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Miriam Haagen: Mit dem Tod leben

Cover Miriam Haagen: Mit dem Tod leben. Kinder achtsam in ihrer Trauer begleiten - Ratgeber für verwitwete Eltern. Kohlhammer Verlag (Stuttgart) 2017. 100 Seiten. ISBN 978-3-17-031278-4. D: 19,00 EUR, A: 18,60 EUR.
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Thema

Bei der Publikation handelt es sich um einen Ratgeber für verwitwete Eltern, d.h. für Elternteile, die den Ehepartner oder die Lebensgefährtin durch Tod verloren haben und nun ihr(e) gemeinsamen Kind(er) allein erziehen.

Autorin

Dr. Miriam Haagen ist ärztliche Psychotherapeutin für Kinder, Jugendliche und Erwachsene sowie Paar- und Familientherapeutin in eigener Praxis. Sie ist bereits Autorin einschlägiger Fachpublikationen zu diesem und verwandten Themengebieten.

Entstehungshintergrund

Dieses Buch basiert auf der jahrelangen beratenden und psychotherapeutischen Arbeit mit trauernden Familien seitens der Autorin.

Aufbau

Das Buch gliedert sich in vier Kapitel:

  1. Einleitung
  2. Beeltern
  3. Wie reagieren Kinder auf den Tod eines Elternteils?
  4. Weiterleben als Familie

Inhalt

Miriam Haagen leitet im ersten Kapitel zunächst in die die wesentlichen Leitgedanken dieses Buches ein und macht ihr Verständnis vom Sinn eines Ratgebers und ihre fachliche sowie persönliche Haltung deutlich, mit der dieser geschrieben ist. „Dieses Buch will kein Ratgeber im engeren Sinne sein, in dem Lösungsvorschläge für bestimmte Verhaltensweisen, die bei vielen Kindern funktionieren, dargeboten werden“ (9). Es geht der Autorin viel mehr um die Erstellung einer Reflexionsfolie, auf der Betroffene sich mit ihren eigenen Gefühlen und Gedanken auseinandersetzen können und auf diese Weise möglicherweise einen besseren Zugang zu der Gefühlswelt ihrer Kinder erlangen können. Theoretisch bezieht sich die Autorin u.a. auf die Konzepte der mentalisierungsbasierten Therapie und der Bindungstheorie sowie auf salutogenetische Ansätze. Persönlich stellt die Autorin verschiedene Trost- und Umgangsmöglichkeiten mit dem erlittenen Verlust sowie die Stärkung der Selbstheilungskräfte der Familie in den Vordergrund.

Im 2. Kapitel wird der Begriff des Beelterns erläutert, den die Autorin statt des Begriffs der Erziehung wählt, der ihr insofern suspekt ist, als dass er die Eltern-Kind-Beziehung primär auf pädagogische Aspekte zentriert. Unter Beelterung wird der umfassende Prozess des gemeinsamen Lebens zwischen Eltern und Kindern gefasst; das kindliche Verhalten wird unter dieser beziehungsorientierten Perspektive als eine Form der Kommunikation verstanden. Reflektierendes Beeltern beinhaltet zusätzlich den elterlichen Versuch genauer zu verstehen, was ihr Kind mit seinem Verhalten ausdrücken will. Dieses kann nur geschehen, wenn Eltern sich ihrer eigenen – im Falle eines erlittenen Verlustes mitunter sehr schmerzlicher und schwer zu ertragender – Gefühle bewusst werden, um sich auf dieser Grundlage in die Perspektive ihres Kindes einfühlen zu können. Wenn dieses gelingt, kann ein sog. „mentalisierendes Beeltern“ entstehen. „Ein erster Schritt beim Reflektieren und Mentalisieren ist, die eigene Erfahrung als Kind von dem zu trennen, was man jetzt als Erwachsener mit dem eigenen Kind erlebt“ (25).

Im 3. Kapitel werden altersphasenbezogen unterschiedliche Reaktionsweisen von Kindern und Jugendliche auf den Tod eines Elternteils beschrieben. Die Autorin beleuchtet zunächst grundsätzlich die Spezifika von kindlichen Trauerprozessen und – aufgaben und schildert dann die entwicklungspsychologisch heterogenen Trauererlebensweisen von Säuglingen, Kleinkindern, Kindern und Jugendlichen. Das Kapitel schließt mit einer Differenzierung zwischen Trauererleben und Depression.

Das 4. Kapitel widmet sich dem Themenkomplex des Weiterlebens als Familie nach einem solchen Verlust durch den Tod. Dabei werden u.a. der Umgang mit negativen Gefühlen sowie die Nützlichkeit von gemeinsamen Ritualen und Spielsequenzen beschrieben. Behandelt werden ebenso Themen wie der Tod von Pflege- oder Ersatzeltern oder auch die besondere Situation von trauernden Großeltern. Das Kapitel schließt mit Hinweisen zu beraterischen und psychotherapeutischen Unterstützungsmöglichkeiten.

Diskussion und Fazit

Das Buch von Miriam Haagen ist sehr verständlich und gleichzeitig fachlich sehr fundiert geschrieben; es liefert für Fachleute und für betroffene Elternteile hochwertige und bündige Hilfen und Hinweise. Durch die zahlreichen Fallvignetten werden die theoretischen Ausführungen der Autorin sehr plastisch; es wird deutlich, dass dieser Ratgeber keine Rezepte liefert sondern sich vielmehr feinfühlig der großen Unterschiedlichkeit von Trauerprozessen widmet.

Fazit: Ein sehr lesenswertes Buch für psychosoziale Fachkräfte sowie für die betroffene Zielgruppe!


Rezensentin
Prof. Dr. phil. habil. Barbara Bräutigam
Professorin für Psychologie, Beratung, Psychotherapie an der Hochschule Neubrandenburg,
Homepage www.hs-nb.de/fachbereich-soziale-arbeit-bildung-und ...
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Zitiervorschlag
Barbara Bräutigam. Rezension vom 16.10.2017 zu: Miriam Haagen: Mit dem Tod leben. Kinder achtsam in ihrer Trauer begleiten - Ratgeber für verwitwete Eltern. Kohlhammer Verlag (Stuttgart) 2017. ISBN 978-3-17-031278-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23399.php, Datum des Zugriffs 22.11.2017.


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