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Gernot Aich, Christina Kuboth u.a. (Hrsg.): Kooperation und Kommunikation mit Eltern (...)

Cover Gernot Aich, Christina Kuboth, Michael Behr (Hrsg.): Kooperation und Kommunikation mit Eltern in frühpädagogischen Einrichtungen. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2017. 200 Seiten. ISBN 978-3-7799-3727-2. D: 24,95 EUR, A: 25,60 EUR, CH: 34,60 sFr.
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Thema

In der vorgestellten Publikation bearbeiten die Autoren die unterschiedlichen Facetten der Beziehungsarbeit, Kooperation und Kommunikation mit Eltern in frühpädagogischen Einrichtungen. Das Buch bietet neben theoretischem Hintergrundwissen, umfangreiche Gestaltungsmöglichkeiten, Ideen und Impulse für die Umsetzung in der Praxis.

Herausgeber und Herausgeberin

  • Dr. phil. Gernot Aich ist Juniorprofessor für Beratung in der Schule an der päd. Hochschule Schwäbisch Gmünd. Darüber hinaus ist er Realschullehrer und Lehrender Transaktionsanalytiker (PTSTA-E), Grundstufe Personenzentrierte Beratung mit Kindern, Jugendlichen und deren Bezugspersonen (GwG), Kommunikationstrainer, Lerncoach und Fortbildner in den Bereichen Gesprächsführung, Beratung und Konfliktmanagement.
  • Christina Kuboth, M.A., ist wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Pädagogische Psychologie, Beratung und Intervention der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd. Sie ist darüber hinaus Realschullehrerin und Trainerin des Gmünder Modells zur Gesprächsführung, für Lerncoaching und Gesprächsführung.
  • Dr. phil. habil. Michael Behr ist als Professor für Pädagogische Psychologie und Beratung an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd tätig. Darüber hinaus ist er approbierter Psychotherapeut. Seit 30 Jahren bietet er Kurse für Spieltherapie, Gesprächspsychotherapie und Gesprächsführung an.

Autorinnen und Autoren

Darüber hinaus sind in dem Buch Fachartikel von folgenden Autoren veröffentlicht:

  • Dr. Martin R. Textor
  • Dr. phil. habil. Werner Sacher
  • Prof. Dr. Klaus Fröhlich-Gildhoff
  • Sybille Fischer
  • Dipl. Soz. Päd. Dorothea Hüsson
  • Eva Blum / Esther Merget, M.A.
  • Karsten Richert, M.A.
  • Dr. Reinhold Miller

„Alle, die an diesem Buch mitgewirkt haben, sind Experten für den Umgang mit Eltern im pädagogischen Kontext“ (Aich et al. 2017, S. 7).

Entstehungshintergrund

Bei der Erarbeitung des Buches war es den Herausgebern und Autoren wichtig, dass durch dessen Einsatz die Arbeit mit Kita-Eltern leichter wird, sie gefördert werden und neue Anregungen dazu beitragen, die Einbeziehung der Eltern insgesamt aufzufrischen bzw. zu aktivieren. (Vgl. Aich et al. 2017, S. 7) Dabei betonen die Autoren, dass dies nicht zu einer automatischen Steigerung der Arbeitsbelastung führen muss. Vielmehr zielen sie mit diesem Buch darauf ab, die Bedeutung einer positiven Beziehung zwischen pädagogischer Fachkraft und Eltern hervorzuheben und aufzuzeigen, wie diese in der Praxis gelebt bzw. gestaltet werden kann.

Aufbau

Das Buch umfasst 211 Seiten mit insgesamt 14 Fachartikeln zu unterschiedlichen Schwerpunktthemen der Zusammenarbeit, Kooperation und Gesprächsführung mit Eltern im Kita-Alltag. Die Fachartikel sind jeweils einem der folgenden vier Themenbereiche zugeteilt, die das Buch als solches untergliedern.

  1. Grundlegendes
  2. Konzepte
  3. Praxis
  4. Zum Nachdenken und Wachsen.

Abschließend ist im Buch ein detailliertes Autorenverzeichnis zu finden.

Jeder Fachartikel enthält neben den theoretischen Grundlagen und einem umfassenden Literaturverzeichnis, Beispiele aus der Praxis, Impulsfragen zur Reflexion des pädagogischen Handelns, Formulierungshilfen zur Gesprächsführung, oder thematisch vertiefende Informationen. An einigen Stellen sind darüber hinaus unterstützende Modelle, Abbildungen und Tabellen eingefügt.

Inhalt

In einem persönlichen Vorwort leiten die Herausgeber Gernot Aich, Christina Kuboth und Michael Behr in die Thematik ein und betonen deren Wichtigkeit für die pädagogische Praxis. Im daran anschließenden ersten Kapitel schreiben Sie über Eltern und Fachkräfte in der Kita, legen den Kontext des Buches fest und beschreiben den Aufbau bzw. die Inhalte der einzelnen Buchkapitel. Dabei gehen sie auf juristische Aspekte der Beziehung von Eltern und pädagogischen Fachkräften in Kindertagesstätten ein, benennen fachwissenschaftliche Diskurse sowie Aspekte der Forschung.

Teil A: Grundlegendes

Zum fundierten Einstieg in die Thematik beschreibt Martin R. Textor in seinem Fachartikel Elternarbeit – Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft die Kinderbetreuung des frühen 19. Jahrhunderts in der DDR, bis hin zur Zukunftsvision und zieht daraus Schlüsse für eine Professionalisierung der Elternarbeit heute.

Danach folgt ein Beitrag von Werner Sacher, der Eltern, Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte als Partner betitelt. Er beschreibt in seinem Beitrag Voraussetzungen und Wege zur Gestaltung einer solchen Kooperation, die er auf unterschiedliche Forschungsergebnisse stützt. Ferner betrachtet er die Familie als solches und beschreibt das Förderpotenzial von Kitas und Schulen als familienunterstützende Hilfe. Ebenso geht er auf Elternarbeit unter ungünstigen Bedingungen ein.

Teil B: Konzepte

Klaus Fröhlich Gildhoff stellt in seinem Fachartikel zehn praxisnahe Standards für die Zusammenarbeit mit Eltern vor. Er betont dabei die starke Abhängigkeit einer professionellen Elternarbeit von der humanistischen Grundhaltung und Beziehungsfähigkeit der pädagogischen Fachkräfte. Er spricht sich dafür aus, diese vermehrt in der Aus- und Weiterbildung zu beachten und durch Supervisionen zu reflektieren.

Der Fachbeitrag von Sybille Fischer thematisiert diekultursensible Zusammenarbeit mit Eltern. Dabei hebt sie die unbedingt notwendige Überwindung von Stigmatisierung, Vorurteilen und einer defizitorientierten Förderhaltung hervor. Proaktiv fügt sie ihrem Plädoyer für eine verstärkte Einbindung von Kindern und Eltern mit Migrationshintergrund einen praxisnahen Fragenkatalog zur Selbstreflexion an.

Gernot Aich, Christina Kuboth und Michael Behr stellen ihr Konzept, das Gmünder Modell zur Gesprächsführung (GMG) mit Kita-Eltern vor. Sie beschreiben in ihrem Fachartikel die Grundlagen, den Aufbau und die praktischen Anwendungsmöglichkeiten des Modells.

Teil C: Praxis

Der Beitrag von Dorothea Hüssonnimmt herausfordernde Elterngespräche in der Kitain den Blick. Sie beschreibt praxisnah und beispielhaft viele alltägliche Stress-Situationen mit Eltern, woraufhin sie lösungsorientierte Vorschläge für eine professionelle Gesprächsführung in solchen Situationen aufzeigt.

Darauf aufbauend beschreibt der Fachartikel von Michael Behr und Gernot Aich die empathische Gesprächsführung mit Kita-Eltern in der pädagogischen Praxis. Die beiden Autoren formulieren Hilfen für pädagogische Fachkräfte, liefern Praxistipps und Beispiele wie es in der Praxis gelingen kann Gespräche zu führen.

Praxis- und Anwendernah gibt Martin R. Textor in seinem nächsten Beitrag eine Übersicht über Elternarbeit im Jahresverlauf. Er bietet umfangreiche Ideen und Gestaltungsmöglichkeiten wie Einrichtungen und Fachkräfte auf organisatorischer und operativer Ebene vorgehen können, ohne sich zu überfordern. (vgl. Aich et all. 2017, S. 16)

Konzepte zur professionellen Gestaltung von Elternabenden werden im darauf folgenden Fachartikel von Eva Blumvorgestellt. Dabei greift sie den ursprünglichen Zweck von Elternabenden auf und beschreibt wie diese gestaltet sein sollten, um tatsächlich wirkungsvoll zu sein. Detailliert führt sie einzelne Teilaspekte der Vorbereitung, Durchführung sowie des Abschlusses von Elternabenden auf und geht dabei auf bedeutungsvolle Kleinigkeiten wie die Einladung, die Versorgung der Eltern und die Sitzordnung etc. ein.

Dorothea Hüsson bietet in ihrem Fachartikel Informationen darüber wie Eltern im Umgang mit ihren traumatisierten Kindern unterstützt werden können. Sie beschreibt was in traumatisierten Kindern vorgeht, wie die seelischen Mechanismen funktionieren und bietet damit eine Orientierung für pädagogische Fachkräfte. Als häufig erste Ansprechpartner von Familien können diese sensibel und wirkungsvoll Hilfestellung bieten, Eltern beraten und unterstützen.

Abschließend greifen Esther Merget und Karsten Reichert mit dem Beitrag – Eltern mit Fluchterfahrungen inkludieren- ein hochaktuelles Thema auf. Sie beschreiben welche Herausforderung die Thematik für Kitas darstellt und zeigen dabei besonnen, aber engagiert auf, wie es in der Praxis tatsächlich gut funktionieren kann.

Teil D: Zum Nachdenken und Wachsen

Reinhold Miller und Gernot Aich bieten einen inspirierenden Beitrag mit zehn Empfehlungen zur professionellen Gestaltung von schwierigen Elterngesprächen. Dabei betonen sie die Schwierigkeit, dass eine gute Gesprächsführung sowie Sicherheit in schwierigen Gesprächen nur durch das tatsächliche Tun erlangt werden kann. Praktische Beispiele ermöglichen dem Leser einen schnellen Bezug zur Praxis bzw. die theoretisch aufgearbeiteten Hinweise mit den eigenen Erfahrungen des Kita Alltags zu verbinden.

Im abschließenden Fachartikel der Herausgeber Gernot Aich, Christina Kuboth und Michael Behr formulieren diese ein Plädoyer für die Professionalisierung von Elternarbeit. Sie skizzieren die Merkmale einer professionellen Beziehung zu Eltern, benennen mögliche Hindernisse und beschreiben Elemente prosozialer Professionalisierung von Kita-Fachkräften.

Fazit

Die vorgestellte Publikation bietet umfangreiche Beiträge zu den unterschiedlichen Aspekten der Kooperation und Kommunikation mit Eltern in frühpädagogischen Einrichtungen. Theoretisch fundiert und dennoch praxisnah gestaltet, werden Grundlagen vermittelt, Konzepte vorgestellt und konkrete Hilfestellungen für die Gestaltung der Zusammenarbeit mit Eltern in der Praxis aufgeführt.

Die Experten zeigen in ihren Beiträgen multiperspektivisch auf, wie eine professionelle Gestaltung der sogenannten Elternarbeit gelingen kann. Darüber hinaus bieten sie konkrete Hilfestellungen für die Zusammenarbeit mit herausfordernden Eltern, widrigen Bedingungen in der Praxis oder spezielleren Einflussbereichen wie Migration, Flucht und Traumata.

Das Buch ist praxisnah, abwechslungsreich und gut verständlich gestaltet, wobei es kein buntes Ideen- oder Vorlagenbuch für die pädagogische Fachkraft in der Kita ist. Vielmehr ist es als fachlich fundierte Grundlage zur Professionalisierung der Zusammenarbeit mit Eltern in frühpädagogischen Einrichtungen zu verstehen, dass eine humanistische Grundhaltung sowie einen prosozialen und proaktiven Umgang mit Eltern vertritt.

Die vorgestellte Publikation kann ebenso für die Aus- Fort- und Weiterbildung pädagogischer Fachkräfte genutzt werden, als auch zur Unterstützung der Alltagsgestaltung in frühpädagogischen Einrichtungen. Die Experten ermutigen die PraktikerInnen in ihren Beiträgen, das häufig gefürchtete, holprige Thema in der Praxis proaktiv anzugehen, sich immer wieder zu reflektieren und in der eigenen Gesprächsführung weiterzuentwickeln. Gleichzeitig wird die Kooperation und Kommunikation mit Eltern bzw. deren Partizipation als etwas sehr wertvolles und bereicherndes für die Praxis dargestellt.


Rezensentin
Katharina Lörsch
Bildungs- und Sozialmanagement mit dem Schwerpunkt frühe Kindheit (B.A.) / Sozialpädagogin / Erzieherin / Fachkraft für Frühpädagogik
Referentin in der Aus- Fort- und Weiterbildung pädagogischer Fachkräfte
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Zitiervorschlag
Katharina Lörsch. Rezension vom 09.04.2019 zu: Gernot Aich, Christina Kuboth, Michael Behr (Hrsg.): Kooperation und Kommunikation mit Eltern in frühpädagogischen Einrichtungen. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2017. ISBN 978-3-7799-3727-2.
Inhaltsverzeichnis bei der DNB In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23447.php, Datum des Zugriffs 21.04.2019.


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