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Maria-Eleonora Karsten, Melanie Kubandt (Hrsg.): Lehramtsstudium Sozialpädagogik

Cover Maria-Eleonora Karsten, Melanie Kubandt (Hrsg.): Lehramtsstudium Sozialpädagogik. Eine Bestandsaufnahme nach 20 Jahren. Verlag Barbara Budrich (Opladen, Berlin, Toronto) 2017. 223 Seiten. ISBN 978-3-8474-2067-5. D: 24,90 EUR, A: 25,60 EUR.

Werkstattbücher: Elementare Sozialpädagogik, Band 1.
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Thema

„Lehramtsstudium Sozialpädagogik – Eine Bestandsaufnahme nach 20 Jahren“ zeichnet mit seinen Beiträgen unterschiedlicher Akteur*innen im hochschul- und sozialpädagogischen Feld eindrucksvoll Verläufe im historischen Entwicklungsprozesses und weiterführend aktuelle Herausforderungen dieses spezifischen Studiums nach. Die Vielfältigkeit der Perspektiven auf das Lehramtsstudium und deren angrenzenden, interdependenten und beeinflussenden Faktoren ist weitreichend und eröffnet auftauchende Fragen, die zum Reflektieren und Nachdenken anregen.

Autor*innen

Die Autor*innen (222 f.) der einzelnen Beiträge könnten – obwohl alle in der Fachdisziplin verankert sind – dennoch nicht unterschiedlicher sein. Den geforderten Anspruch des interdisziplinären Dialogs und auch die Verknüpfung zwischen Akteur*innen der Theorie und der Praxis spiegeln sich in der Aufstellung der Verfasser*innen wider. Ob Forschende und Lehrende im Hochschulsektor, Lehramtsabsolvent*innen, sich noch in der Ausbildung befindende Lehramtsstudierende der Sozialpädagogik (bzw. Beruflichen Bildung Fachrichtung Sozialpädagogik), Lehramtsanwärter*innen mit vorheriger Ausbildung und dementsprechender Praxiserfahrung, oder auch professionell Tätige an berufsbildenden Schulen, der Anspruch des Dialogs wird erfüllt. Zusammenfassend ist die Diversität und somit in der Fachrichtung vorzufindende Heterogenität gewährleistet, was den Band 1 der Reihe „Elementare Sozialpädagogik“ zu einem runden und nachvollziehbaren Lesevergnügen macht.

Entstehungshintergrund

Das Lehramt der Sozialpädagogik hat sich erst in den letzten Jahrzehnten ausgebildet, sodass der Bedarf zuvor von nicht spezifisch ausgebildeten Lehrenden realisiert wurde. Aufgrund von Diskussionen und Kontroversen zum Aufbau eines geeigneten Studiengangs kam dies schlussendlich zustande, wobei ein Ausbau aufgrund Prognosen zur Lehrer*innenknappheit in den nächsten Jahren weiterhin wahrscheinlich der Umstände geschuldet eher stagnierenden als progressierend vorantreten wird. Das Sammelwerk fasst wichtige Meilensteine und angrenzende Thematiken, die das Lehramt der Sozialpädagogik bedingen zusammen und legt somit einen Grundstein für dessen weiteres Vorantreiben.

Aufbau

„Lehramtsstudium Sozialpädagogik“ ist in vier Thementeilabschnitte gegliedert, welche jeweils relevante Beiträge umfassen. Eine Einführung (8-9) in die einzelnen Beiträge und einen kurzen einleitenden Überblick über die Reihe „Elementare Sozialpädagogik“ bieten die Herausgeberinnen der Buchreihe Rita Braches-Chyrek und Maria Eleonora Karsten. Weiterhin findet sich anschließend eine Einleitung von Melanie Kubandt und Maria Eleonora Karsten zum Lehramtsstudium Sozialpädagogik.

Inhalt

Zu I. Gesellschaftstheoretische und systematische Grundlegungen zur Sozialen Arbeit und Sozialpädagogik im gesellschaftlichen Wandel (21-83). Dieser Abschnitt fasst insgesamt fünf Beiträge zusammen, welche sich mit Entwicklungen der Sozialen Arbeit im Ganzen befassen (Karsten), Soziale Arbeit im Sinne der Postwachstumsgesellschaft und der Nachhaltigkeit betrachten (Norhausen), den Faktor Zeit(-management) und dessen Im- und Deplementierung in der historischen Studiengangsentwicklung diskutieren (Wahne), Recht und dessen Bedeutung in der Sozialen Arbeit herausstellen (Schäfer) und, diesen Abschnitt abrundend, die Genderthematik diskutieren (Hierholzer/ Kubandt).

Zu II. Perspektiven auf Sozialpädagogik, Sozialdidaktik und die Ausbildung der Ausbilder*innen (85-128). Unter diesem Punkt befindet sich eine Sammlung an Beiträgen, die sich mit der Besonderheit und auch den Herausforderungen des Lehramts der Sozialpädagogik auseinandersetzen. Eine Diskussion über die spezifische Didaktik der Sozialpädagogik (Karber), dessen Einigkeit schon am Begriff hadert, zu führende Dialoge in der Sozialpädagogik (Wustmann) und über den eigenen Tellerrand hinaus sowie strukturelle (Eggers) und administrative (Baden/ Kählau) Herausforderungen runden diesen Punkt ab.

Zu III. Verhältnisbestimmungen von Theorie und Praxis: Realisierungspotenziale in sozialpädagogischen Studien- und Ausbildungszusammenhängen (129-174). In diesem Abschnitt findet sich die altbewährte und zum Teil scheinbar unüberbrückbare Differenz zwischen Theorie und Praxis wider (Sabla). Dementsprechend rückt das Forschende Lernen u.a. als verbindender Brückenschlag in den Fokus (Sabla, Schütz). Des Weiteren werden die Thematik und die Perspektive der spezifischen Didaktik und die sich daraus etablierenden Herausforderungen für diverse Studiengänge zugeordnet und diskutiert (Alsago). Zudem wird das Theorie-Praxis-Verhältnis der Erzieher*innenausbildung beleuchtet (Backer), sowie der Aufruf zu einer professionell-reflektierten Haltung und einem somit adäquateren Umgang mit Adressat*innen statuiert (Colla/ Ristau).

Zu IV. Aktuelle Herausforderungen und notwendige Neuformierungen im Ausbildungsfeld der Sozialpädagogik (175-221). Das weitere Teilgebiet widmet sich der Öffnung (förderliche und hinderliche Bedingungen) der Hochschulen zu mehr Durchlässigkeit im System (Meyer). Darüberhinaus wird sich der Vorbildfunktion gewidmet, die die Ausbilder*innen innehaben und folglich die immense Bedeutung der Sprache (und Sprachförderung) in diesem Kontext im Lehramt der Sozialpädagogik (Tessmer/ Vergöhl/ Neumann). Abschließend finden sich zwei Beiträge zur Netzwerkarbeit. Zum einen im Bereich der frühkindlichen Bildung und Entwicklung (Hartwig), zum anderen in der Beruflichen Bildung Sozialpädagogik (Diestel/ Vergöhl/ Wolff).

Diskussion

Das Werk bietet eine Zusammenfassung diverser Thematiken, die im Verlauf der letzten 20 Jahre in diesem Studiengang stattfanden. Es beschreibt, wie diese positiv gelenkt und sich entwickeln konnten, weist aber auch zu recht auf Fehlschläge hin, bei denen eine rückwirkende Änderung unabdinglich war.

Das Buch ist handlich, ansprechend im Design und umfasst einen adäquaten Umfang. Es lässt sich – für ein Fachbuch – zügig lesen und der ähnliche Schreibstil der Beiträge ist für den Lesefluss förderlich. Der Band wirft inhaltlich Fragen auf, die sich logischerweise automatisch stellen. Unter anderem wird mir – einer M.Ed. Beruflichen Bildung Sozialpädagogik Absolventin – nicht klar, weshalb notwendige Veränderungs- und Entwicklungsprozesse hinterherhinken. Denn folglich ist eine solche Progression des Bedarfs von Absolvent*innen dieses Studiengangs existent und es wird eine Verwirklichung von den Abnehmer*innen gefordert. Eine Veränderung der Bedingungen im Gesamtsystem bleibt wegen fehlgeschlagener (politischer?) Mobilisierung allerdings aus. Die interdependenten, teilweise scheinbar unaufbrechbaren Strukturen erscheinen als eine zum Teil unüberwindbare Hürde, wichtige Elemente zeitnah, effektiv und gewinnbringend zu integrieren, Herausforderungen meistern zu können und somit eine angemessenere Ausbildung an den Standorten gewährleisten zu können. Das Werk zeigt unbestreitbar die Dringlichkeit von Handlungsbedarf auf. Die Herausforderungen bleiben zu bearbeiten und eine Vermehrung dieser wird im Wandel der Zeit durch stetige Verdichtung der komplexen Faktoren nicht ausbleiben. Frei nach dem Motto: Es gibt viel zu tun!

Fazit

Das Sammelwerk gibt einen hervorragenden Überblick über die Entwicklung des Lehramtsstudiums Sozialpädagogik in der Leuphana Universität Lüneburg und erfüllt somit exakt den Anspruch, den der Titel produziert. Ebenfalls werden Herausforderungen statuiert, welche es im Verlauf der Zeit zu bewältigen gilt. Aus dieser Betrachtung ergibt sich ein direkter Handlungsaufruf für die junge Forscher*innengeneration, welcher meines Erachtens dringend gebraucht wird und weshalb das Werk einen hohen Stellenwert besitzt. Das Feld wächst und die Akteur*innen werden früher oder später verstehen (müssen!), dass alle im gleichen Boot sitzen und nur gemeinsam Herausforderungen bewältigt werden können. Theorie und Praxis müssen zunehmend stärker und engmaschiger verzahnt werden, sodass eine zeitnahe und schnellere Rückkopplung von Bedarf im Gesamtsystem stattfinden kann. Ein Werk, das sowohl reflektierend zurückschauend verfasst, sowie vorausdenkend und weitschauend Entwicklungsnotwendigkeiten implementiert und Handlungen impliziert. Vermehrter Dialog – auf Augenhöhe? – wäre ein Beginn.


Rezensentin
Katharina Meyer
M.Ed./ B.Ed. Berufliche Bildung Sozialpädagogik, B.A. Pädagogik
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Zitiervorschlag
Katharina Meyer. Rezension vom 16.01.2018 zu: Maria-Eleonora Karsten, Melanie Kubandt (Hrsg.): Lehramtsstudium Sozialpädagogik. Eine Bestandsaufnahme nach 20 Jahren. Verlag Barbara Budrich (Opladen, Berlin, Toronto) 2017. ISBN 978-3-8474-2067-5. Werkstattbücher: Elementare Sozialpädagogik, Band 1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23464.php, Datum des Zugriffs 20.02.2018.


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