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Eva Gressnich, Claudia Müller u.a. (Hrsg.): Lernen durch Vorlesen

Cover Eva Gressnich, Claudia Müller, Linda Stark (Hrsg.): Lernen durch Vorlesen. Sprach- und Literaturerwerb in Familie, Kindergarten und Schule. Narr Francke Attempto Verlag (Tübingen) 2017. 200 Seiten. ISBN 978-3-7720-8554-3. 39,80 EUR.
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Thema

Der Sammelband befasst sich mit der Tätigkeit des Vorlesens, der aus Sicht verschiedener Fachdisziplinen eine sehr bedeutsame Rolle zur Förderung und Entfaltung der kindlichen Entwicklung zukommt. Mit Blick auf die Instanzen Familie, Elementarbereich und Schule greift das Werk drei zentrale Realisierungsorte auf, in denen Vorlesen einen großen Stellenwert einnimmt. Die darin aufgearbeiteten Perspektiven reichen von konkreten Handlungsvorschlägen an existierenden Bilderbüchern über grundsätzliche Interaktionsgestaltung sowie der Beleuchtung unterschiedlicher Lernprozesse bis hin zur Darstellung neuester, wissenschaftlicher Erkenntnisse.

Enstehungshintergrund

Die einzelnen Beiträge entstammen teilweise aus einer Tagung zu Thema „Lernen durch Vorlesen“ vom Februar 2014.

Herausgeberinnen

  • Eva Gressnich arbeitet als Lehrkraft für besondere Aufgaben am Deutschen Institut in Mainz.
  • Claudia Müller ist Juniorprofessorin an der Ruhr-Universität Bochum.
  • Linda Stark ist als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für deutsche Sprachwissenschaft der Julius-Maximilians- Universität Würzburg angestellt.

Autorinnen und Autoren

Die Autorinnen und Autoren der einzelnen Beiträge sind überwiegend Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler deutscher Hochschulen.

Aufbau

Das Buch ist ein Sammelband, der insgesamt 200 Seiten (inklusive Literaturverzeichnis und Autorenverzeichnis) umfasst und aus elf Beiträgen besteht. Diese sind thematisch in folgende drei Großkapitel geordnet, innerhalb derer wiederum die Bereiche Familie, Elementarbereich und Schule aufgearbeitet werden:

  1. Das Buch im Vorleseprozess
  2. Sprachliches und literales Lernen beim Vorlesen im Vorschulalter
  3. Lernpotenziale beim Vorlesen in der Schule

Inhalt

In der Einleitung erläutern die Herausgeberinnen den Entstehungskotext des Sammelbandes und streichen die allgemeine Bedeutsamkeit des Vorlesens für sprachliche Lehr- und Lernkontexte heraus. Anschließend fassen sie den Inhalt jedes Beitrages kurz zusammen und ordnen deren Inhalte in das Gesamtkonzept des Werkes ein.

Im ersten Kapitel steht das Medium Buch im Zentrum der Betrachtung und wird in den einzelnen Beiträgen theoriegeleitet aber praxisorientiert aufgearbeitet: Neben der Untersuchung der Rede- und Gedankendarstellung in Büchern für Kinder des Elementarbereiches werden aktuelle Forschungserkenntnisse zum Erwerb (meta-)sprachlicher Fähigkeiten im Rahmen von Vorleseinteraktionen an einem konkreten Bilderbuch dargestellt. Anschließend findet sich eine theoretisch und empirisch begründete Darstellung, welche Potenziale eine sprachliche Inputoptimierung des Lesevortrages beinhaltet, bevor ein Aufsatz zur Untersuchung von Erklärungssequenzen in Vorlesesituationen das erste Kapitel abschließt.

Im zweiten Kapitel rückt der Elementarbereich schwerpunktmäßig mehr in den Fokus: Der erste Beitrag widmet sich dem Vergleich von Erzählen und Vorlesen und stellt durch die gegenseitige Gegenüberstellung wichtige Gemeinsamkeiten aber auch Unterschiede beider Praktiken heraus. Daran anknüpfend wird eine Studie zu mütterlichen Sprachlehrstrategien vorgestellt, deren Ergebnisse darauf hindeuten, dass Interaktionen im Rahmen von Bilderbuchbetrachtungen als Basis für sprachförderlicher Lehrstrategien in späteren Interaktionskontexten dienen. Im nächsten Beitrag wird verstärkt der Mehrsprachigkeitsaspekt berücksichtigt, indem kulturelle Unterschiede im Rahmen von Vorlesepraktiken untersucht werden und als Ausgangspunkt für ein Postulat zur kritischen Reflexion gängiger Literalitätsförderung in Bildungsinstitutionen dient. Das zweite Kapitel endet mit einem Aufsatz zur Analyse sprachförderlicher Fragesätze, die neben der Unterscheidung von offenen und geschlossenen Fragen vor allem der Adaption an die Voraussetzungen der Lerngruppe bedürfen.

Das dritte Kapitel legt sein Hauptaugenmerk auf den schulischen Bereich. Im ersten Beitrag werden Vorlesegespräche zu mehrdeutigen Bilderbüchern analysiert, um anhand der individuellen Lesarten von Kindern das sprachliche wie literarische Potenzial dieser Herangehensweise darzustellen. Danach liefern Erkenntnisse einer qualitativen Rezeptionsstudie rund um Graphic Novels interessante Einblicke in die Unterschiede zwischen Vorlesesituationen mit und ohne vermittelnde VorleserInnen. Der letzte Beitrag lässt einen ausgeweiteten, fächerübergreifenden Blick auf Vorlesesituationen walten und beschreibt unter Rückgriff auf Ergebnisse der Lesesozialisationsforschung das Potenzial von Vorlesesituationen auch über das Unterrichtsfach Deutsch hinaus.

Diskussion und Fazit

Der Sammelband bietet einen breit angelegten Einblick in das Interaktionsformat Vorlesen und beleuchtet es neben unterschiedlichen Bildungs- und Sozialisationsinstanzen auch aus multiprofessionaler Perspektive. Dabei versuchen die AutorInnen und HerausgeberInnen steht ihrem selbst formulierten Anspruch gerecht zu werden, „den Spagat zwischen Forschung und Praxis zu meistern und die unterschiedlichen fachlichen, didaktischen und praktischen Perspektiven“ (S. 8) zu berücksichtigen. Vor allem die durchgängig wiederkehrende Darstellung von wissenschaftlichen Erkenntnissen unter Bezug auf konkrete Praxismaßnahmen oder exemplarische Medien wie Umsetzungsimpulse ist diesem anspruchsvollen Ziel zuträglich. Daher eignet sich der vorliegende Band sowohl für eine wissenschaftlich-theoretisch interessierte als auch praktisch orientierte Leserschaft und beleuchtet ein vermeintlich breit erforschtes Gebiet aus inspirierender und motivierender Perspektive.


Rezensent
Dr. Christoph Schiefele
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Zitiervorschlag
Christoph Schiefele. Rezension vom 06.12.2017 zu: Eva Gressnich, Claudia Müller, Linda Stark (Hrsg.): Lernen durch Vorlesen. Sprach- und Literaturerwerb in Familie, Kindergarten und Schule. Narr Francke Attempto Verlag (Tübingen) 2017. ISBN 978-3-7720-8554-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23362.php, Datum des Zugriffs 15.12.2017.


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