wewetzer: Therapie Tools Zwangsstörungen im Kindes- und Jugendalter. Mit E-Book inside und Arbeitsmaterial ; Gunilla Wewetzer, Christoph Wewetzer. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2017. ISBN 978-3-621-28373-1.
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Thema und Entstehungshintergrund

Aus dem Klappentext: „Zwänge sind auch im Kindes- und Jugendalter nicht selten. Sie zeichnen sich durch eine hohe Hartnäckigkeit und individuelle Ausgestaltung der Symptomatik aus. Zusätzlich zum Zwang haben viele Betroffene eine weitere psychische Störung. Hilfe ist also dringend notwendig.“ In der bewährten Reihe „Therapie-Tools“ des Beltz-Verlags werden Materialien für die psychotherapeutische Arbeit zur Verfügung gestellt. In jedem dieser Bände werden eine Vielzahl von Fragebögen, Übungen, Hausaufgaben und Arbeitsblättern vorgestellt. Hierbei handelt es sich nicht um Manuale, sondern vielmehr um Materialiensammlungen. Der vorliegende Band widmet sich dem Thema Zwangsstörungen im Kindes- und Jugendalter.

Autorin und Autor

Gunilla Wewetzer ist Diplom-Psychologin und seit 2005 leitende Psychologin an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie der städtischen Kliniken Köln gGmbH.

Prof. Dr. Christoph Wewetzer ist Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie und Ärztlicher Leiter der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie der städtischen Kliniken Köln gGmbH. In 2016 wurde er zum fünften Mal in Folge ausgezeichnet als „TOP Mediziner“ in der FOCUS Ärzteliste.

Aufbau, Vorwort und Einleitung

Im Gegensatz zu anderen Bänden der Reihe ist dieser im Aufbau nicht ausschließlich am Ablauf einer Psychotherapie orientiert.

Einem kurzen Vorwort folgt das erste Kapitel, die Einführung. In dieser wird ein kurzer Einblick zum Thema gegeben. Hierbei werden folgende Themen abgearbeitet:

  • Symptomatik und Klassifikation von Zwangsstörungen im Kindes- und Jugendalter
  • Epidemiologie und Verlauf
  • Erklärungskonzepte
  • Psychotherapie (klassische KVT, ACT & MBCT)
  • Pharmakotherapie

In Kapitel zwei wird der Aufbau des Therapie-Tools beschrieben. Konkret werden Gestaltung und Einsatz der Tools erläutert.

Die weiteren Inhalte arbeiten dann obligatorische Therapiemodule (Kapitel 3) und fakultative Therapiemodule (Kapitel 4) ab.

Zu 3. Obligatorische Therapiemodule

Diagnostik ist obligat, nicht nur bei Zwangsstörungen, sondern vielmehr bei sämtlichen Störungsbildern. Die AutorInnen stellen sowohl die allgemeine kinder- und jugendpsychiatrische und psychologische Diagnostik als auch die störungsspezifische Diagnostik im vorliegenden Spektrum dar. Dazu werden diverse Arbeitsmaterialien geliefert.

Es folgen Materialien zur Psychoedukation. Auch dieser Therapieschritt ist typisch für verhaltenstherapeutische Konzepte und sollte störungsübergreifend immer erfolgen. Es werden Hintergrund, Ziele und entsprechende Arbeitsmaterialien vorgestellt.

Die Expositionstherapie mit Reaktionsmanagement (ERM) ist der zentrale Teil der Kognitiven Verhaltenstherapie bei Zwängen. Sie gliedert sich in drei Phasen:

  1. Vorbereitung
  2. Planung
  3. Durchführung

Ziel ist, sich mit der dem Zwang auslösenden Situation zu konfrontieren, ohne Zwangshandlungen auszuführen oder die Situation zu vermeiden. Hierdurch erfolgt die Reduktion von Zwangsgedanken und Zwangshandlungen, die Erfahrung, unangenehme Emotionen erleben zu können, ohne etwas dagegen tun zu müssen, das Umlernen von automatischen Verhaltensmustern und das Erleben von Selbstwirksamkeit in der Bewältigung der Zwänge. Unterschieden wird hier noch die im Kinder- und Jugendlichenbereich übliche „Graduierte Exposition“, bei der zunehmend stärker mit Angst besetzte Erlebnisse konfrontiert werden und die sogenannte massierte Konfrontation (Flooding).

Den abschließenden obligatorischen Therapiebaustein stellt dann die Rückfallprophylaxe dar. Ihr Ziel ist die Reflexion des Therapieergebnisses, die Stabilisierung von Therapieerfolgen, sowie weitere Reduktion noch bestehender Zwänge. Zukünftige Krisen sollen bewältigbar gemacht werden und Frühwarnzeichen bezüglich des Wiederauftretens von Zwängen erkannt werden.

Zu 4. Fakultative Therapiemodule

Der Einsatz kognitiver Strategien ist insbesondere zu empfehlen bei ausgeprägten Zwangsgedanken und/oder zwanghaftem Grübeln sowie geringer Einsicht in die Unsinnigkeit oder Übertriebenheit der Zwangsgedanken. Im vorliegenden Tools-Buch wird Metakognitiven Strategien zur Veränderung von Zwangsgedanken der Vorzug vor klassischen kognitiven Interventionen (z.B. kognitive Umstrukturierung) gegeben. Diese metakognitiven Ansätze werden im Abschnitt Kognitive Therapie I vorgestellt.

Des Weiteren soll in der Nachsorgephase neben der Stabilisierung von Therapieerfolgen auch eine Veränderung dysfunktionaler und aufrechterhaltener Faktoren erfolgen. Mit den unter dem Titel Kognitive Therapie II vorgestellten Techniken sollen dysfunktionale Grundeinstellungen identifiziert und hinterfragt werden und funktionale Kognitionen, die in problematischen Situation eingeübt werden, erarbeitet werden.

Es folgt ein kurzer Abschnitt zum Thema Pharmakotherapie. Hier werden Informationen für TherapeutInnen und PatientInnen/Angehörige und Medikationspläne geliefert.

Den Abschluss macht dann ein Exkurs in Therapieverfahren der sogenannten „Dritten Welle“ der Verhaltenstherapie, den achtsamkeits- und akzeptanzbasierten Ansätzen. Hier werden vor allem Arbeitsmaterialien die der sogenannten Akzeptanz- und Commitment Therapie (ACT) nach Hayes (2004) entnommen wurden, vorgestellt. Diese könnten vor allem in der Nachsorgephase zum Einsatz kommen.

Diskussion

Wie alle Veröffentlichungen aus dieser Reihe besticht auch die vorliegende durch eine gute Übersichtlichkeit und vor allem die Vielzahl an hilfreichen Arbeitsmaterialien. Besonders positiv hervorzuheben ist der Einbezug neuer Therapieformen, beispielsweise der Metakognitiven Therapie (nach Wells & Matthews) und der ACT (nach Hayes). Wie alle Veröffentlichungen dieser Reihe handelt es sich bei diesem Buch weder um ein evaluiertes Manual, noch um ein Fachbuch, in dem der konkrete Ablauf einer entsprechenden Psychotherapie erläutert wird. Die Inhalte sollten also ausschließlich durch entsprechend ausgebildete Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten oder Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie angewendet werden. An diese richtet es sich folgerichtig auch. Eine entsprechende Erläuterung des Vorgehens findet sich beispielsweise bei Fricke und Kollegen (2006), hier allerdings bezogen auf die Behandlung Erwachsener. Ein entsprechender Band aus der Reihe „Leitfaden Kinder- und Jugendpsychotherapie“ im Hogrefe-Verlag steht leider noch aus. Wie auch bei anderen Bänden ist allenfalls kritisch anzumerken, dass die Materialien einen recht ausgeprägten Hang hin zur Behandlung mit Paper-Pencil-Methoden hat. Erlebnisbasierte Interventionen, die gerade bei der Behandlung von Kindern so wichtig sind, finden sich hier kaum. In Ergänzung seien somit die störungsübergreifenden hervorragenden Bücher von Gudrun Görlitz empfohlen, die auch schon auf socialnet rezensiert wurden (www.socialnet.de/rezensionen/15063.php und www.socialnet.de/rezensionen/15062.php).

Fazit

Der vorliegende Band aus der Reihe Therapie-Tools hält mühelos das hohe Niveau der Reihe aufrecht. Positiv hervorzuheben ist, dass auf aktuelle Therapieströmungen eingegangen wird. Für sich alleine stehend kann er – wie auch andere Bände aus der Reihe – ohne entsprechende Ausbildung nicht sinnvoll genutzt werden. Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten und -psychiatern sei er wärmstens empfohlen.


Rezensent
Dr. Alexander Tewes
Leitender Dipl.-Psychologe, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (KJPP) - Haus 4
Psychiatrische Klinik Lüneburg gemeinnützige GmbH im Verbund der Gesundheitsholding Lüneburg
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Zitiervorschlag
Alexander Tewes. Rezension vom 10.04.2018 zu: Gunilla Wewetzer, Christoph Wewetzer: Therapie Tools Zwangsstörungen im Kindes- und Jugendalter. Mit E-Book inside und Arbeitsmaterial ; Gunilla Wewetzer, Christoph Wewetzer. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2017. ISBN 978-3-621-28373-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23313.php, Datum des Zugriffs 23.09.2018.


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