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Jörg F. Debatin, Axel Ekkernkamp u.a. (Hrsg.): Krankenhaus­management

Cover Jörg F. Debatin, Axel Ekkernkamp, Barbara Schulte, Andreas Tecklenburg (Hrsg.): Krankenhausmanagement. Strategien, Konzepte, Methoden. MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft (Berlin) 2017. 3., vollständig aktualisierte und erweiterte Auflage. 847 Seiten. ISBN 978-3-95466-301-9. D: 199,95 EUR, A: 205,56 EUR, CH: 205,00 sFr.
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Thema

Vor wenigen Tagen hat ein großer privater Krankenhausträger einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt. Dieser Schritt – so der Träger – sei angezeigt gewesen, um den Klinikverbund nachhaltig sanieren zu können. Einzelne Standorte hatten erhebliche Verluste zu verzeichnen. In einer Stellungnahme dazu wies die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) darauf hin, die ökonomische Situation der Kliniken sei in Deutschland generell „problematisch“. Nachrichten dieser Art weisen auf den Umstand hin, dass Krankenhäuser alles andere als wirtschaftliche Selbstläufer sind und heutzutage mehr denn je ein an Effizienz und Effektivität ausgerichtetes Management benötigen.

Entstehungshintergrund

Jörg F. Debatin, Axel Ekkernkamp, Barbara Schulte und Andreas Tecklenburg legen ihr Sammelwerk zum Krankenhausmanagement in der nunmehr dritten, vollständig aktualisierten und erweiterten Auflage vor. Sie möchten mit ihrer Publikation zukunftsfeste Strategien vermitteln und Handlungsempfehlungen für exzellente Gestaltung und Führung im Klinikbereich geben.

Herausgeber und Herausgeberin

  • Jörg Felix Debatin ist Radiologe, Hochschullehrer und Medizinmanager. Er ist Vizepräsident des Londoner Medizintechnikherstellers GE Healthcare.
  • Axel Ekkernkamp ist ärztlicher Direktor und Geschäftsführer am BG Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin sowie Direktor der Klinik und Poliklinik für Unfall-, Wiederherstellungschirurgie und rehabilitative Medizin in Greifswald.
  • Barbara Schulte ist Geschäftsführerin für Finanzen und Infrastruktur am KRH Klinikum Region Hannover GmbH.
  • Andreas Tecklenburg ist Vizepräsident der Medizinischen Hochschule Hannover.

Aufbau und Inhalte

Die Publikation enthält 114 Beiträge in elf Abschnitten.

Abschnitt A Das Krankenhaus und sein Umfeld – Basiswissen wird eingeleitet von Barbara Busse und Alexander Geissler mit einem Beitrag zu Zielen des Gesundheitssystems, Strategien der Gesundheitspolitik und Herausforderungen für Krankenhäuser. Es folgen weitere einführende Beiträge zu wichtigen Umfeldbedingungen (Jürgen Wasem, Gerald Lux und Dominik Thomas), zum Krankenhausmarkt in Deutschland (Boris Augurzky und Adam Pilny) sowie zum Krankenhaus 4.0 (Heinz Lohmann).

Im Mittelpunkt von Abschnitt B stehen das Krankenhaus und seine Eigentümer. Darin enthalten sind Beiträge von Christian Rybak zu Rechtsformen und Krankenhausträger, von Karsten Honsel zu kommunalen Krankenhäusern, von Josef Düllings und Falko Milski zum VDK und seine Rolle im deutschen Krankenhauswesen, von Ralf Heyder zu universitären Krankenhäusern, von Jörg Reschke zu privaten Krankenhäusern, von Thomas Bublitz zum lebendigen Pluralismus, von Markus Horneber und Florian Kesberger zu kirchlichen Trägern sowie schließlich von Alexander von Friesen und Armin Albat zur Unternehmensbewertung im Rahmen von M&A.

Thema des Abschnitts C ist das Krankenhaus und seine Gestalter und Entscheider. Beiträge liefern Claus Bartels, Thomas Wülfing und Sebastian Fenger zur Corporate Governance und Compliance, Fredmund Malik zur Herausforderung Führung, Henri M. von Blanquet zum Networking und Synapting als vornehme Führungsaufgabe, Julia Schäfer zur Findung von wichtigen Führungskräften und Managern, Andrea Braun von Reinersdorff und Christoph Rasche zum entscheidungsorientierten Klinikmanagement, Kai Wehkamp und Georg Marckmann zum Ethikmanagement, Sören Eichhorst zum Innovationsmanagement sowie Peter Windeck zur Findung von motivierten Ärzten.

Das Krankenhaus und seine Strategie werden in Abschnitt D abgehandelt. Wir lesen Beiträge zur strategischen Ausrichtung von Andreas Tecklenburg, zur Produktdefinition von Gunda Ohm, zum strategischen Krankenhausmanagement in der Praxis von Bent Lüngen und Mark Zluhan, zu den Möglichkeiten und Grenzen von Beratung von Jens Deerberg-Wittram, zur Investitions-Kreditfinanzierung von Christian Heitmann und Janine Eulert, zur Patientenversorgung der Zukunft von Michael Philippi und Tina Küttner, zum Krankenhaus in neuen Versorgungskonstellationen von Susanne Quante, zum Krankenhaus im ambulanten Umfeld von Karen Deegener, zu internationalen Märkten von Jens Kuszczak, zur Wissenschaft als Wettbewerbsvorteil von Karl Max Einhäupl und Magnus Rüde, zur digitalen Transformation und dem „digital Leadership“ in der Medizin von Markus Müschenich, zur „mHealth-Strategie“ von Urs-Vito Albrecht, zu Big Data in der Medizin von Mathias Goyen und Jörg F. Debatin sowie zur Zusammenarbeit zwischen Kassenärztlicher Vereinigung und Krankenhaus von Mark Barjenbruch.

Abschnitt E bezieht sich auf das Krankenhaus und seine Mitarbeiter. Kerstin Stachel schreibt zu Personalmanagement, Joachim Prölß und Michael van Loo zum Krankenhaus als attraktiver Arbeitgeber, Michael Born zur Arbeitgeberattraktivität durch Arbeitsfähigkeitsmanagement, Klaus Hahnenkamp und Joachim Hasebrook zum Halten und Motivieren des ärztlichen Mittelbaus, Christian Schmidt zu Mitarbeitergesundheit und betrieblicher Gesundheitsförderung, Tina Voß zur Frage „Sind Sie sexy für Bewerber?“ sowie Lutz Hammerschlag zu Abläufen, Strukturen, Arbeitsbedingungen und Arbeitszeiten als Wettbewerbsfaktoren in der Mitarbeitergewinnung.

Das Krankenhaus und seine Patienten stehen im Fokus von Abschnitt F. Eingeleitet wird er von Boris Augurzky und Adam Pilmy mit einer Abhandlung zu Trends im Krankenhaus. Es folgen Beiträge von Andrea Fischer zur Serviceorientierung sowie von Klaus-Dieter Thill zur Patientenzufriedenheit. Desweiteren schreiben Nico Kasper zum Einweisermanagement, Alois G. Steidel zum Geomarketing im Krankenhauswettbewerb, Gerrit Matthes zu Spezial-Ambulanzen und Notaufnahme zur Kundengewinnung und als Marketinginstrument sowie Jens Baas zur Qualitätspartnerschaft aus Sicht der Krankenkasse.

Thema von Abschnitt G ist das Krankenhaus und seine Erlöse. Dieser Teil enthält Beiträge zu Drittmitteln als Ertragspotenzial für die zusätzliche Finanzierung (Astrid Lurati), zum richtigen Kodieren (Karen Wismann und Uwe Kaeuffer), zur Systematik der Erträge des Krankenhauses sowie zum operativen und strategischen Krankenhausmanagement (Sebastian Freytag), zur Budgetverhandlung (Georg Hornbach und Barbara Petry), zur DRG- Systematik (Axel Paeger), zu Finanzplanung, Leistungsfinanzierung, Kennzahlen und Kalkulationen (Hans-Joachim Conrad), zu Kostenanalysen im Krankenhaus (Steffen Fleßa und Markus Krohn) sowie zum DRG-System im internationalen Vergleich (Jonas Schreyögg).

Abschnitt H bezieht sich auf das Krankenhaus und seine Finanzierung und Investitionen. Nach einem Überblick zur Krankenhausfinanzierung in Deutschland von Behrend Behrends lesen wir Beiträge von Hartmut Masanek und Irmtraud Gürkan zur Krankenhausfinanzierung im öffentlich-rechtlichen Umfeld, von Martin F. Siebert und Tino Fritz zur Krankenhausfinanzierung bei privaten Trägern sowie von Oliver Rang zu zukünftigen Finanzierungsmodellen.

Das Krankenhaus und seine Leistungssteuerung werden in Abschnitt I behandelt. Neben einem Beitrag zu Key Performance und Indicators von Alexander Kirstein und Astrid Lurati finden sich Ausführungen zum betriebswirtschaftlichen Controlling (Gabriele Sonntag), zum medizinischen Controlling (Matthias Waldmann), zu wesentlichen Kennzahlen im Gespräch zwischen Arzt und Kaufmann (Marie le Claire) sowie zum Risikomanagement als integraler Bestandteil der Unternehmenssteuerung im Krankenhaus (Ute Puschmann und Guido Schlüpfer).

In Abschnitt J sind Beiträge zum Krankenhaus und seine Prozesse enthalten. Neben einer Abhandlung zur strukturierten Organisationsentwicklung von Norbert Roeder und Holger Bunzemeier finden sich dort Beiträge zur Einführung von Behandlungspfaden von Christoph Lohfert und Jens Peukert, zum Design Thinking im Krankenhaus von Christophe Vetterli und Daniel Walker, zu schlanken Prozessen von Dirk Pfitzer, Roman Hipp, Christoph Schlude und Cornelius Clauser, zum digitalen Patienten in der stationären Versorgung von Bernhard Calmer sowie zum papierlosen Krankenhaus von Henning Schneider.

In Abschnitt K geht es um das Krankenhaus und seine Infrastruktur. Darin schreiben Peter Lohfert zu Management und Planungsaufgaben, Michael Ludes zu Architektur und Technik, Sebastian Fenger und Claus Bartels zu Bedarf, Betriebsorganisation und Gebäudestruktur, Werner Vogt zu Planung und Kosten beim Bau, Christian Taube zum OP-Management, Burkart Landré zu neuen Modellen der Investitionsfinanzierung bei Krankenhäusern in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft sowie Katja Husen zur Nachhaltigkeit in der Standortbestimmung für Krankenhäuser.

Das Krankenhaus und seine Qualität und Risiken stehen im Mittelpunkt der Beiträge des Abschnitts L. Wir lesen darin Abhandlungen von Kyra Schneider, Jürgen Graf und Jürgen Hinkelmann zum Qualitätsmanagement im Krankenhaus, von Lucas Dürselen zur Zertifizierung von Krankenhäusern, von Heidemarie Haeske-Seeberg zum Erfolgsfaktor Qualität, von Peter Gausmann zu Methoden des klinischen Risikomanagements, von Axel Kramer zum Hygienemanagement als Risikomanagement, von Christian Utler zum Fehler-Management im Krankenhaus, von Nils Löber zum Beschwerde- und Risikomanagement sowie von Thomas Mansky und Ulrike Nimptsch zum kennzahlengestützten ergebnisorientierten Qualitätsmanagement in der Klinik.

In Abschnitt M dreht sich die Thematik rund um das Krankenhaus und seine IT. Es schreiben Roland Trill zum IT-Management im Krankenhaus, Peter Gocke und Henning Schneider zu „IT follows function“, Thomas Jäschke zum Datenschutz im Krankenhaus sowie Renatus Beck zur „Cyber Security“ in der Medizintechnik.

Das Krankenhaus und seine (Marketing-)Kommunikation ist Gegenstand von Abschnitt N. Holger Steudemann und Katharina Specht schreiben zum „Marketing-Dilemma“ in Kliniken, Ralf Klein-Bölting zum Markenaufbau von Krankenhäusern, Uta Buchmann zur internen Kommunikation und Corporate Identity, Christian Stoffers zum Krankenhaus und seine Marketingkommunikation, Matthias Brandtstädter zur effektiven Kommunikation im Krisenfall sowie Nils Birschmann zur Steuerung von Reputation durch Unternehmenskommunikation sowie zur Patienten- und zur Zuweiserkommunikation.

In Abschnitt O werden das Krankenhaus und seine Logistik behandelt. Neben Beiträgen von Grischa Kraus, Mario Bahmann, Stefan Burkart und Andreas J. W. Goldschmidt zur Logistik-Reorganisation sowie von Jörg Schlüchtermann und Carolin Koehler zu Methoden und Verfahren des Beschaffungsmanagements finden wir Beiträge von Christoph U. Herborn zu strategischen Partnerschaften zwischen Hersteller und Krankenhaus, von Rainer M. Wäschle und Martin Bauer zur OP-Logistik, von Michael Baehr und Matthias Bohn zur pharmazeutischen Logistik, von Jörg Romanski zu Entsorgungsmanagement und Abfalllogistik, von Anton J. Schmidt zum modernen Beschaffungsmanagement im Verbund sowie von Rolf-Werner Bock zu Maßnahmen zur Antikorruption als Managementaufgabe im Krankenhaus.

Der letzte Abschnitt P hat das Krankenhaus und seine Services zum Gegenstand. Neben Martin Schröter zum Facility Management im Krankenhaus schreiben Peter Waldecker zu Trends im Verpflegungsmanagement, Karl-Peter Pühler zum In-/Outsourcing von Serviceleistungen, Klaus Züchner und Norbert Siebold zum medizintechnischen Service sowie Marcus Huascar Bracklo zu Managementtrends bei der Aufbereitung von chirurgischen Instrumenten.

Diskussion und Fazit

Dieser Sammelband liefert einen sehr beeindruckenden Einblick in die dimensionale Vielfalt des modernen Krankenhausmanagements. Der Band dürfte in der nun vorliegenden dritten nicht unerheblich erweiterten Auflage zumindest im deutschsprachigen Raum der thematisch umfangreichste unter den Publikationen zum operativen und strategischen Führen und Leiten im Klinikbereich sein.

Die Beiträge der zum Teil hochkarätigen Autorinnen und Autoren sind durchwegs kurz gehalten, können jedoch die wesentlichen Grundlagen des jeweiligen Gegenstands gut vermitteln. Alle Beiträge signalisieren nicht nur die unbedingte Notwendigkeit für das Management von Krankenhäusern, im Kontext des gegenwärtigen Kosten- und Leistungsdrucks auf der technologischen Höhe der Zeit zu agieren. Es wird auch deutlich, dass die Anliegen und Anforderungen der verschiedeneren Stakeholder des Gesundheitswesens zu berücksichtigen sind, um Wettbewerbsfähigkeit aufzubauen und zu erhalten.

Es wird in toto anhand dieser Abhandlungen deutlich, dass strategische und methodische Stilsicherheit als unabdingbare Voraussetzung eines zukunftssichernden Krankenhausmanagements anzusehen sind. Hierfür gibt dieser Sammelband interessierten Leserinnen und Leser reichhaltige Impulse. Im Wettbewerb um das Standardwerk zum Krankenhausmanagement liegt dieses Handbuch zweifelsohne im Bereich der vorderen Plätze.

Fazit: Ein umfangreiches Kompendium zum Krankenhausmanagement.


Rezensent
Prof. Dr. Harald Christa
Professor für Sozialmanagement an der Evangelischen Hochschule für Soziale Arbeit in Dresden mit Schwerpunkt Sozio-Marketing, Strategisches Management, Qualitätsmanagement/ fachliches Controlling.
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Zitiervorschlag
Harald Christa. Rezension vom 03.01.2018 zu: Jörg F. Debatin, Axel Ekkernkamp, Barbara Schulte, Andreas Tecklenburg (Hrsg.): Krankenhausmanagement. Strategien, Konzepte, Methoden. MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft (Berlin) 2017. 3., vollständig aktualisierte und erweiterte Auflage. ISBN 978-3-95466-301-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23423.php, Datum des Zugriffs 16.07.2018.


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