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Eckart Hammer: Männer altern anders

Cover Eckart Hammer: Männer altern anders. Eine Gebrauchsanweisung. Mabuse-Verlag GmbH (Frankfurt am Main) 2017. 219 Seiten. ISBN 978-3-86321-388-6. D: 9,95 EUR, A: 10,30 EUR, CH: 13,30 sFr.
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Thema

Generation 50+ – noch nie hatte man(n) so viele Möglichkeiten wie heute, den neuen Lebensabschnitt zu gestalten. Wenn die Kinder aus dem Haus sind, körperliche Höchstleistungen nicht mehr selbstverständlich sind und das Ende der Berufstätigkeit in absehbare Nähe rückt – welche Freiräume und Chancen bieten sich und was lässt man besser sein? Dieses Buch bietet Informationen und Orientierung für Männer ab 50 und alle, die mit ihnen leben. (Klappentext)

Autor

Prof. Dr. Eckart Hammer, geb. 1954, Dipl.-Sozialpädagoge und Sozialwissenschaftler, lernt an er Evangelischen Hochschule in Ludwigsburg Gerontologie. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Alter sowie mit Männerfragen.

Entstehungshintergrund

Die Männerforschung beschäftigt sich mehrheitlich mit Männer in ihren Rollen als Väter oder Ehemänner und mit den Berufsrollen. Dies führt der Autor auf den Altershorizont der Forscher zurück, der diesen Lebensaltern entspricht. (vgl. S. 13)
Eckart Hammer möchte mit seinem Buch beitragen, diese „Lücke“ in der Männerforschung zu schließen. Er befasst sich im vorliegenden Buch mit den Herausforderungen, mit denen sich Männern jenseits des 50. Lebensjahres konfrontiert sehen. Das „Buch ist so ein Männerbuch, das sich mit Fragen des Älterwerdens und Alters (…) aus Männersicht und mit Blick auf Männer befasst“ (S. 18)

Aufbau

Das Buch ist nach der Einleitung unter dem Titel „Der alte Mann, das unbekannte Wesen“ in fünf Kapitel unterteilt:

  1. Gibt es ein Leben jenseits der Arbeit?
  2. Einsam oder gemeinsam?
  3. Nicht mehr können oder nicht mehr müssen?
  4. Generationenvertrag oder Generationenbetrug?
  5. Trauer oder Hoffnung?

Abgeschlossen wird das Buch mit einem 9seitigen Epilog.

Inhalt

In der Einleitung führt der Autor in sein Buch ein und stellt dar, auf welche Fragen er eine Antwort zu finden und geben versucht. Eine Auswahl:

  • Wie kann man eine nachberufliche Lebensspanne gestalten, die oft länger als die Berufsphase ist?
  • Warum werden Ehen im Alter so asymmetrisch erlebt?
  • Wo findet der Mann in einer weiblichen Altersgesellschaft noch seinen Platz?
  • Wie bewältigen Männer körperliche Einbußen und Gebrechlichkeit?
  • Warum ist die Suizidquote der alten Männer so unglaublich hoch?
  • Warum sterben Männer im Vergleich zu den Frauen so früh und warum wird dies überwiegend achselzuckend als „Naturgesetz“ zur Kenntnis genommen?

„Alle wollen es werden, aber keiner will es sein: alt“ (S. 17). Das vorliegende Buch befasst sich mit den Herausforderungen, die sich Männern jenseits des 50. Lebensjahres stellen. Das Alter gibt es nicht. Deshalb versucht das Buch auch nicht das Alter zu beschreiben, sondern einige Facetten darzustellen. Der Autor führte Gespräche mit Männern zwischen 55 und 69 Jahren über ihr Altern. Im Rahmen des Buches stellt er exemplarisch fünf Männer in unterschiedlichen Lebenslagen vor – pro Identitätssäule ein Portrait.

Die fünf Kapitel orientieren sich an den fünf Säulen der Identität (Arbeit und Beschäftigung, Soziales Netz, Körper und Leiblichkeit, Materielle Sicherheit und Werte/Sinn), wie sie von den Gestalttherapeuten Hildegund Heindl und Hilarion Petzold beschrieben wurden. In Anlehnung an ein Modell des Psychotherapeuten Nossrat Peseschkian ergänzt und beschreibt der Autor die potenziellen „Ruinen“ dieser Identitätssäulen.
Weiter bezieht sich der Autor auf das von Friedemann Schulz von Thun entwickelte Modell des Werte- und Entwicklungsquadrates.

Kapitel 1 „Gibt es ein Leben jenseits der Arbeit?“ befasst sich mit der ersten Identitätssäule Arbeit und Bestätigung und mit den potenziellen Ruinen Aktionismus und Langeweile. Der Autor vergleicht darin unter anderem die Leistungspotenziale von älteren und jüngeren Arbeitnehmern. Er hält dazu fest: „Problematisch ist nicht die Veränderung des Leistungspotenzials an sich, denn diese war und ist ein kontinuierlicher, berufslanger Prozess, der alt und jung einschließt; problematisch ist jedoch eine Bewertung, die willkürlich ab einem bestimmten Lebensalter das weiterentwickelte Arbeitsvermögen diffamiert und als gesellschaftliche Manövriermaße abwertet“ (S. 33).

Im Kapitel 2 „Einsam oder Gemeinsam?“ geht der Autor auf die zweite Identitätssäule des Sozialen Netzes, bestehend aus Familie, Partnerschaft, Freunde, Nachbarn, Vereine etc. und den potenziellen Ruinen Kontaktsucht und Isolation ein. Darin beschäftigt sich der Autor unter auch mit der Hegemonie der Männlichkeit und deren wichtigsten Kennzeichen; der Heterosexualität. Er stellt dabei fest, dass homosexuelle Männer doppelt oder gar dreifach marginalisiert werden.

Die dritte Säule der Identität wird als die Säule des Körpers und der Leiblichkeit beschrieben. Dieser Fokus bildet den Inhalt des 3. Kapitels „Nicht mehr können oder nicht mehr müssen?“ Darin befasst sich der Autor mit dem körperlichen Auswirkungen des Älterwerdens, dem Schwinden der Manneskraft und der Sexualität im Alter. Als potenzielle Ruinen bezeichnet er den zunehmend grassierenden Körperkult in der Gesellschaft und die Hypochondrie.

Fokus des 4. Kapitels „Generationenvertrag oder Generationenbetrug?“ bildet die Sicht auf die Identitätssäule der Materiellen Sicherheit (Einkommen, Vermögen, Lebensstandard, Wohnen) und den möglichen Ruinen Materialismus oder Verarmungswahn. Der Autor geht dabei der Frage nach, ob unserer Gesellschaft ein eigentlicher Generationenkrieg droht. Er stellt fest: „Wir befinden uns mitten in einem epochalen und grundlegenden Wandel der Altersstruktur unserer Gesellschaft …“ (S. 149). Diesen Prozess beschreibt er in den vier Dimensionen Quantität (Es gibt immer mehr Ältere…), Hochaltrigkeit (…die immer älter werden), Entberuflichung (…die immer früher alt gemacht werden) und Altersquotient (…und denen immer weniger Jüngere gegenüberstehen) (vgl. S. 149-150).

Kapitel 5 „Trauer oder Hoffnung?“ nimmt Bezug zur Identitätssäule Werte und Sinn. Dabei geht es um Einstellungen, Ideale, Glaube und Perspektiven. Als mögliche Ruinen dieser Identitätssäule beschreibt der Autor die Gefahr sich Illusionen hinzugeben oder sich durch Angst lähmen zu lassen. Er schließt das Kapitel mit den Aufruf: „Wir brauchen (…) keine Anti-Aging-Bewegung sondern ein Bekenntnis zu einem klaren Pro-Aging, das sich auf die kurze Formel bringen lässt: Heute richtig leben!“ (S. 190).

Im Epilog nimmt der Autor sehr persönlich Stellung zum Thema des älter werden.

Diskussion und Fazit

Das vorliegende Buch ist übersichtlich strukturiert und gut verständlich und durchaus unterhaltsam geschrieben. Die konkreten Portraits der durch den Autor befragten Männer in verschieden Lebenslagen tragen zur Verständlichkeit bei. Zudem illustrieren diverse Abbildungen die fünf Identitätssäulen und geben so gute Orientierung.

Dem Autor gelingt es gut, auf die aufgeworfenen Fragen einzugehen und Antworten darauf zu skizzieren. Die Leser*innen werden angeregt sich ganz persönlich mit den Herausforderungen jenseits des 50. Lebensjahres auseinanderzusetzen. Der Autor bezieht sich über weite Teile auf die Lebensrealität heterosexueller Männer. Einzig im Kapitel 2 geht er kurz auf die Lebenswirklichkeit homosexueller Männer ein. Dies ist schade, reproduziert dies doch die heteronormative Sichtweise auf das Thema.

Das vorliegende Buch wendet sich an alle Männer und an alle die beruflich und privat mit dem Altern von Männern zu tun haben und die damit zusammenhängenden Fragestellungen besser verstehen wollen. Also auch an Frauen.

Der Verdienst Autors ist es, dass er mit seinem Buch dazu beiträgt eine „Lücke“ in der Männerforschung zu schließen. Das Buch ist lesenswert und bereichernd.


Rezensent
Armin Eberli
Dozent, HF Agogis, Zürich
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Zitiervorschlag
Armin Eberli. Rezension vom 06.02.2018 zu: Eckart Hammer: Männer altern anders. Eine Gebrauchsanweisung. Mabuse-Verlag GmbH (Frankfurt am Main) 2017. ISBN 978-3-86321-388-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23466.php, Datum des Zugriffs 15.08.2018.


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