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Volker Langhirt: Psychoanalytische Familientherapie

Cover Volker Langhirt: Psychoanalytische Familientherapie. Bedeutung und Anwendung in der Praxis. Kohlhammer Verlag (Stuttgart) 2017. 202 Seiten. ISBN 978-3-17-030846-6. D: 34,00 EUR, A: 35,00 EUR.
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Thema

Bei der Publikation handelt es sich um eine Einführung und einen Überblick hinsichtlich der Rolle und der Anwendung der psychoanalytischen Familientherapie in der kinderpsychoanalytischen Praxis.

Autor

Dr. Volker Langhirt ist analytischer Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut und psychoanalytischer Familientherapeut in eigener Praxis. Seine fachlichen Schwerpunkte liegen auf der Behandlung psychischer Belastungen bei Kindern/Jugendlichen infolge von Trennungs-/Scheidungerlebnissen und von sexuellen Krisen des Kindes- und Jugendalters.

Aufbau

Das Buch gliedert sich in fünf Kapitel:

  1. Psychoanalytische Familientherapie
  2. Theoretischer Exkurs
  3. Psychoanalytischer Exkurs
  4. Exkurs zur psychoanalytischen Familientherapie
  5. Exkurs zum Alltag der Familientherapie

Inhalt

Volker Langhirt bringt im ersten Kapitel zur psychoanalytischen Familientherapie sein persönliches Anliegen zum Ausdruck, „…die Bedeutung der psychoanalytischen Familientherapie im Therapiealltag zu unterstreichen und sie aus ihrem stiefmütterlichen Dasein… in die Betrachtung aktueller kinderanalytischer Behandlung zu rücken“ (12). Als Mittel der Wahl wird die Kasuistik betrachtet, da Falldarstellungen eine gute Möglichkeit böten, anhand konkreter Beschreibungen allgemeine Phänomene präzise zu fassen und mit eigenen Erfahrungen vergleichen zu können.

Im 2. Kapitel wird zunächst das Konstrukt der Familie in den Blick genommen und als sehr komplexes Gebilde, das einem beständigen gesellschaftlichen Wandel unterläge, beschrieben. Ferner wird auf den Antagonismus zwischen Familie und Gesellschaft eingegangen, den der Autor als ein „Spannungsverhältnis zwischen gesellschaftlicher Veränderung und familiärer Identität“ (18) versteht. Dazu werden veränderte geschlechtsbezogene Rollenverständnisse, ein sich verändernder Umgang mit Generationengrenzen sowie eine Pluralität in den Familienformen gezählt. Familientherapeut*innen hätten die Aufgabe, sich mit diesen gesellschaftlichen Wandlungsprozessen auseinanderzusetzen und insbesondere ihre Haltung der Allparteilichkeit als zentrale Anforderung wahrzunehmen.

Im 3. Kapitel beschreibt der Autor zunächst die ambivalente Haltung der Psychoanalyse zur Einbeziehung der Familie; dennoch sei die Bedeutung der Familie für die Entstehung psychischer Störungen nie angezweifelt worden. Es werden von Beginn der 1920ger Jahre chronologisch kinderanalytische Kontroversen geschildert, die sich auf die unterschiedliche Fokussierung – kindliche Konfliktebene vs. familiäre Konfliktebene – beziehen und auf die Wichtigkeit der Auseinandersetzung des/der Kinderanalytiker*in bezüglich seinen eigenen familiären Einflüssen. In jüngerer Zeit seien allerdings zunehmend Veröffentlichungen zu verzeichnen, die der familiären Umwelt des Kindes eine große Wichtigkeit zumessen würden.

Das 4. Kapitel widmet sich ausgewählten familientherapeutischen Pionieren; u.a. Borszomeny-Nagy, Richter und Stierlin und würdigt deren Verdienste insbesondere hinsichtlich der Relevanz von intergenerationellen Beziehungen und Vermächtnissen.

Das 5. und längste Kapitel umfasst unterschiedliche Themen in der konkreten Praxis der psychoanalytischen Familientherapie; dazu u.a. zählen Fragen der Indikation, der Bedeutung der Übertragungs- und Gegenübertragungsmechanismen, sowie die Relevanz unterschiedlicher Lebensformen und von Familiengeheimnissen. All diese Aspekte werden mit zahlreichen Fallvignetten illustriert und untermauert.

Diskussion

Das Buch von Volker Langhirt bietet einen guten und vielfältigen Überblick über die Anwendungsmöglichkeiten der psychoanalytischen Familientherapie. Es überzeugt vor allem in der Hinsicht, als dass es die Notwendigkeit betont, dass sich die Kinderanalyse zwingend mit den gesellschaftlichen Wandlungsprozessen und dem veränderten Konstrukt der Familie auseinandersetzen und sich diesen Diskursen öffnen müsse. Etwas problematisch ist der Aufbau des Buches, der ausschließlich aus Exkursen besteht und auf diese Weise die Erfassung der Kernaussagen erschwert.

Fazit

Insgesamt erfüllt das Buch die Erwartungen an einen Überblick über die Anwendungsmöglichkeiten psychoanalytischer Familientherapie und ist im Kontext psychosozialer Praxis ein durchaus lesenswertes Buch.


Rezensentin
Prof. Dr. phil. habil. Barbara Bräutigam
Professorin für Psychologie, Beratung, Psychotherapie an der Hochschule Neubrandenburg,
Homepage www.hs-nb.de/fachbereich-soziale-arbeit-bildung-und ...
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Zitiervorschlag
Barbara Bräutigam. Rezension vom 08.11.2017 zu: Volker Langhirt: Psychoanalytische Familientherapie. Bedeutung und Anwendung in der Praxis. Kohlhammer Verlag (Stuttgart) 2017. ISBN 978-3-17-030846-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23414.php, Datum des Zugriffs 23.11.2017.


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