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Frank Schulz-Nieswandt: Kommunale Daseinsvorsorge und sozialraum­orientiertes Altern

Cover Frank Schulz-Nieswandt: Kommunale Daseinsvorsorge und sozialraumorientiertes Altern. Zur theoretischen Ordnung empirischer Befunde. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2017. 61 Seiten. ISBN 978-3-8487-4360-5. D: 24,00 EUR, A: 24,70 EUR.

Zeitschrift für öffentliche und gemeinwirtschaftliche Unternehmen / Beiheft, 49 (2017).
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Thema

Der Herausgeber stellt in vorliegender Publikation die Idee der Daseinsvorsorge angesichts des Alterns unserer Gesellschaft auf der Basis anthropologischer Vorgaben zur Personalität in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen.

Herausgeber

Herausgeber ist Frank Schulz-Nieswandt, Professor für Sozialpolitik und Methoden der qualitativen Sozialforschung im Institut für Soziologie und Sozialpsychologie (ISS) und Geschäftsführender Direktor des Seminars für Genossenschaften an der Universität zu Köln.

Aufbau und Inhalt

Das Heft ist neben einem Vorwort und einer Einleitung in vier Abschnitte mit jeweils unterschiedlichen Kapiteln differenzierter Länge gegliedert.

In der „Einleitung“ wird der Hauptinhalt der einzelnen Kapitel differenziert vorgestellt und auf Lehre und Forschung als Ziel der Ausführungen verwiesen.

Teil I „Sozialraumorientierte Gewährleistung von Hilfe-Mix“

Teil I „Sozialraumorientierte Gewährleistung von Hilfe-Mix“ beginnt mit einer „Einleitung zum Themenfeld“. Es wird geschätzt, dass weit mehr als 50 % der Sozialausgaben direkt oder indirekt auf das nachberufliche Alter bezogen seien. Diese Kostendebatte beherrsche in hegemonialer Dominanz die Sicht auf die Zukunft des Sozialstaates. Bei Armut und Alterssicherung sei von „…einer komplexen sozialen Geometrie sozialer Ungleichheit und sozialer Differenzierung auszugehen“ (S. 11).

Kapitel zwei „Gerontologische Grundlagen und gesellschaftstheoretische Reflexion“ setzt sich mit der Alternsforschung unter dem Aspekt der Daseinspolitik und Sozialpolitik des Wohlfahrtsstaates auseinander. Lebensläufe seien kulturell und historisch überformte Biographien und das Alter sei die zeitlich späte Ausdrucksform des Alterns. Der Fokus des Beitrages beruhe auf dem Konstrukt des Wohlfahrtsstaates und zwar in seiner Logik der Förderung der Lebenslagen der Bevölkerung. Weiter wird fortgefahren, dass „Lebenslagen Ressourcenräume der Person im Hinblick auf deren Chancen der freien Persönlichkeitsentwicklung im Modus der Partizipation am Gemeinwesen“ seien (S. 18).

Das dritte Kapitel ist dem „Mehr – Ebenen – System der normativ – rechtlichen Regime“ gewidmet. Das genannte System sei in die trans – nationalen Ebenen des Völkerrechts und Europarechts eingelassen. Es gehe bezüglich des Alterns „…um passungsgerechte anregende und ermöglichende Umwelten des gelingenden Lebenslaufes“ und über die Selbst- und Mitverantwortlichkeit der Person (S. 24).

Das folgende Kapitel des ersten Teils ist mit dem Titel „Zur theoretisch strukturierten Ordnung empirischer Befunde“ überschrieben. Es wird über die Alterssicherung, die Beratungslandschaft und das Pflegewesen debattiert.

Das fünfte Kapitel umfasst nicht einmal eine Seite „Alter(n)sdiskurse im Lichte gesellschaftlicher Dispositive“. „In einem fetischisierten Produktivismus …kann ein positives Dispositiv, das alles ordnet, umkippen in eine Form der Altersdiskriminierung“ (S. 33).

Im letzten Kapitel „Fazit und Schluss“ kommt der Autor zum Ergebnis. Es seien vor allem die Sektoralismen und Schnittstellenprobleme, die sich negativ auf die Lebenslagen älterer Menschen auswirken. Weiterhin sei die Praxis der Prävention unterentwickelt und die Rehabilitation schöpfe ihre Potenziale nicht aus (S. 34).

Teil II „Seniorengenossenschaften als Strukturelement im Sozialraum“

Im zweiten Teil „Seniorengenossenschaften als Strukturelement im Sozialraum“ wird im ersten Kapitel „Zum Stand der seniorengenossenschaftlichen Forschungsliteratur“ über eine knappe Seite ein Überblick gegeben.

Es folgen dann auf drei Seiten sehr zergliederte Kapitel zwei bis sechs mit der Quintessenz, dass „…Seniorengenossenschaften ein bedeutsames Strukturelement einer sozialraumorientierten Daseinsvorsorge im Sinne lokaler sorgender Gemeinschaften als Hilfe – Mix seien“ (S. 39).

Teil III„Bridging – Funktionen im Kontext von Krankenhausentlassung“

Der dritte Teil ohne ein weiteres Unterkapitel ist mit dem Titel „Bridging – Funktionen im Kontext von Krankenhausentlassung“ versehen. Es geht hier vor allem um das fundamentale Problem der No Care – Zonen nach der Krankenhausentlassung. Als Ausweg schlägt der Autor vor „… Krankenhäuser im lokalen Raum stärker zu hybriden Institutionen im liminalen Raum zwischen stationär und ambulant zu transformieren“ (S. 44).

Teil IV„Ausblick: Die Problematik im Lichte einer Theorie funktionaler Äquivalente“

Der letzte und damit vierte Teil, ebenfalls ohne weitere Unterkapitel, gibt einen „Ausblick: Die Problematik im Lichte einer Theorie funktionaler Äquivalente“. Hier wird noch einmal auf die Pflegestützpunkte als lokale Brückenmodelle und auf das trans – sektorale Leistungsgeschehen des Krankenhauses verwiesen.

Zielgruppen

Zielgruppen, die erreicht werden sollen, sind politische Entscheidungsträger vor allem aber Menschen unterschiedlicher Altersgruppen, die sich aktuell den unterschiedlichen Anforderungen tiefgreifender Veränderungen stellen müssen.

Fazit

Es ist eine kurze, akademisch völlig überzogene Lektüre, die sich zudem durch ständige Klammereintragungen auch noch schlecht lesen und verstehen lässt. Des Weiteren ist die Gliederung sehr fragwürdig und in sich nicht stringent. Ungewöhnlich ist auch, dass sich der Autor in nur einem Satz dreimal selbst ob seiner wissenschaftlichen Leistung nennt. Es ist fraglich, ob auf diesem Weg die angesprochenen Zielgruppen erreicht werden können, auch wenn es einige interessante Details zum Zusammenhang der Daseinsvorsorge und dem Altern gibt.


Rezensentin
Prof. Dr. habil. Gisela Thiele
Hochschule Zittau/Görlitz (FH)
Berufungsgebiete Soziologie, Empirische Sozialforschung und Gerontologie
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Zitiervorschlag
Gisela Thiele. Rezension vom 04.06.2018 zu: Frank Schulz-Nieswandt: Kommunale Daseinsvorsorge und sozialraumorientiertes Altern. Zur theoretischen Ordnung empirischer Befunde. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2017. ISBN 978-3-8487-4360-5. Zeitschrift für öffentliche und gemeinwirtschaftliche Unternehmen / Beiheft, 49 (2017). In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23459.php, Datum des Zugriffs 19.12.2018.


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