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Jörg Fischer, Raimund Geene (Hrsg.): Netzwerke in Frühen Hilfen und Gesundheits­förderung

Cover Jörg Fischer, Raimund Geene (Hrsg.): Netzwerke in Frühen Hilfen und Gesundheitsförderung. Neue Perspektiven kommunaler Modernisierung. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2017. 353 Seiten. ISBN 978-3-7799-3497-4. D: 39,95 EUR, A: 41,10 EUR, CH: 51,90 sFr.
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Herausgeber

Raimund Geene, Prof. Dr. rer. pol., MPH ist Professor für Kindergesundheit an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehören soziallagebezogene Gesundheitsförderung und Prävention, Partizipation und Frühe Hilfen.

Jörg Fischer, Prof. Dr. ist Professor für Bildungs- und Erziehungskonzepte an der Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften der Fachhochschule Erfurt. Er leitet das Institut für kommunale Planung und Entwicklung (IKPE). Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehören Frühe Hilfen und Kinderarmut, Politische Steuerung in der Sozialen Arbeit und Lokales Netzwerkmanagement im Sozial-, Bildungs- und Gesundheitswesen.

Thema

Vernetzung kann als neues Paradigma kommunalen Handelns verstanden werden – auch gerade durch die wachsende Bedeutung und das Erfordernis multiprofessioneller Zusammenarbeit. Insbesondere in den von vielfältigen Modernisierungsprozessen durchzogenen Handlungsfeldern der Frühen Hilfen und der Gesundheitsförderung wächst der Anspruch an und die Notwendigkeit für ein gutes Netzwerk. Auf der Basis dieses Netzwerkgedankens widmet sich der Sammelband den Herausforderungen und Perspektiven gelingender Praxis.

Aufbau

Die insgesamt 18 Beiträge, verfasst von 26 Autorinnen und Autoren, sind fünf Buchteilen zugeordnet:

  1. Herausforderungen für Netzwerke in Frühen Hilfen und Gesundheitsförderung
  2. Innovationsfeld Frühe Hilfen
  3. Innovationsfeld Gesundheitsförderung
  4. Vernetzte Ableitungen und Perspektiven
  5. Kritischer Blick auf vernetzte Ableitungen und Perspektiven

Die Deutsche Nationalbibliothek bietet Einblick in das vollständige Inhaltsverzeichnis.

Zu Teil 1

Im ersten dieser fünf Teile führen die Herausgeber des Sammelbandes in dessen Thematik und Aufbau ein. Es erfolgt ein Themenaufriss und eine Konkretisierung der leitenden Grundthesen und der Ziele. In den drei weiteren Kapiteln liegt der Schwerpunkt gemäß dem Titel auf den Herausforderungen für Netzwerke Früher Hilfen und Gesundheitsförderung. Gesundheitsförderung und Frühe Hilfen, verstanden als moderne Aufgaben mit eigenen Strategien, stellen Querschnittsanforderungen an eine sich ebenso wandelnde Sozial- Gesundheits- und Gesellschaftspolitik wie auch an die eigene ausführende Praxis.

Raimund Geene gibt einen breiten theoretischen Einblick in die Entwicklungsgeschichte der Gesundheitsförderung, die Handlungsfelder und Kernstrategien der Ottawa-Charta (1986). Es folgen praxisnahe Bezüge entlang verschiedener Settings mit Schwerpunkt auf frühe Kindheit und Familie, welche hervorheben, dass Gesundheitsförderung vor allem Verankerung in den Systemen verlangt und nicht als zusätzlicher Gesundheitserziehungsauftrag an Pädagogen gerichtet ist.

Kontrastiert werden von Herbert Schubert die unterschiedlichen Logiken und Wertesysteme der New Public Gouvernance in Abgrenzung zum Public Management. Für die Auseinandersetzung mit dem methodischen Kernbegriff „Netzwerke“ wird dabei ein organisationssoziologischer wie auch netzwerktheoretischer Zugang gewählt. Elementare Bedeutung kommt in diesem Kapitel den Koordinationsfunktionen wie auch den Steuerungsprozessen in Netzwerken zu. Eindringlich wird postuliert, dass eine gelingende Netzwerkkooperation spezifische ökonomische und rechtlich-administrative Rahmenbedingungen benötigt.

Inwiefern auch die Umsetzung Kommunaler Bildungslandschafen durch ökonomische Zwänge geprägt ist, führen Gerhard de Haan und Anika Duveneck in ihrem Beitrag aus. Diese Zwänge zeigen sich aus Sicht der AutorInnen vor allem dann, wenn Bildungsvernetzung nicht einer beabsichtigten Erweiterung von Handlungsspielräumen dient, „sondern vielmehr der Anpassung vorhandener Strukturen an Erfordernisse des Wettbewerbs“ (S. 103).

Zu Teil 2

Im zweiten Teil des Sammelwerks liegt der Fokus auf dem Innovationsfeld „Frühe Hilfen“.

Basierend auf empirischen Befragungsdaten beschreiben Merle Müller und Eike Quilling Erfolgsfaktoren einer gelingenden Netzwerkarbeit. Einer Prozessstruktur folgend, skizzieren sie einzelne Schritte, die es für eine Netzwerkgestaltung benötigt.

Weitere Erfolgsfaktoren, wie die Verständigung auf gemeinsame Ziele aller Netzwerkbeteiligten, gegenseitige Wertschätzung und eine professionelle Netzwerksteuerung, arbeiten Uwe Sandvoss und Martina Hermann-Biert am Beispiel der Dormagener Präventionsketten heraus.

In den drei weiteren Kapiteln bleibt der Blick auf das Handlungsfeld der Frühen Hilfen gerichtet: einmal aus volkswirtschaftlicher Sicht mit einer Kosten-Nutzen-Betrachtung, dann geht es um die Herausforderung der besonderen Bedarfe von Familien mit Fluchterfahrung und die Frage ob jene Familien zwingend als separate Zielgruppe anzusehen sind und somit die Frühen Hilfen eine Weiterentwicklung erfahren müssten.

Am Ende dieses Buchteils werden die besonderen Charakteristika der Netzwerke Früher Hilfen in der Schweiz vor einem länderspezifischen sozialpolitischen Hintergrund eruiert.

Zu Teil 3

Dem Innovationsfeld Gesundheitsförderung wird der dritte als ein weiterer vollständiger Buchteil gewidmet. Mit der Verabschiedung des Präventionsgesetzes wurde mit dem vierten Anlauf ein wichtiger Meilenstein erreicht, wodurch besonders die Verankerung von Gesundheitsförderung in den Lebenswelten gesetzliche Stärkung erfuhr.

Rüdiger Meierjürgen skizziert hier die Chancen und Potenziale, bezieht aber zugleich auch kritisch Position, indem er die weiterhin bestehenden Herausforderungen und Spannungsfelder insbesondere für das Handlungsfeld der kommunalen Gesundheitsförderung aufzeigt.

Die zwei folgenden Kapitel behandeln den Prozess der Familienwerdung aus Perspektive junger Mütter. Einmal geht es darum, wie junge Mütter diesen Prozess erleben und wie dieser durch Angebote aus dem Sozial- und Gesundheitsbereich für die Einzelnen Ressourcen stärkend beeinflusst werden kann. Den theoretischen Hintergrund bildet hierbei der Transitionsansatz.

Beim anschließenden Kapitel wird der Blick dann auf spezifische Belastungen werdender Mütter im Rahmen von Schwangerschaft und Geburt gelenkt. In den Mittelpunkt rückt dabei eine differenzierte Betrachtung von Präventionsmöglichkeiten in dieser Phase, wofür nicht zuletzt auch das 2017 neu formulierte Gesundheitsziel „Gesundheit rund um die Geburt“ ausschlaggebend ist.

Zu Teil 4

Der vierte Teil des Sammelwerks folgt seinem Titel Vernetzte Ableitungen und Perspektiven: es werden methodische Veränderungen in den beiden Handlungsfeldern Frühe Hilfen und Gesundheitsförderung analysiert.

Jörg Fischer und Insa Schulze befassen sich mit Modernisierungsprozessen von Kommunen ausgehend von eher versäulten Strukturen hin zu integrativen Planungsprozessen.

Darauffolgend wird das Konstrukt „Vertrauen“ von Georg Cleppien auch als Grundmerkmal für eine erfolgreiche Fortentwicklung von vernetzten Ansätzen in den Frühen Hilfen definiert und demzufolge als zentraler Wert im Netzwerkhandeln in den Mittelpunkt gestellt.

Zu Teil 5

Im fünften und letzten Teil des Sammelwerks wird ein kritischer Blick auf vernetzte Ableitungen und Perspektiven geworfen.

Carsten Schröder widmet sich dem Konstrukt „Angst“ als eine gesellschaftlich relevante Dimension – im Allgemeinen und auch im Speziellen.

Gunther Graßhoff, Hanna Rettig und Julia Schröder nehmen vor dem Hintergrund programmatischer und institutioneller Logiken eine strukturelle Perspektive auf Adressatinnen und Adressaten der Frühen Hilfen ein. Sie identifizieren am Beispiel empirischer Analysen von Familienhebammen deren Adressierungen von Eltern und leiten daraus weiterführende Fragen wie auch Handlungsbedarfe ab.

Die abschließende Rahmung des Sammelwerks bildet das Schlusskapitel der beiden Herausgeber.

Diskussion

Im einleitenden Beitrag des Sammelwerks wird deutlich, was der Titel bereits erahnen lässt: Es geht um „Netzwerke“ als verbindende und beeinflussende Größe, der Handlungsfelder „Frühe Hilfen“ und „Gesundheitsförderung“. Zunehmende Trends hin zu einem vermehrten Netzwerkdenken und -handeln von Akteurinnen und Akteuren in den beiden Handlungsfeldern, sind mit inhaltlichen und methodischen Veränderungen gekoppelt und haben vielfältige Auswirkungen auf die Arbeitsinhalte, Strukturen, die angewendeten Methoden und das berufliche Selbstverständnis der Handelnden, so eine erste Grundthese der Herausgeber.

Ausgehend von derart vielfältigen Auswirkungen auf unterschiedlichsten Ebenen wird eine weitere These formuliert, und zwar, dass noch weitere direkte und indirekte Auswirkungen für beteiligte Institutionen und Professionen außerhalb des eigentlich Netzwerkhandelns zu erwarten sind – mitunter bis zu einer grundlegenden Wandlung institutioneller Selbstbilder.

Dies führt die Autoren zur offenen Frage, ob sich Institutionen und insbesondere die Leitungskräfte für die Veränderungsprozesse auch hinsichtlich des Netzwerkgedankens öffnen und diese aktiv mitgestalten oder ob kurzfristige innere Sachlogiken für sie handlungsleitend sind und bleiben (S. 14). Im Zentrum steht dabei nicht eine Schilderung von Risiko- und Erfolgsfaktoren, sondern eine konstruktive Analyse, die der Erarbeitung neuer Handlungsoptionen für Kommunen – gemäß deren individuellen Bedarfen und Ausgangssituationen – dienen soll.

Zu Wort kommen hierzu ausgewiesene Expertinnen und Experten, die den Zusammenhang zwischen Netzwerken Früher Hilfen und Gesundheitsförderung für explizite Zielgruppen differenziert beleuchten. Die Komplexität in der die drei Begriffe aus der titelgebenden Thementrias miteinander verwoben sein können, stellt für jede Handelnde und jeden Handelnden im Praxisfeld alltägliche Herausforderung dar.

Bei der Themeneingrenzung innerhalb des einführenden Kapitels ist anzunehmen, dass diese eher der inneren Logik der Herausgeber folgt, dennoch machen sie bereits hier den Perspektivenreichtum des Sammelwerks besonders deutlich. In der Betrachtung der Netzwerkarbeit werden dabei die Chancen auf Handlungsoptionserweiterung wie auch die darin liegende Herausforderung gleichermaßen gewürdigt. Gerade Kenntnisse über die kommunale Praxis sind selten rein theoriegesteuert – die praktischen Erfahrungsberichte untermauern daher erfolgreich theoretische Hintergründe und Bezugnahmen. Das multiprofessionelle Autorenteam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Praxis und Wissenschaft, bestehend u.a. aus Hebammen, Kindheitswissenschaftler/innen, Sozialpädagogen/innen, Bildungsexperten/innen, Sozial- und Gesundheitswissenschaftler/innen und Präventionsbeauftragten bietet der Leserin und dem Leser die Möglichkeit aus unterschiedlichen Handlungs- und Sachlogiken heraus auf das Themenfeld blicken zu können.

Hervortretende Kapitel – wie das von Raimund Geene zu „Gesundheitsförderung und Frühe Hilfen als Modernisierungsstrategien“ – geben einen weitreichenden Einblick in die Funktion und das Ineinandergreifen der feinmechanischen Zahnräder von Gesundheitsförderung und Frühen Hilfen im kommunalen Kontext. Eine bereichernde Ergänzung hierzu ist die organisationstheoretische Perspektive von Herbert Schubert auf die Logiken der New Public Governance. Mit eigenen Worten lässt sich zum Beispiel schlussfolgern: Netzwerkarbeit liegt aus unterschiedlichsten Motivationen heraus „im Trend“, stößt allerdings an die Verwaltungs- und Wettbewerbslogiken des noch bestehenden New Public Management. Dieses Kapitel ist inhaltlich besonders reich, hätte allerdings durchaus noch von einer hochwertigeren graphischen Bebilderung und unterstützenden Forderungen an eine ebenfalls zu modernisierende Verwaltung profitiert.

Ein anderer Zugang zum Themenfeld ergibt sich über die Kapitel zum Transitionsansatz wie auch zu dem Prozess der Familienwerdung und der Gesundheitsförderung in der Zeit der Schwangerschaft. Vor allem letzterem gelingt eine besonders gute Form der Synthese zwischen theoretischen wie praktischen Zugängen zu Frühen Hilfen und Handlungsstrategien der Gesundheitsförderung. Eine Analyse der Netzwerkstrukturen steht hier weniger im Zentrum, viel eher sind diese empirisch geleiteten Erkenntnisse nutzbar für Akteurinnen und Akteure der Frühen Hilfen und der familiären Gesundheitsförderung. Aus Sicht der kommunalen Praxis könnte angemerkt werden, dass die besondere Herausforderung dabei in der Konzeption und Realisierung von Angeboten gemäß den angeführten Präventionsbedarfen liegt, welche bestenfalls eng vernetzt in Zusammenarbeit mit Vertretern/innen des Gesundheitswesens, der Frühen Hilfen, der Kinder- und Jugendhilfe sowie der Gesundheitsförderung und Prävention erfolgt. Dieser empirische Beitrag hat dabei aufgrund seiner Phasenorientierung durchaus Potenzial zur Verschränkung mit Erfolgen und Herausforderungen von Präventionsketten.

Einen weiteren Zugang zum Thema mit theoretischer Präzision und Handlungsbezug sowie einhergehend mit einem eher soziologischen Sprachstil weisen zwei Kapitel auf, die sich vertieft mit sozialwissenschaftlichen Konstrukten „Vertrauen“ und „Angst“ beschäftigen. So kommt Georg Cleppin zu dem Schluss, dass Netzwerke „auf Vertrauen als Bedingung für ihre Dauerhaftigkeit angewiesen sind.“ (S. 292). Carsten Schröder beschreibt Angst – vor allem ein emotionales Klima der Angst – als wesentliche einflussnehmende Größe für Entscheidungen von Netzwerkmitgliedern im Kontext der Kinder- und Jugendhilfe.

Jeder Beitrag dieses Sammelwerks weist in sich eine hohe Stimmigkeit auf und ist reich an Perspektiven und Anregungen. Hinsichtlich der Gliederung des Buches, lässt sich anmerken, dass für eher wenig geschulte Leserinnen und Leser von Sammelwerken die Teilüberschriften möglicherweise fehlleitend sein könnten. Vor allem die Anordnung und Betitelung der Buchteile ab der zweiten Buchhälfte („vernetzte Ableitungen“) erscheint nicht ganz nachvollziehbar.

Für ein verschränktes Verständnis der zahlreichen Beiträge mit sehr unterschiedlichen Zugängen sind vor allem das erste wie auch das letzte Kapitel bedeutsam. Da die Lektüre von Beiträgen eines Sammelwerks häufig nicht chronologisch erfolgt, wäre daher eine Gliederung, die das einführende wie ausleitende Kapitel deutlicher erkennen lässt, für manche/n Leserin und Leser sicher hilfreich gewesen.

Höchste Aktualität weist das Sammelwerk vor allem an jenen Stellen auf, die kritisch Bezug nehmen zum Präventionsgesetz. Hervorzuheben ist dabei der Beitrag von Rüdiger Meierjürgen. So ist mit dem PrävG aus dem Jahr 2015 sicherlich ein lange angebahnter und durchaus auch überfälliger Meilenstein für die Stärkung von Gesundheitsförderung und Prävention erfolgt. Der Beitrag zeigt jedoch das weitere bestehende Dilemma auf, wonach die Verminderung sozial bedingter Ungleichheit von Gesundheits- und Lebenschancen auch weiterhin in der jeweiligen Verantwortung der Kommunen bleibt und somit auch die Gewichtung, welche einem solchen Abbauprozess beigemessen wird.

Auch weiterhin sind die Kommunen hierbei erst einmal auf sich gestellt und frei, nachhaltige und auf die jeweilig vorherrschenden Bedingungen zugeschnittene Strukturen zu etablieren – oder eben nicht. Gerade auch vor dem Hintergrund finanzieller Engpässe und verfügbarer Ressourcen wie auch unterschiedlichster Ausgangslagen für intersektorale Kooperation, dürfen die mittlerweile zahlreichen „Modelle guter Praxis“ demnach nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese in der Regel nicht 1:1 übertragen werden können und für jede Kommune passende Lösungsansätze entwickelt werden müssen.

Im Schlusskapitel erfahren die vielseitigen und variationsreichen Themen eine Verschränkung mit den beiden Handlungsfeldern und ihren jeweils eigenen wie auch gemeinsamen Handlungslogiken und Bestrebungen. Es werden in diesem Kapitel nochmals grundlege Prinzipien beleuchtet: Partizipation kristallisiert sich dabei als Schlüsselfunktion heraus, sie ist in Netzwerken, die als innovative Lern- und Experimentierfelder für kommunale Modernisierung gesehen werden können, nicht zuletzt auch die Methode zur Nachjustierung und Bilanzierung (S. 345). Ohne Partizipation geht es nicht – schließlich kann Unterstützung und Hilfe immer nur auf eigenen Wunsch erfolgen.

Auch zur komplexen Problematik entstehender und sich verfestigender Normativitätsansprüche an Adressatinnen und Adressaten nehmen die Herausgeber zum Schluss Stellung. Der Netzwerk-Begriff wird am Ende dann in den Vordergrund gerückt und resümierend Potenziale für Modernisierungskonzepte im kommunalen Geschehen wie auch Begrenzungen durch fehlende personelle und finanzielle Ressourcen aufgezeigt. Dabei gehen die Herausgeber auch auf die schwierige Position der Sozialversicherungsträger ein, deren jeweiliges Rollenverständnis wie auch ihre Bereitschaft, sich dem ganzen Gemeinwohl verpflichtet zu sehen. Wie an mehreren Stellen angedeutet, wird auch am Schluss nochmal hervorgehoben, dass vor allem die fehlende Implementierung von Netzwerkarbeit in der Aufgaben- und Stellenbeschreibungen sowie Finanzierung von Fachpersonen zu gänzlich fehlenden Ressourcen führt und auch dazu, den gezielten Ressourceneinsatz im Bereich der Netzwerkarbeit kontinuierlich rechtfertigen zu müssen.

Fazit

Es handelt sich hier um ein perspektivenreiches Sammelwerk, welches unter der Thementrias Frühe Hilfen, Gesundheitsförderung und Netzwerke vielfältige Sichtweisen auf und Erkenntnisse zu den titelgebenden Handlungsfeldern vereint. Der Bedeutung sowie den Herausforderungen und Gestaltungsmöglichkeiten von Netzwerkarbeit, werden aus sozialwissenschaftlicher, organisationstheoretischer und kommunal-praktischer Sicht umfassend Raum gegeben. Die Beiträge sind dabei verschiedenen Ebenen zuzuordnen. Mit Studienbefunden, Praxisbeispielen, Begriffsanalysen und Erfahrungsberichten werden unterschiedliche „Flughöhen“ erzeugt, welche die Leserin und den Leser fordern. Das lesenswerte Sammelwerk eröffnet somit für Akteurinnen und Akteure der Praxishandlungsfelder wie auch NewcomerInnen, Forschenden und Studierenden einen breiten Zugang zur Thematik. Zudem sind zahlreiche „weiterführende Fragen“ wie auch politische Denkanstöße platziert, sodass die Lektüre nebst Erkenntnisgewinn, auch vielfältige Anregung zum Weiterdenken, -handeln und -forschen bietet.


Rezensentin
Dr. des. Birgit Ulrika Keller
MA Gesundheitsförderung, BA Soziale Arbeit, Promotion an der Universität Konstanz im Fachbereich Geschichte und Soziologie, Dozentin für Gesundheitssoziologie, Konzepte der Gesundheitsförderung und Sozialepidemiologie an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften in Winterthur (CH)
Homepage www.zhaw.ch/de/ueber-uns/person/kelb/
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Zitiervorschlag
Birgit Ulrika Keller. Rezension vom 14.08.2018 zu: Jörg Fischer, Raimund Geene (Hrsg.): Netzwerke in Frühen Hilfen und Gesundheitsförderung. Neue Perspektiven kommunaler Modernisierung. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2017. ISBN 978-3-7799-3497-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23509.php, Datum des Zugriffs 14.11.2018.


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ISSN 2190-9245

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