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Fredrike P. Bannink: Positive Supervision und Intervision

Cover Fredrike P. Bannink: Positive Supervision und Intervision. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2017. 200 Seiten. ISBN 978-3-8017-2804-5. D: 34,95 EUR, A: 36,00 EUR, CH: 45,50 sFr.
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Thema

Frederike Bannink setzt in diesem Buch den Fokus auf die positive und lösungsfokussierte Arbeitsweise in der Supervision und Intervision. Sie geht gezielt auf deren Haltung ein und macht Unterschiede zur klassischen Supervision deutlich. Es ist ein gut strukturiertes Buch, das zum einen den theoretischen Hintergrund zur Arbeitsweise und Rolle des Supervisors beleuchtet und zum anderen den praktischen Verlauf eines Supervisionsprozesses und mögliche Methoden aufzeigt. Die Beantwortung von 22 häufig gestellten Fragen bezüglich der Supervisionsarbeit rundet den Praxisbezug ab.

Aufbau und Inhalt

Das Buch wurde von Waltraut Heitzer-Gores aus dem Niederländischen übersetzt und ist in die Bereiche „Theorie“ und „Praktische Anwendungen“ wie folgt unterteilt:

1. Teil Theorie

  • Supervision und Intervision
  • Positive Supervision und Intervision

2. Teil Praktische Anwendungen

  • Erster Pfeiler: Zielformulierung
  • Zweiter Pfeiler: Kompetenzen finden
  • Dritter Pfeiler: Weitere Fortschritte erarbeiten
  • Vierter Pfeiler: Reflexion
  • Folgegespräche
  • Die supervisorische Allianz
  • Wichtige Aspekte der positiven Supervision/ Intervision

Nach einer kurzen Einleitung, in der die Autorin grob über den Inhalt berichtet, beginnt der fünfunddreißig seitige theoretische Teil des Buches. Zunächst stellt Frederike Bannink die beiden Formate Supervision und Intervention vor und geht auf den Unterschied zwischen dem klassischem Verständnis und dem positiv, lösungsfokussierten Ansatz ein. Des Weiteren schreibt sie über die lösungsfokussierte Therapie, positive Psychologie sowie über die lösungsfokussierten Grundfragen. Ebenfalls stellt sie die Eckpfeiler der positiven Supervision vor: die Zielformulierung, das Aufspüren von Kernkompetenzen, die Arbeit am Fortschritt und die Reflexion der Arbeit. Auf diese geht sie im zweiten Teil des Buches noch einmal genauer ein und beschreibt jeden Schritt ausführlich. Fallbeispiele und Übungsaufgaben ergänzen die theoretischen Informationen. Insbesondere die kleinen, von der Autorin verfassten Aufgaben, können sowohl von einem selbst als auch von einem möglichen Klienten ausprobiert werden. Der Transfer zwischen Theorie und Praxis ist damit leichter zugänglich. So beschreibt sie beispielsweise in einer kurzen Anleitung eine Übungsaufgabe unter dem Abschnitt „Lösungssprache“, die die Wirkungsweise von 2 unterschiedlichen Sätzen verdeutlichen soll in dem man diese in Selbsterfahrung erleben kann.

Im zweiten Teil „Praktische Anwendungen“ mischen sich Theorie und praktische Anwendung. Die Autorin behält die Struktur des Buches mit Übungsaufgaben, Fallbeispielen und Zusammenfassungen bei, ergänzt sie jedoch um konkrete Methoden und Fragetechniken. Sie beschreibt Schritt für Schritt einen kompletten Ablauf eines Supervisionsprozesses und beginnt zunächst mit dem ersten Eckpfeiler „Zielformulierung“. Neben der Hoffnungstheorie und der Bedeutung von Zielformulierungen, stellt die Autorin zahlreiche Fragen für das Finden einer passenden Zielformulierung zur Verfügung. Im zweiten Schritt „Kompetenzen finden“ erläutert Frederike Bannink wie es gelingen kann, nach Ausnahmen zu suchen und skizziert unterschiedliche Zugänge und Arbeitsansätze mit dazugehörigen Fragen. Als methodische Vorgehensweise stellt sie beispielsweise neben verschiedenen Varianten mit Komplimenten zu arbeiten, das „Kompetenz-Zertifikat“, einen „Interviewleitfaden“ und das „Bestmögliches-Selbst“ vor.

Im dritten Schritt „Weitere Fortschritte erarbeiten“ stehen die Veränderungen, seien sie auch noch so klein, im Fokus. Skalierungsfragen werden ausführlich dargestellt und kleine Interventionen wie das Wagen einer Vorhersage oder so zu tun, als ob das Ziel erreicht ist, beschrieben.

Der vierte Schritt „Reflexion“ beinhaltet neben einem Fundus an reflexiven Fragen beispielsweise die Methoden „reflektierendes Team“, oder „ein Brief aus der Zukunft“. Im Abschnitt „Folgegespräche“ geht die Autorin auf dessen Bedeutung und Inhalte näher ein und setzt Impulse, wie das Aufrechterhalten des gewünschten Zustandes gelingen kann. Das Thema „Beendigung der Supervision und Intervention“ runden das Kapitel ab. Anschließen tut sich das Kapitel „Die supervisorische Allianz“, das die Arbeitsbeziehungen behandelt. Die Autorin stellt 3 Formen der Beziehung vor und geht insbesondere auf das Thema „Veränderungsbereitschaft“ ein, dass in der Supervision ein zentrales Thema darstellt.

„Wichtige Aspekte der positiven Supervision/Intervention“ ist die Überschrift des neunten Kapitels. Hier geht es um ganz pragmatische Aspekte des Formates Supervision/Intervention. Neben Supervisionsvertrag, Protokolle, Audio und Videoaufnahmen und Agenda werden Hausaufgabe und Berichterstattung an Dritte angesprochen.

Im zehnten Kapitel beantwortet die Autorin 22 häufig gestellte Fragen wie beispielsweise „Was tun, wenn der Supervisand keine persönlichen Stärken nennen kann?“ oder „Was tun, wenn die Supervision stagniert?“. Hier findet der Supervisor eine wertvolle Hilfestellung für die eigene Beratertätigkeit.

Diskussion

Die Mischung zwischen Theorie und praktischen Anwendungsideen ist gelungen. Insbesondere die zahlreichen theoretischen Bezüge zu den jeweiligen Schritten des Supervisionsprozesses sind wertvoll. Obwohl die meisten Methoden kurz und knapp formuliert sind, gelingt die praktische Umsetzung, sicherlich jedoch auch, weil die meisten im Buch vorgestellten Methoden bereits bekannt sind. Hervorzuheben hingegen sind die zahlreichen Fragetechniken, die für die unterschiedlichsten Kontexte hilfreich sind. Die kurzen Zusammenfassungen am Ende der jeweiligen Kapitel bringen das Wesentliche noch einmal auf den Punkt. Die wiederkehrende Struktur gibt eine gute Orientierung. Leider wurde auf Bilder und Grafiken gänzlich verzichtet. Sicherlich durch die Übersetzung entstanden, lesen sich vereinzelte Satzstellungen etwas holprig.

Fazit

Das von Frederike Bannink herausgegebene Buch „Positive Supervision und Intervision“ ist eine ideale Ergänzung für bereits tätige Berater, die sich über die Arbeitsweise mit dem lösungsorientierten Ansatz informieren und diesen sich zu Eigen machen möchten.


Rezensentin
Andrea Schlösser
Trainerin, Coach, Mediatorin und Supervisorin
Homepage www.neurolines.de
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Zitiervorschlag
Andrea Schlösser. Rezension vom 05.12.2017 zu: Fredrike P. Bannink: Positive Supervision und Intervision. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2017. ISBN 978-3-8017-2804-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23330.php, Datum des Zugriffs 13.12.2017.


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