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Jule-Marie Lorenzen: Integration durch Mentoring

Cover Jule-Marie Lorenzen: Integration durch Mentoring. Jugendliche am Übergang von Schule in Ausbildung und Studium. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2017. 208 Seiten. ISBN 978-3-7799-3643-5. D: 29,95 EUR, A: 30,80 EUR, CH: 40,10 sFr.
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Thema

Schüler*innen am Ende ihrer allgemeinbildenden Schullaufbahn sind herausgefordert, ihren Übergang von der Schule in eine Berufsausbildung oder ein Studium erfolgreich zu meistern und sich auf diesem Wege gesellschaftlich zu integrieren. Diese Integrationsleistung wird zunehmend den Individuen als „beständige Arbeit an der Gestaltung von Übergängen und beruflicher Biografie“ (S. 12) überantwortet, die sich „als ein riskantes […] Unterfangen“ (S. 22) angesichts struktureller Barrieren sowie „lebensweltlicher Unsicherheit und Ungewissheit“ (S. 19) zeigt. Vielen jungen Menschen ohne (Fach-)Hochschulreife gelingt der bruchlose Übergang in eine gewünschte Berufsausbildung daher nicht. Dies gilt insbesondere dann, wenn sie einen sogenannten Migrationshintergrund haben, über keinen oder einen niedrigen Schulabschluss verfügen und/oder aus Herkunftsfamilien kommen, die als bildungsfern bezeichnet werden. Jugendliche und junge Erwachsene ohne Aussicht auf ein Ausbildungsverhältnis werden stattdessen vielfach berufsorientierenden und -vorbereitenden Maßnahmen des Übergangssektors zugewiesen. In diesen können sie jedoch keinen qualifizierenden Berufsabschluss erwerben. Des Weiteren zeigen Studienergebnisse, dass sich die Chancen auf einen Ausbildungsplatz für die teilnehmenden jungen Menschen sogar verringern können (S. 87 ff.).

Im Hinblick auf den als zentral geltenden Stellenwert von sowohl subjektiv gewünschten als auch gesellschaftlich erwarteten gelingenden Übergängen von der Schule in eine Berufsausbildung oder ein Studium sind daher in den letzten Jahren präventive Ansätze ausgeweitet und institutionalisiert worden, die bereits während des Besuchs der allgemeinbildenden Schule einsetzen. Diese werden z.B. in Gestalt berufsorientierender Programme für Schüler*innen aller Schulformen oder als mehrjährig angelegte Übergangsbegleitung (BerEb) nach § 49 Sozialgesetzbuch (SGB) III für die eingegrenzte Zielgruppe unterstützungsbedürftiger Jugendlicher umgesetzt. Damit soll vor allem aus arbeitsmarktpolitischer Perspektive einem „dysfunktionalen Passungsproblem auf dem Ausbildungsmarkt“ (S. 88) begegnet werden, nach dem einerseits ausbildungsinteressierte Jugendliche nicht in ausreichendem Maß mit einem gewünschten Ausbildungsplatz versorgt werden können, während andererseits Betriebe Ausbildungsstellen aufgrund fehlender Bewerber*innen unbesetzt lassen müssen.

Neben den genannten Projekten und Maßnahmen, die in der Regel von Professionellen erbracht werden, findet sich ein weiteres – ebenfalls präventiv verstandenes – Angebot in Form von außerschulisch organisierten Mentoringprogrammen, in denen Ehrenamtliche als Mentor*innen mit teilnehmenden Jugendlichen als Mentees noch während ihrer Schulzeit ein Tandem bilden, um diese im Übergangsprozess in Ausbildung oder Studium individuell zu unterstützen. Diese Mentoringprogramme stehen im Zentrum der qualitativen Studie von Jule-Marie Lorenzen. Sie stellt die Frage, „was eigentlich im Tandem zwischen Mentor und Mentee passiert, was es ist, das da hilft den oder die Übergänge zu bewältigen, wann und warum Mentoring scheitert und wie unterschiedliche Handlungspraxen erklärt werden können“ (S. 13).

Autorin

Dr. Jule-Marie Lorenzen arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Freien Universität Berlin am Osteuropa-Institut in der Abteilung Soziologie. Ihre Arbeitsschwerpunkte werden im vorliegenden Buch als Wissens- und Bildungssoziologie, Übergangs- und Ungleichheitsforschung sowie empirische Methoden der Sozialforschung angegeben.

Entstehungshintergrund

Bei dem Band handelt es sich um die veröffentlichte Dissertation der Autorin aus dem Jahr 2016.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist in acht Hauptkapitel, ein Literatur- und ein Abbildungsverzeichnis gegliedert. Als Besonderheit ist zu nennen, dass ein „(a)usführlicher Methodenteil“ (S. 9) als Online-Anhang kostenfrei vom Verlag zur Verfügung gestellt wird. Zu den Kapiteln im Einzelnen:

1. „Problemaufriss Mentoring und Integration“. Das Kapitel dient als Einleitung. Die Autorin beginnt mit der soziologischen Grundfrage nach der gegenwärtigen Möglichkeit gesellschaftlicher Integration und sozialer Ordnungsbildung unter Rahmenbedingungen, in denen sich gesellschaftliche Integration nicht mehr auf ein Verständnis eines gesellschaftlichen Ganzen beziehen könne. Mentoring wird entsprechend aus „mikrosoziologischer, interaktionistischer Perspektive“ (S. 11) als eine Vergesellschaftungsform konzeptionalisiert, in der sich „lebensweltliche() Vergesellschaftungsprozesse und Integrationsmechanismen [.] beobachten“ ließen (ebd.). Es folgt eine Übersicht über die folgenden Kapitel.

2. „Reflexive Moderne, soziale Ordnung und die Perspektive sozialer Welten“. Lorenzen orientiert sich mit ihrer Studie an der Wissenssoziologie im Verständnis von Berger und Luckmann, um Mentoringprogramme als „gesellschaftliche Phänomene“ (S. 35) auf der „Praxisebene der Mentoringteilnehmer“ (ebd.) mit deren Alltagspraktiken, Deutungen und Wissensbeständen zu rekonstruieren und auf gesellschaftliche Strukturen zu beziehen. Mit der Verbindung eines subjekt- und handlungstheoretischen Zugangs präzisiert Lorenzen ihre übergeordnete forschungsleitende Fragestellung auf die Möglichkeit gesellschaftlicher Integration unter den Bedingungen reflexiver Modernisierung am Beispiel von ehrenamtlich erbrachtem Mentoring (S. 54).

Den gesellschaftstheoretischen bzw. zeitdiagnostischen Hintergrund der Studie liefert Ulrich Beck. Mentoring verweise als gesellschaftliche Problembearbeitung riskant gewordener Übergänge reflexiv auf das wachsende Unvermögen des „institutionellen Bildungswesens“ (S. 18), Übergänge problemlos prozessieren zu können. In kritischer Auseinandersetzung mit der Entstrukturierungsthese von Beck wird Mentoring mit Anselm Strauss handlungs- bzw. interaktionstheoretisch als „sozialweltliche, reflexive Lösung gesellschaftlicher Übergangsproblematik gefasst“ (S. 54). Soziale Welten werden von Strauss als kleinste Einheiten moderner Gesellschaften verstanden, die sich über geteilte Zielvorstellungen und gemeinsam daraufhin ausgerichtete Handlungsstrategien ihrer Mitglieder um eine Kernaktivität zentrierten und deren innere soziale Ordnung fortwährend ausgehandelt und stabilisiert werden müsse. Sie seien als „Teilzeitwelten“ (S. 48) mit fließenden Grenzen Ausdruck gesellschaftlicher Fragmentierung und „permanenter Veränderung“ (ebd.). Soziale Welten würden durch drei Ordnungsbildungsprozesse strukturiert: (1) Kreuzungen mit anderen handlungsrelevanten sozialen Welten, in deren Überlappungen auftretende Konflikte in Arenen interaktiv bearbeitet werden, (2) Segmentierung in Subwelten, in denen eine Kernaktivität in jeweils typischer Weise vollzogen wird und (3) Legitimierung spezifischer Handlungsvollzüge. Die Mitgliedschaft an einer sozialen Welt ergäbe sich temporär und graduell über das Maß einer glaubhaften bzw. authentischen Vermittlung von Engagement für eine zentrale Kernaktivität.

3. „Methodisches Vorgehen und Datenkorpus der Studie“. Das dritte Kapitel dient der komprimierten Darstellung des forschungsmethodischen Vorgehens, der „Kriterien für die Fallauswahl“ (S. 57) und des Datenkorpus' mit insgesamt 23 Interviews, „davon 14 mit Mentoren und neun [.] mit Mentees aus unterschiedlichen Berliner Mentoringprogrammen“ (S. 58). Für eine ausführliche Darstellung und methodenkritische Reflexion des an der Grounded Theory Methodologie orientierten Forschungsdesigns, der verwendeten Transkriptionsregeln, der eingesetzten Interviewleitfäden sowie der Suchaufrufe nach Interviewpartner*innen wird auf den 33seitigen Online-Anhang verwiesen.

4. „Die soziale Welt des Mentorings“. In Kapitel 4 setzt Lorenzen die theoretische Brille Sozialer Welten nach Strauss auf und betritt ihr Untersuchungsfeld des Mentorings auf den Ebenen „der Geschichte, der Praxis und des Kontextes“ (S. 73). Sie zeichnet dazu knapp dessen historische und begriffsdefinitorische Entwicklung nach und gibt einen Einblick in das weite „Spektrum von Mentoringformen“ (S. 69). Insbesondere unterscheidet sie zwischen informellem und formellem Mentoring. Letzteres werde von einer Programmstruktur gerahmt und verorte sich als Angebot für Jugendliche im Spannungsfeld von Beziehungs- und Zielorientierung. Vorgestellt werden weiterhin die unterschiedlichen Verfahren der von ihr untersuchten Berliner Mentoringprogramme, etwa zur Akquise der jugendlichen Mentees und der ehrenamtlichen Mentor*innen, deren Schulungen zur Vorbereitung auf die Teilnahme an einem Programm und das sogenannte Matching der Tandems. Lorenzen macht außerdem darauf aufmerksam, dass nach erfolgter Tandembildung zwar oftmals keine Kontrolle durch Mitarbeiter*innen der von ihr untersuchten Mentoring-Projekte vorgesehen ist, diese gleichwohl als Ansprechpartner*innen bei auftretenden Problemen zur Verfügung stehen.

Die Autorin stellt im Anschluss dar, dass die in aller Regel öffentlich finanzierten Mentoringprogramme einem zunehmenden Druck ausgesetzt seien, ihre Wirksamkeit glaubhaft nachzuweisen und sich entsprechend legitimieren zu müssen. Die Projekte seien i.d.R. kein verstetigtes Angebot, sondern sie „(k)ommen und (g)ehen“ (S. 82) in einer umkämpften Arena im Wettbewerb um finanzielle Ressourcen. Lorenzen verweist in diesem Zusammenhang zunächst auf die Schwierigkeiten, angemessene Wirkkriterien zu definieren, um anschließend einige Ergebnisse aus der Wirksamkeitsforschung vorzustellen. Zur Kontextualisierung der sozialen Welt des Mentoring referiert Lorenzen weiterhin Ergebnisse aus der Übergangsforschung, etwa zum Zusammenhang von sozialer Herkunft und Bildungserfolg, sowie theoretische Zugänge zum biografischen Bewältigungshandeln junger Menschen in unsicher werdenden Übergangsphasen im Kontext institutionalisierter Lebensläufe, die zunehmend beratende Dienstleistungen erforderlich machten. Zum Abschluss des Kapitels bestimmt sie Mentoring als alltagsnahe, halbformalisierte „Form von Beratung“ (S. 104).

5. „Die Praxis von Mentoring: Typen, Arenen und die Bedeutung von Wissen“. Lorenzen begründet zunächst ihr methodisches Vorgehen der Typenbildung und stellt im Anschluss vier Mentoringtypen vor, die sie aus ihrem Interviewmaterial rekonstruiert hat. Diese differenziert sie dimensional zwischen den Polen Beziehungs- und instrumenteller Orientierung nach den jeweiligen Kernaktivitäten Freizeit, Lebenshilfe, Nachhilfe und Übergangsmanagement. Gemäß der zugrundeliegenden Theorie sozialer Welten nach Anselm Strauss beleuchtet sie weiterhin Arenabildungen zwischen den Subwelten der Tandems und den Programmen sowie unter Mentor*innen einerseits und Mentees andererseits. Hingewiesen wird weiterhin auf die Dynamik der Typen, die sich in Folge einer Neuausrichtung der Kernaktivität transformieren können. Das Kapitel schließt mit einer Darstellung und Diskussion unterschiedlicher Formen von übergangsrelevanten Sonderwissensbeständen, die in den vier Mentoringtypen spezifisch vermittelt, angeeignet und legitimiert werden.

6. „Die Legitimation von Mitgliedschaft und Ausschluss aus der sozialen Welt“. In diesem Kapitel wird der Frage nachgegangen, über welche zentralen Mechanismen insbesondere die jungen Mentees ihre Mitgliedschaft an den sozialen Welten des Mentoring legitimieren (müssen), um teilnehmen zu können. Lorenzen weist jedoch darauf hin, dass sich diese Frage „auf Grundlage der empirischen Datenbasis der Interviews [.] nicht ausreichend differenziert genug behandeln“ ließ (S. 172). Verwiesen wird zumindest auf Gefühle von Überforderung auf Seiten einer Mentorin angesichts „schwerwiegender persönlicher Probleme“ (S. 171) einer durch das Programm zugeteilten Mentee, die nicht nur die geplante Tandembildung verhinderten, sondern sogar zu einem Wechsel der interviewten Ehrenamtlichen in ein anderes Programm führten.

Um ihre Frage dennoch behandeln zu können, erweitert Lorenzen ihre Datenbasis um die Selbstbeschreibungen der Mentoringprogramme. Diese klassifizierten in auffälliger Weise Persönlichkeitsmerkmale der adressierten Jugendlichen als Teilnahmevoraussetzungen, die dann exkludierend wirkten, wenn sich die jungen Menschen ‚problematisch‘ und nicht wie gefordert als engagiert und motiviert darstellten bzw. legitimierten. In diesen Fällen sei den Mentees von Seiten der Mentor*innen Passivität, Desinteresse und mangelnde Teilnahmebereitschaft zugeschrieben worden. Dies führte i.d.R. zum Ausschluss der Jugendlichen vom Programm. Das durch die Mentees glaubhaft zu vermittelnde Kriterium einer Teilnahme an der sozialen Welt des Mentorings sei selbstverantwortete Aktivität. Diese werde aktivierungslogisch sowohl durch die Mentor*innen als auch die Mentees internalisiert. Lorenzen verortet Mentoring daher im „neosoziale(n) Aktivierungsdiskurs“ (S. 179) im Verständnis von Stephan Lessenich und stärkt ihre Argumentation mit Ergebnissen aus diskursanalytischen Studien, an denen sie mitgewirkt hat.

7. „Schluss: Übergangswissen und Integration durch Mentoring“. In diesem Kapitel nimmt Lorenzen ihre Eingangsfrage nach der Möglichkeit gesellschaftlicher Integration durch Mentoring auf und schließt dazu u.a. an die in Kapitel 5 eingeführten Überlegungen zum Zusammenhang von Mentoringtyp und Übergangswissen an. Sie differenziert drei Formen von notwendig gewordenem Sonderwissen, das in den riskanter werdenden Übergängen von der Schule in Ausbildung oder Studium sozialisatorische Bedeutung erlangt und das in der Handlungspraxis des Mentoring spezifisch relevant und vermittelt wird.

8. „Ausblick“. In diesem mit knapp zwei Seiten kurz ausgefallenen Kapitel macht Lorenzen zunächst deutlich, dass es im Rahmen der vorliegenden Studie weder intendiert noch möglich war, den Verbleib derjenigen Jugendlichen zu beantworten, die sie interviewt hat. Sie verweist daher im Anschluss auf weiteren Forschungsbedarf und skizziert Fragestellungen zu „komparativ angelegte(n) Folgestudien“ (S. 192), in denen z.B. das regionale Setting variiert und auch Jugendliche am Ende ihrer Schulzeit einbezogen werden könnten, die an keinem Unterstützungsangebot teilnehmen. Sie regt weiterhin an, Übergänge als „Normalität ganz normaler Berufsbiografien“ (ebd.) zu verstehen und z.B. „den Blick auf den weiteren Lebensverlauf von jungen Menschen zu richten und dort Strategien des Umgangs mit Übergängen im biografischen Verlauf und deren biografischer Integration zu fokussieren“ (S. 193).

Diskussion

Die Studie ist als veröffentlichte Dissertation eher als Beitrag zur Grundlagenforschung zu verstehen. ‚Praktisch‘ umsetzbare Handlungsempfehlungen sind daher nicht vorgesehen. Dies werte ich jedoch ausdrücklich nicht als Manko. Stattdessen gibt die Studie von Jule-Marie Lorenzen – auf einem voraussetzungsvollen sprachlichen und theoretischen Niveau – einen sowohl methodologisch als auch in den Ergebnissen spannenden Einblick in die soziale Welt des Mentorings am Übergang Schule-Ausbildung bzw. Schule-Studium.

Neben ihrer grundlagen- bzw. wissenssoziologischen und interaktionstheoretischen Rahmung haben mich insbesondere ihre Ausführungen in Kapitel 5 begeistert, in dem sie auf der Grundlage eines Codierparadigmas im Verständnis der Grounded Theory Methodologie vier mehrdimensionale Typen von Mentoring herausarbeitet, ihre Interpretationen mit zahlreichen Ausschnitten aus ihren geführten Interviews gut nachvollziehbar macht und in einer übersichtlichen Tabelle auf S. 162 zusammenführt.

Als Sozialpädagoge stimmt mich weiterhin ihre in Kapitel 6 vorgenommene Darstellung zur Selektivität der untersuchten Mentoringprogramme und zu Ausschlüssen junger Menschen von der Teilnahme aufgrund der individualisierenden Zuschreibung von ‚Inaktivität‘ sehr kritisch. An dieser Stelle hätte ich mir lediglich eine noch stärkere Gründung der ansonsten überzeugenden Argumentation im empirischen Material, insbesondere in den Interviews mit den Mentees, gewünscht. Ich schließe mich der Autorin jedoch an: Es bleibt wohl eine (lohnenswerte) Herausforderung, Zugang zu denjenigen Jugendlichen zu finden, die nicht mehr an einem untersuchten Angebot teilnehmen (dürfen).

Fazit

Jule-Marie Lorenzen macht in ihrer Studie u.a. deutlich, dass Mentoring zwar durchaus Potenziale für teilnehmende Jugendliche hinsichtlich der Vermittlung übergangsrelevanten Wissens in wertschätzenden Beziehungen bereithalten kann, gleichwohl nicht als arbeitsmarktpolitisches „Allheilmittel zur Lösung des Problems ‚Übergang‘“ (S. 182) verabreicht werden kann. Die Autorin macht weiterhin darauf aufmerksam, dass über die Zielgruppendefinitionen und selektiven Auswahlkriterien sowie Verfahren der Mentoringprogramme sogar Tendenzen befördert werden können, junge Menschen in ihrem Scheitern an den institutionellen Bedingungen der Programme allein verantwortlich zu machen. Insofern wünsche ich mir die Lektüre dieser Studie von Programmverantwortlichen. Zu empfehlen ist das Buch weiterhin für einen Leserkreis mit Interesse an qualitativer Sozialforschung. Auch Praktiker*innen der Sozialen Arbeit sei die Publikation trotz der für eine Dissertation unvermeidlichen ‚Theorielastigkeit‘ an's Herz gelegt, da vor allem diese Berufsgruppe hauptamtlich in Mentoringprogrammen tätig ist.


Rezensent
Michael Fehlau
M.A., wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Forschung-Lehre-Praxis-Transfer, Hochschule Düsseldorf, Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften
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Zitiervorschlag
Michael Fehlau. Rezension vom 25.04.2018 zu: Jule-Marie Lorenzen: Integration durch Mentoring. Jugendliche am Übergang von Schule in Ausbildung und Studium. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2017. ISBN 978-3-7799-3643-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23418.php, Datum des Zugriffs 23.05.2018.


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