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Daniel Mays: Wir sind ein Team! (Inklusive Schule)

Cover Daniel Mays: Wir sind ein Team! Multiprofessionelle Kooperation in der inklusiven Schule. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2017. 142 Seiten. ISBN 978-3-497-02597-8. D: 24,90 EUR, A: 25,60 EUR.
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Autor

Daniel Mays ist Juniorprofessor an der Universität Siegen. Dort hat der Sonderpädagoge den Lehrstuhl für Förderpädagogik mit dem Schwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung inne.

Thema

In dem Band bezieht sich die multiprofessionelle Kooperation auf Lehrkräfte an allgemeinen Schulen, auf Förderpädagogen und Integrationshelfer.

Aufbau

Gegliedert ist der Band in vier Kapitel:

  1. Drei Berufsgruppen – drei Perspektiven.
  2. Eine gemeinsame Perspektive entwickeln: Teamentwicklungsprozesse in der Schule.
  3. 50 Tipps und Tricks aus der Praxis für die Praxis.
  4. Organisationsstrukturen und aktuelle Rechtslage.

Der Text ist durch Fallbeispiele, Stichwortbegleitung am Seitenrand und zahlreiche Internethinweise sehr informativ und lesefreundlich gestaltet.

Inhalt

Im ersten Kapitel wird zunächst der Arbeitsalltag einer Lehrkraft an allgemeinen Schulen beschrieben. Genannt werden u.a. die Kernaufgaben, die Bedeutung strukturierender Richtlinien, Unterrichtsvorbereitung, herausfordernde Schülerinnen und Schüler, Umgang mit Eltern und die stets vorhandene Zeitnot auf dem Hintergrund inklusiver Strukturreformen. Angefügt ist, wie bei den anderen Berufsfeldbeschreibungen auch, ein Fallbeispiel.

Umfangreich wird sodann das Tätigkeitsprofil von Förderpädagoginnen und -pädagogen dargestellt. Zu den Kernkompetenzen gehört die Anwendung notwendiger Diagnostik und systemischer Analyse. Ein tiefgreifendes Verständnis für Behinderung ist notwendig, um einen differenzierten Unterricht auf mehreren Niveaustufen durchzuführen. Für die inklusive Schule ist bedeutsam, dass immer mehr Förderpädagogen an die allgemein Schule abgestellt werden. Der Autor beschreibt die Arbeitsbelastung dieser Berufsgruppe aber durchaus mit dramatischer Akzentsetzung.

Integrationskräfte werden durch eine sogenannte und bei den jeweiligen Kommunen zu beantragende Eingliederungshilfe eingestellt und auch (niedrig) bezahlt. Beispielsweise für ein Kind mit Down-Syndrom. Die Qualifikationen sind sehr unterschiedlich, von den Fähigkeiten einer Studentin bis hin zu einem Heilerziehungspfleger. Zu den Tätigkeiten gehören u.a. die Unterstützung in der Gruppenarbeit, Lenkung der Aufmerksamkeit im Unterricht, Begleitung beim Mittagessen wie auch bei Toilettengängen.

Das zweite Kapitel beginnt mit Hinweisen auf sehr unterschiedliche Schulen, die jeweils einen eigenen Weg zur Inklusion finden müssen: „Der Weg einer inklusiven Schule entsteht beim Gehen“ (S. 52). Kritisch wird angemerkt, dass dazu notwendige personelle und zeitliche Ressourcen sehr häufig nicht zur Verfügung stehen. Der sich auch hieraus ergebende Schul- und Unterrichtsstress erfordert eine „Echtzeitreflexibilität“, um mit unterschiedlichen Professionen und Rollen kommunizieren zu können. In dieser Situation Teamarbeit einzurichten ist schon aus zeitlichen Gründen nicht einfach. Ein weiteres Problem ist die Regulierung und Prävention von Konflikten im Team. Zur Vermeidung bzw. Vorbeugung von Konfliktverläufen finden sich im Text umfangreiche Checklisten. Erörtert werden sodann Rahmenbedingungen für gelingende Teamarbeit: u.a. Selbststeuerungsfähigkeit, Vertrauen, Wertschätzung, Teamidentifikation, realistische Zielsetzungen. Der Autor nennt für die Einführungsphase von Teamarbeit den Zeitraum eines Jahres. In diesem Zeitraum differenzieren sich die Rollen der Teamer vom Organisator über den Macher bis zum Perfektionisten. Fünf Phasen durchläuft das Team:

  • Unsicherheit (Forming).
  • Rollenklärung und Konflikte (Storming).
  • Festlegung der Rollen (Norming).
  • Effektivste Phase (Performing).
  • Auflösung (Adjourning).

„50 Tipps und Tricks aus der Praxis für die Praxis“, das dritte Kapitel, gibt konstruktive Ratschläge für inklusive Schulen und dort arbeitende Teams: Dringend empfohlen wird die Doppelbesetzung im Unterricht, wie auch hinreichende personelle Ausstattung mit Sonderpädagoginnen und -pädagogen. Für das Team gilt die Vermeidung von Blockadehaltungen dafür aber Freundlichkeit und Konfliktlösungsfähigkeit („Besprechen oder klären Sie einen Konflikt niemals per E-Mail“, S. 87). Detailliert wird sodann die Verteilung unterrichtlicher und außerunterrichtlicher Aufgaben beschrieben (z.B. Planung der Teamsitzungen, Klärung von Zielen, Zusammenarbeit mit den Eltern, Kommunikation mit dem Jugendamt). Dieses Kapitel schließt mit Tipps zur Gestaltung von inklusiven Unterricht. Dazu gehören u.a. Methodenvielfalt bezogen auf Inhalte und Förderschwerpunkte, richtiges Timing, kooperative Lernformen, Regeleinhaltung in der Klasse wie auch ein inklusives Unterrichtsszenario am Beispiel des Faches Deutsch.

Das letzte kurze Kapitel gibt Hinweise zur Rechtslage in Deutschland, der Schweiz und Österreich. Es wird für Deutschland eingegangen auf die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen, auf Finanzierungsmodalitäten, auf den nationalen Aktionsplan, die Entwürfe der Kultusministerkonferenz, auf Stellungnahmen unterschiedlicher Organisationen, auf Instrumente der Schulentwicklung, Beispiele guter Praxis und Sonstiges. Der Text ist ausgestattet mit sehr vielen Internetadressen.

Diskussion

Der Autor legt einen Praxisratgeber vor, das ist sein Anspruch, der auch eingelöst wird. Dieser Ratgeber betrifft die Lehrerschaft, Sonderpädagoginnen und -pädagogen sowie Integrationskräfte an inklusiven Schulen in ihrem Arbeitsalltag. Das bedeutet zugleich, dass zum Beispiel langfristige Schulentwicklungsprozesse, wie sie mit dem Index für Inklusion eingeleitet werden könnten, fehlen. Auch innovative Hinweise zu Strukturänderungen im einschlägigen Studium finden sich nicht, obwohl der Autor Professor an einer Universität ist. Zu denken wäre hier z.B. an Studien- und Ausbildungskooperationen, um interprofessionelle Kompetenz zu schulen. Es finden sich auch kaum theoretische Flankierungen oder gar Forschungsbefunde. Dies ist wohl auch nicht gewollt und so liegt der Nutzen des Bandes in seiner Anwendung in der Praxis und dort insbesondere für Berufsanfänger im Referendariat. Studierende der angesprochenen Studienrichtungen sind allerdings gut beraten, sich mit den gegebenen Ratschlägen zur Teamkooperation in der inklusiven Schule zu beschäftigen.

Fazit

Im Mittelpunkt des mit Internetadressen gut ausgestatteten Bandes steht der Arbeitsalltag von Lehrkräften, Förderpädagoginnen und -pädagogen sowie Integrationskräften an inklusiven Schulen. Für ein zu entwickelndes und konstruktives Kooperationsklima wird eine Vielzahl an Ratschlägen, Tipps und Tricks aus der Praxis bereit gestellt, so zum Beispiel zur Rollenverteilung und zu Konfliktlösungen in Teams. Zu empfehlen für Studierende der einschlägigen Studienrichtungen und insbesondere auch für Berufsanfänger.


Rezensent
Prof. Dr. Erich Hollenstein
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Zitiervorschlag
Erich Hollenstein. Rezension vom 14.11.2017 zu: Daniel Mays: Wir sind ein Team! Multiprofessionelle Kooperation in der inklusiven Schule. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2017. ISBN 978-3-497-02597-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23379.php, Datum des Zugriffs 23.11.2017.


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