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Barbara Messer: Ungewöhnliches Coaching an ungewöhnlichen Orten

Cover Barbara Messer: Ungewöhnliches Coaching an ungewöhnlichen Orten. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2017. 295 Seiten. ISBN 978-3-407-36630-6. D: 39,95 EUR, A: 41,10 EUR, CH: 51,90 sFr.
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Thema

Barbara Messer stellt in ihrem Buch besondere Methoden des Coachings und ungewöhnliche Coachingorte vor, um so Möglichkeiten zu schaffen, um Coaching auf neue Art erfolgreich und nachhaltig zu gestalten.

Autorin

Barbara Messerhat einen Bachelor of Business Administration, ist NLP-Master und NLP-Trainerin, Ausbildungstrainerin und gründete das „institut für ungewöhnliches lernen“ in Berlin. Sie ist Fachbuchautorin, Unternehmensberaterin und Coach. (Verlagsangaben)

Aufbau und Inhalt

Messers Buch gliedert sich in drei Kapitel:

  1. Coaching heute: ein punktueller kritischer Blick
  2. Basics
  3. Ungewöhnlich: Orte und Coaching.

Das erste Kapitel will einen kurzen Abriss „Coaching in heutiger Zeit“ vornehmen sowie die Wirkung von Coaching genauer beleuchten und Betrachtungen über die Rolle des Coach an sich vornehmen. Hier zieht die Autorin aufgrund ihrer eigenen berufsbiographischen Vorgeschichte vorsichtige Parallelen zwischen Pflegekräften und Coaches. Zudem entwickelt sie ein Kompetenzprofil für Coaches sowie eine Typologie.

Ein zweiter Teil ihrer Ausführungen widmet sie den Coachees, und bezieht sich dabei konzeptionell z.B. auf Marshall Rosenberg, auf das Konzept der fünf Seelenwunden von Lisa Bourbeau, die Vorstellung der fünf sozialen Verletzungen und ihre Relevanz für das Coaching von Bernd Isert.

Im zweiten, als „Basics“ betitelten Kapitel, setzt die Autorin drei Schwerpunkte:

  1. Die Toolbox
  2. Quellen und Wurzeln
  3. Wiederkehrende Prinzipien.

Im dritten Kapitel werden ungewöhnliche Coaching-Orte und Methoden vorgestellt. In Hinblick auf die ungewöhnlichen Coaching-Orte sieht sich die Autorin durchaus geprägt vom Ansatz Bacon Dilts‘: „Der grundlegende Einfluss auf unsere Beziehungen und Handlungen geht von unserer gemeinsamen Umwelt aus, also davon wann und wo die Handlungen und Beziehungen in einem System oder einem Unternehmen stattfinden. Umweltfaktoren bestimmen den Kontext und die Beschränkungen, unter denen Menschen agieren. Die Umgebung eines Unternehmens zum Beispiel setzt sich zusammen aus der geographischen Lage seiner Niederlassung, den Gebäuden und den Einrichtungen, die den Arbeitsplatz definieren; aus der Ausstattung des Büros und den Produktionsstätten und so weiter. Zusätzlich zu den Umweltfaktoren, die den Einfluss auf den Menschen in einem Unternehmen ausüben, kann man auch den Einfluss untersuchen, den die Menschen in diesem Unternehmen auf ihre Umgebung ausüben; Zu welchen Ergebnissen sie kommen und welche Produkte sie erzeugen.“ (156)

Als einen besonders herausragenden Coaching-Raum führt die Autorin die Natur ein, so sie stellt etwa das Coaching beim Paddeln vor, auf der Wanderschaft, im Zelt oder im Auto. Sodann schließt die Autorin Überlegungen zu ungewöhnlichen Coachings an ungewöhnlichen Orten an und meint damit gleichermaßen die Formate wie die Methoden, denn nach ihrer persönlichen Erfahrung schaffen sie:

  • Überraschungsmomente
  • Positive Emotionen
  • Sinnliche Erlebnisse
  • Storys
  • Bewegung
  • Mehrperspektivität.

Von besonderer Bedeutung sind für die Autorin auch Rituale im Coaching, die sie als „Coaching-Extrakt“ beschreibt. Sie schaffen zum einen eine besondere Nähe, zum anderen vertiefen sie neue Momente des Fühlens und Handelns, zu denen es im Coaching ja kommen soll.

Im Anschluß an diese eher übergreifenden Gedanken stellt Messer konkrete Coachingformate und -ideen vor. Dabei schließen sich an einen kurzen einführenden Text jeweils einen Beschreibung der Methode, ggf. einer Variante, und ein konkretes Beispiel an. Methoden und Formate, die hier vorgestellt werden, sind z.B. Lagerfeuer, Liebes Tagebuch, die Ratgeberrunder, das Sushi-Coaching, Tschüss Maria oder beispielsweise ein WhatsApp Coaching.

Exemplarisch sollen hier drei Methoden vorgestellt werden. Zunächst „Liebes Tagebuch“. Hier geht es nicht um die klassische Tagebuch-Übung für den/die Coachee. Vielmehr schreibt der Coach seine/ihre wertschätzenden Gedanken über den/die Klient*in in deren/dessen Beisein auf ein Stück Papier bzw. tut so und spricht sie dabei laut aus. Dann reagiert der/die Klient/in in gleicher Weise darauf. So können z.B. Einwände, Zweifel etc. artikuliert und besprochen werden.

Eine weitere Methode wird als „Tschüss Maria“ betitelt, bezieht sich namentlich auf eine frühere Nachbarin der Autorin und ist eine Methode, die die Coachees beim Abschied nehmen oder Trauern unterstützen soll. Dazu ergeht zunächst die Aufforderung an den/die Coachee, zehn Dinge auf ein Blatt Papier zu schreiben, auf den er/sie niemals verzichten möchte. Im nächsten Schritt wären dann fünf davon zu streichen, dann drei weitere, dann zwei weitere, sodass am Ende ein Begriff übrig bleibt, mit dem weitergearbeitet werden kann. Die Autorin schlägt auch weitere Varianten vor, wie mit dieser Methode gearbeitet werden könnte.

Beim „Baum-Coaching“ geht es darum, Bäume auf verschiedenste Art und Weise in den Coaching-Prozesse mit ein zu beziehen, etwa indem das Coaching unter dem Baum sitzend stattfindet, oder dieser im Rahmen einer Timeline-Übung oder als Metapher einbezogen wird. Er kann über ein Gebet oder eine Mediation oder eine Umarmungsübung in den Coachingprozess integriert werden etc.

Diskussion und Fazit

Der dritte Teil spiegelt eindeutig die Stärke des Buches wieder: eine inspirierende und kreative Sammlung von interessanten Coachingsettings- und methoden. Der erste und zweite Teil der Buches sind nach meinem Dafürhalten ein wenig zu assoziativ und hätten auch besser strukturiert werden können bzw. eine vertieftere Betrachtung vertratgen: verschiedenste Konzepte und Ansätze stehen recht unverbunden, unvermittelt und etwas unsystematisiert nebeneinander, und erwecken den Eindruck als wären hier eigene Fortbildungs- oder Ausbildungsunterlagen aufgearbeitet worden oder spontane Lektüren wiedergegeben. Die Autorin erhebt zwar auch keiner höheren Anspruch, will also keinen wissenschaftlichen Kontext oder Referenzrahmen beschreiben, jedoch in dieser Form erfolgt die Präsentation und Auseinandersetzung sehr willkürlich-assoziativ. Auch wenn jeder Ansatz für sich interessant und auch in der Betrachtung zu anderen Ansätzen spannend sein könnte, ergibt es so nicht recht Sinn: 20 Seiten NLP, 6 Seiten Systemisches, 5 Seiten The Work von Byron Katie, 5 Seiten Dramadreieck, 3 Seiten Nachdenken über das Spielen, 8 Seiten Schamanismus etc.

Insgesamt ist es aber Barbara Messer auch hier wieder gelungen, ein authentisches, praxisnahes Buch mit spannenden und überwiegend neuen Ideen für Coaching und Training vorzulegen.


Rezensentin
Elisabeth Vanderheiden
Pädagogin, Germanistin, Mediatorin; Geschäftsführerin der Katholischen Erwachsenenbildung Rheinland-Pfalz, Leitung zahlreicher Projekte im Kontext von beruflicher Qualifizierung, allgemeiner und politischer Bildung; Herausgeberin zahlreicher Publikationen zu Gender-Fragen und Qualifizierung pädagogischen Personals, Medienpädagogik und aktuellen Themen der allgemeinen berufliche und politischen Bildung
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Zitiervorschlag
Elisabeth Vanderheiden. Rezension vom 12.01.2018 zu: Barbara Messer: Ungewöhnliches Coaching an ungewöhnlichen Orten. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2017. ISBN 978-3-407-36630-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23578.php, Datum des Zugriffs 20.04.2018.


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