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Kim-Patrick Sabla: Forschendes Lernen in der Praxis der sozialen Arbeit

Cover Kim-Patrick Sabla: Forschendes Lernen in der Praxis der sozialen Arbeit. UTB (Stuttgart) 2017. 147 Seiten. ISBN 978-3-8252-4847-5. D: 19,99 EUR, A: 20,60 EUR, CH: 26,90 sFr.
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Thema

Das Zusammenführen von Forschung und Praxis im sozialpädagogischen Kontext, stellt die Durchführenden immer wieder vor Herausforderungen. Der Autor möchte mit diesem Buch dazu beitragen, dass die Praxis sich zutraut die bekannten Forschungsmethoden anzuwenden und die Ergebnisse, die sich dadurch ergeben, in ihrer täglichen Arbeit einfließen zu lassen.

Autor

Univ.-Prof. Dr. phil. Kim-Patrick Sabla ist derzeit Studiendekan der Fakultät I, Arbeitsbereich Sozialpädagogische Familienwissenschaften (Stiftungsprofessur), Universität Vechta.

Entstehungshintergrund

„Forschendes Lernen in der Praxis der Sozialen Arbeit“ von Kim-Patrick Sabla ist 2017 erschienen. Der Autor kritisiert in seinem Buch, dass die Lernform des forschenden Lernens zwar in der deutschsprachigen Lehramtsausbildung einen hohen Stellenwert hat, der Fokus aber nur selten über den Ausbildungskontext hinausreicht. Der Autor stellt die Frage, wie auf den unterschiedlichen Ausbildungswegen (Hochschule/Fachschule) ein forschender Habitus erreicht und von ErzieherInnen und SozialpädagogInnen auch außerhalb in der Praxis aufrechterhalten werden kann. Dieses Buch soll aufzeigen, dass Projekte Forschenden Lernens in der Ausbildung der Sozialen Arbeit viele Möglichkeiten bieten, professionelle Kompetenzen zu erwerben, indem methodisch geleitete Fragestellungen bearbeitet werden.

Aufbau und Inhalt

Der Inhalt des Buches ist in fünf Kapitel unterteilt, die nachfolgend beschrieben werden.

Kapitel I (Soziale Arbeit: Zum Verhältnis von Theorie und Praxis). Im ersten Kapitel veranschaulicht der Autor an einem Beispiel einer Studentin der Sozialen Arbeit, wie das Verhältnis von Theorie und Praxis durch Personen und Orte bestimmt ist. Eine ehemalige Studentin und jetzige Sozialpädagogin verdeutlicht in ihrer Person, dass Menschen sich zu unterschiedlichen Zeiten in beiden Sphären aufhalten können. So besucht sie Veranstaltungen, um sich aktiv mit neuen Themen zu beschäftigen und bietet gleichzeitig ihr Praxiswissen in Seminaren an. Der Autor stellt die Begriffe der Theorie und der Praxis gegenüber und skizziert Zusammenhänge und Verknüpfungen. Hierbei greift er auf diverse Literatur zurück.

Kapitel 2 (Forschendes Lernen – Vom hochschuldidaktischen Konzept zum Element professionellen Handels in der Sozialpädagogik). Im zweiten Kapitel widmet sich der Autor dem Forschenden Lernen zunächst im Kontext der sozialpädagogischen Ausbildung. Dabei wird die Methode als hochschuldidaktisches Konzept zur frühen Gestaltung eines lebenslangen Verhältnisses betrachtet, was über den Ausbildungskontext hinaus in der professionellen Praxis fortlaufend gestaltet werden muss. Neben den Grundprinzipien des Forschenden Lernens und einer Definition von Huber aus dem Jahre 2013 soll Wissen für die Adressaten bereitgestellt werden, welches zuvor durch aktive Forschung in Lernziele definiert wurde. „Nicht nur Studierende sind mit der Komplexität der Aufgaben in der Praxis konfrontiert, die Komplexität der beruflichen Realität bleibt eine Herausforderung, die sich nicht mit Berufserfahrung und beruflicher Routine allein auflösen lässt“ (S. 25). Dass sich der Autor mit den Gegebenheiten der Praxis auseinandergesetzt hat, macht er in diesem Kapitel sehr deutlich und unterstreicht dabei die negativen Rahmenbedingungen die der Forschung in der Praxis häufig im Wege stehen und berücksichtigt diese gekonnt bei seinen Hinweisen zur Umsetzung.

Kapitel 3 (Methodische Grundlagen Forschenden Lernens). Im dritten Kapitel geht der Autor auf die verschiedenen Forschungsmethoden ein. Es gelingt ihm, durch praxisnahe Beispiele, aufzuzeigen, in welchen sozialpädagogischen Kontexten sich welche Forschungsmethode eignet. Ebenso gelingt es ihm darzustellen, dass die Anwendung bereits unterbewusst erfolgt und erzeugt so ein praxisorientiertes Bewusstmachen für die einzelnen Forschungsmethoden. Am Ende der einzelnen Forschungsmethoden werden diese nochmal knapp und präzise zusammengefasst. Der Autor schafft es die verschiedenen Forschungsmethoden in ihren Grundzügen praxisorientiert ausreichend darzustellen ohne sich zu sehr in ihrer Theorie zu verlieren.

Kapitel 4 (Perspektiven und Fragestellungen sozialpädagogischer Forschung). Im vierten Kapitel kehrt der Autor seine Darstellungsmethodik um und zeigt zu der zunächst zusammengefassten Forschungsmethode eine Studie, die sich dieser Methode bediente, auf. Dadurch gelingt es ihm die Verknüpfung der Forschung mit der Praxis darzustellen und der Praxis deutlich zu machen, dass die Anwendung von Forschung in der Praxis einen entsprechenden Nutzen hat.

Kapitel 5 („Große“ und „kleine“ Forschung im Dialog. Ein Ausblick). Im fünften Kapitel eröffnet der Autor ein kleines Plädoyer für mehr Mut, die Forschung bereits in der Grundlagenausbildung im sozialpädagogischen Feld mehr einzubeziehen und den Nutzen für die Praxis durch Projekte deutlich zu machen. Auch auf das gegenseitige Zusammenspiel von Forschung und Praxis weist er nochmals hin und erreicht so durchaus den Leser.

Diskussion und Fazit

Der Autor ermuntert, gelegentlich selbst weitere Forschungen durchzuführen und die als notwendig erkannten Anpassungen an individuelle Fragestellungen selbst vorzunehmen. Die Scheu vor Forschungsmethoden kann mithilfe des Buchs abgelegt werden, da diese präzise und leicht verständlich dargestellt werden und individuell an die Bedürfnisse und vor allem den Möglichkeiten angepasst werden können. So kann die Verknüpfung von Forschung und Praxis gelingen und die soziale Arbeit sich als Profession behaupten.

Das Buch macht Lust die Forschungsmethoden in der Praxis anzuwenden und ist für angehende pädagogische Fachkräfte geeignet eine erste Auseinandersetzung mit der Forschung zu wagen. Bereits erprobte Fachkräfte, welche sich selbst mit ihrem pädagogischen Handeln kritisch auseinandersetzen möchten, können dieses Handbuch dazu nutzen den eigenen pädagogischen Alltag forschend zu hinterfragen und ihre Arbeit zu reflektieren und neu auszurichten.


Rezensent
Stephan Rose
Erzieher, Bachelor of Social Work - Social Educational Care, tätig als Gruppenleiter in einer Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung und Traumafachberater in eigener Praxis. Derzeit Student des Masterstudiengangs Kindheits- und Sozialwissenschaften (MAKS) an der Hochschule Koblenz
Homepage www.tfbz.de
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Kommentare

Anmerkung der Redaktion: Die Rezension entstand im Rahmen des Masterstudiengangs Kindheits- und Sozialwissenschaften (MAKS) der Hochschule Koblenz


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Zitiervorschlag
Stephan Rose. Rezension vom 21.12.2017 zu: Kim-Patrick Sabla: Forschendes Lernen in der Praxis der sozialen Arbeit. UTB (Stuttgart) 2017. ISBN 978-3-8252-4847-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23520.php, Datum des Zugriffs 21.01.2018.


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