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Thomas Olk, Stefanie Schmachtel (Hrsg.): Educational Governance in kommunalen Bildungsland­schaften

Cover Thomas Olk, Stefanie Schmachtel (Hrsg.): Educational Governance in kommunalen Bildungslandschaften. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2017. 280 Seiten. ISBN 978-3-7799-3372-4. D: 34,95 EUR, A: 35,90 EUR, CH: 45,90 sFr.
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Thema

Dieser Sammelband enthält theoretische Beiträge und empirische Befunde zu einem Thema der Gestaltung des Bildungswesens in der Bundesrepublik Deutschland. Bildung und deren Ziele, Strukturen, Organisation und Finanzierung sind ja nun nichts Neues. Erinnert sei an dieser Stelle an die großen und stark ideologisch geprägten Debatten der siebziger Jahre, als der Deutsche Bildungsrat einen „großen Wurf“ zum Bildungswesen in der Bundesrepublik vorlegte. Nach vielem „Klein-Klein“ der Reformen erhielt die Bildungsfrage einen neuen Schub zu Beginn mit den nationalen und internationalen vergleichenden Studien, namentlich PISA, IGLU, TIMMS und anderen. Die Ergebnisse belegten, dass die Bildungsrepublik eher mittelmäßig bis schlecht abschnitt.

Seitdem ist viel in Bewegung geraten. Ganztagsschule, vorschulische Erziehung in den Kindergärten, Verbesserung der Durchlässigkeit zwischen den Bildungswegen und -stufen, Hochschulreform: Stichwort Bologna-Prozess, Bildungsstandards und nicht zuletzt Inklusion. Dennoch bleiben zwei Hauptprobleme bis heute ungelöst: die Abhängigkeit des Bildungserfolgs von der sozialen Herkunft der Kinder und Jugendlichen und die Finanzierung des Bildungswesens. Hier setzt der Gedanke der kommunalen Bildungslandschaften an.

Der zentrale Gedanke ist, auf der Ebene der Kommune, des Stadtteils oder Region alle Institutionen, Betroffene und Beteiligte zu vernetzen. So soll eine Struktur entstehen, die die schulischen sowie die außerschulischen Angebote mit einander verzahnen und zu einer, auf die Bedürfnisse des jeweiligen Gebietes und der Klientel ausgerichtete Bildungslandschaft führt. Dieser Gedanke wurde denn auch durch Modellprojekte wie unter anderen „Lernen vor Ort“ praktisch.

Aufbau und Inhalt

Für die Zwecke der Untersuchung wurden genaue Daten des jeweiligen Gebietes benötigt. Ein erster Schritt bestand in der Erstellung eines kommunalen Bildungsberichts, der die benötigte Basis für entsprechende Maßnahmen bilden sollte. Voraussetzung für dieses Bildungsmonitoring war ein entweder ein Beschluss des Stadtrats oder der kommunalen Verwaltung. Diese Aufgabe wurde in der Regel von Projektbüros übernommen, die durch die zeitliche Befristung der Finanzierung aus Bundes-, Landes-, EU-Mitteln bzw. aus dem kommunalen Haushalten bestimmt waren. Hinzu kamen Mittel von verschiedenen Stiftungen. Die Projektbüros waren organisatorisch entweder beim Stadtoberhaupt oder bei der Verwaltung angesiedelt. Ziel ist es zu einem kommunalen Bildungsmanagement zu kommen.

Die ursprüngliche Zielsetzung – die Verbesserung des Bildungserfolgs – wurde in einigen Projekten erweitert durch den Gedanken der Entwicklung des jeweiligen Gebiets: Wohnen, Infrastruktur, kulturelle Angebote, Betreuung und vieles mehr. Der Wandel in der sozialen Lage in dem Stadt(teil) kann als ein Element gesehen werden, speziell die Bildungschancen der sogenannten bildungsfernen Schichten zu verbessern.

Die begleitenden Untersuchungen zeigten neben den Erfolgen schnell die Bruchstellen des Konzepts auf. Zu den Erfolgen sind Ansätze der Verknüpfung einzelner Einrichtungen mit den Schulen, die Kommunikation und der intensive Austausch zu zählen. Als nachteilig sind strukturelle, finanzielle und projektbezogene Faktoren zu benennen.

Limitierend wirkte sich auch die zeitliche Befristung der Projekte aus. Neben der Tatsache, dass die politischen Rahmenbedingungen – Bund zuständig für die Jugend- und Kinderarbeit, die Länder zuständig für die Schulen – zu einer Unwucht zwischen den Schulen und den außerschulischen Einrichtungen führten, muss wohl auch die unterschiedliche Funktion der Schulen und der Institutionen der Jugendarbeit erheblich zu einer Stagnation der Projekte bei getragen haben.

Während der schulische Auftrag – Schulpflicht – neben Bildung und Ausbildung und Enkulturation auch Selektion umfasst, liegt der Schwerpunkt der Jugendarbeit darin, den Jugendlichen auf freiwilliger Basis zu einem selbstbestimmten Leben in der Gesellschaft zu verhelfen. An dieser Stelle ist auch zu vermerken, dass gerade die Jugendarbeit von Trägern der freien Wohlfahrtpflege mit geprägt wird. So gab es denn auf der prinzipiellen Ebene schon erheblichen Diskussionsbedarf. Der wurde noch verstärkt durch die finanziellen Einschränkungen der Jugendarbeit.

Die Projekte verlangten von den Beteiligten erheblichen Mehraufwand, der zum Teil den anfänglichen Enthusiasmus im Verlauf der Projekte unter anderem dazu führte, dass sich verschiedene Teilnehmer aus des ursprünglichen Kreises zurückzogen. Das Fehlen einer gemeinsamen Idee, eines Leitbilds hat sicherlich dazu bei getragen, dass Diskussionsprozesse zäh und frustrierend waren.

Fazit

Der Sammelband setzt sich in zwei Teilen mit der oben skizzierten Problematik aus einander: im theoretischen Teil werden die verschiedenen Ansätze und Forschungsstrategien zur Erklärung des Begriffs (systemtheoretischer Ansatz, Konzept der „sozialen Welten“, die neuen Steuerungsmodelle – new public management – im öffentlichen Sektor vorgestellt. Der zweite empirische Teil befasst sich mit den Erkenntnissen zu den einzelnen Projekten. (Karlsruhe, Mannheim und Nürnberg). Abschließend wird die Rolle von Stiftungen in diesem gesellschaftlichen Problemfeld kritisch beleuchtet.

Die Beiträge blättern das Spektrum der „educational governance in kommunalen Bildungslandschaften“ auf und benennen die Bruchstellen und Probleme des Konzepts. Es besteht also noch erheblicher Forschungs- und Klärungsbedarf.


Rezensent
Prof. Dr. Karl-Ludwig Kreuzer
Georg-Simon-Ohm-Fachhochschule Nürnberg
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Zitiervorschlag
Karl-Ludwig Kreuzer. Rezension vom 22.02.2018 zu: Thomas Olk, Stefanie Schmachtel (Hrsg.): Educational Governance in kommunalen Bildungslandschaften. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2017. ISBN 978-3-7799-3372-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23420.php, Datum des Zugriffs 13.12.2018.


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