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Harry Waibel: Die braune Saat

Cover Harry Waibel: Die braune Saat. Antisemitismus und Neonazismus in der DDR. Schmetterling Verlag GmbH (Stuttgart) 2017. 380 Seiten. ISBN 978-3-89657-153-3. D: 22,80 EUR, A: 20,40 EUR.
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Thema

Angesichts der bundesweiten Wahlerfolge der rechtsnationalistischen AfD sowie der steigenden Anzahl rechtsextremer (antisemitischer und neonazistischer) Übergriffe und Gewalttaten erübrigt sich ein Beleg für die Aktualität des Themas. Deutlich wird eher, dass es keine Begriffsschärfe in diesem Themenbereich gibt, da Termini wie Rechtsextremismus, Nazismus, Rechtsradikalismus, Antisemitismus, (Neo-)Nationalismus, Ausländer- bzw. Fremdenfeindlichkeit, Rassismus usw. oft synonym, nicht trennscharf und nebeneinander gebraucht werden. Ich halte daher den Begriff/ das Konstrukt „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ von Wilhelm Heitmeyer für angemessen, da dieser Terminus klar macht, dass es jeweils um „feindliche“ (ablehnende, inhumane, diskriminierende, stigmatisierende, aggressive) Wertmuster, Einstellungen und Verhaltensmuster gegen „Menschen“ (!) einer (oder mehrerer) bestimmten Gruppe(n) geht.

Offiziell gab es in dem sich sozialistisch nennenden „Arbeiter- und Bauernstaat“ DDR keinen Antisemitismus und schon gar keinen Nazismus, auch keine gewalttätigen Skinheads und Hooligans. Erste journalistische Berichte über „Skinheads in der DDR“ (ZEIT-Magazin) erschienen Ende der 80er Jahre, aber wissenschaftliche Analysen und Studien wurden erst nach 1990 publiziert (exemplarisch zu nennen sind Schumann 1990 oder Hirsch/ Heim 1991).

Über den jeweiligen Stand und die Entwicklung des Rechtsextremismus (der in der Literatur am meisten verwendete Begriff) nach der deutschen Einheit 1990 liegen mittlerweile unzählige Studien vor, meist auch kombiniert mit dem (methodisch äußerst problematischen; vgl. dazu Griese 1996) Versuch eines Ost-West-Vergleichs und/ oder der Gretchenfrage nach der Gewaltbereitschaft, vor allem unter Jugendlichen. Dabei beruht die wissenschaftliche Kontroverse meist auf der unterschiedlichen theoretischen Interpretation der empirischen Ergebnisse zu Studien über die gesellschaftlichen Ursachen, Motive und persönlichen Gründen für eine „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ in Ost-Deutschland, wobei sich zwei idealtypische Positionen gegenüber stehen: Eine eher „westlich-historisch-sozialisationstheoretische“ Sicht sieht die (Hinter-)Gründe in den Defiziten und Versäumnissen der DDR(-Erziehung); die eher „östlich-gegenwartsbezogen-jugendtheoretische“ Perspektive (die Begriffe sind von mir) betont die ungerechten Nach-Wende-Verhältnisse sowie die oftmals geringen oder fehlenden Zukunftsperspektiven für junge Menschen im Osten.

Fakt ist, wie es der Umschlagtext verrät: „Seit der Vereinigung gab es in den neuen Bundesländern – relativ zu der Zahl der Bevölkerung – 2- bis 3-mal mehr rechte Propaganda und Gewalttaten als im Westen“. Ergänzen will/ muss ich aber: Fakt ist auch, dass die Jugendarbeitslosigkeit bzw. in der Folge davon fehlende berufliche Zukunftsperspektiven im Osten seit der Einheit im Schnitt und je nach Bundesland 2- bis 3-mal so hoch sind und dass viele qualifizierte junge Menschen von Ost nach West bzw. Süden gewandert sind.

Autor

Harry Waibel (die folgenden Aussagen sind dem Internet entnommen) ist 1946 in Lörrach geboren, stammt aus einer Arbeiterfamilie und kam über den Zweiten Bildungsweg an die PH Freiburg zum Pädagogikstudium, das er an der FU Berlin als Diplom-Pädagoge abschloss. Er war bereits sehr früh in der links-sozialistischen Szene mehrerer Städte politisch und dann auch publizistisch tätig. Er ist ein westdeutscher Historiker, dessen Hauptforschungs- und Arbeitsgebiete der „Neonazismus, Rechtsextremismus und Antisemitismus in der DDR“ sowie „Rassismus in Deutschland“ sind. Bekannt geworden ist er durch seine Forschungsarbeiten bei Wolfgang Benz am „Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin“. Dort promovierte er auch und publizierte seine Dissertation unter dem Titel „Rechtsextremismus in der DDR bis 1989“ (Waibel 1996). Seitdem forscht er überwiegend in den „Archiven des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Ministeriums für Staatssicherheit und im Bundesarchiv (SAPMO) zum Rassismus in der DDR. Erlebt und arbeitet als freier Publizist und Historiker in Berlin“.

Aufbau und Inhalt

Die Monographie ist wie folgt gegliedert: Nach einem „Vorwort“ (S. 6-9) und einer „Einleitung“ (S. 10-19) folgen zwei Hauptteile zu

  • „Antisemitismus“ (S. 20-110) sowie zu
  • „Neonazismus“ (S. 111-337).

Die Kapitel „Ursachen und Folgen“ (S. 338-351) sowie „Schlussfolgerungen“ (S. 352-365) schließen den Band ab.

Im Vorwort meint der Autor, dass mit der „Öffnung der Archive“ nach 1991, verstanden als „revolutionäre Dokumentenlawine … die Geschichte des Kommunismus nun neu geschrieben werden“ kann. Er konstatiert, ohne jegliche Belege, dass in „Westeuropa nach wie vor eine positiv besetzte Erinnerung an den Kommunismus“ vorliegt (S. 6). Dieser Behauptung kann ich nicht folgen, wie überhaupt m.E. im Vorwort ein pauschales Feindbild vom „Kommunismus“ bzw. den „Kommunisten“ (der Gegenwart) gezeichnet wird, ohne klar zu definieren, was, gerade in historischer Sicht, darunter zu verstehen ist: „Kommunismus“, „Sozialismus“, „real existierender Sozialismus“, „Marxismus“, „historischer Materialismus“ etc.

In der Einleitung gibt Waibel einen durch Archivdaten belegten Ein- und Überblick über „etwa 9.000 neonazistische, rassistische und antisemitische Propaganda- und Gewaltdaten … die überwiegend von jungen Männern durchgeführt“ wurden (S. 10). Weiter kann er mit dem Hinweis auf ZIJ-Studien (Zentralinstitut für Jugendforschung Leipzig) belegen, dass in der DDR „deutliche Anzeichen für deutschtümelnde und nationalistische Überheblichkeiten“ sowie „antisemitische und rassistische Einstellungen“ existierten. Daneben bildeten sich vor allem in den 80er Jahren Gruppen von „Neonazis, Hooligans und Skinheads“, und es kam zu ausländerfeindlichen Übergriffen gegen die sog. Vertragsarbeiter aus „befreundeten Staaten“ (Kuba, Vietnam etc.). Diese Ereignisse wurden letztlich zu einer „Bedrohung für die antifaschistische Legitimation“ der DDR (S. 15). Des Weiteren erfolgt ein Einblick in die rechte Szene der BRD, einschließlich Rechts-Rock und Michael Kühnen, wobei aber wiederum sehr pauschal argumentiert wird (Skinheads lassen sich z.B. in mindestens drei unterschiedliche Gruppen aufteilen, die nicht per se rechtradikal sind!). Jedenfalls war nach dem Fall der Mauer und nach dem Ende des „real existierenden Sozialismus“ ein allzu fruchtbarer, wenn auch unterschiedlich bearbeiteter Boden in Ost- und Westdeutschland bereitet, auf dem nunmehr die „braune Saat“ (vgl. Titel) der Nazis aufblühen konnte.

Im ersten Hauptkapitel über „Antisemitismus“ gibt Waibel einen empirisch-archivarisch belegten, akribisch aufgearbeiteten Einblick in die Entwicklung und Facetten von Antisemitismus und Antizionismus sowie den „antisemitischen Antizionismus nach innen und außen“. Dabei geht er davon aus, dass „in der SED-Diktatur Neonazis sowohl die Speerspitze als auch der Motor für eine sich dynamisch entwickelnde rechte Bewegung (bildete), die sich gegen die kommunistische Herrschaft richtete“ (S. 20). Es werden historisch-politische Einzelfälle erwähnt, auf die legitimierende Ideologie des „Antifaschismus und Entnazifizierung“ (S. 35ff) eingegangen und die „Infiltration und Zersetzung der jüdischen Gemeinden“ analysiert (jeweils Kapitelüberschriften). Des Weiteren widmet sich der Autor dem Thema „MfS und linke und rechte Terroristen“, wobei auch die Rolle der RAF und ihrer Kontakte zur SED thematisiert werden (S. 46 ff.). Der fälschlichen Behauptung einer „Entnazifizierung“ widmet Waibel etliche Seiten mit Gegenargumenten (S. 63-74) und schaut dann genauer auf „Antisemiten in NVA/DVP/MfS“ (S. 75ff). Er kann auch belegen, dass die SED-Außenpolitik „antizionistisch“ war und dass „geschichtsrevisionistische Kräfte nicht nur in der BRD, sondern eben auch in der DDR zu finden waren“ (S. 87).

Im zweiten Hauptkapitel über „Neonazismus“ wird ähnlich vorgegangen. Es wird auf die Rolle der FDJ als „einheitliche sozialistische Massenorganisation“ verwiesen, die keine Abweichungen zuließ. Speziell wird dann (S. 120ff) auf die „Bewegung der neonazistischen Skinheads“ eingegangen, wo ein „Höchststand im September 1988 erreicht“ war mit „447 Skinheads in 17 Gruppen“ (S. 121). In diesem Kontext gab es viele Verurteilungen, wobei die Delikte jeweils als „kriminell“ bezeichnet wurden, da die politische Dimension nicht öffentlich werden sollte. Ebenso intensiv widmet sich Waibel mit dutzenden von Quellenangaben den Themen „Die Bewegung der neonazistischen Hooligans“ (S. 164-197) und „Neonazistische Gruppen“ (S. 197-234), um dann noch die Aspekte von „Pogromen“ (S. 240-291) und „Tote bei gewalttätigen bzw. politischen Auseinandersetzungen“ (S. 291-300) sowie „Neonazis in der Volkspolizei, NVA, Grenztruppen und MfS“ (S. 300-334) zu beleuchten – jeweils mit etlichen Belegen aus den Archiven.

Theoretisch, interpretativ und perspektivisch wird es dann in den beiden Abschlusskapiteln über „Ursachen und Folgen“ sowie „Schlussfolgerungen“. Waibel betont eingangs nochmal, dass „Neonazismus“ eine „komplexe Ideologie“ ist, die sich aus „Autoritarismus, Militarismus, Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus“ zusammensetzt (S. 338) und in latenter oder manifester Form „Teil der politischen und sozialen Realität in beiden deutschen Staaten“, obwohl „fundamental verschieden“, war (S. 339). Gemeinsam war ihnen aber das Ziel, „die DDR aufzulösen und beide deutschen Staaten zu vereinigen“. So betont Waibel auch und belegt dies an etlichen empirischen Beispielen, dass „bei den Montagsdemonstrationen ab dem Oktober 1989 (auch in Leipzig, H.G.) die Neonazis aktiv beteiligt waren“ (S. 345), was bisher recht wenig in Politik, Medien und Öffentlichkeit problematisiert wurde. Dazu ergänzt der Autor, dass nach den „rassistischen Pogromen in Hoyerswerda und Rostock-Lichtenhagen … bagatellisierend von ‚Ausländerfeindlichkeit‘, ‚Fremdenfeindlichkeit‘ oder ‚Rechtsextremismus‘ gesprochen wurde, aber so gut wie nie von Neonazismus oder Rassismus“. Nach Waibels Meinung führte die Tabuisierung dieser beiden Begriffe, auch in der BRD (vgl. Mölln, Solingen) dazu, dass sich „keine Neonazismus- bzw. Rassismusforschung in Deutschland etablieren konnte“ (S. 351). Als einen weiteren Beleg für diese These verweist der Autor darauf – und das wäre m.E. relevant für die aktuelle Migrations- und Integrationsforschung: „aus ‚völkisch‘ wurde ‚ethnisch‘, aus ‚Rasse‘ wurde ‚Kultur‘“ (ebd.)

Diskussion

Mit Blick auf die Gegenwart (ab 1990) führt Waibel anfangs eine Attacke gegen seinen Kollegen Pätzold (2010), dem er systematische Leugnung neonazistisch-rassistischer Angriffe, des Antisemitismus und einer nationalistischen Politik in der DDR vorwirft. In dieser Debatte, in die auch andere Historiker eingegriffen haben, scheint sich der Wille zu einem zweiten „Historikerstreit“ um den sog. „Unrechtstaat DDR“ zu manifestieren. Waibel packt alles Linksverdächtige, die Linkspartei, die Rosa-Luxemburg-Stiftung und deren Publikationen in eine die DDR verteidigende Schublade und differenziert dabei in keinster Weise. Ich habe selbst in der Rosa-Luxemburg-Stiftung publiziert, habe dort in Leipzig referiert, kenne und kannte dort viele Wissenschaftler (exemplarisch sei Prof. Dr. Walter Friedrich genannt, ehemaliger und einziger Direktor des ZIJ von 1965-1990 und relevanter Aktivist der Leipziger Montagsdemonstrationen und mitverantwortlich dafür, dass am 9. November 1989 keine Schusswaffen zum Einsatz kamen) und kann überwiegend keine geschichtsklitternde Haltung der Kolleg*innen erkennen, eher eine reflektierte DDR-kritische und sozialistische Überzeugung.

Der Autor malt ein Bild seiner Zunft sowie der öffentlichen Meinung, das m.E. verzerrt ist: „Die dominierende Geschichtsinterpretation beschreibt das 20. Jahrhundert vor allem als Periode, die von der Auseinandersetzung zwischen dem fortschrittlichen Sozialismus und dem reaktionären Kapitalismus beherrscht war“ (S. 8). Ich bin kein Historiker, bin aber wie der Autor im antikommunistischen Adenauer-Deutschland aufgewachsen und habe ein Negativbild vom „Kommunismus“ kennen gelernt, das bis zur Gegenwart anhält. Der „dominierenden Geschichtsinterpretation“ bin ich nicht begegnet, weder in der scientific community noch im Alltag. Zudem sollte ein Historiker zwischen der Theorie (des Sozialismus und Kommunismus) und der Praxis (des real existierenden bzw. des bürokratisch-zentralistischen Stalinismus) unterscheiden (können).

In den „Schlussfolgerungen“ verweist Waibel zu Recht darauf hin, dass „der Neonazismus nicht nur in Deutschland, sondern auch in Europa weiter auf dem Vormarsch (ist)“ (S. 354); er erwähnt die NPD und betont, dass „die Neonazis stärker und effektiver geworden“ sind, dass Verbote bisher keinen Erfolg gebracht haben und dass „bis zu zwei Drittel der Deutschen … einig in ihrer Ablehnung von Ausländern und Juden“ sind (S. 355) – ein Verweis auf aktuelle Studien fehlt ebenso wie ein Eingehen auf oder auch nur die Nennung der AfD und ihrer Wahlerfolge – das Buch erschien 2017 (!), und bekanntlich schreibt man den Schluss auch zuletzt! Historiker sollten nicht nur auf die Geschichte, sondern ebenso intensiv auf die Gegenwart schauen, zumal die AfD und ihre Erfolge m.E. ein neuartiges historisches Phänomen darstellen. Gerade wenn man von den „skandalösen Vorfällen in der Mitte der Gesellschaft“ spricht (S. 356), muss man auf die AfD und ihr Erstarken, auf die neue Form des Nazismus und Rassismus im geeinten Deutschland eingehen. Die „Morde und Überfälle der rechtsterroristischen Gruppe NSU“ und PEGIDA als „Konstituierung einer rechten Massenbewegung gegen Ausländer und besonders gegen Moslems“ werden am Ende (Blick auf die Gegenwart?) ganz kurz angerissen (S. 359ff), aber über das Entstehen, die ideologischen Ziele, die Programmatik und die Entwicklung der AfD bis hinein in etliche Länderparlamente und den Bundestag erfahren wir beim Historiker (!) Waibel nichts. Auch im Verzeichnis der „Abkürzungen“ (S. 379) mit knapp 100 Beispielen fehlen AfD, NSU und PEGIDA!

Zu leisten gewesen wäre m.E., auf der Basis der historischen Studien zu Neo-Nazismus und Rassismus in der DDR, welche ja recht aufschlussreich und erkenntnisgewinnend ausgefallen sind, eine theoretische Interpretation dafür zu geben, warum die AfD in Ost-Deutschland wesentlich erfolgreicher ist als in den alten Bundesländern. Aber da wären wir wieder bei dem alten Streit (vgl. oben), ob die historischen Erfahrungen einer DDR-Sozialisation und der Tradieren derselben in den Familien wirkungsvoller für das Bürgerbewusstsein in der Gegenwart sind als aktuelle biographische Erfahrungen (wie Exklusion, „Bürger zweiter Klasse“ oder Langzeitarbeitslosigkeit etc.).

Fazit

Wer einen an Hand von Archivunterlagen empirisch abgesicherten Einblick bekommen mag in „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ in der DDR, speziell Antisemitismus, Rassismus und Neonazismus, wird hier bestens mit Fakten und Erkenntnissen bedient, die auch belegen, dass der „Antifaschismus“ der DDR-Führung und -Ideologie versagt hat, dass die DDR ideologisch eher durch eine „Politik des völkischen Nationalismus“ und gesellschaftlich als „kleinbürgerlich“ und fremdenfeindlich zu charakterisieren ist und letztlich keine „sozialistische Gesellschaft“ war. Diese (Fehl-)Entwicklung der DDR wurde m.E. von den herrschenden Politikern nicht erkannt, weil die Stasi (der Informations- und Bespitzelungsapparat des Staatssicherheitsdienstes) wider besseren Wissens seine Erkenntnisse, die jetzt durch die Öffnung der Archive manifest werden, nicht „nach oben“ weitergeleitet hat, weil nicht sein durfte, was real war. Oder die Erkenntnisse wurden schlichtweg verdrängt und durch die Propaganda eines „Antifaschismus“ kompensiert.

Zuletzt empfehle ich dem Autor, dessen akribische Archivarbeit Anerkennung und Relevanz zukommt, im Falle einer Neuauflage, die aus Informations- und Aufklärungsgründen zu wünschen ist, dringend eine Aktualisierung der beiden Schlusskapitel mit Blick auf NSU, PEGIDA und vor allem AfD. Wer sich ganz aktuell, theoretisch fundiert und mit pädagogisch-politischer Perspektive dem Thema „Nationalismus“ in Deutschland nähern will, sei das neue Themenheft von IDA (Drücker/Send 2017, erschienen 2018) dringend empfohlen. Wer eher historisch und mit Blick auf die BRD an das Thema herangehen will, kommt an der klassischen Studie von SINUS (1981) nicht herum.

Literatur

  • 5 Millionen Deutsche: ‚Wir sollten wieder einen Führer haben …‘. Die SINUS-Studie über rechtsextremistische Einstellungen bei den Deutschen. Rowohlt: Reinbek 1981
  • Drücker, Ansgar und Send, Sebastian (Hrsg.) (2017): Made in Germany. Zur Kritik des Nationalismus. Reader für die Multiplikator_innen in der Jugend- und Bildungsarbeit.
  • Hirsch, Frank und Peter B. Heim, München 1991: Von links nach rechts. Rechtsradikale Aktivitäten in den neuen Bundesländern
  • Schumann, Berlin 1990: Glatzen am Alex. Rechtsextremismus in der DDR.

Rezensent
Prof. Dr. Hartmut M. Griese
Leibniz Universität Hannover, Philosophische Fakultät, Institut für Soziologie und Sozialpsychologie.
ISEF-Institut (Institut für sozial- und erziehungswissenschaftliche Fortbildung
Homepage www.Isef-Institut.de
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Zitiervorschlag
Hartmut M. Griese. Rezension vom 09.03.2018 zu: Harry Waibel: Die braune Saat. Antisemitismus und Neonazismus in der DDR. Schmetterling Verlag GmbH (Stuttgart) 2017. ISBN 978-3-89657-153-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23393.php, Datum des Zugriffs 22.06.2018.


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