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Arno Deister, Thomas Pollmächer u.a. (Hrsg.): Krankenhaus­management in Psychiatrie und Psychotherapie

Cover Arno Deister, Thomas Pollmächer, Peter Falkai, Katrin Erk (Hrsg.): Krankenhausmanagement in Psychiatrie und Psychotherapie. Strategien, Konzepte und Methoden. MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft (Berlin) 2017. 500 Seiten. ISBN 978-3-95466-351-4. D: 99,95 EUR, A: 102,95 EUR, CH: 103,00 sFr.
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Thema

Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie stehen in einem besonderen gesellschaftlichen Kontext. Die Erwartungen der Gesellschaft und der Gesundheitspolitik an die psychiatrisch-psychotherapeutischen Kliniken sind umfassend, vielfältig und dabei nicht selten widersprüchlich. Hohe Anforderungen an die Qualität der zu erbringenden Leistungen mischen sich mit einer oft grundsätzlichen Infragestellung der Notwendigkeit und Effektivität psychiatrischen und psychotherapeutischen Handelns. Personen, die in Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie Verantwortung getragen, sehen sich deutlich komplexeren gesellschaftlichen Herausforderungen gegenüber als dies für die entsprechenden Funktionen in der somatischen Medizin gilt.

Im Bereich des Krankenhausmanagements hat dies direkte Auswirkungen auf Diskussionen mit Kostenträgern über Fragen der Budgets und mit der Gesundheitspolitik über die Notwendigkeit und Effizienz des Einsatzes von Ressourcen. Die häufig fehlende Selbstverständlichkeit im Wissen über das Wesen psychischer Erkrankungen führt dazu, dass nicht nur einzelne Maßnahmen, sondern auch die grundsätzliche Sinnhaftigkeit der Behandlung psychischer Erkrankungen infrage gestellt werden. Die komplexe ordnungspolitische Funktion von Psychiatrie und Psychotherapie verstärkt diese Problematik noch zusätzlich. Neben den eher kritischen und skeptischen Einstellungen wird auf der anderen Seite vom Fach Psychiatrie und Psychotherapie häufig erwartet, dass zu grundsätzlichen gesellschaftlichen Fragen und Themen Stellung bezogen wird. Dies gilt auch dann, wenn diese Fragestellungen mit dem Kernbereich des Faches – nämlich der Behandlung von Menschen mit psychischen Erkrankungen – wenig zu tun haben. Die Einflüsse des Faches auf gesellschaftliche und politische Entscheidungen sind nicht selten beträchtlich, was in der Konsequenz zu einer besonderen Verantwortung der Entscheidungsträger führt. Die Gefahr der Instrumentalisierung von Psychiatrie und Psychotherapie für Problembereiche, die durch die Gesellschaft nicht verstehbar oder lösbar erscheinen, ist dabei stets gegeben. In Einzelfällen ist auch ein Missbrauch der Kompetenzen von Psychiatrie und Psychotherapie nicht auszuschließen. Das Management psychiatrischer und psychotherapeutischer Krankenhäuser kann dann zeitweise eine Gratwan­derung zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Problembereichen darstellen.

Psychische Erkrankungen und Störungen haben grundsätzlich und oft langfristig Einfluss auf den ge­sellschaftlichen Kontext. Mit diesen Erwartungen geht regelhaft auch eine Einschränkung der Teilha­be an sozialen Prozessen einher. Psychische Erkran­kungen und das gesellschaftliche Umfeld stehen in einer Wechselwirkung zueinander, die einerseits zu Stigmatisierung oder gar Diskriminierung von Men­schen mit psychischen Erkrankungen beiträgt, auf der anderen Seite zu Ängsten und Belastungen der Bevölkerung (auch in finanzieller Hinsicht) führen kann. Menschen mit psychischen Erkrankungen fällt es krankheitsbedingt oft schwer, sich für ihre eigenen Bedürfnisse und Belange adäquat einzuset­zen. Angehörige übernehmen evtl. einen Teil dieser Aufgaben. Es bleibt aber auch eine wesentliche He­rausforderung der in diesen Bereichen Tätigen, die­sen Aspekt psychischer Erkrankungen mit in ihr pro­fessionelles Handeln einzubeziehen. Im klinischen Kontext bilden sich die Wechselwirkungen mit dem gesellschaftlichen Bereich in dem Bestreben ab, durch psychosoziale Maßnahmen wie Milieugestal­tung, Psychoedukation und Empowerment einen umfassenden Prozess der Genesung (im Sinne von Recovery) anzustoßen und zu unterstützen.

Gesellschaftliche Erwartungen, Einflüsse und Prob­lembereiche prägen das Fachgebiet der Psychiatrie und Psychotherapie allgemein, die Krankenhäuser für Psychiatrie und Psychotherapie aber in ganz be­sonderer Weise. Die Kliniken sehen sich in wesent­lichen Bereichen differenzierten und teilweise wi­dersprüchlichen Anforderungen ausgesetzt. Diese sind Ausdruck insbesondere des doppelten Auftrags an die Kliniken, also des Auftrags zur Behandlung und der ordnungspolitischen Funktionen, sowie des Spannungsfeldes zwischen ethischer und ökonomi­scher Betrachtungsweise. Dies zu beachten und in Management-Entscheidungen mit einzubeziehen, ist eine zentrale Aufgabe für Führungskräfte in den Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie.

Herausgeber und Autorinnen und Autoren

Arno Deister, Thomas Pollmächer, Peter Falkai und Katrin Erk sind die Herausgeber dieses Sammelbands.

Arno Deister studierte Humanmedizin an den Universitäten Aachen und Köln. Seine Facharztweiterbildungen für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatische Medizin und Forensische Psychiatrie absolvierte er an den Universitäten in Köln und Bonn, wo er auch habilitierte. Seit 1996 ist er Chefarzt des Zentrums für Psychosoziale Medizin des Klinikums Itzehoe. 2000 bis 2003 und 2006 bis 2012 war er Ärztlicher Direktor des Klinikums Itzehoe. 2017/2018 wird Deister Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. (DGPPN). Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen im Bereich der Psychosenforschung, der Sozialpsychiatrie und der Struktur des Gesundheitssystems.

Thomas Pollmächer ist Direktor des Zentrums für psychische Gesundheit am Klinikum Ingolstadt. Er studierte Medizin und Alte Geschichte in Freiburg i. Br. und wurde an der Universität Freiburg, der Ludwig-Maximilians-Universität München und dem Max-Planck-Institut für Psychiatrie zum Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie ausgebildet. Pollmächer ist Vorsitzender der Bundesdirektorenkonferenz, Mitglied des Vorstandes der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. (DGPPN) und Vorsitzender der DGPPN Taskforce Patientenautonomie.

Peter Falkai ist Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seine Forschungsschwerpunkte sind die pathomorphologischen Aspekte der Schizophrenie. Zahlreiche seiner laufenden Forschungsprojekte sind durch die DFG, das BMBF und die Stanley-Foundation gefördert. Von 2011 bis 2012 war Falkai Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. (DGPPN). Er ist Autor der Schizophrenie Behandlungsleitlinien der DGPPN sowie der World Federation of Biological Psychiatry (WFSBP).

Katrin Erk studierte Wirtschaftsingenieurwesen in Esslingen. Anschließend war sie acht Jahre bei Dräger Medizintechnik, Lübeck, in unterschiedlichen Fach- und Führungspositionen, bis zur leitenden Angestellten. Anschließender wechselte zu einem regionalen Klinikverbund in Baden-Württemberg, wo sie leitende kaufmännische Aufgaben übernahm. Ab 2006 arbeitete sie als Kaufmännischer Vorstand des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit, seit Juni 2019 als kaufmännischer Vorstand des Universitätsklinikums Dresden. Sie ist u.a. Mitglied im Vorstand des SPDI Mannheim, des VKD, Fachgruppe Psychiatrie und im VUD Leitung einer Task Force zum neuen Entgelt.

Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl an Autorinnen und Autoren, die an dem Werk mitgewirkt haben. Bei der Darstellung des Aufbaus und Inhalts des Buches werden die jeweiligen Verfasser angegeben.

Entstehungshintergrund

Die umfassenden Veränderungen, die es in den letzten Jahren in der Krankenhauslandschaft gegeben hat, betreffen psychiatrische und psychotherapeutische Krankenhäuser in besonderer Weise. Sie stehen vor der Herausforderung, die (besonderen) Bedürfnisse von Menschen mit psychischen Erkrankungen und die ökonomischen Anforderungen an das Krankenhaus miteinander zu vereinbaren. Diesen Fragenkreisen widmet sich der im Jahre 2017 erschienene Sammelband.

Aufbau

Der Sammelband ist in zehn Kapitel mit weiteren Unterschnitten gegliedert.

  1. Psychiatrie und Psychotherapie im Kontext von Gesellschaft, Politik und (Gesundheits‑)Ökonomie
  2. Psychiatrie und Psychotherapie im Kontext des Gesundheitswesens
  3. Behandlungsprozesse im Krankenhaus
  4. Organisationsformen psychiatrischer Versorgung
  5. Führung und Management
  6. Planung, Finanzierung und Leistungssteuerung
  7. Qualitäts- und Risikomanagement
  8. Qualitäts- und Risikomanagement
  9. Kommunikation und Marketing
  10. Zukünftige Herausforderungen an das Management

Inhalt

Das Buch gliedert sich in zehn Kapitel mit weiteren Unterkapiteln. Die Kapitel sind mit römischen Zahlen durchnummeriert. Jedem Beitrag ist eine Literaturübersicht beigefügt, die im Regelfall bis zu 10 Fundstellen wiedergibt. Wenn ein Beitrag eine ausführlichere Literaturübersicht enthält und deshalb für ein Einlesen in die Materie besonders geeignet ist, wird dies in den folgenden Besprechungen herausgestellt.

Kap. I lautet „Psychiatrie und Psychotherapie im Kontext von Gesellschaft, Politik und (Gesundheits‑)Ökonomie“.

  • Krankenhäuser für Psychiatrie und Psychotherapie im gesellschaftlichen Kontext (Autor: Arno Deister)

Auf den S. 3–8 gibt Deister einen einführenden Überblick über die gesellschaftlichen Einflüsse und Problembereiche der Psychiatrie und Psychotherapie unter besonderer Berücksichtigung der Krankenhäuser. Die Kliniken sehen sich widersprüchlichen Anforderungen in wesentlichen Bereichen ausgesetzt. Deister stellt Spannungen zwischen ethischen und ökonomischen Betrachtungsweisen fest. Führungskräfte haben die Behandlungsauftrag und die ordnungspolitische Funktion der Krankenhäuser zu beachten.

  • Krankenhäuser für Psychiatrie und Psychotherapie im unternehmerischen Kontext (Bernhard Ziegler und Arno Deister)

Der Beitrag von Ziegler/​Deister auf den S. 9–13 ergänzt das vorherige Kapitel um die unternehmerische Perspektive. Die beiden Autoren stellen Unternehmensstrukturen und zukünftige Herausforderungen an das Management dar.

  • Ethische Kernfragen in der Psychiatrie und Psychotherapie (Wolfgang Jordan)

Jordan stellt auf den S. 15–23 die Grundlagen der Ethik der Psychiatrie und Psychotherapie dar. Zunächst fragt er, ob es eine eigenständige der Ethik der Psychiatrie und Psychotherapie gibt. Ärztliches Handeln beruht auf den beiden Säulen naturwissenschaftliche Erkenntnis und der Ethik der Humanität. In der zweiten Säule spiegelt sich die Person des Arztes wieder. Anschließend erörtert er eine Regelethik für das bestehende Gesundheitswesen. Den letzten Teil seiner Ausführung macht eine Vision aus, er fragt nach dem ethischen Therapeuten und der ethischen Krankenhausführung. Er schließt mit dem „ethischen Kompass der Neuzeit“ (S. 3), dies sind sieben Thesen für die Praxis. Dem Beitrag ist ein ausführliches Literaturverzeichnis beigefügt (S. 23 und 24).

  • Psychiatrie und Recht (Thomas Pollmächer)

Der Mitherausgeber Pollmächer stellt in seinem Beitrag auf den S. 25–33 die Vielzahl der gesetzlichen Regelungen und Verordnungen dar. Für Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen, ihre Behandler und die Institutionen stellen sich die Rechtsverhältnisse speziell dar. Z.T. muss die Autonomie der Patienten vorübergehend oder dauerhaft eingeschränkt werden. Hieraus ergibt sich eine besondere Schutzbedürftigkeit. Die rechtlichen Regelungen haben in den letzten Jahren dazu geführt, dass die Patientenrechte erhöht wurden.

  • EXKURS: Zwang in der Psychiatrie (Tilman Steinert)

Steinert stellt auf den S. 35–37 in einem kurzen Exkurs den Zwang in der Psychiatrie dar. Dieser kann sich daraus ergeben, dass das Krankenhaus die Pflicht hat, den Patienten vor sich selbst bzw. seine Umwelt zu schützen. Hierfür gibt er fünf Empfehlungen für die Klinikleitung und das Management.

Kap. II thematisiert die „Psychiatrie und Psychotherapie im Kontext des Gesundheitswesens“.

  • Die Stellung der Psychiatrie und Psychotherapie im deutschen Gesundheitswesen (Anne Maria Möller-Leimkühler und Peter Falkai)

In diesem Beitrag über die S. 41–46 stellen die Autoren die gesellschaftliche Bedeutung psychischer Störungen, Versorgungsstrukturen und Engpässe, die stationäre und ambulante Versorgung, und das Verhältnis zwischen der somatischen Medizin die Psychiatrie dar. Möller-Leimkühler/Falkai schlussfolgern am Ende ihres Beitrags, dass es zwischen steigendem Bedarf und zunehmender Ressourcenknappheit einen Ausgleich zu finden gilt. Eine Lösung sehen die beiden Autoren in einer stärkeren Vernetzung stationärer und ambulante Versorgungsangebote. So sollen möglichst flächendeckend integrierte Versorgungsstrukturen entstehen. Deren Finanzierung muss durch neue gesetzliche Regelungen ermöglicht werden. Der Beitrag schließt mit einer umfangreichen Literaturübersicht.

  • Die psychiatrische und psychotherapeutische Versorgung in Deutschland (Moritz E. Wigand und Thomas Becker)

Wigand/Becker stellen auf den S. 49 – 52 die historische Entwicklung und die derzeitigen Organisationsformen und Organisationsstrukturen der psychiatrischen und psychotherapeutischen Versorgung in Deutschland dar, zu letzterem gehören auch die Rehabilitationsangebote und das soziale Umfeld und die Angehörigen der Patienten.

  • Grundlagen der psychiatrischen und psychotherapeutischen Versorgung (Moritz E. Wigand und Thomas Becker)

Dieselben Autoren gehen auf den S. 53–57 auf die Grundlagen der Versorgung ein, dabei betrachten sie den Bedarf und das Bedürfnis (derzeit befinden sich ca. 1 Mio. Menschen in psychiatrischer bzw. psychotherapeutischer Behandlung), die Ressourcen und ihre Allokation sowie die Inanspruchnahme der Ressourcen ein. Sie stellen fest, dass es eine zunehmende Inanspruchnahme psychiatrischer und psychotherapeutischer Behandlungen in Deutschland gibt.

  • Nachfrage nach psychiatrischer und psychotherapeutischer Versorgung (Hans Joachim Salize und Andreas Hoell)

Salize/Hoell berichten auf den S. 59–69 über die Nachfrage nach psychiatrischen und psychotherapeutischen Versorgungsleistungen. Dabei benutzen sie zahlreiche anschauliche Diagramme. Sie stellen eine hohe Komplexität fest, die es nur eingeschränkt ermöglicht, den Bedarf, die Bedarfsdeckung und Inanspruchnahme von Leistungen in der Psychiatrie nachzuzeichnen. Wie sich die aktuell veränderten Vergütungsstrukturen auf die Nachfrage auswirken werden, ist unsicher. Es verbleibt die Notwendigkeit, die Interessenlagen und Widersprüche immer wieder auszubalancieren (S. 68)

Kap. III geht auf die „Behandlungsprozesse im Krankenhaus“ ein.

  • Struktur und Organisation der klinischen psychiatrisch-psychotherapeutischen Versorgung von Arno Deister

Der Mitherausgeber Deister hat es übernommen, auf den S. 73- 83 die Struktur und Organisation der klinischen psychiatrisch-psychotherapeutischen Versorgung in Deutschland darzustellen. Hierfür benutzt er eine Vielzahl an anschaulichen Graphiken und Übersichten, z.B. zu

  • Das Hilfe- und Versorgungssystem in der Psychiatrie und Psychotherapie
  • Die klinische Psychiatrie und Psychotherapie im medizinischen Kontext
  • Organisationsformen von Kliniken
  • Aufnahme, Behandlung und Entlassung (Beispielschema)
  • Interne Organisation einer Klinik
  • Berufsgruppen im multiprofessionellen Team
  • Diagnostik und Behandlung durch das Krankenhaus
  • Funktionale Organisation der Behandlungsstruktur

Deister schließt seinen informativen und tiefgehenden Beitrag mit einer Darstellung der neuen Versorgungsformen ab.

  • Untersuchungsmethoden in der Psychiatrie und Psychotherapie (Matthias A. Reinhard und Peter Falkai)

Reinhard/Falkai stellen auf den S. 85–93 die Untersuchungsmethoden in der Psychiatrie und Psychotherapie dar. Dabei gehen sie auf die Anamnese, das psychiatrische Gespräch, seine Dokumentation und die Diagnose in ihren vielfältigen Untersuchungsmethoden ein. Die modernen apparativen und labormedizinischen Untersuchungen verbessern die Diagnosemöglichkeiten.

  • Biologische Behandlungsformen (Alkomiet Hasan)

Hasan ergänzt den voranstehenden Beitrag um eine Darstellung der biologischen Behandlungsformen auf den S. 95–106. Er stellt z.B. die Psychopharmakotherapie heraus. Er geht auf die Behandlungsleitlinien der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde ein (S. 100). Am Schluss bewertet er die Möglichkeiten und Grenzen dieser Verfahren. Der tief gehende Beitrag wird um ein ausführliches Literaturverzeichnis auf den S. 106 und 107 abgeschlossen.

  • Psychotherapeutische Behandlungsformen (Frank Padberg)

Padberg stellt auf den S. 109–117 die psychotherapeutischen Behandlungsformen dar. Neben einer geschichtlichen Entwicklung stellt er neuere Formen der Behandlung dar. Der Beitrag wird abgeschlossen durch ein ausführliches Literaturverzeichnis auf den S. 117–118.

  • Psychosoziale Behandlungsformen (Steffi G. Riedel-Heller, Thomas Becker und Uta Gühne)

Riedel-Heller/​Becker/Gühne gehen auf den S. 119–125 die psychosozialen Behandlungsformen wie das Training sozialer Fertigkeiten, künstlerische Therapien, Sport- und Bewegungstherapien und die Ergotherapie ein. Abschließend gehen sie auf das Entwicklungsfeld der Peer-Arbeit ein. Auf S. 126 findet sich ein ausführliches Literaturverzeichnis.

  • Psychiatrische Pflege in Psychiatrie und Psychotherapie (Bruno Hemkendreis und André Nienaber)

Hemkendreis/​Nienaber ergänzen die bisherigen medizinischen Darstellungen um den Aspekt der Pflege in der Psychiatrie und Psychotherapie (S. 127–131). Die Pflege ergänzt die medizinische Behandlung und stellt einen wichtigen Baustein dar. Von großer Bedeutung ist der Aufbau einer persönlichen Beziehung zu dem hilfesuchenden Patienten. Dem Beitrag ist ein ausführliches Literaturverzeichnis auf den S. 131 – 132 angefügt.

  • Transitionsmedizin. Entwicklungsadäquate Ausgestaltung von Behandlungsprozessen im Krankenhaus im Übergang zum Erwachsenenalter (Jörg M. Fegert und Harald J. Freyberger)

In der Phase ab dem 18. Lebensjahr gibt es besondere Herausforderungen, die im Beitrag von Fegert/​Freyberger auf den S. 133–138 behandelt werden. Zu beobachten ist, dass der Verbleib im Elternhaus bei vielen Jugendlichen länger andauert („Hotel Mama“). Aber auch zwischen anderen Lebensphasen gibt es Übergänge (Transitionen) mit ihren besonderen Bedarfen. Diskontinuitäten sind zu vermeiden. Der Beitrag schließt mit einem zweiseitigen Literaturüberblick.

  • Behandlungspfade (Martin Heinze und Frank G. Oppermann)

Heinze/​Oppermann gehen auf die Behandlungspfade in der Psychiatrie und Psychotherapie ein (S. 141- 146). Dabei stellen sie Funktion und Entwicklung von Behandlungspfaden in der Psychiatrie und Psychotherapie durch das Krankenhaus dar. Anhand eines Fallbeispiels stellen sie den Aufbau und die strukturellen Voraussetzungen des erfolgreichen Einsatzes von Behandlungspfaden dar, dabei sind die Graphiken zum Behandlungsplan und zum Flussdiagramm sehr anschaulich.

  • Beteiligung von Betroffenen und Angehörigen – vom Trialog zur Peer-Arbeit (Thomas Bock, Hans Jochim Meyer und Gwen Schulz)

Bock/Meyer/​Schulz stellen auf den S. 147–152 die Beteiligung der Angehörigen an der psychiatrischen und psychotherapeutischen Behandlung dar. Wichtig ist eine gleichberechtigte Beteiligung der Betroffenen und Angehörigen. Hierzu gibt es in Deutschland eine lange Tradition, deren Entwicklungslinien die Autoren darstellen. Neben der Pathologie wird die anthropologische Sichtweise ergänzt. Durch gezielten Einsatz eines Peers (etwa im Home-Treatment) kann der Nutzen für den Patienten erhöht werden.

  • EXKURS: Herausforderungen durch Migranten und Flüchtlinge (Meryam Schouler-Ocak)

In diesem Exkurs stellt Schouler-Ocak die Zugangsbarrieren, Abläufe, das Aufgabenprofil und die Qualifizierung für den Integrations- und Migrationsbeauftragten für die Behandlung von Migranten und Flüchtlinge dar (S. 153–158). Es besteht die Notwendigkeit der guten Organisation der interkulturellen Behandlung. Der Integrations- und Migrationsbeauftragten kann die Kompetenz der behandelnden Personen im Krankenhaus erhöhen.

  • EXKURS: Menschen mit geistiger Behinderung als Herausforderung (Michael Seidel)

In einem Exkurs geht Seidel auf die besonderen Herausforderungen für die Behandlung von Menschen mit geistiger Behinderung ein (S. 159–163). Da Menschen mit geistiger Behinderung besonders oft von zusätzlichen psychischen Störungen betroffen sind, ist dies ein wichtiges Thema. Seidel stellt die besonderen Probleme dieser Personengruppe im Krankenhaus dar (S. 160). Die Kliniken müssen sich für die Versorgung dieser Personengruppe zuständig betrachten und dafür geeignete organisatorische und fachliche Vorbereitungen treffen.

Kap. IV geht auf „Organisationsformen psychiatrischer Versorgung“ ein.

  • Rahmenbedingung der Versorgungsstruktur (Kristina Adorjan und Oliver Pogarell)

Auf den S. 167–176 berichten Adorjan/Pogarell über die Versorgungsstrukturen der psychiatrischer Versorgung. Dabei betrachten sie gesundheitsökonomische Aspekte, individuelle Patientenbedürfnisse, die Rahmenbedingung der Versorgungsstruktur mit den Interventionen auf der Systemebene und auf der therapeutischen Ebene. Schließlich gehen sie auf die Entstigmatisierung ein, ein wichtiges Thema, da psychische Erkrankungen nach wie vor gesellschaftlich stigmatisiert wind. Aus der mangenden Anerkennung als Krankheit folgt ein geringes Selbstwertgefühl der Patienten. Der ausführliche Beitrag endet mit einem Fazit, in dem die Autoren die Bedeutung der integrativen Versorgungsstruktur in der Psychiatrie und Psychotherapie eingehen.

  • Steuerung psychiatrischer und psychotherapeutischer Versorgung (Martin Lambert, Anne Karow, Arno Deister, Vivien Kraft und Jürgen Gallinat)

Lambert/​Karow/​Deister/​Kraft/​Gallinat stellen auf den S. 177–185 die Herausforderungen für die Steuerung psychiatrischer und psychotherapeutischer Kliniken dar. Zunächst berichten sie über die Ausgangslage für eine verbesserte Steuerung im Versorgungssystem. Auf S. 179 findet sich eine zusammenfassende Darstellung der strukturellen Probleme der psychischen Erkrankungen und ihre wesentlichen Ursachen. Wenn das Ziel einer verbesserten Steuerung verfolgt werden soll, gilt es die spezifischen Probleme der Steuerung der psychiatrischen und psychotherapeutischen Versorgung zu erörtern. Hierzu gehören

  • Verbesserte Diagnostik
  • Indikationsstellung und Krisenintervention
  • Integration der hausärtzlichen Versorgung
  • Verbessertete evidenzbasierte Behandlung
  • Integration und Flexibilisierung der ambulanten Psychotherapie
  • Integration von E-Mental-Health Angeboten und
  • die Integration von modernen Ausbildungs- und Arbeitsintegrationsmaßnahmen.

Der ausführliche und tiefgehende Beitrag wird durch ein Literaturverzeichnis über 2 Seiten abgeschlossen.

  • Krankenhausformen in der psychiatrischen Versorgung (Sylvia Claus)

Die Krankenhausformen in der psychiatrischen Versorgung sind Gegenstand des Beitrags von Claus (S. 187–191). In diesem kurzen Beitrag werden die Versorgungsformen von Universitätskliniken bis zu ambulanten Behandlungen aufgelistet und kurz präsentiert. Früher wurden psychisch erkrankte Personen in möglichst abgelegene „Verwahranstalten“ verschoben, heute gibt es eine Vielzahl an verbesserten, modernen Behandlungsformen. Diese bieten einen Ausweg aus der Ausgrenzung und einen Übergang in die Normalität.

  • Stationäre Pflege und Wiedereingliederung (Rüdiger Noelle und Michael Löhr)

Der Beitrag von Noelle/Löhr stellt auf den S. 193–198 die besonderen Probleme der stationäre Pflege und Wiedereingliederung dar. Aus dem Blickwinkel des operativen Managements werden ausgehend von den Zuständigkeiten und dem Behandlungsbudget die verschiedenen Aspekte der Behandlung im Krankenhaus betrachtet (Finanzierung, Ökonomie, Erlösplanung, Personaleinsatz, Führung und Prozesse. Die Autoren verweisen auf die vorliegenden Instrumente der Verhaltenstherapie und Psychoanalyse, wie sie beispielsweise an der Fachhochschule der Diakonie in Bielefeld gelehrt werden.

  • Andere ambulante Angebote (Nils Greve)

Greve stellt auf den S. 199–207 andere ambulante Angebote, wie den gemeindepsychiatrischen Dienst, die sozialpsychiatrischen Dienste, ambulante Therapien (Ergotherapie, Soziotherapie), Kontakt- und Beratungsstellen psychiatrische Pflege dar. In weiteren Abschnitten behandelt Greve die Hilfen zur Teilhabe am Arbeitsleben und die Hilfen zum Wohnen und zur sozialen Teilhabe. Diese anderen ambulanten Angebote werden i.d.R. in Sprechstundenform bzw. in offenen Treffes (z.B. Cafés) durchgeführt.

  • Besonderheiten in der Leitung einer Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie (Nahlah Saimeh)

Saimeh geht auf den S. 209–216 auf die Besonderheiten der Leitung einer forensischen Klinik ein. Besonders zu beachten ist ein Sicherheitskonzept, die Fehlerkultur und die Auswahl geeigneten Personals. Forensische Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie sind keine Gefängnisse, sondern psychiatrische Fachrankenhäuser, auch wenn sie den gesetzlichen Auftrag der Besserung und Sicherung von Straftätern übernehmen.

  • Krankenhausmanagement unter besonderer Berücksichtigung der Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie (Renate Schepker)

Schepker geht in seinem Beitrag auf den S. 217–225 auf die Besonderheiten der Kinder- und Jugendpsychiatrie ein. Dafür stellt sie nach einer kurzen historischen Einordnung die besondere Versorgungssituation, die internen Prozesse der psychiatrischen Kinder- und Jugendklinik und die Gestaltung der Interaktion nach außen dar.

  • Reformansätze in der Versorgungsstruktur (Ingmar Steinhart)

Reformansätze in der Versorgungsstruktur sind das Thema des Beitrags von Steinhart (S. 227–232). Zunächst fragt Steinert, ob die Krankenbehandlung in einem Haus für Kranke stattfinden muss. Heute sei die überwiegende Zahl der Ärzte der Meinung, dass eine „Balanced Care Struktur“ mit allen Elementen der stationären und ambulanten Versorgung die angemessene Antwort auf die gestellte Frage sei (S. 228). Anschließend betrachtet er evidenzbasierte Versorgungsstrukturen für psychisch schwer kranke Menschen, die Chancen einer differenzierten Krankenhausbehandlung in Deutschland, den integrierte Versorgungsstandard sowie alternative Steuerungs- und Finanzierungsmodelle. Auf jeden Fall wird sich die Behandlung in Zukunft um einen ambulanten Kern (S. 232) gliedern, um attraktiv zu bleiben.

Kap. V widmet sich dem Thema „Führung und Management“.

  • Das multiprofessionelle Team (Christian Kieser und Luciana Degano Kieser)

Kieser/Kieser betrachten auf den S. 235–239 das Thema multiprofessionelle Teams. Wenn verschiedenen Kompetenzen in ein Team eingebracht werden, kann dies die Behandlung verbessern. Für die multiprofessionellen Teams ergeben sich neue Leitungsaufgaben. Wie mit der zunehmende Ökonomisierung umzugehen ist, erzeugt in den letzten Jahren eine zunehmende Spannung. Das breit aufgestellte Team bietet nach Ansicht der Verfasser eine Möglichkeit, diese Spannungen zu klären und konstruktiv gemeinsam zu arbeiten.

  • Das OSTO-Modell für Organisationsentwicklung und die Kunst der kleinen Lösung (Klaus Henning und Michael Meinecke)

Henning/​Meinecke erörtern auf den S. 241 -246 das OSTO-Modell für Organisationsentwicklung. Der Begriff leite sich aus dem Organizational Performance Modell von David P. Hanna (1988) ab. Es wurde für Procter und Gamble entwickelt und mehrfach weiterentwickelt, u.a. von Hennig (2015). Dieses Modell ist ein ganzheitliches und systemisches Modell, vergleichbar mit dem St. Gallener Managementmodell (vgl. die Abb. 1 und 2 auf den S. 242 und 243). Kybernetische Modelle denken in Netzwerken und sehen – wie in der Biologie – auch in Unternehmen Organismen, dies sich z.T. selbst steuern. Umwelteinflüsse und die Entwicklung solcher Systeme sind bewusst zur Kenntnis zu nehmen und im Management zu beachten. In einer Monographie hat Hennig über die „Kunst der kleinen Lösung“ geschrieben. In seinem Buchbeitrag zeichnet er nach, wie komplexe Entscheidungen in eine Veränderungsentscheidungen umgewandelt werden können. Man ist mit einer schrittweisen Verbesserung wie im agilen Projektmanagement zufrieden. Henning/​Meinecke stellen im Kontext komplexer Entscheidungen im Krankenhaus auf den S. 245–246 sieben Irrtümer dar, die im Management vermieden werden sollten. Dieser Beitrag ist eine kurzweilige Einführung in die komplexe Welt des kybernetischen modernen Managements.

  • Change Management – wie viel Veränderung vertragen wir? (Klaus Henning, Andreas Rechel und Marc Topp)

Das Changemanagement ist Thema des Beitrags von Henning/​Rechel/Topp (S. 249–253). In diesem Überblicksartikel stellen die Verfasser dar, dass eine betriebliche Veränderung nicht nur durch eine Änderung der Aufbauorganisation erreicht werden kann. Vielmehr ist eine dauerhafte Verhaltensänderung als langfristiger Prozess anzulegen, der i.d.R. 3–5 Jahre dauert (S. 249). Lewin hat den Veränderungsprozess in drei Phasen gegliedert (Unfreeze, Move und Keep Moving). Henning hat in seiner Veröffentlichung mit zwei Koautoren aus dem Jahre 1998 mehrere Umgestaltungsprojekte in Großkrankenhäusern dargestellt. Insofern kann auf diese Berichte verwiesen werden. Die Verfasser weisen auf typische Muster hin, die sich bei 50 betrachteten Change-Projekten herauskristallisiert haben. In der Anfangsphase ist die Erwartungshaltung bzgl. Motivation und Stimmung im Unternehmen sehr groß, danach ergeben sich jedoch die typische Effekte entlang eines Veränderungsprozesses (Frustration, Neigung zum Abbruch usw.). Der kritische Punkt, der zur Verhaltensänderung führt, muss positiv gestaltet werden (vgl. die Abb. 2 auf S. 251). U.a. empfehlen sie, die Erwartungshaltung der Führungskräfte nach unten anzupassen, um Enttäuschungen zu vermeiden. Auf den S. 252 und 253 stellen Henning/​Rechel/Topp die Erfolgsfaktoren erfolgreicher Change-Prozesse dar. In Schlagworten sind dies die folgenden Punkte

  • sich der Lage immer wieder bewusst werden, egal wie grausam sie ist: das ist die notwendige Voraussetzung für den Erfolg
  • Allen Ballast von Bord werfen (Entrümpeln der Verfahrensweisen, Vorschriften und Prozesse)
  • Die notwenige (gute) Qualität liefern – und nicht sehr gute und ausgezeichnete
  • Ein Netzwerk von Menschen aufbauen, die verschiedene Akteure, Sichtweisen und Interessen überbrücken
  • Strenges und konsequentes Projekt- und Prozessmanagement: ein Kernteam aufbauen, das weiß, wovon es redet und sich zu 100 % auf den Erfolg konzentriert
  • Vertrauen und Zuversicht (wieder) aufbauen: mission impossible!
  • Arbeiten, arbeiten und noch mal arbeiten: ohne Fleiß gibt es keinen Erfolg in komplexen Prozessen
  • Feiern nach Erfolgen ist ein absolutes Muss, damit man die Lust behält, sich immer wieder darauf einzulassen.

Auf wenigen Seiten sind somit die wesentlichen Bedingungen und Erfolgsfaktoren von Veränderungsprozessen dargestellt.

  • Haltung als Führungselement? (Sven Lüngen)

Lüngen geht auf den S. 255–258 auf die Haltung der Führungskräfte im Krankenhaus ein. Dabei erörtert der kurze Beitrag die Elemente wirksamer Führung (unter Rückgriff auf den Managementansatz von Fredmund Malik), auf die Haltung des Managements im Führungsalltag und die Führungskultur ein. Auf S. 258 schließt Lüngen mit vier Handlungsempfehlungen für mehr Wirksamkeit im Führungsalltag.

  • Personalmanagement (Andreas-W. Möller)

Möller erörtert auf den S. 259–278 ausführlich das Thema des Personalmanagements. Dabei betrachtet er folgende Themen:

  • Strukturdaten und Berufsgruppen in der psychiatrisch/psychosomatischen stationären Versorgung
  • Rechtliche Rahmenbedingungen
  • Personal-Recruiting
  • Personalmarketing und Employer Branding
  • Personalcontrolling
  • Personalmanagement: Struktur und Organisation
  • Personalentwicklung

Aus der Literaturliste wird ersichtlich, dass die Ausführungen vornehmlich zwei Literaturquellen entnommen sind.

  • EXKURS: Gesundheitsmanagement im Psychiatrischen Krankenhaus (Birgit Conradt)

In einem kurzen Exkurs betrachtet Conradt auf den S. 279–283 das Gesundheitsmanagement im Psychiatrischen Krankenhaus. Neben einer begrifflichen Einführung erörtert die Verfasserin die Verantwortung des Unternehmens, die Aspekte der Führung und des einzelnen Mitarbeiters.

  • Die sieben Egofallen von Führungskräften – Wege aus Konflikten auf Unternehmensebene (Renate Henning und Klaus Henning)

Henning/​Henning stellen auf den S. 285–288 sieben sog. „Egofallen“ von Führungskräften dar. Diese sind besonders relevant, wenn es um erfolgreiche betriebliche Konfliktbewältigung geht. Die Fallen lauten wie folgt:

  • Ich bin allein verantwortlich – außer mir kann es keiner
  • Nicht an morgen denken – die Zukunft kommt von allein
  • Ich mach erst meinen Job – und dann schau ich nach den Kunden
  • Nur der Erfolg zählt – persönliche Integrität kommt danach
  • Zahlen, Daten, Fakten sind die einzige Inspirationsquelle
  • Meine Mitarbeiter organisieren sich selbst
  • wir drehen an allen Rädchen, damit es schnell geht

Diese Zitate geben die Argumentation des Beitrags wieder. Eine ausführliche Darstellung dieser Fallen kann der Monographie von Henning (2015) „Die Egofalle“ entnommen werden, die in der Literaturliste angegeben ist.

  • Krisenmanagement – was tun, wenn einen Dynamik und Komplexität überrollen? (Klaus Henning)

Henning untersucht in einem weiteren Beitrag auf den S. 289–293 Aspekte des Krisenmanagements. Als typische Konfliktsituation beschreibt er die zunehmende Komplexität und die Dynamik von Prozessen, die i eine krisenhafte Situation führen. Nach einer Beschreibung der falschen Reaktion geht er in den Abschnitten „das agile Manifest der Prozessgestaltung“ und „Kuschelgruppen oder Wahrheit um jeden Preis“ auf die seiner Ansicht nach empfehlenswerten Managementmethoden ein. Er untermauert seine Ausführungen mit drei Graphiken (die wachsende Dynaxity führt in die Krise, das agile Manifest der Prozessgestaltung und das Chaosfalle). In seinem Fazit gibt er sieben Hinweise an das Management, das in krisenhaften Situationen zu überstehen hilft (S. 292 und 293).

  • Deeskalationsmanagement (Tilman Steinert und Sophie Hirsch)

Steinert/​Hirsch widmen ihren kurzen Beitrag dem Thema der Deeskalation. Zunehmende Aggressivität von Patienten hat es in den 1990er Jahren erforderlich gemacht, entsprechende Strategien zu entwickeln. Hierzu stellen die Verfasser erste Ideen vor.

  • EXKURS: Deeskalationsmanagement – was es zwingend für die Praxis beinhalten muss (Sven Keitel und Claus Staudter)

Keitel/​Staudter stellen in ihrem ergänzenden Exkurs den standardisierten Ablauf für psychiatrische Notfallsituationen und ein Curriculum für eine Schulung zum Deeskalationstrainer dar (S. 299–302).

  • Organisation der Aus‑, Weiter- und Fortbildung als strategische Führungsaufgabe (Cornelius Schüle)

Die Aus‑, Weiter- und Fortbildung stellt nach Ansicht Schüles eine strategische Führungsaufgabe dar. Dies betrachtet sie auf den S. 303–311.

Kap. VI lautet „Planung, Finanzierung und Leistungssteuerung“.

  • Krankenhausplanung und Krankenhausfinanzierung (Maja Nicole Moll)

Moll stellt auf den S. 315–328 ausführlich dar, welche aktuellen Herausforderungen sich für die Krankenhausplanung und Krankenhausfinanzierung ergeben. Zunächst stellt die die komplexen rechtlichen Grundlagen dar, bevor sie auf die Erfordernisse der Krankenhausplanung und der Krankenhausfinanzierung eingeht. Moll stellt aus gegebenem Anlass die Herausforderungen der Einführung des neuen Vergütungssystems (PEPP) auf den S. 326–328 dar. Dieser Beitrag weist keine Literaturübersicht auf, die maßgeblichen Rechtsquellen wurden von Moll im Text gekennzeichnet.

  • Stationsäquivalente Behandlung (Uta Gühne, Steffi G. Riedel-Heller und Thomas Becker)

Gühne/Riedel-Heller/​Becker gehen auf die stationsäquivalente Behandlung ein (S. 329–333). Hierunter verstehen sie die vom Gesetzgeber in der PsychVVG neu geschaffene Behandlung im häuslichen Umfeld, aber nach stationären Grundsätzen. Diese neue Versorgung wird von den Autoren als große Chance gesehen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die neuen Regelungen umsetzen lassen.

  • Steuerungsinstrumente (Thomas Brobeil)

Brobeil geht auf den S. 335–348 ausführlich auf die Steuerungsinstrumente im Krankenhaus ein. Insbesondere stellt er die neuen Steuerungsinstrumente, die für die Finanzplanung ab 2017 genutzt werden können, dar. Darüber hinaus geht er auf die Instrumente der internen Steuerung ein (S. 340–364). Er stellt fest, dass sich der Aufwand für die interne Steuerung deutlich erweitert hat. Seine Ausführungen erläutert er mit Beispielen aus dem Krankenhausinformationssystem (KIS).

Kap. VII lautet „Betriebsorganisation, Technik und Architektur“.

  • Strategieentwicklung: heute richtig entscheiden -für den Erfolg von morgen (Ruedy Baarfuss, Andreas Meyer-Lindenberg und Katrin Erk)

Baarfuss/​Meyer-Lindenberg/Erk stellen in ihrem Beitrag auf den S. 351–366 dar, dass strategische Entscheidungen eine hohe Bedeutung erhalten. Die Autoren zeigen beispielhaft für das Zentralinstitut für seelische Gesundheit, wie eine solche Strategie entwickeln lässt. Dabei stellen sie ein Beratungskonzept (das sog. Speed-Strategiesystem) dar. Dieses erfolgt in drei Schritten.

  • Schritt 1. Beurteilung der Ausgangslage (S. 358–361)
  • Schritt 2. Erkennen der zukünftigen Herausforderungen (S. 362)
  • Schritt 3. Beurteilung der strategischen Optionen und Prioritätensetzung (S. 363)

Der ausführlichen Darstellung des Strategieprojekts können wertvolle Hinweise für eine eigene Strategieentwicklung entnommen werden. Es wird ein einzigartiger Einblick in ein erfolgreich durchgeführtes Projekt gegeben!

  • Dokumentation und Informationstechnologie (Richard Karsch und Max E. Korff)

Karsch/​Korff erörtern das Thema der Dokumentation und Informationstechnologie im Krankenhaus (S. 365–378). Da die Digitalisierung auch im Krankenhaus weiter voran schreitet, wird das Thema derDokumentation und Informationstechnologie immer wichtiger. Die Autoren stellen in ihrem ausführlichen Beitrag folgende Inhalte dar:

  • die Ausgangslage erhöhter Anforderungen an die Dokumentation und Informationstechnologie
  • die Erfolgsfaktoren
  • Instrumente zur Steuerung und Umsetzung einer zielgerichtete IT-Nutzung

Im abschließenden Abschnitt fassen Karsch/​Korff ihre Analyse zusammen. Durch die Umstellung der Vergütung auf ein leistungsbezogenes Abrechnungssystem ist die Dokumentation der erbrachten Leistungen von eminenter Bedeutung. Die Digitalisierung bietet zudem zahlreiche Möglichkeiten zur Optimierung der Abläufe und für einen verbesserten Patientenbezug.

  • Der Patient kommt immer zuerst – Patientenorientierung im Krankenhaus (Daniel Walker)

Walker widmet seinen Beitrag auf den S. 379–388 dem Thema der Patientenorientierung. Er geht dabei auf die Ansätze des „Lean Hospital“ (Konzentration auf den Patientennutzen) und des „Design Thinking“ (Innovationsansatz, der benutzt werden kann, um sich auf die Bedürfnisse des Kunden zu fokussieren) ein. Walker diskutiert die gängige Frage, ob der Patient als Kunde aufgefasst werden kann (S. 381). Er spricht Aspekte der Führung, Organisation und der praktischen Umsetzung der Patentenorientierung an. Es fehlt eine Literatur- und Quellenabgabe.

  • Patientenorientierung, Patientenmanagement und Patientenbefragung (Ulrich Voderholzer und Agnes Mercz)

Voderholzer/​Mercz befassen sich ebenfalls mit der Patientenorientierung, ergänzt um das Thema des Patientenmanagements und der Patientenbefragung (S. 389–394). Sie gehen von der gewandelten Bedeutung der Patienten als aktive Mitgestalter im Gesundheitssystem aus. Für die Patientenorientierung nennen Sie Qualitätsmerkmale einer Patientenorientierung (S. 390). Sie diskutieren verschiedene Modelle (paternalistisches Modell, Shared Decision Making Modell, Informed Decision Making) Er stellt die Modelle mit eingängigen Graphiken dar (auf den S. 383, 386 und 387). Anschließend werden Methoden der Patientenbefragung dargestellt. Voderholzer/​Mercz schließen ihre Ausführungen mit einer Literaturliste über knapp ¾ Seite.

  • Entwicklung von diagnostischen, therapeutischen und präventiven Konzepten (Christoph Gatermann)

Gatermann betrachtet auf den S. 395–406 die diagnostischen, therapeutischen und präventiven Konzepte und ihre Entwicklung. Schwerpunkt seines Beitrags ist die Planung und bauliche Ausführung von Einrichtungen für Menschen mit seelischen Erkrankungen. Er stellt heraus, dass es bereits frühzeitig in der Phase der Grundkonzeption darauf ankommt, die Raumgestaltung und die Funktionsprogramme auf die Ziele der Einrichtung abzustimmen. De vielschichtigen Anforderungen der Patienten in der Psychiatrie bedürfen einer individuellen Betrachtung. Kontinuierlich seien die Standards zu interfragen und zu verbessern. Leider fehlt eine Literatur- und Quellenabgabe.

Kap. VIII ist mit „Qualitäts- und Risikomanagement“ überschrieben.

  • Qualitäts- und Risikomanagement (Isabell Großimlinghaus, Birgit Janssen und Wolfgang Gaebel)

Großimlinghaus/​Janssen/​Gaebel führen auf den S. 409- 417 aus, dass das Qualitäts- und Risikomanagement integraler Bestandteil der Unternehmensführung in psychiatrischen und psychotherapeutischen Krankenhäusern sei. In ihrem Beitrag gehen sie auf die Qualitätskriterien, die gesetzlichen Grundlagen, das Qualitätsmanagement, interne und externe QM-Systeme, QM-Methoden und QM-Instrumente und Zertifizierungen ein. Sie veranschaulichen ihre Darstellung mit zahlreichen Abbildungen und Tabellen.

  • Risiko- und Fehlermanagement (Andreas Küthmann)

Küthmann geht auf den S. 419–427 auf das Risiko- und Fehlermanagement im Krankenhaus ein. Dieses sein erforderlich, da die Arbeitsbedingungen und Abläufe immer komplexer geworden sind. Zum einen zeigen dies die Stichwörter der Ökonomisierung, Bürokratisierung, der sich ausbreitenden juristischen Bedingungen, der Arbeitsverdichtung und der Anforderungen der Haftpflichtversicherungen. Zum anderen sind die Erwartungen an die ärztliche und pflegerische Versorgung hoch wie in kaum einer anderen Branche. Patienten werden anspruchsvoller und selbstbewusster. Küthmann verweist auf das entstandene Aktionsbündnis Patientenrechte. Er stellt das Risikomanagement mit seinen Begrifflichkeiten und Inhalten dar, geht auf das Reportingsystem Critical Incident Reporting System, die Fehlermöglichkeiten- und Einflussanalyse, die ärztlichen Peer Reviews und spezielle Formen des Risikomanagements in der Psychiatrie ein. Anschließend stellt er Verfahren des Fehler-, Beschwerde- und Hygienemanagements dar. Für die Krankenhausleitung dürfen Beschwerden kein Ärgernis sondern eine Chance zur Verbesserung sein. Wenn Beschwerden fehlen, ist dies kritisch zu hinterfragen (S. 426)!

Kap. IX lautet „Kommunikation und Marketing

  • Markenbildung im Krankenhaus – das gelebte Alleinstellungsmerkmal (Kati Müller)

Müller analysiert im einleitenden Übersichtskapitel des Kap. IX auf den S. 431–432 die Herausbildung einer Marke im Krankenhausbereich. Er fragt, ob die Marke ein gelebtes Alleinstellungsmerkmal sein kann. Die Marke spricht das Gefühl und die Erwartungen der Kunden an. Sie empfiehlt für den Aufbau einer Marke das richtige Team auszuwählen, eine Ist-Analyse vorzunehmen, das Markenprofil zu ermitteln und in der Markenführung die Marke erlebbar zu machen.

  • Corporate Identity – der ganzheitliche Auftritt eines Krankenhauses (Michael Doerwald und Kati Müller)

Doerwald/Müller betrachten auf zwei Seiten (433-434) die besonderen Aspekte der Corporate Identity im Krankenhaus. Abb. 1 auf S. 434 fasst die Komponenten der CI zusammen.

  • Externe Kommunikation (Martina Garg)

Garg erörtert auf den S. 435–438 die Fragen der externen Kommunikation. Sie geht auf die Medienarbeit, Social-Media-Aktivitäten und die Anti-Psychiatriebewegung im Internet und im öffentlichen Leben ein. Diese stellt die externe Kommunikation in der Psychiatrie vor besondere Herausforderungen.

  • Interne Kommunikation (Martina Garg)

Dieselbe Autorin ergänzt die Ausführungen zur externen Kommunikation um Aspekte der internen Kommunikation (S. 439–442). Garg stellt zunächst die Professionalisierung der Öffentlichkeitsarbeit (PR) dar. Anschließend listet sie interne Kommunikationswege auf und beschreibt deren Einsatz in kurzer Form.

  • Kommunikation und Zusammenarbeit im gemeindepsychiatrischen Verbund (Wolfgang Faulbaum-Decke)

Faulbaum-Decke analysiert in ihrem Beitrag auf den S. 443–446 die Kommunikation und Zusammenarbeit im gemeindepsychiatrischen Verbund. 1975 gab es die Enquete-Kommission, in deren Folge die psychiatrischen Großkliniken aufgelöst wurden. Es entstand die Bürgerbewegung der Gemeindepsychiatrie. Ziel war es, den Betroffenen eine Teilhabe am normalen Leben zu ermöglichen. Der Verbund zwischen verschiedenen Leistungsanbietern kann eine Chance zur Weiterentwicklung der Teilhabe und der Vernetzung der stationären und ambulanten Versorgung sein. Fraglich ist, wie dieser Verbund verbindlich geregelt werden kann und wie die Zusammenarbeit über die Sektorengrenzen am besten gelingt.

  • Krisenkommunikation im Krankenhaus – schnell und trotzdem überlegt in der Krise agieren (Kati Müller)

Zur Krisenkommunikation merkt Müller auf den S. 447–449 an, dass man im Krisenfall besonnen bleiben sollte. Am besten sei eine proaktive Vorbereitung. Zunächst sollten die Rollen und Prozesse im Vorfeld geklärt werden. Anschließend geht sie kurz auf die Aspekte des Handelns in der akuten Krise ein. Eine Abb. veranschaulicht die Vorgehensweise von der Vorbereitung, der Krisenbewältigung bis hin zur Nachbetrachtung.

  • EXKURS: Schweigepflicht (Hanfried Helmchen)

In einem Exkurs auf S. 451–453 stellt Helmchen die Aspekte der Schweigepflicht dar. Gefährdungen ergeben sich aus der Offenbarungsbefugnis und Offenbarungspflicht (Beispiel Germanwings-Absturz durch einen psychisch kranken Piloten), zunehmende Auskunftsersuchen unterschiedlichster Art und ein fehlerhafter Umgang mit Krankenakten. Zu allen genannten Punkten gibt Helmchen übersichtsartige Empfehlungen und Einschätzungen.

Kap. X widmet sich den „Zukünftigen Herausforderungen an das Management“.

  • Umgang mit demographischem Wandel (Annette Richert)

Richert beschäftigt sich auf den S. 457–459 mit der ersten Herausforderung der Zukunft, dem demographischem Wandel. Hierfür geht sie kurz auf die Morbiditätsentwicklung, den Wandel der therapeutischen Konzepte, die berufsbegleitende Pflege von Angehörigen und das Alter des Personals ein. Zusammenfassend merkt sie an, dass sich das Krankenhaus aktiv auf den demographischen Wandel einstellen und sich Vorteile im Wettbewerb um gutes Personal verschaffen muss. Das „Gespenst des demographischen Wandels“ sei zu entmystifizieren.

  • Personalgewinnung (Frank Schneider)

Schneider widmet sich auf den S. 461–465 dem in den letzten Jahren immer wichtiger gewordenen Thema des Recruiting. auf dem Arbeitsmarkt wird die Situation des Arbeitgebers prekär. Medizinisches und pflegerisches Personal zu gewinnen wird zunehmend eine strategische Aufgabe für das Krankenhaus. Er geht auf die verschiedenen Wege der Ansprache von Bewerberinnen und Bewerbern ein und nennt die Herausbildung einer Arbeitgebermarke als wichtige Strategie. Abschließend geht er auf das Anwerben ausländischer Fachkräfte ein.

  • Medizinischer Fortschritt – Anforderungen an das Management (Andreas Heinz und Sabine Müller)

Heinz/Müller) widmen sich auf den S. 467–470 den Anforderungen, denen sich Management aufgrund des technischen Fortschritts ausgesetzt sieht. Besonders herausfordernd ist die UN-Konvention zum Behindertenrecht aus dem Jahre 2006. De Autoren empfehlen die Einrichtung eines Beirats aus Betroffenen und Angehörigen. Dieser Beirat könne ein Gegengewicht zur voranschreitenden Ökonomisierung der Krankenversorgung sein.

  • Zukünftige Herausforderungen an das Management – neue Versorgungsformen (Bettina Wilms)

Wilms betrachtet auf den S. 471–473 die Herausforderungen, die sich durch neue Versorgungsformen ergeben. Hierfür listet sie die in der Praxis diskutierten Modelle auf. Es ergeben sich Auswirkungen auf die Strukturen, Prozesse, das Personal und die Finanzierung. Diese Aspekte sind zu prüfen, wenn ein neues Versorgungsmodell erörtert werden soll.

  • Das Krankenhaus der Zukunft – eine gesundheitspolitische Herausforderung (Arno Deister)

Im letzten Beitrag schreibt der Mitherausgeber Deister abschließend einen Text zum Krankenhaus der Zukunft (S. 475–481). Im Bereich der Psychiatrie und Physiotherapie sieht er für die kommende Zeit Herausforderungen in folgenden Bereichen:

  • Umsetzung der UN-Konvention zum Behindertenrecht und der Urteile des Bundesverfassungsgerichts (weitere Ausbau der personenzentrierten Versorgung)
  • zunehmende Lebensumweltorientierung psychiatrischer Interventionen (Ersatz stationärer Versorgung) und
  • allgemeiner medizinischer Fortschritt (allgemein stützende und störungsspezifische Psychotherapien und Weiterentwicklung der pharmakologischen und sonstigen somatischen Interventionen)

Deister fasst die Beiträge des Sammelbands zusammen und erörtert die Auswirkungen der zukünftigen Finanzierung, die Erfolgsfaktoren für das Krankenhaus der Zukunft und diskutiert das Konzept der offenen Psychiatrie.

Am Ende des Buches findet sich ein Sachwortverzeichnis über 7 Seiten und ein Verzeichnis der Autoren.

Diskussion

Der Sammelband „Krankenhausmanagement in Psychiatrie und Psychotherapie“ bietet ein allumfassendes Kompendium der im Psychiatrie- und Psychotherapiebereich des Krankenhausmanagements anstehenden Aufgaben. Der Band widmet sich wie im Untertitel angegeben den Strategien, Konzepte und Methoden.

Die Herausgeber Deister/​Pollmächer/Falkai/Erk sind ein in der Psychiatrie und Psychotherapie erfahrenes Herausgeberteam. Ihnen ist es gelungen, Beiträgen von über 70 weiteren leitenden Psychiatern vorzulegen. Damit liegt ein umfassendes Werk zum Krankenhausmanagement in der deutschen Psychiatrie und Psychotherapie vor, das die nach der Reform der Finanzierungsregularien geänderten Rahmenbedingungen darstellt und auf aktuelle Handlungsnotwendigkeiten eingeht. Nach dem Gesetz zur Weiterentwicklung der Versorgung und Vergütung für psychiatrische und psychosomatische Leistungen (PsychVVG) müssen alle Einrichtungen das neue PEPP Entgeltsystem ab 2018 anwenden. PEPP bezeichnet das neue Entgeltsystem Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik. Bis Ende 2019 ist zur Erleichterung eine budgetneutrale Phase vorgesehen. Ab Anfang 2020 wirken sich die Neuregelungen des PEP erstmals aus.

Das Verzeichnis der Autoren allein spricht für sich, da nahezu alle Lehrstuhlinhaber und ärztliche Direktoren der wichtigsten deutschen psychiatrischen Kliniken enthalten sind.

Inhaltlich können die Ausführungen des Buchs als inhaltlich nahezu in allen Beiträgen als hervorragend bezeichnet werden. Die Übersichtsartikel führen in die Themen der rechtlichen Rahmenbedingungen, der Einbindung in das Gesundheitswesen, der Behandlungsprozesse, der Organisationsformen, der Führung und des Managements, der Planung, Finanzierung und Leistungssteuerung, des Qualitäts- und Risikomanagement, der Fragen der Kommunikation und des Marketings sowie der Fragen des Personalmanagements ein.

Im Kapitel V. sind Beiträge von Klaus Henning und von ihm ausgewählten Co-Autoren zur Führung und zum Management besonders heraus zu stellen. Sie geben nach Ansicht des Verfassers zwar keinen Gesamtüberblick über die aktuelle Managementliteratur, die in der Krankenhausbetriebswirtschaftslehre der letzten zwanzig Jahre in erstaunlicher Breite und Tiefe entstanden ist. Dies ist an der zitierten Literatur sofort ablesbar. Dennoch sind die Beiträge zur Führung und zum Management mit Gewinn zu lesen, Hennig ist ein profilierter Management-Lehrer, der z.B. auch das Bundeskanzleramt beraten hat. Ich empfehle besonders seien Beitrag zum Changemanagement (S. 249 ff.).

Das Schlusskapitel geht auf die zukünftigen Herausforderungen für das Krankenhausmanagement ein. Hier schlägt sich das geballte Erfahrungswissen des Mitherausgebers Deister nieder! Die Beiträge von Deister sind die zwei Empfehlung, die der Rezensent geben möchte.

Schließlich ist noch auf die Randthemen zu verweisen, etwa zum psychiatrischen Gemeindepflegedienst oder zur Forensik. Neben den Übersichtsbeiträgen stellen diese beachtenswerte Kleinode dar!

Auch vom Layout und den erläuternden Abbildungen her ist das Buch rundherum gelungen. Wichtige Sätze sind mit eingängigen Symbolen (Pfeile und Ausrufungszeichen) optisch hervorgehoben. Negativ anzukreiden ist einzig das kleine Schriftbild, das bei Leserinnen und Lesern mit schlechten Augen zu Problemen führen dürfte. Eine Leselupe ist keine wirkliche Alternative!

Am Rande sei bemerkt, dass das Buch kein Abbildungsverzeichnis insgesamt aufweist.

Insgesamt ist den erfahrenen Herausgebern und ihren Coautoren ein gewichtiges Buch gelungen, das sicher schnell das Standardwerk für das psychiatrische Krankenhaus werden wird. Die Zusammenarbeit so vieler Experten ist nach Ansicht des Rezensenten besonders heraus zu stellen. Es gibt zwar viele Bücher zum Krankenhausmanagement im Allgemeinen, diese sind jedoch nicht so aktuell, erfahrungs- und kenntnisreich und spezifisch für die Psychiatrie, wie es das Autorenteam um Deister/​Pollmächer/Falkai/Erk hier demonstriert hat. Jeder, der eine psychiatrische Klinik leitet oder das künftig tun möchte, sollte sich das Buch „Krankenhausmanagement in Psychiatrie und Psychotherapie“ zu Herzen nehmen, damit er von den Erfahrungen der Autoren profitieren kann.

Fazit

Ein bemerkenswertes Buch. Es ist unbedingt empfehlenswert für alle im Krankenhaus Verantwortlichen. Wer sich über die wachsenden Anforderungen, die an das Krankenhausmanagement in den Bereichen in Psychiatrie und Psychotherapie gestellt werden, informieren möchte, wird gerne auf den von Deister/​Pollmächer/Falkai/Erk herausgegebenen Sammelband zurückgreifen. Die für die Krankenhausführung erforderlichen Themen der Strategie, Konzepte und Methoden werden ebenso wie Führungsthemen, die Finanzierung, die IT, die Leistungssteuerung, das QM und Marketing behandelt. Der Sammelband endet mit einem Ausblick auf die zukünftigen Herausforderungen, die sich dem Management stellen werden.


Rezension von
Prof. Dr. Friedrich Vogelbusch
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Zitiervorschlag
Friedrich Vogelbusch. Rezension vom 20.02.2020 zu: Arno Deister, Thomas Pollmächer, Peter Falkai, Katrin Erk (Hrsg.): Krankenhausmanagement in Psychiatrie und Psychotherapie. Strategien, Konzepte und Methoden. MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft (Berlin) 2017. ISBN 978-3-95466-351-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23513.php, Datum des Zugriffs 06.07.2020.


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ISSN 2190-9245

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