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Jan-Henning Ehm, Jan Lonnemann u.a.: Wie Kinder zwischen vier und acht Jahren lernen

Cover Jan-Henning Ehm, Jan Lonnemann, Marcus Hasselhorn: Wie Kinder zwischen vier und acht Jahren lernen. Psychologische Erkenntnisse und Konsequenzen für die Praxis. Kohlhammer Verlag (Stuttgart) 2017. 175 Seiten. ISBN 978-3-17-024231-9. D: 27,00 EUR, A: 27,80 EUR.
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Autorin

Dr. phil. Jan-Henning Ehm und Dr. phil. Jan Lonnemann sind Mitarbeiter in der Arbeitseinheit Bildung und Entwicklung am Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF), Prof. Dr. Marcus Hasselhorn ist geschäftsführender Direktor des DIPF und Direktor der Abteilung Bildung und Entwicklung.

Thema

Lernen im Vorschul- und frühem Schulalter erhält seit einigen Jahren mehr Aufmerksamkeit. Es fehlt jedoch ein Werk, das sich systematisch mit dem Lernen in diesem Altersbereich beschäftigt. Die Autoren gehen der Frage, wie Kinder in diesem Alter lernen, aus einer pädagogischen und entwicklungspsychologischen Perspektive nach.

Aufbau und Inhalt

Lernen ist ein Prozess, bei dem es zu überdauernden Änderungen von Verhaltenspotenzialen einer Person kommt. Im ersten Kapitel stehen verschiedene Auffassungen vom Lernen im Mittelpunkt und die wichtigsten und gängigen Lerntheorien werden erläutert.

Aufmerksamkeit ist eine wesentliche Voraussetzung des Lernens. Deshalb wird in Kapitel 2 Aufmerksamkeit und Konzentration unterschieden sowie Aufmerksamkeitsnetzwerke für die Aktivierung, Orientierung und exekutive Kontrolle an einem paradigmatischen experimentellen Verfahren erläutert.

Im dritten Kapitel wird das Arbeitsgedächtnis mit den Teilsystemen phonologisches Arbeitsgedächtnis, visuell-räumliches Arbeitsgedächtnis, episodischer Puffer und zentrale Exekutive sowie exekutive Funktionen besprochen.

Intelligenz und Lernstrategien beeinflussen die Güte der Informationsverarbeitung und den Erfolg des Lernens (Kapitel 4). Ebenso wichtig sind das Selbstkonzept, die Lern- und Leistungsmotivation sowie Facetten der Selbstregulation (Kapitel 5).

Im nächsten Kapitel werden Meilensteine der Entwicklung, die zwischen vier und acht Jahren sich verändern, besprochen, so die Theory of Mind und Veränderungen von Gedächtnis und Aufmerksamkeit und der Leistungsmotivation. Besonders herausgestellt wird als Meilenstein der Entwicklung der Übergang von der Kita in die Grundschule.

Die zentrale Herausforderung im Schulanfangsunterricht ist der Erwerb der Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen. Auch wenn die systematische Vermittlung erst in der Grundschule erfolgt, so sind die Vorläuferfertigkeiten von großer Bedeutung. Dies wird in Kapitel 7 und 8 ausführlich erläutert und die gängigen Lehrmethoden diskutiert.

Kinder unterscheiden sich oft deutlich in ihren Lernerfolgen. Kapitel 9 thematisiert individuelle Risiken für Lernschwierigkeiten. Allgemein können ungünstige Ausprägungen individueller kognitiver, motivational-volitionaler und sozio-emotionaler Merkmale dafür verantwortlich sein. Die Autoren unterscheiden dann Lernschwäche und Lernstörung und identifizieren Risikomerkmale für spezifische Lernstörungen im Bereich der Schriftsprache und / oder des Rechnens.

Wichtig ist eine sinnvolle Entwicklungsförderung. Die Autoren diskutieren Ziele und Wege, aber auch Chancen und Grenzen und plädieren für gute alltagsintegrierte Förderung, die durch spezifische Fördermaßnahmen ergänzt wird (Kapitel 10).

Abschließend (Kapitel 11) werden spezifische Inhaltsbereiche und Lernkompetenzen angesprochen, die gefördert werden können, so die schriftsprachliche Vorläufer und die frühen mathematischen Kompetenzen, die Konzentration und Ausdauer, die intellektuellen Fähigkeiten, das Arbeitsgedächtnis, Lernstrategien und Metakognition. Es werden dabei nicht nur bekannte Förderprogramme vorgestellt sondern auch die Bedeutung des Spiels und von Projektarbeiten betont.

Diskussion

Das Buch hat das Lernen im Übergang von Kita zur Grundschule im Focus. Voraussetzungen, Mechanismen, aber auch Risiken für Lernschwierigkeiten und Fördermöglichkeiten werden kompakt, anschaulich und immer wissenschaftlich fundiert besprochen. Es schließt eine Lücke zwischen der frühen Kindheit und dem späten Grundschulalter, also für ein Altersspektrum, das für die weitere schulische Laufbahn sehr wichtig ist. Es ist der Zielgruppe zu empfehlen.

Zielgruppen

Studierende und Berufstätige der Kindheits-, Elementar- und Vorschulpädagogik sowie der Psychologie; Allen, die Interesse am Lernen im Vorschul- und frühem Schulalter haben, auch Eltern.

Fazit

Das Buch beschäftigt sich mit dem wichtigen Altersbereich zwischen 4 und 8 Jahren. Es werden die lernrelevanten entwicklungspsychologischen Veränderungen und Fortschritte in diesem Altersbereich anschaulich besprochen, individuelle Risiken für Lernschwierigkeiten thematisiert und Fördermöglichkeiten vorgestellt. Es schließt eine wichtige Lücke im Übergang von Kita zum frühen Grundschulalter.


Rezensent
Dr. Dipl.-Psych. Lothar Unzner
Leiter der Interdisziplinären Frühförderstellen im Landkreis Erding im Einrichtungsverbund Steinhöring
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Zitiervorschlag
Lothar Unzner. Rezension vom 05.03.2018 zu: Jan-Henning Ehm, Jan Lonnemann, Marcus Hasselhorn: Wie Kinder zwischen vier und acht Jahren lernen. Psychologische Erkenntnisse und Konsequenzen für die Praxis. Kohlhammer Verlag (Stuttgart) 2017. ISBN 978-3-17-024231-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23502.php, Datum des Zugriffs 20.09.2018.


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