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Uta M. Walter: Grundkurs methodisches Handeln in der Sozialen Arbeit

Cover Uta M. Walter: Grundkurs methodisches Handeln in der Sozialen Arbeit. Mit Online-Zusatzmaterial. UTB (Stuttgart) 2017. 237 Seiten. ISBN 978-3-8252-4846-8. D: 19,99 EUR, A: 20,60 EUR, CH: 26,90 sFr.

UTB-Band-Nr. 4846.
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Thema und Entstehungshintergrund

Die Praxis Sozialer Arbeit konstituiert sich in unterschiedlichen Arbeitsfeldern mit vielfältigen Handlungsformen und -profilen. Das spezifische professionelle (methodische) Handeln findet unter häufig unberechenbaren, komplexen und dynamischen (Rahmen-)Bedingungen statt. Professionelles methodisches Handeln in der Sozialen Arbeit ist daher nach Walter mehr als ein rein technisch-instrumentelles Handeln. Vielmehr ist es durch ein kritisch-reflexives Zusammenspiel von Wissen, Kompetenz, Habitus und Identität (Wissen-Können-Haltung) (Becker-Lenz, Busse, Ehlert & Müller-Hermann 2012) gekennzeichnet: Fachkräfte als kritisch-reflexive PraktikerInnen.

Das Buch von Walter (Reihe Soziale Arbeit studieren) orientiert sich an diesem Grundverständnis „Kritischer Reflexion“ und will daher „erstens eine Einführung in Grundbegriffe methodischen Handelns in der Sozialen Arbeit bieten und verbindet dies zweitens mit Anregungen zum Nachdenken über methodisches Handeln“ (S. 10).

Zielgruppe

Als Zielgruppe(n) sind vom Verlag Studierende der Sozialen Arbeit, der Sozialpädagogik und des Sozialwesens genannt.

Autorin

Dr. Uta Maria Walter ist Professorin für Theorien und Methoden (Schwerpunkt Handlungsmethoden) der Sozialen Arbeit an der Alice Salomon Hochschule Berlin.

Aufbau

Das Buch ist in acht Kapitel gegliedert.

  1. (K)eine Gebrauchsanleitung
  2. Reflexive Praxis: (Nach-)Machen und (Nach-)Denken
  3. Methoden und methodisches Handeln
  4. Die Herstellung und Deutung sozialer Probleme
  5. Analyse und Planung
  6. Umsetzung – planvolles Handeln und Improvisation
  7. Dokumentieren und Evaluieren
  8. Aufgaben und Übungsvorschläge

Die Kapitel enthalten jeweils verschiedene Infokästen, die über Icons (Zusammenfassung, Definition, Übungsaufgabe, Beispiel, Literatur- und Websiteempfehlungen) gekennzeichnet sind.

Am Ende des Buches finden sich ein Literaturverzeichnis sowie ein Sachregister zur Orientierung.

Beispiellösungen zu den Übungsaufgaben und Reflexionsfragen (Online-Zusatzmaterial) sind als kostenloser Download auf der Homepage des Verlags verfügbar.

Inhalt

In Kapitel 1 (K)eine Gebrauchsanleitung erläutert Walter neben dem inhaltlichen Aufbau des Buches ihre Intention sowie Grundhaltung. Sie hebt die Bedeutung kritisch-reflexiver Denk- und Handlungsweisen für professionelles methodisches Handeln hervor. Diese Grundhaltung ist allerdings nicht natürlicherweise vorhanden, sondern braucht sowohl im Studium wie in der Praxis entsprechende Strukturen und Rahmenbedingungen, die Einübung ermöglichen. Die im Buch hierzu gemachten Überlegungen sind dabei „als Vorschläge und Inspiration gedacht und – wie das methodischen Handeln der Sozialen Arbeit – eben nicht wirklich eine Gebrauchsanleitung“ (S. 11).

Kapitel 2 Reflexive Praxis: (Nach-)Machen und (Nach-)Denken befasst sich mit unterschiedlichen Aspekten von (kritischer) Reflexion als Tätigkeit (Handlungsebene).

Vorab erfolgen kurz grundsätzliche Erläuterungen zur Identität Sozialer Arbeit als reflexive Wissenschaft und Profession unter Bezugnahme auf die internationale Definition Sozialer Arbeit, das Doppelte Mandat sowie das Verständnis reflexiver Professionalität nach Dewe/Otto (2012).

Im Anschluss nimmt Walter eine Begriffsbestimmung/-klärung von Reflexion als Tätigkeit vor. Reflexion wird verstanden als besondere Form des Denkens und der Erkenntnis(-gewinnung). Hierzu gehören folgende Aspekte: Analytisches Wissen, mimetisches Wissen, Wissen-in-Aktion, Reflexion während der Aktion. In Anlehnung an Brookfield (2011) werden fünf Traditionen kritischen Denkens und daraus folgende Reflexionsfragen für professionelles Handeln kurz dargestellt: Amerikanischer Pragmatismus, Psychoanalyse und -therapie, Analytische Philosophie, Kritischer Rationalismus und Kritische Theorie.

Darauf aufbauend stellt die Autorin einen Bezug zur Kritischen Reflexion in der Sozialen Arbeit her. Brookfield (2011) folgend erläutert sie vier Schritte Kritischer Reflexion: Genaue Betrachtung von Worten und Taten, Identifizieren und Prüfen von Annahmen, Aktiver Perspektivwechsel, Von Reflexion zurück zur Praxis. Diese Schritte werden jeweils ergänzt/verknüpft durch Fragen, die Anregungen zur Reflexion von Praxis Sozialer Arbeit ermöglichen sollen. Dabei werden je die individuelle, organisationale und gesellschaftliche Ebene in den Blick genommen.

Ausführungen zur kritischen Reflexion von Reflexion, die auch Grenzen, Missverständnisse und mögliche Missbräuche thematisieren, schließen diesen Teil ab.

Das Kapitel endet mit einer exemplarischen Vertiefung zur „Programmatik“ des Förderns und Forderns.

Kapitel 3 widmet sich dem zentralen Thema Methoden und methodisches Handeln.

Es beginnt mit verschiedenen kurzen Definitionsversuchen (Methodisches Handeln, methodisches Konzept, Methoden und Techniken), um dann am Beispiel des Genogramms die nicht immer eindeutige Unterscheidbarkeit (Methode, methodisches Konzept, Technik) zu verdeutlichen.

Im Folgenden unternimmt Walter eine überblicksartige Einordnung von Methoden und methodischen Konzepten anhand verschiedener Kategorien. Dies wird mit Hilfe dreier weiterer Unterscheidungsmöglichkeiten konkretisiert: Sozialform (Einzelfall-, Gruppen- und Gemeinwesenarbeit), Fokusebene (Mikro, Meso-, Makroebene) und Funktionsverhältnis zur Lebenswelt.

Im nächsten Schritt erläutert die Autorin Diskussionsstränge (in) der Methodenentwicklung: Diagnose und/oder Dialog, individuell und/oder kollektiv, Wirkungs- und/oder Lebensweltorientierung. Methoden erfüllen dabei immer eine zweifache Grundfunktion: Sie leiten und begründen das fachliche Handeln (mit entsprechenden Vorteilen und Risiken). Gleichzeitig tragen sie auch zur Professionalisierung Sozialer Arbeit bei.

Die Rolle von Theorie(n) und Ethik im Kontext methodischen Handelns – als theoretische Annahmen darüber, wie Menschen und Gesellschaften konstituiert sind und moralische-ethische Vorstellungen wie Menschen und Gesellschaften sein sollen – wird im nächsten Abschnitt beleuchtet.

Das methodische Handeln ist zudem von weiteren Faktoren abhängig und beeinflusst. Dies wird im nächsten Teilkapitel näher erläutert. Professionelles Handeln (face-to-face) in der Sozialen Arbeit hat immer situativen Charakter, ohne dass dies rezepthaft durchgeführt werden kann. Zudem beeinflussen strukturelle Merkmale und Faktoren ebenfalls das methodische Handeln.

Dies wird auch gerahmt und beeinflusst durch verschiedene Charakteristika und typische Prinzipien. Als Charakteristika nennt Walter u.a.: Strukturierte Offenheit, Co-Produktion, die eigene Person als Instrument. Wichtige Prinzipien (verstanden als Denkrichtung und Haltung) als Strukturierungs- und Orientierungshilfe sind nach der Autorin u.a.: Mehrdimensionalität, Multiperspektivität, Stärken- und Ressourcenorientierung, Alltagsnähe und Partizipation.

Um diesen Anforderungen methodischen Handelns gerecht werden zu können, „brauchen Fachkräfte Handlungskompetenzen, d.h. das Potenzial, bestimmte Fähigkeiten (..) zum Einsatz zu bringen und dabei fachliches und ethisches Wissen gezielt fruchtbar zu machen“ (S. 80).

Das Kapitel endet mit einer exemplarischen Vertiefung zum Empowerment. Das vorgestellte Analyse- und Reflexionsschema kann auch für andere Konzepte und Methoden angewandt werden (Vgl. hierzu auch Kapitel 8.2.1).

Kapitel 4 thematisiert die Herstellung und Deutung sozialer Probleme, insbesondere wie und warum Phänomene zu „Problemen“ werden, aber auch, inwiefern Machtverhältnisse hierbei eine Rolle spielen. Zu Beginn werden verschiedene sozialkonstruktivistische Grundannahmen erläutert. Walter geht in diesem Kontext auf Sprache (ist Handeln), kommunikationstheoretische Grundlagen und die Funktion von Diskursen ein.

Im nächsten Schritt geht es um die Konstruktion von Sinn-Geschichte(n), „die Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges miteinander verknüpfen und so ein Gefühl von Kontinuität, Kohärenz und Sinn herstellen“ (S. 96). Die Autorin erläutert unterschiedliche Arten von (sich überschneidenden) Geschichten, die in der Praxis Sozialer Arbeit von Bedeutung sind: Lebens-, Fall- und Problem-/Lösungsgeschichten.

Unter „Lebensgeschichten“ folgen Ausführungen zur Biographischen Einzelfallarbeit und Narrativen Therapie. Der Abschnitt „Fallgeschichten“ orientiert sich an der Multiperspektivischen Fallarbeit nach Müller (2017) und deren Falldimensionen. Die Darstellung des Lösungsfokussierten Ansatzes als eine Form der Gesprächsführung ist (handlungs-)leitend im Abschnitt „Problem-/Lösungsgeschichten“.

Das Kapitel endet mit einer exemplarischen Vertiefung zum Perspektivwechsel, der anhand einer Fallskizze eingeübt werden kann.

Kapitel 5 widmet sich dem Themenfeld Analyse und Planung, das in der Sozialen Arbeit auf unterschiedlichen Ebenen (Mikro-, Meso-, Makro-Ebene) stattfindet.

Die Autorin beginnt mit Ausführungen zur Kontext- und Situationsanalyse. Sie identifiziert folgende relevante Kontexte, die Einfluss auf die Planungs- und Handlungsschritte in der Praxis haben: Arbeitsfeld, Organisationen, Gruppenzusammenhänge, Situationen sowie Raum und Zeit. Die Darstellungen werden jeweils ergänzt durch entsprechende Reflexionsfragen.

Im zweiten Teil des Kapitels geht es um die Auftrags- und Zielklärung. Hierzu werden unterschiedliche Auftrags- und Zielarten sowie Kriterien für „gut“ formulierte Ziele erläutert.

Dies wird ergänzt durch kurze Ausführungen zur weiteren konkreteren Planung von Handlungsschritten und Klärung potentieller Folgen und Hindernisse.

Es folgt wiederum eine kritische Reflexion, die Bezug nimmt auf eine mögliche managerialistische Engführung von Analyse- und Planungslogiken sowie die darin implizierte Vorstellung, dass entsprechende Prozesse vorwiegend auf rationaler Grundlage erfolgen.

Das Kapitel endet mit einer exemplarischen Vertiefung zum Case Management als einem Konzept, in dem konkrete Handlungsplanung eine besondere Rolle spielt.

In Kapitel 6 Umsetzung – planvolles Handeln und Improvisation thematisiert Walter besonders drei Aspekte: Die reflexive und regelmäßige (Selbst-)Überprüfung der Umsetzung von Plänen, Improvisation und exemplarisch die Gestaltung von Kriseninterventionen.

Angesichts der typischen Strukturmerkmale professionellen Handelns (Technologiedefizit, Kontingenz, AdressatIn als Co-ProduzentIn) bedarf die Umsetzung von Plänen stetiger reflexiver Begleitung (Beobachtung, Einschätzung, (Selbst-)Evaluation).

Deshalb kommt der Improvisation – auch als einer Komponente methodischen Handelns – eine besondere Bedeutung zu. Hierzu erläutert die Autorin in einem ersten Schritt theoretische Dimensionen von Improvisation und grenzt Improvisation von einen rein intuitivem „aus-dem-Bauch-Handeln“ ab. Vielmehr ist Improvisation von ungeplanter, kreativer, spontaner sowie interaktiver Rückbezüglichkeit gekennzeichnet. „Entscheidungs- und Handlungsprozesse in der Improvisation stehen so in kontinuierlicher Beziehung zum sozialen Kontext“ (S. 163).

In der Theaterimprovisation ist die agierende Person selbst das Medium (Stimme und Körper), ohne dass weitere Handlungsinstrumente benötigt werden. Aus Sicht von Walter sind deshalb Erkenntnisse aus der Theaterimprovisation besonders anschlussfähig an das (methodische) Handeln (in) der Sozialen Arbeit. Deshalb erläutert sie im nächsten Schritt verschiedene Grundprinzipien und -techniken der Theaterimprovisation.

Anschließend leitet sie Einsichten und Grundgedanken für das Improvisieren als Teil methodischen Handelns in der Sozialen Arbeit ab. Trotz dieser positiven Implikationen bedarf aber Improvisation als Element methodischen Handelns zugleich auch immer selbst kritischer Reflexion. Sie lässt sich nicht naiv einfach in eine größere handlungsmethodische Logik einordnen, „entzieht (..) sich immer wieder der dominanten Weg-Ziel-Logik vieler Handlungstheorien und -methoden“ (S. 173).

Das Kapitel endet mit einer exemplarischen Vertiefung zur Krisenintervention, da dies ein Feld ist, das eine unmittelbare Handlungsfähigkeit sowie hohe Improvisationsfähigkeit erfordert.

Kapitel 7 widmet sich dem Dokumentieren und Evaluieren.

Zu Beginn werden zentrale Funktionen von Dokumentation und verschiedene Dokumentationsarten/-varianten (fallbezogene Dokumentationen und Dokumentation jenseits von Fällen) überblicksartig dargestellt.

Darauf folgend beschreibt Walter Grundelemente und Herausforderungen der Dokumentation: Beobachten und Beschreiben sowie Bewerten und Begründen. Diese werden jeweils mit Orientierungs- und Reflexionsfragen für die Praxis verknüpft.

Im nächsten Schritt erläutert die Autorin Gegenstände, Merkmale und Arten der Evaluation. Dieser Überblick wird ergänzt durch methodische Elemente und Prozesse in Evaluationen.

Es folgen Ausführungen zu weiteren evaluativ-reflexiven methodischen Konzepten, wie systematischem Feedback und Supervision.

Am Ende wird auch dieses Themenfeld einer kritischen Reflexion unterzogen. „Von besonderem Interesse ist deshalb (für Walter) die Frage, wie Machtverhältnisse in Dokumentations- und Evaluationspraxen eingeschrieben sind bzw. durch sie reproduziert werden, und was ein ethischer Umgang mit ihnen erfordert“ (S. 199).

Das Kapitel endet mit einer ausführlicheren exemplarischen Vertiefung zur Kollegialen Beratung als einer im Ablauf klar strukturierten Methode zur Reflexion professionellen Handelns.

Das letzte Kapitel 8 beinhaltet verschiedene Aufgaben und Übungsvorschläge, die dazu anregen sollen, das eigene (methodische) Handeln zu reflektieren und einzuüben.

Im ersten Teil stellt Walter exemplarisch folgende „Tools“ kompakt vor: Ressourcengespräch und -analyse, Fallanalyse und -reflexion, Übungen aus dem Improvisationstheater, Zeitungstheater, Stadtteil-/Sozialraumanalyse.

Der zweite Teil konzentriert sich darauf, bestehende Methoden und methodisches Handeln zu analysieren und reflektieren. Die Autorin hat hierbei verschiedene Fokusse: Methoden literaturbasiert analysieren und reflektieren, methodisches Handeln im Kontext einer Praxisstelle analysieren und reflektieren, Empowermentanalyse, das Wissen von PraktikerInnen analysieren und reflektieren. Diverse Weblinks schließen das Kapitel ab.

Diskussion

Es gibt mittlerweile eine Vielzahl an Publikationen, die sich mit dem Themenfeld „Methoden und methodisches Handeln in der Sozialen Arbeit“ auseinandersetzen, jeweils mit besonderen Ziel- und Schwerpunktsetzungen. Diesen liegt mitunter auch jeweils ein anderes Begriffsverständnis, wie eine andere Systematisierungslogik zugrunde (Vgl. hierzu: Stimmer 2012; Michel-Schwartze 2009; Erhardt 2013; Galuske 2013; von Spiegel 2013; Heiner 2016; Wendt 2017, Kreft & Müller 2017).

Uta M. Walter geht in ihrem Buch lt. der Homepage des Verlags „(n)eben wichtigen Grundbegriffen und allgemeinen Komponenten methodischen Handelns (..) auf spezifische Konzepte ein und gibt Studierenden zahlreiche praktische Übungen und Anregungen zur kritischen Reflexion an die Hand, um den Praxisalltag Sozialer Arbeit durch methodisches Handeln versteh- und gestaltbar zu machen“. Damit ist der Anspruch des Buchs benannt.

Dieser Anspruch wird aus Sicht des Rezensenten eingelöst. Zwei Dinge zeichnen die Publikation besonders aus: Zum einen der konsequent hergestellte Theorie-Praxis-Bezug bzw. das Aufzeigen der Bedeutung der theoretischen Hintergründe für das praktische Handeln und zum anderen die implizit wie explizit (u.a. durch entsprechende Reflexionsfragen) sich durchziehende kritisch-reflexive Grundhaltung.

Die Inhalte werden durch die direkt an die LeserInnen gerichteten zahlreichen Übungen, Reflexions- und Orientierungsfragen sowie (Fall-)Beispiele quasi praktisch greifbar. Dies ermöglicht den LeserInnen ihr eigenes (methodisches) Handeln zu reflektieren und ihre Handlungskompetenz zu erweitern. Gleichzeitig ist hierdurch auch eine Reflexion und (Weiter-)Entwicklung der eigenen Haltung als Teil einer professionellen Identität möglich.

Durch diese Ausrichtung der Publikation erhält man als LeserIn einen schnellen Überblick über die einzelnen Themen, der durchaus auch gelingt, wenn man sich nur mit einzelnen Kapiteln befasst und damit die vorgeschlagene und gewählte Gliederung verlässt.

Zugleich ist mit dieser Ausrichtung auch eine Einschränkung verbunden. Die dargestellten vielfältigen theoretischen Inhalte sind (notwendigerweise) sehr kurz, was auch eine Verkürzung und Vereinfachung entsprechender Theorien und Diskurse mit sich bringt. So findet zum Beispiel die Darstellung von Einzelfall-, Gruppen- und Gemeinwesenarbeit auf vier Seiten oder der Diskurs um Lebenswelt- vs. Wirkungsorientierung auf drei Seiten statt.

An manchen Stellen (zum Beispiel Kapitel 3.5 und 3.6) verdichten sich auch durch die konzentrierte Darstellung die Inhalte, sodass eine gründlichere Lektüre und ein quasi innehaltendes Nachdenken erforderlich sind.

Wer sich vertiefend und umfassend mit den jeweiligen Inhalten auseinandersetzen möchte, muss sich deshalb auch mit weiterführender Literatur (auf die in den einzelnen Kapiteln verwiesen wird) beschäftigen. Dies empfiehlt der Rezensent auch ausdrücklich. Insofern ersetzt das Buch von Walter nicht die vorhandenen Publikationen zum Thema. Die Intention (siehe Thema und Entstehungshintergrund) war auch nicht, eine umfassende theoretische Einführung in Methoden der Sozialen Arbeit zu verfassen. So kann der „Grundkurs methodisches Handeln in der Sozialen Arbeit“ zum Beispiel eine fruchtbare Verbindung mit den umfassenderen und zugleich auch praxisorientierten Werken von Michel-Schwartze 2009, Wendt 2017 oder Kreft & Müller 2017 eingehen.

Trotz dieser Einschränkungen hat der Rezensent das Buch mit Freude gelesen und zwar aufgrund der eingangs genannten Besonderheiten. C. W. Müller hat in einem Interview geäußert: „Ich will auch allgemein gut verständlich sein und bleiben. Das ist kein Widerspruch zur Wissenschaftlichkeit“ (Stock & Eckhardt & Bete 2014). Dieser Aussage wird auch das Buch von Walter durchaus gerecht.

Fazit

Das Buch ist insbesondere Studierenden, aber auch Auszubildenden sozialer Berufe (z.B. Soziale Arbeit, Jugend- und Heimerziehung) zu empfehlen. Der Grundkurs (im handlichen „Pocket-Format“) kann zum Beispiel gerade Praxisphasen (aber nicht nur diese) im Sinne eines Arbeits- und Werkbuchs begleiten und damit zur (Weiter-)Entwicklung des eigenen methodischen Handlungsprofils und einer kritisch-reflexiven Grundhaltung beitragen.

In diesem Sinne kann das Buch auch Lehrenden (zum Beispiel in der Praxisbegleitung) und PraktikerInnen, die bereit sind (nochmals bzw. immer wieder neu), eine kritisch-reflexive Perspektive auf ihr methodisches Handeln einzunehmen, empfohlen werden. Auch für diverse Aufgaben im Rahmen der Praxisanleitung enthält das Buch vielfältige Anregungen. Die Möglichkeit des Downloads von Beispiellösungen auf der Homepage bietet hierzu eine zusätzliche Orientierung.

Das Buch von Walter ist somit eine hilfreiche und inspirierende Zusammenstellung, die LeserInnen „(..) in tätiger Auseinandersetzung untereinander und mit sich selbst kreativ zusammenfügen müssen“ (Wendt 2017, S. 12).

Literatur

  • Becker-Lenz, R. & Busse, S. & Ehlert, G. & Müller-Hermann, S. (Hrsg.) (2012): Professionalität Sozialer Arbeit und Hochschule. Wissen, Kompetenz, Habitus und Identität im Studium Sozialer Arbeit. Edition Professions- und Professionalisierungsforschung, Band 1, Wiesbaden: VS Verlag
  • Brookfield, S. D. (2011): Teaching for Critical Thinking: Tools and Techniques to Help Students Question Their Assumptions, San Francisco: Jossey-Bass
  • Dewe, B. & Otto, H.-U. (2012): Reflexive Sozialpädagogik. Grundstrukturen eines neuen Typs dienstleistungsorientierten Professionshandelns. In: Thole, W. (Hrsg.): Grundriss Sozialer Arbeit, 4. Aufl., Wiesbaden: VS Verlag, S. 197-217
  • Ehrhardt, A. (2013): Methoden der Sozialen Arbeit (2. Aufl.), Schwalbach: Wochenschau
  • Galuske, M. (2010): Methoden der Sozialen Arbeit. Eine Einführung. Bearbeitet von Karin Bock und Jessica Fernandez Martinez (10. Aufl.), Weinheim: Beltz Juventa
  • Heiner, M. (2016): Kompetent handeln in der Sozialen Arbeit, 2. Aufl., München: Ernst Reinhardt
  • Kreft, D. & Müller, C. W. (Hrsg.) (2017): Methodenlehre in der Sozialen Arbeit. Konzepte, Methoden, Verfahren, Techniken, 2., überarb. und erweit. Aufl., München: ernst Reinhardt
  • Michel-Schwartze, B. (Hrsg.) (2009): Methodenbuch Soziale Arbeit. Basiswissen für die Praxis, 2., überarb. und erweit. Aufl., Wiesbaden: Springer VS
  • Müller, B. (2017): Sozialpädagogisches Können. Ein Lehrbuch zur multiperspektivischen Fallarbeit, 8. Aufl., aktualisiert und erweitert von Ursula Hochuli Freund, Freiburg: Lambertus
  • Spiegel, H. v. (2013): Methodisches Handeln in der Sozialen Arbeit: Grundlagen und Arbeitshilfen für die Praxis, 5. Aufl., Stuttgart: UTB
  • Stimmer, F. (2012): Grundlagen des Methodischen Handelns in der Sozialen Arbeit, 3., überarb. und erweit. Aufl., Stuttgart: Kohlhammer
  • Stock, M. & Eckhardt, Y. & Bete, V. (2014): Eine Spurensuche: Professionelle Identität in der Sozialen Arbeit. Verfügbar unter: www.professionelle-identitaet.de/film-ab/ (Zugriff am 18.11.2017)
  • Wendt, P.-U. (2017): Lehrbuch Methoden der Sozialen Arbeit, 2., überarb. Aufl., Weinheim: Beltz Juventa

Rezensent
Dipl.-Soz.Päd. Michael Domes
Dozent (u.a. SRH Fachschule für Sozialwesen, SRH Hochschule Heidelberg)
Homepage www.michaeldomes.de
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Zitiervorschlag
Michael Domes. Rezension vom 24.11.2017 zu: Uta M. Walter: Grundkurs methodisches Handeln in der Sozialen Arbeit. Mit Online-Zusatzmaterial. UTB (Stuttgart) 2017. ISBN 978-3-8252-4846-8. UTB-Band-Nr. 4846. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23572.php, Datum des Zugriffs 13.12.2017.


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