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Anton Schlittmaier: Philosophie in der sozialen Arbeit

Cover Anton Schlittmaier: Philosophie in der sozialen Arbeit. Ein Lehrbuch. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2017. 250 Seiten. ISBN 978-3-17-032565-4. D: 32,00 EUR, A: 32,90 EUR.
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Thema und Autor

Was überfällig war, liegt nun vor: eine gleichermaßen informative wie handfeste und praktische Einführung in Teildisziplinen der Philosophie für Praktikerinnen und Praktiker, vor allem aber für Lehrende und Studierende in der Sozialen Arbeit. Anton Schlittmaier gibt seiner Einführung den Titel „Philosophie in der soziale Arbeit“. Er bietet keinen eigenen sozialphilosophischen Entwurf oder eine philosophische Aufschließung der Sozialen Arbeit als Handlungswissenschaft. Sein Lehrbuch folgt vielmehr neun disziplinär aufgefassten philosophischen Topoi, die in jedes für sich genommen für die Soziale Arbeit aufgeschlüsselt werden.

Anton Schlittmaier ist langjähriger Professor für Philosophie, Ethik und Anthropologie in der Sozialen Arbeit an der sächsischen Studienakademie in Breitenbrunn und damit einer der ganz wenigen Sozialarbeitswissenschaftler, der sich ausdrücklich und intensiv mit Philosophie in der Sozialen Arbeit befasst. Dass sein Buch den Erfordernissen der praktischen Lehre in Bachelorstudiengängen entspringt, kann an Aufbau und Inhalt immer wieder identifiziert werden. Das Buch eignet sich als Lehrwerk aber nicht nur für den Studienbeginn, sondern für alle Niveaus des Studiums der Sozialen Arbeit.

Aufbau und Inhalt

Es sind neun Teilgebiete der Philosophie, die der Einführung ihre Gliederung geben:

  1. Erkenntnistheorie,
  2. Wissenschaftstheorie,
  3. Ontologie,
  4. Ethik,
  5. Sozialphilosophie,
  6. Rechtsphilosophie,
  7. Anthropologie,
  8. Ästhetik und, gewissermaßen als Konzession an die Disziplin der Sozialen Arbeit,
  9. Philosophie der Bildung.

Die Originalität des Lehrbuchs liegt nicht in der Zusammenstellung dieser Themen, sondern in der methodisch-didaktischen Ausgestaltung der einzelnen Abschnitte. So gibt Schlittmaier nicht nur Hinweise, welche Kapitel vorbereitend und welche vertiefend gelesen werden können. Es vernetzt auch die einzelnen Kapitel dergestalt, dass vertiefende und ergänzende Aspekte an anderen Stellen des Buches leicht aufgefunden werden. Die eigentliche Besonderheit besteht darin, dass die philosophischen Topoi über Falldarstellungen und praktische Problemstellungen angegangen werden. Jedes einzelne Kapitel wird durch besonders hervorgehobene Praxisbeispiele eröffnet, die im Lauf des Kapitels aufgegriffen, bearbeitet und vertieft werden. Auch diese Bezugnahmen auf das leitende Praxisbeispiel werden hervorgehoben. Schließlich enthält jedes Kapitel herausgestellte Bezugnahmen zu anderen Zusammenhängen der Sozialen Arbeit, die die Verknüpfung von Philosophie und sozialarbeiterischer Praxis erleichtern.

Praxisrelevanz steht im Mittelpunkt, auch wenn die Inhalte aus der Philosophie und ihrer Logik entwickelt werden. Allerdings ergibt sich diese Relevanz nicht im Sinne einfacher Handlungsanweisungen oder schlichten verwertbaren Wissens. Vielmehr hat es Philosophie mit der „Reflexion unserer' Denkweisen'“ (10) zu tun, die in Frage gestellt, weitergeführt und neu ausgerichtet werden sollen. Vor diesem Hintergrund ist vertretbar und gut nachvollziehbar, dass Schlittmaier bei der Auswahl seiner Referenten auf Klassiker der Philosophiegeschichte setzt. Auch die Auswahl der neun Kapitel und der in ihnen verhandelten Themen trifft die gleichermaßen bekannten wie entscheidenden Schwerpunkte, hinter denen aktuelle Debatten und Kontroversen zurücktreten. Nicht die Position und Argumentation des Autors, sondern der Wille, Denken über immer wiederkehrende Probleme und Sachverhalte anzuregen, bestimmt das Buch.

Die Philosophie in der Sozialen Arbeit steht für die Anregung der Reflexion, aber auch für das Interesse an grundlegenden Fragen. Schlittmaier unternimmt es, diese Fragen in der Aufnahme des Kerncurriculums Sozialer Arbeit und der dort benannten genuin philosophischen Themen zu identifizieren. Es bestimmen das Buch durch und über alle anregenden Informationen hinweg interessante Verschränkungen von Philosophie und Praxis – wie zum Beispiel dem von ADHS und Ontologie (14).

Fazit

Das Lehrbuch wird seinem Anspruch, Denkweisen zu vergegenwärtigen, aufzubrechen und weiterzuentwickeln gerecht. Es eignet sich gleichermaßen für die persönliche Lektüre wie für die Nutzung in Lehrveranstaltungen. Es fehlt also nicht mehr an einem Lehrbuch für Philosophie in der Sozialen Arbeit. Nun geht es darum, auch die entsprechenden Lehrveranstaltungen in den Curricula zu verankern. Die von Schlittmaier angestrebte Perspektiverweiterung durch Philosophie in der Sozialen Arbeit benötigt den Diskurs. So wie dem Buch Leserinnen und Leser zu wünschen sind, so der Sozialen Arbeit die Philosophie als verbindlicher Studieninhalt.


Rezensent
Prof. Dr. Ralf Evers
Evangelische Hochschule Dresden
Homepage www.ehs-dresden.de
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Zitiervorschlag
Ralf Evers. Rezension vom 08.03.2019 zu: Anton Schlittmaier: Philosophie in der sozialen Arbeit. Ein Lehrbuch. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2017. ISBN 978-3-17-032565-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23591.php, Datum des Zugriffs 19.04.2019.


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